Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 71-72 (Februar 1953)
- Date
- 1953-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 71 72 IHE STIMM E Seile 5 PESSACH 15. bis 22. NISSAN 5713 — 31. MÄRZ bis 7. APRIL 1953 PURIM 14. ADAR 5713 — 1. MARZ 1953 Ein XHtin HtozcUcUai und ttcunCuH Sederabencl. Sehne«’weißes Linnen bedeckt den Tisch, auf dem zwei silberne Leueliter brennen und in dessen Mitte die Sedersebiissel ruht. Der große silberne Becher stellt vor dem mit vielen Polstern bederktrn Platz des Vaters, die hoben Kelchgläser vor den Sitzen der Erwachsenen und der kleine silberne koss sor Teddys Sitz, neben dem des Vaters. Alles ist so. wie es vergangenes Jahr gewesen war. der äußere strahlende Rahmen und die innere frohe und erwartungsvolle Stimmung. Da ist Mutter im neuen seidenen Kleid, jung und schön. Hausfrau und Königin, da ist der Vater, der nun die Hand an die Sedersebiissel legt und sich anschickt', das weiße Hemd mit den silbernen Borten iiberzuzieben. da ist Großmutter, runzlig und gütig, aufgeräumt wie alljährlich aus dem gleichen Anlaß. Da .sind die Schwester und Teddy selbst, frisch gebadet, die Haare geschnitten, in neue Gewänder gekleidet, eine einträchtige, festlich und froh gestimmte Familie. Viel Aufregendes stellt Teddy bevor. Zuerst das „IVla Nischtana“ und Teddy fühlt einen Knoten in der Kehle, wenn er an die nicht geläufigen mühsam auswendig gelernten Worte denkt und erinnert sieh der strahlenden Augen der Mutter und des stolzen Blicks des Vaters, als er im vergangenen Jahr die „Fragen,, stellte. Hoffentlich gehl es auch dieses Jahr glatt. Dann denkt er an dcn„Afikomen“, den Vater, wohlverpackt unter den Polster steckt, an den er sich lehnt. Er hat ju den Verdacht, daß Vater zumindest ein Auge zudrückt, wenn Teddys Hand vorsichtig unter den Polster streicht, um die zwei Stückchen Mazzes zu entwenden. Dieses Jahr will er sich einen Fußball wünschen, aber es muß ein Fünfer sein, nicht ein „Einser“, wie der vom Freund, der noch dazu weich ist, wie ein Stoffball. Dann entsinnt sich Teddy des aufregenden Augenblicks, da „Eliahu llanawi" erscheint und sein Herz klopft in Erwartung des Moments, da er auf Geheiß des Vaters dem Propheten die Türe öffnen soll. Den mit rotem Wein gefüllten Becher in der hohlen Hand, erhebt sich der Vater und mit singender Stimme beginnt er das Kidduschgebet: „Gepriesen seist Du, Ewiger, der Du uns aus allen Völkern auserkoren hast“, betet er und schließt mit den Worten des Dankes an den Ewigen, der „uns am Leben und bei Wohlsein erhalten hat, um uns diese Zeit erreichen zu lassen.“ Dann geht es weiter, Punkt für Punkt, die Riten und Gebräuche, die Fragen des Kindes und die Antwort des Vaters, die Gebete und Gesänge. in die die ganze Familie einstimmt und die vom Auszug der Juden aus Aegypten erzählen, von den Wundern, die Gott getan und von Moses, der das Volk aus der Knechtschaft befreite und von den zehn Plagen, mit denen die Aegyptcr gestraft wurden und bei deren Aufzählung man den Finger in den gefüllten Weinbcchcr taucht. Nach dem Abendessen kommt der große Augenblick: Das Tischgebet ist zu Ende, der Vater füllt nochmals die Gläser, aber diesmal um eines mehr, zu den übrigen für Eliahu den Propheten. Zaghaft schreitet der Knabe zur Tür, mit zitternder Hand drückt er die Klinke, mit ängstlichen Augen blickt er in die Finsternis des kalten Flurs, während im Raume die inbrünstige Stimme des Vaters das Gebet unstimmt: Treffpunkt der guten Gesellschaft MOZART Hei der Oper, Albertinaplatz Nr. 2 mit der schönsten Terrasse Erstklassige' kiiehe, Espresso Spezial Ergieße Herr. Deine Glut. Oh der Rarharenhrut. Die Dielt nicht anerkennen wollte. Die Deinem Namen keine Ehrfurcht [zollte. Die Jakobs Reich verzehrte l tut seine Burg verheerte. Längst hat sieh die Tür hinter dem unsichtbaren Propheten geschlossen, der Vater setzt tlas „I lallclgcbct“ fort, die Familie stimmt in die Melodie ein und Tcdd\ sieht in Eliahu den Messiasverkünder. der die 'Polen wieder zum Lehen erwecken wird, wenn der Tag der Erlösung kommt. Den müden Kopf lehnt er an den Polster, den kleinen Körper schmiegt er in den Arm des Vaters und die wein- und traumgefangenen Gedanken fliegen fort in das Reich der Phantasie. Seine Augen fallen zu und in einem Traumgcbilde erseheint, wahr und körperlich nahe, der Prophet, der alle Geheimnisse löst, der Vermittler zwischen Himmel und Erde, der Beschützer der Kinder. Das bärtige Gesiebt des Greises neigt sieh über den Knaben und leise erzählt eine gütige Stimme in sein Ohr: Ein armer, kleiner Hirte war ich vor langer, langer Zeit in einem fernen, fernen Lunde in Glead östlich vom Jordan. Ich hütete meine Selmfc, träumte von Gott und seiner Allmacht und war zufrieden. Zu jener Zeit herrschte in Juda der König Ahab, ein guter frommer, gerechter Mann, aber seine Frau, eine Prinzessin aus Phöniziern Jezebel, war böse und glaubte nicht an den einzigen Gott. Aus ihrer Heimat hatte sic den Götzen Baal mitgebracht und ihren falschen, hinterlistigen Worten war es gelungen, den König zu betören und dem wahren Gotte zu entfremden. Das Volk aber, unwissend und wankelmütig, fand an dem fremden Götzen Gefallen und begann ihm zu huldigen, ln Israel gab es damals einen frommen Mann, namens Nabotb. dem die Wahrheit über alles ging. 'Unerschrocken warnte er den König und drohte der Königin, doch vergebens; der Unschuld.ge Mann wurde vor Gericht gestellt und hingerichtet. Da sandte Gott mich, den armen Schafhirten, zum König, um von ihm Rechenschaft zu verlangen für die böse Tat, für den hinterhältigen Mord an Naboth. Doch Aliub, verblendet und den bösen Geistern verfallen, wollte nicht hören, noch vom schlechten Wege abweichen. Und ich sah, daß die Welt schlecht war und floh in die Wüste, in den Süden von Juda, wo Gott unserem wahren, edlen Führer und Propheten Moses erschienen ist und wo auch ich ihn suchte. Der Allmächtige erhörte mein Flehen und hat mich auserkoren, meine Brüder wieder in die Heimat zu führen, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Noch ist cs nicht so weit, aber der Zeitpunkt ist nicht mehr ferne, da die Kinder Israels wieder frei sein und Gott ihnen helfen wird, ihre Feinde zu besiegen. Dieb aber habe ich dazu bestimmt, das Volk vorzubereiten für die große Aufgabe, sie zu lenken und zu führen, sie zu belehren und zu bestimmen, damit sie reif sind, wenn die Zeit und der Augenblick kommen wird, da Gott sie rufen wird zum Kampf, zum Sieg und zur Befreiung. Dein Leben, mein Sohn, wie das Leben Mosis, soll ein Leitstern sein für die Menschen, die nach dir das Volk in das Land ihrer Väter bringen werden. Wie Moses wirst du dein Volk nur bis an die Grenzen führen, aber wie Moses wird auch dein Andenken heilig sein für ewige Zeiten. Als Human das Pferd und die königlichen Gewänder zu Mordeehai brachte, um ihn dem königlichen Befehle gemäß durch die Stadt Susa zu führen, sagte Mordeehai: „Ich muß mir erst mein Haar noch scheren lassen, da es nicht Sitte ist, mit langem Haar vor dem König zu erscheinen.“ Die Königin Esther aber hatte allen Bartscherern verboten, dem Mordeehai das Haar zu scheren. Also blieb nichts anderes übrig, als daß Human eine Schere holte und den Mordeehai schor. Bei dieser Arbeit seufzte llaman schwer. „Warum seufzt du so sehr?“ fragte ihn Mordeehai. „Wie sollte ich nicht traurig sein und seufzen“, erwiderte llaman, „wenn ich gedenke, wie hoch im Ansehen ich beim König stand und jetzt eines Bartscherers Arbeit tun muß!“ ..Ei. was bist du für ein Bösewicht“, sagte da wieder Mordeehai, „daß du so hochmütige Rede führst, da du doch an die 20 Jahre lang ein Bader gewesen bist!“ Nachdem er den Mordeehai geschoren hatte, legte er ihm die königlichen Gewänder an und hieß ihn auf das Pferd steigen. Aber Mordeehai sprach: „Das dreitägige Fasten hat mich so angegriffen, daß ich noch nicht recht fest auf meinen Beinen stehen kann, wieviel weniger sic so hoch heben, um das Pferd zu bestei- Aus Ben Relims Der Schneider In einem kleinen Städtchen — ich glaube es war Dolina — war ein armer Schneider, der das ganze Jahr hindurch mit einem zerrissenen Anzug herumging. Eines Tages traf ihn ein würdiger Baibus, und fragte ihn: „W arum Schneider, gelvst du so zerrissen herum?“ „Ich muß für Frau und Kinder verdienen." „So, da hast du einen Gulden und rieht5 dir deinen Anzug.“ Nach Wochen traf der freigebige Bulbus den Schneider. Zu seinem Befremden ging aber unser Sehneidcrlein noch immer im selben zerrissenen Anzug herum. Auf die Frage, warum er sieh den Anzug noch immer nicht gerichtet habe, antwortete der Schneider: „Ich hob’ mir die Arbeit ungeschaut, um einen Gulden kann ich sie nicht machen“. Zwei Fleischer l ud dies ereignete sieh in Ghodrow: Die zwei koscheren Fleischbänke waren bemüht, einander die Kunden wegzusehnappen. Das führte dazu, daß jeder der beiden Fleischhauer bemüht war, seinen Laden so schön als möglich auszuschmücken. Der ..obere" Knzcw ließ eines Taues ein großes Plakat anbringen, darstellend einen Ochsen, den er gerade schlägt. Der „untere" Kazew ..inspizierte“ seinen Konkurrenten und wurde bei dieser Gelegenheit von diesem ungesproehen: ..Wie gefällt Dir dies Plakat?“ ..Gut." ,.lnd wie bin ich getroffen?“ ..Ausgezeichnet — aber wer ist der mit der I lack5?" Liebevoll strich die zärtliche Hand des Vaters über das glühende Gesiebt des Knaben und \on weiter, weiter Ferne klangen die letzten Worte der Ungarin an seine Ohren: Nächstes Jahr in Jeruselialajim. Dr. Imunuel Lnger Wiener Tischlermeister VI, Mariahilfer Straße 31 Wien XV, Goidschlagstraße 73 Wien XV, Goldschlagstraße 65 / 1 c B gen." Da mußte sieh llaman blicken, damit Mordeehai über seinen Rücken an! das Pferd steigen konnte. Dann begann der Ritt durch die Straßen der Stadt. Dabei entfuhr dem Mordeehai manches spottende Wort über Human. Dieser sprach: ..Es stellt doch in eurer Heiligen Schrift: .1 eher den Fall seines Feindes freue dich nicht!4 und du freust dich über meinen Fall?" Mordeehai erwiderte: „Ja. wenn du nicht ein solcher Bösewieht wärst! Dir gegenüber heißt cs: .Ob der Gerechten Glück frohlockt die Stadt, und wenn die Frevler untergeben, ist Jubel4." Also reitet er weiter, und llaman ruft vor ihm aus: „So geschieht dem Manne, den der König zu ehren wünscht!“ Als sie an Hamans Haus vorbeikamen, stand seine Tochter auf der Treppe und dachte in ihrem Herzen: „Der dahergeritten kommt, ist sicherlich kein anderer als mein Vater; und der ihm die Zügel hält, ist der Jude Mordeehai!“ Alsbald ging sie hin. holte einen Topf mit Unrat und schüttete ihn über Hamans Kopf. Als aber Human sein Antlitz nach dem 1 lause hinauf wandte, erkannte ihn seine Tochter und erschrak so heftig, daß sie von der Treppe fiel. (Aus: Jüdische Sagen und liegenden. gesammelt und wiedcrcrzählt von Dr. Bernhard Kuttner.) Anekdotenschatz Herbstmanöver Anläßlich der Herbstmanöver ließ der kommandierende General auf einer Brücke des Manövergeländes eine Tafel anbringen: „Gesprengt“. Vom Feldherrnhügel aus bemerkte er, daß trotz dieser Tafel die Infanterie über die Brücke marschierte. Empört beauftragte er seinen Adjutanten, der Sache naehzugehen. Befriedigt kehrt der Adjutant zurück: „Herr General, ich melde gehorsamst, die Sache ist in Ordnung, die Soldaten tragen Tafeln ..W ir schwimmen“.“ I Um Liebesoaiieiiiiakßte £ nach Ungarn und der CSR, auch Medikamente | KELEN-LTD WIEN esslinggasse nr. 2/5 ’ TELEPHON U 29-0-57 Glückwünsche Aus Anlaß des 4. Jahrestages der Errichtung des Staates Israel telegraphierte die Direktion des Kinderhilfswerkes OSE Genf an deren Sehwesteranstalt in Jerusalem: „Wir benützen das Jubiläum des Staates Israel, um Euch zehntausende Grüße zu senden". Daraufhin wurde der Leiter der Jerusalemer OSE zur Devisenstelle beordert, wo ihn der diensthabende Beamte wie folgt anspraeh: „Wir wissen, daß die OSE Wertvolles in Israel leistet. aber ungeachtet dessen müssen wir wissen, handelt es sieh in diesem Telegramm um Dollar oder Pfunde“. (öftavmount, „WIWEG“ WIENER WASCHE GES. M. B. H. vorm. H. Sternberg Jn. Herrenhemden, Pyjamas Smoking und Frackhemden In führenden Modegeschäften erhältlich