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Die Stimme · 1953-04-01 · Heft 73 (April 1953) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 73 (April 1953)
Date
1953-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 72 DIE STIMME Seite, 2 Ehret das Andenken der Warschauer Märtyrer 18. April 1943 — 18. April 1953 \\ ir dürfen unser grausames Seliieks.il. (Ins uns der Nazismus \:m 1922 I»is 1945 bereifet hat. ilielil in Vergessenheit geraten lassen. \\ ir dürfen unser Blut und Tränen nielil in die I iitiefe versickern lassen. Niehl vergessen all das Furcht - hare. das die Na/.i an den Juden xerhrnehen halten. Man verginge sieh andern \ ermäiehtnis unserer ermordeten Schwestern und Brüder, wenn wir schon lö Jahre nach thu größten Katasti-oplic der Juden schwiegen und das menschliche Gewissen nicht aulrütlclton. Nach dem Kischinewer Pogrom schlich Bialik: ..Aus Stahl und Eisen, kalt und hart und stumm, schmiede Dir ein Iler/.. Du Mensch — und komm!” Im \ erlag des Zen Irakrrbandes der polnischen Juden in Argentinien. erschien eine Sammlung xon Dokumenten ..Kinder-Märt\ rerologie”. woraus wir folgende Stellen zitieren: ..Niemand wollte es glauben, daß schutzlose Kinder von erwachsenen Menschen getötet werden können. Deutsche haben m xielcn Ghotti, besonders in Warschau, kleine Kinder gemeuchelt. Im März 1942 erschien ein Belelil Himmlers, der das Erschienen xon Kindern verboten hat, worauf die SS das (jewehr gegen unsere Kindeinicht mehr in Anschlag bringen durfte. Aber Judenkinder mußten zum Heil Hitlers ermordet werden. Lnd es geschah: Judenkinder wurden bei lebendigem Leibe begraben, Bluthunden zum Fraß liingeworten, Kinderköpfe an Bäumen zerschmettert usw. Ein deutscher Offizier hat jüdische Kinder in den Gassen Warschaus aufgegriffen, sie zu einem Kanalgitter geschleift und erwachsenen Juden befohlen, das Gitter zu öffnen und die Kinder zu versenken. Als die Juden sich geweigert haben, diesen schändlichen Mord zu begehen, ergriff die deutsche Giftschlange in Gestalt eines Offiziers die Kinder und schleuderte sie eigenhändig in den Kanalschacht.” Wer will das, wer vermag das zu vergessenV! Die Ausrottung großen Stils in Warschau begann in der Nacht vom 17. April 1042. Die Gestapo drang in die Warschauer Häuser ein und erschoß einige hundert Juden, unter ihnen viele Säuglinge und Mütter. Die Schatten des totalen Todes begannen sich über das Ghetto zu senken. Bei Tug begingen SS-Tcufcl lässig die Straßen Warschaus und schossen zu ihrer Belustigung auf Juden. Viele tausende Juden fielen der Terrorkampagne der SS zum Opfer. Am 20. Juli 1942 riefen mit Ivcitpeitschen und Ucxolxcrn bewaffnete Gestaposchergen den Judenrat zusammen und erklärten, das Gestapokommando habe beschlossen. bO.OOO unproduktixe Ghctlobewolmcr auszusiedeln. Die unfaßbaren Deportierungen hatten begonnen und die Verschickten gingen einem schrecklichen Tode entgegen. Das Dorf Trchlinku wurde zu einem großen Todesluger umgewandelt und Gasöfen wurden errichtet, die 'Pag und Nacht in Betrieb waren. Die im Ghetto zuriiekgegehlichenen Juden erfuhren xon dem schrecklichen Schicksal, das ihnen die Nazis bereitet haben u. trafen Vorkehrungen zum Endkampf mit dem unbarherzigsten und furchtbarsten aller Leinde. Nach einer Buhepause, während welcher die Verlusten des Warschauer Ghettos Atem holten, kam der 18. Jänner 1942. Die deutschen Mörder rasten in die Häuser und Höfe W arschaus und trieben die Juden zum l msclilagsplatz. Die jüdischen Kampfgruppen stellten sich dem Leinde und focblcn einen verzweifelten Kampf, hei dem sie leider durch die l ebermaehl dezimiert wurden. Doch konnten vier Kampfgruppen wieder in Aktion treten und hollen neuerdings zum Gegenschlag aus. der mehr Erfolg hatte. Die SS-Besat/ung zog sieh aus dem Warschauer Ghetto zurück und die jüdischen Kämpfer wurden hier zur bestimmenden Macht. Sie konnten und mußten sich nun zum weiteren \Voderstund vorbereiten. Es galt zunächst Sihädlinge. insbesondere xerkommene Kollaborateure. soweit sie ruclit mit den SS-Truppen abgezogen waren. zu beseitigen. Waffen selbst zu schmieden und außerhalb des Ghettos unter den schwierigsten l mslönden zu kaufen. \m 18. April 1942 begann der Endkampf. Als die Deutschen im Ghetto erschienen, eröl fnelen die Juden das Leuer, worauf sie die Stätte des Todes eilig unter empfindlichen Verlusten xerlifßen. Aber die SS-Schakale kamen wir- W ir bringen nachstehend den Schluß eines Hörspiels unseres Mitarbeiters. Dr. lniantiel Enger, xxelches aus Anlaß des 5. I nabhüngigkeitstages des Staates Israel am Montag, den 20. April 1953 in der ,/eit xon 18 bis 18.30 Ehr von der .Sendergruppe ßot-W eiß-llat übertragen wird. GABBIEL: Das also ist unser erster L nabhängigknlstag. Draußen scheint die Sonne, 'lausende Menschen stehen Spalier, um die Formationen x orbeidefilieren zu sehen, den Landsturm, die Kavallerie, die Marine. die Llugwaffe, unsere tapferen Mädchen. alle die Helden, die den Krieg gewonnen. die W iderstund geleistet haben einer gewaltigen Lebermacht. W ie ein Traum erscheint uns heute dablutige Bingen, verdrängt von der Erkenntnis der Freiheit, vom stolzen Bewußtsein Sieger geblieben zu sein in einem Kampfe, den wir nicht gewollt hüben und der uns uufgezw ungou xvurdc. Noch haben sieb die Wunden nicht geschlossen. aber unsere 'Tore sind geöffnet, xon allen Seilen strömen die Brüder beide) und unter Anwendung xon modernsten W allen und Giftgasen, schossen sie das Ghetto in Brand. Die Juden lieferten ('inen xerzweifollen Kumpf, der an Heroismus einzig dustcht. Jüdische Helden zeigten der Welt, daß man der mordenden Barbarei nicht ruhig Zusehen dürfe, auf die Gefahr hin. untergeben zu müssen! Als der Kampf in Warschau endgültig zu Ende war. blich nur ein Trümmerhaufen übrig, in dem die Leichen von tausenden x erbrunnten und verstümmelten Juden verwesten. Nur vereinzelte Helden konnten sieh w ie durch ein Wunder durch die Kanäle, die xon den Nazis mit Stickgasen gefüllt waren, retten. Ehret das Andenken unserer Warschauer Märtyrer und vergesset nie. was Nazi uns und der gesitteten Menschheit angetan haben! L r i t z M ü I 1 e r bei. wir bauen auf und marschieren m die Freiheit. .. (M u s i k, B u f e u n d VI a r s e h s e h r i 11) — Vier .Jahre später. GABBIEL : Mein Tagebuch ist zu Ende. Seit xier Jahren habe ich keine Zeit mehr gehabt zu sehreiben. Wir haben weiteres Land urbar gemacht, den Negev bewässert, mehr Häuser errichtet, neue Straßen gebaut, Fabriken gegründet. Landxvirtsehaft und Produktion gehoben, denn xvir brauchen das alles. 700.000 Menschen sind seit der Gründung des Staates ins Land gekommen, l eberrcste aus den Konzentrationslagern aus Polen, Engarn und Butnänien, \ ertriebenc aus dem Jemen, uns Irak. Persien und Marokko, arme hilflose Flüchtlinge, die nichts mehr besaßen, als das nackte Leben. Bei uns in Israel haben sie Obdach gefunden, Kleidung und Essen und was noch wichtiger ist, Arbeit, die ihrem Leben neue Hoffnung und neuen Inhalt gibt. Sie haben die Vergangenheit hinter sieh gelassen. sie haben das Hauptbuch gegen den Spaten und den Federkiel gegen die Axt ver¬ ISB VEEITISCIIE M ETI SC EM EIN DE \\ IEN Festliche Kundgebung zum o. Jahrestag der Ausrufung des Staates israel. Sonntag, den 19. April 1953 Großer Konzerthaussaal Die Festrede hält der Vertreter des Staates Israel. Konsul Vrii* Eshrl Im künstlerischen Teil wirken mit : VIABIA OTT (Burgtlieuter) Kammersänger ENDBE KOBEI l (Staatsoper) ALEYANDEB TBOJAN (Burgtheater) PBOE. ALOIS FOB Eli (Orgel) Ballet GBETE WIESENTHAL Beginn: Punkt 20 Ihr Einlaß: 19.20 Ihr Eintritt frei! WEG IX DIE FREIHEIT B. Teilet tfl WIEN 1, SALZTORGASSE 5 [El El ON U 25-4-85 X1NGIR ■ STOffE 1IERREN-, DAMENKLEIDER UND -MÄN1EI IN MR R0J INJ 11RMSIR 19 MODISCHE SPORT- UND REGFNSCIIUTZBEKI EIDUNGS- FABRIK REINWOLLENE DAMEN- U. HERRENSTOFFE KAMMGARNE TWEEDE IN NEUESTEN MODEDESSINS SEIDENNOUVEAUTfiS TEL. U 21-3-88 Die idealsten Schulterauflagen aus Watte, beste Paßform, für Damen-, Herren- und Kinder- Bekleidung „HAPO” Achselpol ater-Erzeugung RVDICH&Co. Wien II, Aspernbrückeng. 4 Telephon R 45 5 63 tauscht. Sie sind Bauern geworden, die das Land bepflanzen und bewalden. Handwerker, die Straßen bauen und Häuser errichten, Arbeiter, die in Fabriken Autos bersteilen und aus der Wüste die Schätze unseres Bodens zu Tage fördern und sie verrichten gerne ihr Werk, weil sie wissen, daß sie alle einer neuen Generation angeboren, deren Weg zur Gesundung führt. Sie waren nicht leicht die Zeiten der letzten 4 Jahre, xvir mußten Beschränkungen auf uns nehmen und den Gürtel enger schnallen, xvir mußten auf munclien Luxus verzichten, xvir müssen auch heute noch zusummcnrücken. um Platz zu machen für die, die noch kommen xverden und hart arbeiten, bis das Land alle ernähren kann, die im Heiligen Lande Zuflucht suchen und in Israel eine neue Heimat finden xvollen. Wir müssen auch noch auf der Wacht stehen, denn die Gefahren sind nicht voroei und oft hören xvir deutlich das Sänclrasseln unserer Nachbarn. Wir fürchten uns nicht, xvie xvir uns auch nicht unseres Sieges freuen, um des Sieges xvillen. Wir haben nur unsere Pflicht erfüllt, aber noch nicht unser Ziel erreicht, das Ziel des Friedens, der Freundschaft und der gemeinsamen Arbeit mit unseren Nachbarn zum Wohle aller Bürger und zum Wöhle der ganzen Menschheit. Verstellt ihr nun. xvarum ich dieses Land liebe, xvarum ich mich ihm verwachsen fühleV Ich bin hierher gekommen als man uns vertrieben hat, ich xvurdc liier gastlich aufgenommen, ich habe hier arbeiten gelernt und kämpfen, in der einen Hand die Pflugschar, in der anderen das Gewehr und ich habe hier gefunden, was meine Väter und l rväter vermißt haben: Die Freiheit! ALISA: lud wenn euch das nicht überzeugt, seht euch meine Kinder an! Staunet nicht, weil sie blond sind und blauäugig, aber seht xvie stark und sonnengebräunt sie in diesem Lande xverden, xvie ihre Augen leuchten und ihre Gesichter strahlen, und denkt zurück an die Kinder vergangener Tage, die blaß xvaren und mager, deren Augen voll Trauer groß in die Ferne blickten und deren Gesiebter von Sehnsucht gezeichnet waren, von einer Sehnsucht. die etwas suchte und nicht wußte xv us. (I l a t i k xv a setzt c, i n.) Trete mit mir an diesem fünften Tage der Inabhängigkeit unseres jungen Staates hinaus auf den Balkon und werft einen Blick auf unser Haifa, unten auf das blaue, endlose Meer mit den vielen Schiffen und oben auf den Berg Karmel mit seinen herrlichen Villen. Schaut euch die Jungen an und die Mädchen, die an uns vorboimurschieren. stolz, glücklich und selbstbexv ußt im Gefühl ihrer Kraft und ihres Bcsitzrcchtcs. Sehl euch im Lande um. wie es wächst, zusammen mit seinen Söhnen und Töeli lern und Ihr werdet verstehen.... (Ily m ne klingt x e r s t ä r k t n u s". Erstklassige Stolle und Zugehör, sowie beste Verarbeitung' bilden die Grundlage der bewährten TELLER-KLEIDUNG ///. HfiüfiltiraKe <?<?- 90 u 16 2 <P6

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