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Die Stimme · 1953-02-01 · Heft 71-72 (Februar 1953) · page 1

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 71-72 (Februar 1953)
Date
1953-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V. b. b Uni m e ÖtyOh. du AUpemiUttH ZLöhUUh in ÖsiuceicU Zionistischer Landesverband Wien Hohe Gäste aus Israel Minister Dr. Josef Burg ..Ich spreche zu Ihnen als dus jüngste kubincltsmitglicd eines der jüngsten Staaten eines der ältesten Völker der Welt.” Es war Israels Postministcr Dr. Josef Ihirg. der sich bei seinem Vortrage im (lichtgefüllten Brahmssaal mit diesen Worten \orstcllte. Sein Vortrag, der den Titel hall«' ..Israel, gestern und morgen”, ein 'Titel, den nicht er seihst gewählt hatte. sondern er war aufgefordert worden, über dieses Thema zu sprechen, war keine .,1 eheisicht” und kein „Rückblick“, sondern es waren mitten aus dem pulsierenden. gärenden, kochenden Leben Israels heraus gesprochene Worte, Worte eines am Aufbau unseres Landes, der im Aufbauweltbcwerb der Nachkriegswelt — man kann es ohne Uebcrhcbliclikcit sagen — an erster Stelle steht, an führendem Posten tätig schaffenden Politikers. biael! Dus Problem Israel! ln den Jahren 1948 49, in den Jahren der großen Massenalijah. als jährlich 90.Ü(k) Menschen ins Land strömten, war da Israel ein Problem? [Nein, es waren deren iieim/igtausend! \cunzigtuusend JNeueinw anderer und größtenteils arme oder ungebildete oder Leides! Das bedeutet 90.000 Paar Schuhe, 90.000 Decken. 90.000 mal Gesundheitskontrolle! Lud sic wurden gelöst, die 90.000 Probleme pro Jahr! Jede zwei eiulialb Minuten kam ein Mensch nach Israel und sie kamen, soweit sie aus Europa kamen aus Todeslagern, aus Intcrgrundbewegungen, aus Ghetti. Und die andern aus schwärzester Unkultur. Der Postministcr war zu dieser Zeit Gesundheilsminister gewesen. Er legte uns eine wahrhaft stolze Bilanz vor: Sterbeziffer an Tuberkulose 19 von 100.000, mit Dänemark die beste der Welt. Säuglingssterblichkeit mit die geringste der Welt. Tätigkeitsbericht: Leber eine halbe Million Röntgenaufnahmen und ebenso viele Blutuntersuchungen. Wir werden wieder Luftmensehen. Israels \ erbindung mit der W'ell per W asser und per Luft auszubauen ist der Stolz jeder Regierung. Unsere Passagiermul Handelsflotte verfügt heute über 40 Schiffe mit insgesamt 150.000 Tonnen. Die kiünung der Platte ist das neue Schiff .„Jeruschalajim", der erste israelische Allantikdumpfer, mit dem in kürze die Streike Haifa—!\ew York das erste Mal unter israelischer Plagge überquert wird. Was unsere wachsende Pluglinie anbelaugt, die uns .,wieder zu Luftmenschen" macht aber im positiven Sinn, sprach der Minister die Hoffnung aus. daß unsere Piloten Boten des Priedens sein und bleiben können. Schulom! Schnlom! Pricdc! ist der offizielle Gruß, den jeder viele Male am Tuge ausspricht. .Jeder Tropfen jüdischen Blutes ist heute um (* Millionen mal teuerer als vor 15 .Jahren, wir wollen keines mehr vergossen sehen. Im übrigen umriß der Minister die Stellungnahme des israelisch m \ olkes zu einem eventuell drohenden bewaffneten Konflikt mit einem Wort, das nicht lusscr die Position eines gleichermaßen friedenswie freiheitsliebenden Volkes nusdrücken kann: Mit Tranen! \ h c r g e r ii stet! Die ..unproduktiven Ausgaben”. W ir haben in 5 Jahren 150.000 Wohnungen geschaffen. W ir haben im neuen Budget 22 Millionen Pfund für Erziehungszwecke vorgesehen. Ein Haus gibt das investierte Geld nicht gleich zurück, jedoch dem Menschen, dem w ir ein Heim schaffen, geben wir damit eine Heimat und damit wird die „unproduktive" Ausgabe. zur produktivsten, die es gibt. W ir haben für all die Gestrandeten, die in Israel Zuflucht und Heimat fanden, die modernste Therapie geschaffen, die es gibt : Die Therapie durch Arbeit und Lebensinhalt. (Hl jüdische Dörfer bilden einen gesunden Grundstein für ein nationalökonomisch gesundes Leben. „Nicht nur handeln, nicht nur vermitteln"! Erfüllte Sehnsucht lag in den Worten des Ministers. Seit wir in Israel die jüdische Palme gehißt haben, ist es uns vergönnt mit unsern Händen unsern eigenen Boden zu bestellen. Tür echtes Licht gibt es keine echten Vorhänge. Auch dies ein goldenes Wort dieses Abends. „Und wer wie ich," so schloß der Minister seine Ausführungen, „im Land seiner Väter das Land seiner Kinder sieht, wer bereit ist, etwas von der Vergangenheit zu vergessen und alles für die Zukunft zu schuf feil — der sei mit uns und helfe uns!” * * * (ileich nach seiner Ankunft wurde Minister Burg vom Präsidium der Zionistischen Föderation und des Magbit Mcuehedeth im Empfangsaal des Hotel Sacher begrüßt. Der Präsident der Zionistischen Föderation Gustav Leitner dankte dem hohen Gast für seinen Besuch in W ien und versprach dem Ministeijede tätige Hilfe der Magbith. Am nächsten Tage fand zu Ehren der Gäste im Hotel Regina ein Pestbankett des Magbith Meuehedeth. statt. Nach der Begrüßung durch Präsident Leitner sprach Herr Botschaftsrat Arje Eshel, der Oberrabbiner von W ien, Dr. Akibu Eisenberg, sowie der Präsident der israelitischen kultusgemeinde W ien, Dr. Emil Maurer. Der Minister ergriff das Wort zu einer informativen Ausführung über das Wesen, die Notwendigkeit und die Erfolge des Magbith. Sicherlich ist sich jeder dessen bewußt, was Israel für die Galuth bedeutet, so auch für unsere klein gewordene jüdische Gemeinschaft in Oesterreich. Nicht weniger wichtig ist jedoch, die Galuth für Israel, das nur in ständiger Verbindung mit dem Weltjudentum seine Kräfte regenerieren kann in ideeller und materieller Hinsicht. Der Appel* des Ministers blieb nicht ungchört: die anschließenden Zeichnungen für den Magbit brachten einen beuch lensw erteil Erfolg. Meilech Noy-Neusfadt Zu gleicher Zeit weilte in Wien das Mitglied der Exekutive der Jewisli Agency aus Jerusalem, M. Nov (Neustadt). der bei einer Verunstaltung der Zionistischen Föderation im Gewerkschaftshaus und bei der Verunstaltung im Bralimssuul zu uns sprach. Nov sprach über die Aufgaben, die heute die zionistische Bewegung in der Goluli zu erfüllen hat und die außer ihr niemund erfüllen kann. Das einst pulsierende jüdische Leb *n. so führte er aus, überall, auch in Oesterreich, hut einen Schlag erhalten. Wenn wir uns fragen, was aus den Resten wird, können wir nur zu dem Schluß kommen, daß es an uns liegt, diese zu erhalten. W ir müssen die Bedingungen schaffen, in denen ein bewußtes jüdisches Leben sich entwickeln kunn, auch solange wir hier sind. Enge Verbindung mit Israel, unbedingte Treue zum jüdischen Staut und eine zionistische Tätigkeit, mit der sich die zionistische Bewegung zum Zentrum der Juden in ihrer Umgebung macht, bezeichnete der Redner als die Voraussetzungen zur Erreichung dieses Zieles. Treue zum jüdischen Staat: Dazu gehört absolut keine Blindheit. Dazu gehört, dir Fehler zu sehen, aber mit Liebe. Der Redner beriehetete von der politischen Arbeit des jungen Stuatcs. 550.000 TA Sitzend will links nach rechts: Krau Ada Neuspiel. Frau Lillv Bermann (Wizo), die Herren Isidor Neugröschl (Misrachi), Moritz Leitner. Elias Sehapira (Magbith), Minister Dr. Josef Burg. Prof. Dr. Berthold Hirschl (Herzlklub). Fritz Lazar (Revisionist), Wolf Tisehenkel (Allg. Zionist). S t e h e n d von links nach rechts: Josef Leitner. Legationsrat Konsul Arie Eshel, Gustav Leitner (Präs. d. Zion. Föderation). Tng. Benjamin Baumann (Magbith), Vizekonsul Kl iahn Tavor, Preis 2 Schilling HMUIMIMMHIIHMIIIIMIIMMIIIIIMIN Redaktion und Administration : W ien IX, l’niversitätsstr. Nr. 4 4 Telefon A 26 4 75 Postscheck-Konto Nr. 154.292 3 I Februar/März 1953 litt Mtf II«t litt llll MM Ulf IM IHM Mt II ms® Nr. 71/72 - 1953 Menschen kamen aus Gegenden, wo si.‘ nie etwas von Zionismus gehört hatten. Drei Monate waren diese Menschen im Land, da gab es Wahlen ins Parlament. Lunge zögerte die Regierung. lange kämpfte sie mit sieh, ob man die Neuen wählen lassen solle. Sie wußten nichts von Israel, sie kamen zum großen Teil aus unkultivierten Ländern, sie waren jede- Demagogie zugänglich, wie würden sic wählen1'' l nd schließlich gelangte man zu der l eberzeugung. daß nichts anderes wichtig sei, als keine Kluft zu schaffen zwischen Israeli und Israeli: man wagte das Experiment der allgemeinen Wahl —und cs glückte. ..Wir haben es manchmal schwer, im Parlament zu einer Mehrheit zu kommen.” erklärte der Redner, „aber nicht schwerer als anderswo in der Welt." Er sprach über die soziale Struktur des Landes und darüber, daß es wenig Länder gibt, wo den Werktätigen so viel geboten wird, wie bei uns in Israel. Israel ist jung und arm, vergleicht man es aber zum Beispiel mit Frankreich, einem alten und reichen Land, so kann man feststcllen. daß bei uns der Arbeiter in größerem Wohlstand lebt. Das gleiche gilt für die Schweiz, von Oesterreich gar nicht zu reden. 60% der Bevölkerung sind Arbeiter. Moshe Waldmann Diesen sehr geschätzten Gast begrüßten wir am 2. Februar im Heim des Zkonistischen Landesverbandes in Wien. Nach den herzlichen Begrüßungsworten des Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes Dr. W olf Herzberg sprach Moshe Wuldmann. das Mitglied der Exekutive der Allgemeinen Zionisten, iioer d:e jüngsten israelischen Probleme. Er erwähnte das Ansinnen der Araber an die USA, Israel keine militärische Hilfe zu leisten. Er forderte in diesem Zusammenhang das unbedingte Vertrauen zur israelischen Regierung, selbstverständlich auch der Juden in der Golali. Ereignisse, wie die jüngst vorgekommen ' tendenziöse Palsehmeldung in der New York Times über Statistiken des israeli schen Finanzministeriums, dürfen auf keinen Pall das Vertrauen zur Regierung Israels erschüttern. Israel braucht das V ertrauen der Judenheit in der Welt! Das amerikanische Judentum ist ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für Israel, mit dem Ben Gurion in den nächsten Jahren zu rechnen haben wird. Der Redner sprach über die parteipolitischen Gegensätze iin Lande und betonte, daß eine ziclbewußte Politik der Koalition, d:e moralische und soziale Krise, die eine zu einseitige Politik der Mapai hervorgerufen hat, noch rechtzeitig zur Gesundung führen kann. Zu dem unausgesetzt aktuellen wirtschaftlichen Problem in Israel: „Man dar! in wirtschaftlichen Fragen niemals mit Wundern rechnen." Ein Fehler, der bisweilen gemacht wurde, aber unter allen Umstünden zu vermeiden ist, liegt darin, daß die Regierung Einkäufer in die Welt schickt, die über keine Sachkenntnisse verfügen. Wir wissen, daß Israel über genug gediegene Fachleute verfügt, deren Dienste in Anspruch genommen werden müssen, ohne Rücksicht auf parteipolitische Einstellung. Auch in Waldmanns Worten hörten wir die Aufforderung: „Seid mit uns!“ „Keine Spaltung zwischen Israel und der Golah!“ Alle Juden haben ein gemeinsames Schicksal!

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