Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 71-72 (Februar 1953)
- Date
- 1953-02-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 71 72 DIE STIMME Dr, WOLF HERZBERG, Präsident des Zionistischen Landesverbandes in Oesterreich Drei Jahre Hrbeft Vitli drm M'latil rinrr dreijährig.1»! Tätigkeit als Piiisidrm und \ izepräsuicn. drr Ki arlilisrlu-n Kiilui'-gJinriiuic \V ien ur/irmt e' sich, über diese Periode der Meilen jüdiselten ()elTentliehkeit mul allen /i<'iiis(is( Ihm Organisationen sowie niiht /.ulet/t allen Faktoren des .Jüdiselten Staate1', die sielt mit \ngelegenlieiten der jüdiselten (iemeinsrltnlten in der Goluli helassen. Keeitensrliafi ab/.ulegen ntld die Bilanz zu zielten. VV 01111 ich an die Erfiil- ItntU dieser kategorischen Pflicht gehe. mul.' ich betonen, daß ich mit den /M bucht ndrn Erfolgen keineswegs meine Person in den \ ordergrund stellen will. IN soll dies absolut keine Rechtfertigung meiner jüdisch-politisehen Tätigkeit sein, v. eil ich mir in keinem Punkte bewußt bin. daß eine Hechtfertigung am Platze wäre. Wer. wie ich. mehr als 50 Jahre im öffentlichen Leben stellt und fern \on jedem Sünderinteresse den Dienst am \ ulke vollzogen hat. bedarf keiner Heelitfertigung seiner Pätigkeit und schon gar nicht, wenn fr sieh bewußt ist seine Pflicht restlos erfüllt zu haben. Meine Pätigkeit in der Israelitischen k ul tusgeti’einde Wien war diktiert von der Programmatik der zionistischen und jüdischen W cltansehammg. von den Beschlüssen der mich in die Kultusstube entsandten Organisationen, aber nicht zuletzt \on meiner eigenen Verantwortlichkeit. die mich kategorisch nur dasjenige zu tun und zu leisten angetrieben hat. was im Interesse des gesamten Judentums. der ganzen hiesigen jüdischen Gemeinschaft und der Einzelpersonen, aus denen sielt diese Gemeinschaft zusammensetzt. gelegen ist. Mein Verantwortungsgefühl zwang mich oft. das Einzelin teresse zu übersehen, um das Prestige der Israelitischen Kultusgemcinde Wien, als der einzigen öffentlichen Körperschaft zu bewahren. Wenn ich in dieser Beziehung einer übelwollenden Kritik einzelner Gruppen und Persönlichkeiten ausgesetzt war. so konnte diese wohl einen Erfolg in der Besetzung der zu vergebenden Posten erzielen, aber nicht meine eh fliehe Leberzeugung irgendwie beugen und schließlich meine Erfolge in der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und im öffentlichen Lehen herabsetzen. Im Folgenden sollen mm in breiteren l mrissen die Leistungen, die. wie ich später dartun werde, nicht nur mir. sondern ganz bestimmt auch meiner Fraktion und nicht zuletzt detn Partner in der Kultusstube zuzuschreiben sind, aufgezählt werden: Ich war \om 4. Jänner 1950 bis 8. Mai 1951 Vizepräsident. \om 8. Mai 1951 bis 20. Jänner 1952 Präsident und vom 18. Februar 1952 bis Ende 1952 wieder Vizepräsident. Schon int Jänner 1950 hat sich die Israelitische Kultusgemeinde Wien an der S Jiduritätskundgehung für Jerusalem beledigt. als die Frage der Neutralisierung unserer ewigen Hauptstadt aufgekonmien war. Diese Kundgebung war. da von allen Parteien und \on der ganzen jüdischen Bevölkerung getragen, eine machtvolle Manifestation fiir das liecht des jüdischen Volkes auf die Heilige Stadt und Imt si- STOFFE KLEIDER!TR DAMEN HEHKEN l NI) KINDER &ut und preiswert vom 7Kaufhaus Bcüäee Ha&ec Wien VII, MarlahllUrstraB« BO Talaphom B 36 0 63, B 36 217 (Ein Rückblick) (herlieh nicht wenig dazu beigetragen, die ganze nicht-jüdische Welt auf unser Hecht aufmerksam zu machen. Im März 1950 hat sich die kultusgemeuidc Wien veranlaßt gesehen, in der w uiinnngsfrage energische Schritte einzuleilen und cs l'anü diesbezüglich hei Mudtrat Nudler eine Vorsprache statt, in weh her er die Zusage machen mußte, jüdischen W olmungsbediirftigen. die ihre Wohnungen während der Nazizeit verloren hatten. Wohnungen zuzuweisen. Dies ist auch tatsächlich, wenn auch nicht in befriedigendem Maße, geschehen. Gleichzeitig fand eine Vorsprache heim Minister für soziale Verwaltung Maisei statt, m welcher ich mit aller Energie nochmals die Wohnungsfrage anschmtt und darauf bestanden habe, daß das un 2. Kückstellungsgesetz verankerte Gesetz über die Rückstellung von Wohnungen und Geschäftslokulcn endlich einmal zustandckommc. Wenn dies bis heute nicht geschehen ist, so ist dies auf Entstände zurückzuführen, die außerhalb unseres W illens und Einflusses gelegen w aren. W ir haben es nicht nur bei dieser VUrsprache bewenden lassen, sondern in gewissen Zeitabständen ununterbrochen die Herausgabe dieses Gesetzes urgierl. \n unserem bzw. meinem Willen und energischen Auftreten hat es, das muß ausdrücklich festgestellt werden, nicht gefehlt. Im selben Monate wurde auch über unsere Anregung eine Resolution gefaßt zur Einberufung einer Dcmonstrationskundgebung zum Kampf gegen den Neo-Faschismus. Im April 1950 wurden aufgefundene Herzl-Bnefe und verschiedene andere Dokumente aus jener Zeit dem damaligen V ertietcr des Staates Israel, Herrn Dr. Kurt Lew in, und dein Vertreter der Jewisli Agency, Herrn Franz Jambor, zur l.ebermittlung an den Stuat Israel übergeben. Zur gleichen Zeit wurde eine umfangreiche und auserlesene Büchersendung der Israelitischen Kultusgemeinde Wien an die Universität in Jerusalem effcktuiert. Im selben Jahre hat die Kultusgemcindc die Exhumierung der sterblichen l ebcrrcste des verewigten Oberrabbinevs Dr .Z. II. Chajes und Ueberführung derselben nach Israel durchgeführt. Im Juni 1950 fanden unter meiner Beteiligung Versprachen des Kultusvorstandes bei Nationalrat Probst, Justizministcr Tschadek und Stadtrat Thaller, wieder betreffend Wohnungen und Geschäftslokale, statt. Im August 1950 hut die Kultusgemeinde ebenfalls unter meiner Beteiligung energisch Stellung genommen zu dem dem Nationalrat unterbreiteten Gesetzesan trag, betreffend den flärteausgleich in Rucks teilungsfüllen und die Errichtung eines Härteausgleichsfonds. Es wurde nicht nur ein diesbezügliches scharfes Memorandum überreicht, sondern es fanden auch diesbezügliche Vorspruehen statt. Im gleichen Zusammenhang wurde auch eine Pressekonferenz verunstaltet, bei welcher eine energische Resolution zur Annahme gelangte und veröffentlicht wurde. Am 20. August 1950 fand eine von der Israeli tischen Kultusgemeinde Wien veranstaltete Massenversammlung der Judenschuft im Großen Konzerthaussaal mit der Tagesordnung : Stellungnahme der Judenschaft zu den in Aussicht genommenen Gesetzesunträgen der Regierung und Neu- Faschismus statt. Fortsetzung folgt Hlacc CUaqatl Zur Zeit halien wir Gelegenheit, zum ersten Male in Wien eine Ausstellung des Malers Murr Chagall in der Albertina zu sehen. Marc Ghagull. der aus dem ostjüdiehen Milieu stammt, wurde 1889 in Witebsk geboren. Er lebte in Frankreich, 1914 land die erste große Ausstellung seiner Werke in Berlin statt. Nach dem Sturz des Zarenreiches ging Ghagull wieder nurli Rußland und schuf m Moskau u. a. die W undniulcrcicn für das jüdische Stautstheutcr. 1922 iibersiedeitc er wieder nach Paris und \on dort aus unternahm er Reisen in das nähere und fernere Ausland und summcltc Eindrücke, die später in seinen Werken Niederschlag fanden. Nach dem Einbruch der Deutschen \erließ er 1942 Paris und emigrierte in die V ereinigten Staaten und kehrte im Jahre. 194b nach Paris zurück. 1950 erlebte Zürich eine umfassende Ausstellung seines künstlerischen Schaffens und heute genießen wir das große W under seiner Gestaltung. Er ist Weltbürger und das klassische Beispiel eines Expressionisten, bahnbrechend in seinen Ideen und Ausführungen. Sein Schaffen schlägt die Brücke zwischen Ost und West und versucht uns den Mystizismus des Ostens nahe zu bringen. Er gibt uns allen etwas: russische Volkskunst. kleine Kindheitserlebnisse, Phantastisches und Reales. Seine Gestalten sind Arbeiter, Handelsleute, Menschen aus seiner nächsten Eingebung. Marc Chagall hat diese kleine W'cll in seiner eigenen Biographie „Mein Leben” tiefschürfend geschildert. V ielseitig ist seine Gestaltungskraft, ein Kasteili der Farbe, spielt er mit ihr und Gustav Leitner Vizepräsident der I. K. G. ln der Plenarversummlung der Israelitischen Kultusgemcinde Wien, um 27. Februar 1952, bei welcher statutengemäß die Neuwahl der Vizepräsidenten vorgenommen wurde, wählte die Versammlung von der Liste „Jüdische Konföderation” (Zionisten) Herrn Gustav Leitner zum Vizepräsidenten, ins Vertreterkollegium die Herren: Dr. Wolf Herzberg (Kul- Uirrcferut) und Prof. Benzion L a z a r (Kultusreferat). Herr Josef B i 11 m a n n behält das Referat „Technische Angelegenheiten“. Von der sozialistischen Fraktion w urde Herr Dr. F e l s b e r g als V izepräsident designiert. Eliahu Tavor Der verdienstvolle Generalsekretär des israelischen Konsulates in Wien, Herr Tavor, verläßt nach zweijähriger Tätigkeit Wien, um einen hohen Posten im israelischen Außenministerium anzutreten. Alle, die Herrn Tavor kannten, werden sein Scheiden mit größtem Bedauern zur Kenntnis nehmen, du sich dieser Beamte des Isi'ueüschcn Konsulates in Wien, allgemeiner Beliebtheit erfreute. Besonders vermissen werden wir die große Künstlerin, Lolu Granetinunn (die Gattin des Herrn Tavor), die wir öfter Gelegenheit hatten, gemeinsam mit den Wiener Symphonikern und bei Radio Rot- Weiß-Rot zu hören. Als Trost dienen ihren Verehrern, daß Frau Granetmunn das künstlerische Leben in Israel bereichern wird. Eine Erinnerung ihres Wirkens buhen wir durch eine Serie von Langspielplatten mit israelischer Klaviermusik, die wahrend ihres Aufenthaltes in Wien uufgenommen wurden. Dem sympathischen Ehepaur wünschen wir für die Zukunft das Allerbeste. EINEN NEUEN HUT ZI DEN FEIERTAG EN NUR VON JlicUacd ScUwacz ,der 2Kut des 3Cerrri WIEN,!., ADLERGASSE 4 TELEPHON R 20-2-71 Ausstellung, in dec At&ectina verbindet sie harmonisch zu einem Ganzen. Er bedient sich all der Elemente, die seine Phantasie befruchten. 'Piere. Blumen, Thorarollen, Tod und Verklärung füllen die in wunderbaren Farben blühenden Bilder. Er ist ein Künstln, der zum Herzen spricht und uns aufliorchen läßt. Wenn wir noch liervorhehen. daß er ein Meister der Radiernadel ist. so können wir ermessen, wie vielseitig sein Schaffen fiir die Menschheit ist. Seine Bilder zuin „Ecuervogcl“ sind vielleicht die schönsten und auch stärksten, die er je geschaffen. Er schreibt zauberhafte Gedichte mit seinem Pinsel und seine farbigen Illustrationen sind von so leuchtender Schönheit, daß wir geradezu geblendet die Augen schließen müssen. Er ist ein uufriittclndcr Interpret der Judenverfolgungen durch den Nazismus und sein Werk „Krieg“ ist eine Anklage der ungeheuerlichen Verbrechen, die Hitler an der Menschheit begangen hat. Die Auszeichnung, die Wien durch die Ausstellung Ghugall erhält, gibt uns dir Möglichkeit, seine sublime Kunst aus nächster Nähr zu erleben. Efka .Marek Seherlag tflaec CUagalt Schiefe Hütten. Stege winden sieh durch Ameisenhaufen düster. Kleine Kerzen entzünden sieh unter frommem Geflüster. Urgestullen, krumme, schiefe stellen, sitzen, schweben in der 'fiele, indessen im grauen Vordergrund weiße Tiere, Augen rund und sanft äugen über des Bildes Ranft in eine Traumwelt zu bunt und zu wirr, als daß der Verstand sie fasse. Aber Flammen überfluten die Gusse. Immer brennen Judenstädtchen rot. Schwarzbärtige Gesichter wund vor Not. Ingrimmig, ängstlich, inbrünstig ergeben, wenn sic die Blicke zu Gott erheben. Fromme Hände umfangen leuchtende [Thorarolicn. die sie aus den Flammen retten wollen. Furchtbare Engel schwingen wie lohend:1 [Zungen. Trostlos wird mit dem Tod gerungen. Ycrlussene Geigen schweigen in fantastischer Traume verwirrendem [Reigen. Doch über aller Zerstörung sieghaft thront der glauhengetränkte ewige Mond, wie über dem erdrückenden Gewühl das tiefe, erlösende jüdische Gefühl. Dr. Alex Bein Anläßlich des 50. Geburtstages des bekannten Herzlbiographcn Dr. Alex Bein, des Vizedirektors des zionistischen Zcntrularchivs in Jerusalem, fand in dessen Lesesaal eine Feier statt, bei weicher der Vorsitzende der Zionistischen Exekutive Berl Locker, der Direktor des Keren Httjessod Dr. lluntke, Vertreter des Erziebungsministeriums und Professoren der Universität ihre Glückwünsche zum Ausdruck brachten. Der Leiter des Archivs. Dr. Herlitz gab der Hoffnung Ausdruck, daß Dr. Bein sein begonnenes Werk der Rettung wichtiger Dokumente der Go!uh fortsetzen möge. lOollen oder müssen Sie reisen, iLiuii wenden Sie sieh rerltAUensroll aii uns! ReiscMica De. Bacty WIEN I., KÄRNTNERRING 18 (Ecke Schwarzenberg-Plalz) TELEFON U 43 5 90 Serie EIGENE ABTEILUNG FÜR ISRAFL-RFISEN OFFIZIELLER AGENT SÄMTL. FLUG¬ GESELLSCHAFTEN, SCHIFFSLINIEN, BAHNKARTEN, PASS- UND VISABE¬ SORGUNG, URI AUBSARRANGEMENTS GESflt .SCHAFTSREISEN