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Die Stimme · 1953-02-01 · Heft 71-72 (Februar 1953) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 71-72 (Februar 1953)
Date
1953-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE STIMME Seite 3 IfUzcüh Bubet -?5 faUce ABAHILEL SILVER Zum 60. Geburtstag Am 28. Januur wurde Rabbi Dr. Ab« llilel Silver (>0 Jtdirc ult. Er war Gegenstand einer sehr Indien Ehrung, denn er wurde vom Präsidenten Eisennower cingeluden, auf der Inauguralionsfcier namens der jüdischen Gemeinschaft Amerikas ein spezielles Gebet zu sprechen. Diese Ehrung ist der Dank. Eisenhowers für die l nterstützung, die er während dei \Yuhlkumpugnc von Dr. Silvcr gefunden halte. Zu den „Sponsors“ (Befürwortern) der Geburtstagsfeier Dr. Siivcrs, gehören der neue amerikanische Außenminister Koster DuJiis, der Senator ltobert A. Tuft, (Stadtgenosse Silvers, der gleichfalls in Glevcland, Ohio, lebt.) Stassen, der neue Chef des umgew undellen Marshail-Planes und Repräsentant Martin, def Präsident des Repräsentantenhauses in Washington. Diese Zusammenstellung ist kennzeichnend dafür, welch großen Wert die fühlenden Männer der neuen amerikanischen Administration darauf legen, ihre Freundschaft für ihre amerikanisch-jüdischen Mitbürger aber' auch für den Staat Israel kundzugeben. Koster Dullcs, der bei der Geburtstagsfeier Silvers eine Rede hielt, ist sieh völlig darüber im Klaren, daß es sieh nicht nur um eine freundliche Geste gegenüber einem einflußreichen amerikanisch-jüdischen Mitbürger handelt. sondern auch um eine Huldigung für den großen zionistischen Führer Aba llilel Silver, dereinen so wesentlichen Anteil an der Entstehung des jüdischen Staates gehabt hat. Aba llilel Silver feiern, bedeutet, vom Standpunkte amerikanischer Staatsmänner betrachtet, ein Versprechen abgeben, daß der bisherige israclfreundliche Kurs des früheren Präsidenten. Harry S. Truinans, beibehalten werden wird. Das ist fiir die Juden der ganzen Welt und insbesondere für den Staat Israel ein bezeichnender Hinweis darauf, daß man auch in Zukunft mit der Freundschaft Amerikas rechnen kann, und zwar heute noch mehr als früher, denn gee.cn Israel erheben sich despotische Mächte. Die Entwicklung der politischen Situation in Amerika hat nun dazu geführt, daß Aba llile! Silver heute der repräsentative Führer des amerikanischen Judentums ist. Das bedeutet, daß sein Einfluß auch in der amerikanisch-zionistischen Organisation wiederum überragend werden muß. Die Folge dieser Situation auf die zionistische Weltorganisation und damit auch auf die Politik des Staates Israel, sind leicht /ui ermessen. Man geht nicht fehl.* wenn man erklärt, daß in einem gewissen Muße das Zustandekommen der neuen Koalitionsregierung in Israel eine indirekte Folge von Eisenhowers Wahlsieg in Amerika und der erneuten Prominenz Dr. Aba llilel Silvers war. Anläßlich der Wahl des neuen Staatspräsidenten in Isracl hat ein dortiger führender Journalist erklärt, das eigentlich die einzige Persönlichkeit von großem Format fiir die Präsidentschaft des jüdischen Staates Dr. Silver ist. Dessen Wahl zum israelischen Staatspräsidenten wäre aber, so meinte jener Journalist. abgesehen, daß sie kaum zustande kommen könnte, eine Schädigung der allgemeinen jüdischen Interessen, denn Dr. Sil\er ist für die nächsten 4 .Jahre, als treuer Ekkehard des jüdischen Schicksals iu der Welt und in Amerika unbedingt nötig. Jener Journalist hat vollständig recht gehabt. Wir müssen die Tatsache anerkennen, daß heute Dr. Aha llilel Silver. mehr noch als es jemals der \ erstorbene Dr. Steph.rn Wise gewesen ist. der Bewahrer und Hüter unserer Interessen in den Vereinigten Staaten ist. B. Teller WIEN I, SALZ l'ORGASSf: 5 ITinON U7S-4-85 I II RRTN-, DAMENKl.EIDER UND -MÄNTEL MODISCHE SPORT- UND REGENSCEIUTZBEKL EIDUNG S- I ABRIK Martin Bubcr. der im Februar 1953 das 75. Lebensjahr \ollendet hat, ist der \o)!giiltigr Repräsentant des jüdischen Geistes, dem die Kraft innewolmt. unserem Leben reichen Inhalt zu vermitteln, uns ethisch zu formen und den W eg zur W irkliehkcit. zur Wahrheit zu weisen. Luser Leben innerhalb der Gemeinschaft ist von Mißverständnissen und von Krisen begleitet, die uns, dem Volk der Bibel, die Rückkehr zum wahren Geist des Judentums erschweren, ln tiefer Religiosität und gestützt auf die Offenbarungen der chassidisehen Weisheit, fand Buber die Synthese zwischen Judentum und Menschentum. Er lehrte uns, die schöpferischen Kräfte zu nützen, den Zionismus als Erneuerung des Judentums und die religiösen Lehren als die Basis seiner Existenz zu verstehen. Buber, dessen Geist an das Prophetische gemahnt, hat es immer abgelehnt, als Prophet bezeichnet zu werden und bei vielen Gelegenheiten hervorgehoben, daß er die Grenzen seiner Sendung genau kennt, die er lediglich als Schüler der Propheten ausübt. Bubers Lehre über das ‘zionistische Wollen, ist über den Kreis seiner Jünger und Anhänger nicht herausgedrungen, da er nicht voll verstanden wurde. Jene Menschen aber, die sieh redliche Mühe gaben, ihm geistig zu folgen, empfanden Bubers Wirken als Befreiung von quälenden Zweifeln und als Ansporn zur zionistischen Aktivität. W iizählen Buber zu den gediegensten Kennern und Entdeckern der jüdischen Mystik, dessen Nachdichtung des cliassidischcn Legendenkreises, völlig neue Aspekte von außerordentlicher Bedeutung für die Beurteilung der jüdischen Gei stesgesehiehte sind, ln unermüdlicher \rheit stellte Buber Untersuchungen au um den Sinn der jüdischen Geislesgr - schichte, den Wert des geistiger» Ringens der Juden für eine neue Bewegung zu erforschen und schuf eine Reihe philosophischer Werke. Doch Buber wollte nicht im Gclehrtcnzimmer der Philosophie sein ausschließliches Dasein Insten, sondern vielmehr durch originelle Taten die zionistische Bewegung befruchten. Sein geschichtlicher Einfluß auf den Zionismus, geht auf „Die Reden über das Judentum“ zurück, die er in den Jall - ren 1909 und 1910 gehalten hat. In der ersten Rede „Das Judentum und die Juden“ untersucht er, in welchem Sinne sieh der nationalbewußte Jude noch als wirklicher Jude fühle, — so glaubt er — das Judentum hat für die Juden so viel Sinn, als es innere Wirklichkeit hat. Er entdeckt, daß es nicht allein konstante Formen des Erlebens gibt. sondern auch eine konstante Existenz, einen stetigen Träger alles Erlebens. ln der zweiten Rede „Das Judentum und die Menschheit“ untersucht Buber1, welche Grundform des Menschenlebens sieh im Judentum reiner, stärker und wirksamer realisiert hat als in irgend einem anderen Volke und was diese Grundform der Menschheit bedeutet hat und noch bedeutet. Er findet, daß das Judentum irgendwie von Widersprüchen erfüllt ist. In jedem einzelnen Juden ringen die polaren Gegensätze miteinander: das Ringm nach Einheit zwischen den Peilen des Volkes, zwischen den Völkern, und zwischen der Menschheit. Nach Einheit zwischen Gott und der Welt. ln der dritten Rede „Die Erneuerung des Judentums“ erkennt Buber, daß die Ideen, um deren Durchsetzung im Judentum immer wieder gerungen wurde. Uiu (lieyk, tnü ISRAELS FLUGLINIE Erstklassiger Constellation-Dienst 1 x wöchentlich Johannesburg 2 x wöchentlich Israel 3 x wöchentlich New York Verbindung mit 4 Kontinenten Buchen Sie durch Ihr erprobtes Reisebüro oder EL AL Israel Airlines Ltd. WIEN I., HEGELGASSE 21 TEL. R 271 16 R 200 66 ScUan ieitet \/<tcmeckün$en züc HuUcUafriade! als die Ideen der Einheit, der Tat und der absoluten Zukunft zu erfassen seien, t ntcr „Tendenz der Tat“ versieht Buhn die entscheidende \crbindung zwischen Mensch und Gatt, aber nicht durch den Glauben helgestellt, sondern durch die Tat. Buber hat genial erfaßt. welch' Grundformen des Ringens urn die ewigen Mcrischheilsfragen sieh im .Judentum ausgewirkt haben. Zur Zeit llerzis hat sieh Buber von der aktiven Tätigkeit des Zionismus zurückgezogen, um der schriftstellerischen Arbeit vollauf zu obliegen. Im ersten Weltkrieg ist er im Zionismus wieder aktiv aufgetreten und hat die Zeitschrift „Der Jude“ gegründet. Diese Zeitschrift, war das Sammelbecken der geistig hochstehenden Menschen. Sir1 erweckte das Interesse jüdischer und niehtjüdiseher Kreise und lenkte in hohem Maße die Aufmerksamkeit auf den Zionismus. Im Geleitwort zur ersten Nummer sagt Buber: „Niemals so sehr wie jetzt sei es dem .Juden schmerzlicher fühlbar geworden, daß er nicht mehr in einer lebendigen Gemeinschaft stellt: seine wesentlichste Schwäche sei nicht, daß er assimiliert, sondern daß er atomisiert ist". Er zeigte, wie das wahre Wesen des Judentums immer in dem Streben nach Einheit von Glaube und Tal bestanden habe. Nichts als die Wahrheit in Tat ist Aufgabe des Judentums, sein Ziel nicht das Philosophem und nicht das Kunstwerk, sondern die wahre Gemeinschaft, die Buber als die Sehnsucht der Welt kennzeichnet. Welt und Menschengeschlecht sind schöpfungsmäßig darauf angelegt. Gemeinschaft zu werden, wobei cs darauf ankommt, daß Ohr und Herz sieh öffne und die ganze Kraft sieh zur Verfügung stelle jedem, der uns anruft, eines jeden Kraft eben da. wo er steht und wo er konkret wirken kann. Wenn er mit innerstem Herzen Gemeinschaft heilig meint, dann kann er daran nur wirken in seinem natürlichen Lmkreis, so daß er eben da Gemeinschaft verwirklicht. Erst wenn sieh das ganze jüdische Volk in der gesamten Wirklichkeit findet und bewährt, nicht eher wird es in Wahrheit als Gemeinschaft wieder geboren. Da das jüdische \Glk nunmehr heimgefunden hat und sieh in der Wirklichkeit allmählich bewährt, grüßen wir in Bewunderung Martin Buber. den schöpferischen Geist zu seinem 75. Geburtstag. Die Tatsache, daß Martin Bubers Lehren so befruchtend in der ganzen Welt gewirkt haben, ist wohl das schönste Geschenk für diesen einzigartigen Genius und prophetischen Seher. B e r n h a r d Brav er Haftentschädigung 3. Februar (RK). Damit die Beamten des Opferfürsorgereferates die vielen I luftentsclmdigungsanträgc unbehindert und rasch erledigen können, wurde der Partcicnv erkehr vorübergehend auf Montag und Freitag von 8 bis 12 Uhr beschränkt. Dadurch können die Sachbearbeiter ihre volle Arbeitszeit für die insgesamt 15.000 Haftentschädigungsanträge verwenden. Für dringende und begründete Fälle, vor allem bei nach weisbarer Existenzgefährdung. werden jedoch auch jeden Mittwoch von 8 bis 12 L hr Beamte der Mngistratsabteiliing 12. 1., Gonzagagasse 23. auf Zimmer 102 und 1b8 Auskünfte gehen. ERZEUGUNG FEINER lUawcdt&v IGNAZ KOPPEL WIEN I, WIESINGERSTRASSE 8 TELEPHOH R 22 2 36 Erstklassige Stolle und Zugehör, sowie beste Verarbeitung bilden die Grundlage der bewährten TELLER KLEIDUNG ///. Haünt strafe 88-90 U16 2 86

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