Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 71-72 (Februar 1953)
- Date
- 1953-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2431292-2431345-2431347--0506-2432132- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
I) I F STIMM K IN r. 71 72 Seite 4 Wiener in Israel Die im Sdiatten wandeln 6. Fortsetzung Siehe auch Nr. t>2. 64. (in. 66. ~0 Kine \rt Mmn legte sieh hier im letzten Johr/elint um so manche Schriftsteller. Journalisten und Gelehrte aus Wien, deren Geltung in Vergangenheit und in der weiten Welt in einem geradezu tragischen Gcgnsetaz stellt, zu deren anonymen Dasein in Israel. Ist es nur die Scheidewand des Hchr;'i:schen. die man irn vorgerückten Alter kaum durchbrechen kann, oder der enge, allzuenge Kaum von aneinanderprallenden Ambitionen und Kigensucht. die sensitiven und stolzen Naturen den W eg ins l-rcie verrammeln. Leo Peru/., dessen 70. Geburtstag nicht das leiseste Keim im Jischuw erweckte, darf wohl als klassisches Beispiel solch geistiger Isoliertheit in Israel gelten. Seit über einem Jahrdutzend lebt der einstige Weggenosse eines Kranz Werfel und Stefan Zweig in Tel-Aviv: gilt in der Weltliteratur als Meister des phantastischen und historischen Romans (sein Roman: ..Der schwedische Reiter") erschienen soeben in Wien in zweiter Auflage!) wird in aller Welt gelesen und übersetzt und vermochte bislang nicht eine seiner Skizzen oder Romane in der hebräischen Presse oder Verlag zu veröffentlichen! Wer weiß hier um die Existenz eines Leo Peruz? Inbekannt und unerkannt verkroch sich die schöpferische Kraft dieses Wieners in Israel in einen Zauberberg, da ihm noch immer die einstige Tafelrunde im ..Uerrenhof" mit Zweig. Wassermann und Hoffmannsthal den Weg zu einer wildfremden Generation im Jischuw zu versperren scheint... In ähnlicher geistiger Versenkung lebt seit Jahr und Tag in Haifa der bald 75jährige Marek Scherlag. Ein Meister der deutschen und polnischen Sprache, gehörte einst Scherlag zu den Klassikern jungjüdischer Dichtung im Zeitalter Herzls. Erzähle]’. Kritiker. Lyriker. Feuilletonist und l ebersetzer. weist der Vielseitige eine erstaunliche Produktivität auf. die sich über ein halbes Jahrhundert von seinen ersten Judenliedern bis zum heutigen Tage mit unverminderter Sch fl'enskralt auswirkt. Drei ansehnliche Gedichtbände. vier Dramen, etwa 50 Novellen und Erzählungen, eine LnzahJ Gedichte und Erinnerungen voll packender Erlebnisse: — ein überschäumendes Opus, das ein Lebensalter eines modernen Juden ausfüllte und gerade im Herzen eines neuen Judentums spurlos verdämmert. Wer kennt hier Marek Sch erlag? Jn der Rumpelkammer der Vergessenheit schafft noch immer der Einsame unermüdlich. dieweil all das Geschriebene wie in einem luftleeren Raume ohne den leisesten Widerhall vermodert. Wer schert sich um einen wahrhaft schöpferischen Wiener Juden in Israel in einer Zeit stürmischen Draufgängertums einer neuen Generation im hebräischen Gewände. Um die hebräische Presse schloß sich allmählich ein Ring von Parteipolitik und Beziehungen und nur diese Parteipolitik ist es. die für den Outsider ein .,Sesam, öffne Dich" bedeutet. So gelang es dem einstigen WJener Kultusvorsteher Mendel Singer noch vor zwei Jahrzehnten und dem führenden Poale "QmoU#" ,f,. m. ,, „. TEXTIL GROSSHANDEL I_M PORT EXPORT WIEN I, LILIENGASSE 1 TEL. R 2 2 (3 17 R 25215 Von Dr. Z. F. MNKELSTEIN Zion aus W ien. M. Pilzer. im ..Dawar' eine redaktionelle Position zur Geltung zu gelangen. Hngegen führt in demselben ..Dawar" ein einstiger Stern am Firmament der jüdischen Journalistik zur Zeit der ..Welt" und der ..Wiener Morgcnzcitung" Julius Locwy ein Schattendasein imllintertrakt dieser weitest verbreiteten Tageszeitung in Israel. Dieser klassische Zcitartiklei mul frisehlcbcndige \ilw diskontier wacht wie ein Nachtfalter bis spät in die Mittenmchtsstunde beim Radio, um die Leser des ..Dawar" mit dem Neuesten aus aller Welt zu versorgen. I ml hiebei muß Julius Locwy noch als Glückskind gelten, da cs ihm nach jahrelangem Daiben doch gelang, in das Labyrinth einer hebräischen Tageszeitung zu gelangen . .. Diese tragische Isoliertheit in Israel, gelang es auch einem Ludwig Bato kaum zu durchbrechen. Ein Historiker von Rang und Originalität, ein Journalist und Essayist von besonderer Prägung und ein erstaunlicher Polyglott vermochte er trotz seiner hebräischen Kenntnisse bislang kaum eine ihm adäquate Stellung zu erlangen. So blieb er als einher der vielen aus der einstigen Oberschichte der Gallith auf dein Wege und muß mit einer Durehsehnittsfron in der Redaktion des ungarischen ..l j Kelet" sein Talent und Jahre verströmen lassen.... Auc h eine Kampfnatur wie Dr. W olfgang von Weisel teilt gewollt oder ungewollt dieses Schicksal gestrandeter Wiener in Israel. Ein vor Jahrzehnten aufgegangener Steril europäischer Journalistik als Vertreter des Ullstein-Verlages und prachtvoll schillernder „Commis Voyageur" der ..Neuen Freien Presse" kannte seit Jahren die sich überstürzende Flut im uitneucn Lande und wußte als Bannerträger Jabotynskis um das schicksalsschwere Ringen seiner Gleichgesinnten im Jischuw. Von der Ferne galt er als deren Führer, aber kaum in Israel aus W ien cingelangt, geriet er in das Gestrüpp von Parieipolitik und bramarbasierender Kskupadcn, aus denen er bis heute keinen Weg ins Freie zu finden vermochte. Er errang wohl einen Rekord im Fasten als Protest gegen die Mandatsregierung, schreibt mitunter und doziert, doch muß sich dieses zweifellos überdurchschnittliche Talent miniiii'lir mit dem Schattendasein eines Arz (cs rnd Sanatoriiimslirsit/.cis ahfiiidcn . . . Mich für den einstigen W iistenjäger scheint der Boden Israels allzu heiß zu sein und so flüchtete er letzten lindes in eine Ecke... Dieses Schicksal eines Schattendaseins in Israel teilen sogar Wiener Gelehrte v on V eltruf w ie Dr. Iluga Bojko. Bahnbrechend auf dem Gebiete der Agrikultur, ein Wissenschaftler, dessen Werke Akademien in aller Welt veröffentlichten, warb vergebens über ein Jahrzehnt um die Stelle an der Jerusalemer I niversi- (ät. um letzten Endes mir als Beamter im Landwirtschafts-Ministerium zu landen. Es sind dies unentwirrbare Rätsel des Orients, die einen Bojko in die Höhe eines Vertreters Israels in der Unesco (V ölkerbund) führen und andererseits einen bahnbrechenden Fachmann auf dem Gebiete der Urbarmachung der Wüste an den grünen Tisch eines Amtsschimmels im Ministerium samt seiner ebenso hervorragenden Frau Elisabeth batten... Sind es Stiefkinder des Schicksals oder nur Schlamm einer verebbenden Epoche? Einerlei! Die Tragik dieser düsteren Galerie der W iencr in Israel, die mit überscliäumenden Hoffnungen herkamen und nunmehr im Schatten wandeln, wird wohl durch ein Chaos sieh überstürzender Gewalten im Jischuw erklärlich. Es ist die Epoche der Irrungen und Wirrungen, in der nur Starke oder auch Bedenkenlose den gehörigen Auftrieb erlangen. Viktor Kellner gehört weder zu den Starken noch Bedenkenlosen. Eher eine eigenbrötlerische, stolze Persönlichkeit von besonderer Eigenart. Dieser tiefgründige Universalist. Denker. Erzieher und blendender hebräischer Stilist, der noch vor Jahrzehnten am I lerzl-Gymmsuim do- ’/.'crtc und IJialik und Aoliad-H tarn dein deutschen Kulturkreis eröffnete, leistet derzeit eine Kulturarbeit im Rahmen der I lisladruth. die kaum beachtenswert erscheint. Ein anderer Wiener in Israel, der bedenkenlos bereits in Wien plötzlich den Rang anderen viel bedeutenderen ablief, gelangte an die Spitze hebräischer Kulturtätigkeit, während der einst bahnbrechende Leiter dos Chnjes -Gymnasiums und geborene Erzieher in einem Schmollwinkel der Verkennung und Verbitterung dahmdämmert.. . So wirkt sieh auch in Israel das Ringelspiel der Schicksale der Wiener aus. Sing- und klanglos in einer überschauinenden Sturzflut der Geschehnisse.... Fortsetzung folgt WIZO Die dringliehe Notwendigkeit, die zionistische Bewegung in der Diaspora neu zu beleben und zu stärken, die Suche nach neuen Mitteln zionistischer Erziehung lind der Aufruf an die jüdische Jugend, praktischen Dienst für Israel zu leisten, standen im Vordergrund der Berichte und Dehnt len hei der Tagung des Zionistischen Aktions-Komitees, die in Jerusalem vom 21. bis 28. November stattfand. Frau Rebekka I). Sicff, Wclt-Wizo- Präsidentin, brachte Wizos Forderungen in einer monumentalen Rede vor das Aktions-Komitee und faßte später ihren Eindruck von den Aussichten dieser Forderung zusammen: ■•Die gefaßte Resolution bedeutet einen Schritt voran für uns insoweit, als sie eine klare Anweisung an die Exekutive der Soclinutli darstcllt, mit Wizo zu verhandeln." Frau Sicff betonte, daß bei dieser Tagung in höherem Maße als bei allen vorhergehenden der Versuch spürbar war. den Einfluß der Partei-Struktur in der zionistischen Organisation abzuniildcrn und zu neutralisieren, die jahrzehntelang der Wizo den Weg zu angemessener Vertretung in den leitenden zionistischen Instanzen versperrt hätte. Die Resolution: „Das Zionistische Aktions-Komitee weist die Exekutive an, ohne Aufschub die Entscheidung der letzten Tagung des Aktions-Komitees durch- Zufuhren, d. h. Verhandlungen mit Vertreterinnen der W7izo bezüglich der Ansprüche der Wizo auf Vertretung in den leitenden Instanzen der Bewegung aufzunehmen. Das Aktions-Komitee weist die Exekutive an, ihre Empfehlungen allen seinen Mitgliedern wenigstens einen Monat vor der nächsten Tagung des Aktions- Komitees zuzuleitne.“ Diesmal war der Sache der Wizo große Aufmerksamkeit geschenkt worden. und die Mitglieder der „Good-will Mission*', die verschiedene europäische Länder besucht halte, wußten die zionistische Arbeit der W izo-Föderationen und ihre Bedeutung für die ganze Bewegung nicht genug zu rühmen. Unsere Föderationen in der ganzen Welt müssen jetzt den Fragen, die die Stellung der NVizo in den zionistischen Landes-Föderationen betreffen, ihre besondere Wachsamkeit schenken. Die WlZO-Wien ist unermüdlicli in der Aufbringung von Geld- und Sachspenden. (Neu- und Altmaterial) für Israel. Auch durch Vergnügen und Spiel kann Ihr Beitrag zu der Leistung der Wizo- Föderation Wien abgestattet werden. Besuchen Sie die Bridge- und Canasta- Nachmittage und -Abende, jeden Donnerstag ab 16 Uhr in den Clubräumcn des Cafe Vs Gartenbau, Wien I., Parkring. Mitglieder und Freunde der Wizo Wien treffen sich jeden Mittwoch von 16.30 l lir bis 17 Ühr in den Räumen des Wizo-| leim cs in Wien, L, Seitenstettengasse Nr. 411. Stock (Lift). ^cuL{aUc&h.euUe.lte.to IN SEIDEN UND WOLLSTOFFEN DULDNER & DEUTSCH Wien VII, Neubaugasse 10 WOLLE UND GARNE Heinrich STEIN Telephon i U 49 0 64 ADOLF BOMZE ERZEUGNISSE: V, Reinprechtsdorferstraße 48 Selbstroller RollvorhSngs XX, Wallensteinstraße 17 Verdunkelungen Telephon a 32 008 XVI, N eulerchenfelderstraße 20 Bretterjalousien Holzrollbalken II, Rotensterngasse 5 Durchsichtige Schaufensterrollos