Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 70 (Januar 1953)
- Date
- 1953-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME Seile 5 Nr. :o Wiener in Israel — Helden im Freiheitskampf Von Dr. Z. F. FINKELSTEIN 5. Fortsetzung (siehe null Nr. 62, 64. 65 und f>7 drr ..Stimme“ Kaum vier Jahre sind cs. seif sich am Gestade des Mi11 •Imerres eine neuartige Tlicrmopv Icn-Sclilaeht abspiclta, dir das Schicksal Israels entschieden hat. Fm Tcl-Aviw. Haifa und vor allem Jerusalem wurde in einer grandiosen Aufwallung \<>n l rkräften. die in einem Galiilliv ulke latent schlummerten, ein Wunder an Heldentum. OpTer und einheitlichem Lebenswillen vollbracht, das an Todesimil der Antike heranzureirhen scheint! Wie ein \erheerender Sturmwind brachen da organisierte arabische Horden aus all den benachbarten Staaten mit einer unzweideutigen Luterstützung der abziehenden Mandatarmaeht über einen kleinen Bruc h teil eines ohnehin desorganisierten und kaum bewaffneten Volkes her und wurden in einer Zeitspanne von ein paar Monaten von uns vernichtend geschlagen. Dieser heroischste Kampf der Neuzeit fand bislang noch keinen adäquaten Niederschlag in der Literatur. Musik oder bildenden Kunst. Nur einige Blitzlichter dieses Epos er fl im inerten in der erschütternden Reportage eines jungen Wieners in Israel, der unter dein Namen Arnos I I o n, die Belagerung Jerusalems mitmachte. ,.Jerusalem ist nicht gefallen", lautete der Titel und wurde zum hebräischen Bestseller, der dem Verfasser, der das nazistische Wien noch als Heini Sternbach verließ, den Weg zum „llaarez" ebnete und von hier aus zu einem der schillernsten Publizisten des Jischuw w urdc. Jerusalem fiel nicht, da gerade in dieser Stadt unter dem unaufhörlichen Kanonendonner der arabischen Legionäre der einheitliche Todesmut der gesamten Ein - wohnerschaft ain trefflichsten zum Ausdruck kam. Ein großer Einschlag Wiener Juden kämpfte hier verbissen in Itcih und Glied mit allen gegen Hungersnot, Wasser- und Lichtmangel und verheerende Biände und Wiener Jugend zog über Nacht, kaum der Waffen und der Kampfmethoden kudig, in die Berge, in die Berge um Jerusalem!, in die finsteren Schlupfwinkel rund um die uralten Mauern der Altstadt und fielen als Blutzeugen eines neu erstandenen Vaterlandes. Wie viele Wiener in Israel fielen, in diesen schicksalsvollen Monaten der Entscheidung!' Unter den Tausenden waren es gewiß Hunderte, da Denkmäler und Nekrologe kaum die Herkunftsländer \ ei zeichnen. Aufs Geratewohl seien hier nur einige als traurige Merksteine des Wiener Judrentums hcrausgegriffen, wie Alfred Bnbinowitz, Sohn eines Wiener Anwaltes, der trotz seiner Jugend bereits auf eine vielversprechende Laufbahn auf dem Gebiete der Geschichte und klassischen Philosophie Hinweisen konnte. Er fiel im Ansturm auf Schützengräben der Legionäre im strahlenden Sommer des Jahres '1949. Kaum eine Woche vor seinem 30. Geburtstag» Aehnliches Schicksal erreichte den jugendlichen Leiter und Nachkommen des Begründers der Firma Gans. Mit ihm sank der einzige Sohn der Wienerin Olga Gans ins Grab. Ebenso erlitt den Heldentod Alfred Pan bei der sagenhaften Abwehr im Klar Ezion. Ein Sohn der seinerzeit in Wien tätigen Zionistin Ester Nissenbaum und des Malers Pan. Adolf Reiss Erben & Co. TuchgrolAhaiidel und eigene Schal'wollwaren - Manipulation Wien 1., Rudolfsplatz 6 l 24 5 1«, II 24 5 19 Er erreichte, ein bereits literarisch tätiger Junge, kaum das Alter von 21 Jahren. So besiegelte er gleichermaßen mit einer Unzahl unbekannter Soldaten, die mit Wien verknüpft waren, mit ihrem Herzblut das Schicksal des neuerstandenen Judciistaatcs .... Zwei Wiener in Israel waren cs auch, die mittelbar oder unmittelbar diesen blutigen Kämpfen den Stempel ihrer Persönlichkeit aufdriiekten und daher wenigstens geschichtlich zu werten sind, da der Jischuw im Sturmtempo der Ereignisse. kaum den W iener Einschlag hervorziihrben vermag. Ilauptmaim Edler von Frtedniann, W ience und Soldat von Beruf, schloß sich gleich nach seiner geglückten Fluchtaus Wien, den Hcihcn der jüdischen Untergrundbewegung in Israel an. Die jüdische Selbstwehr „Haganah“ fand in Friedmann, den bewährten Führer des jüdischen Soldatenbundes, einen Lehrmeister und Organisator, der in erstaunlich kurzer Frist, trotz seiner assimilatorischen! Tendenzen in Wien, das Hebräische erlernte und das Fluidum eines neuen Lebens blitzschnell in sich aufnahm. Unter seiner kundigen Führung wuchs die „Ilaganah" zu einer das ganze Land umfassenden militärischen Formation, die trotzgrößter Gefahren und Verfolgungen seitens der Mandatarmaeht. die gesamte Jugend Israels umfaßte. So ist cs neben anderen Führern der Haganah auch Friedmanns Verdienst, daß es über Nacht, nach dein Einbruch arabischer Banden, gelungen ist, ganze Bataillone jüdischer Selbstwehr wie aus dem Boden zu stampfen und sie nach Galil, in die Berge von Karmel und in den Korridor nach Jerusalem in Bewegung zu setzen. Eine Art Volkserhebung in einem Kampfe auf Leben und Tod gegen fanatisicrle barbarische Wüstensöhne, die den „heiligen (Krieg“ gegen Israel proklamierten. Als unbekannter und ungenannter Soldat trat Friedmann kaum aus seiner Anonymi tut in diesem Kampfe hervor. Nur die Getreuen wußten und wissen um die Persönlichkeit aus Wien, die als General Abisar die Stelle eines Präsidenten am obersten militärischen Gerichtshof einnimmt, doch ansonsten im Jischuw kaum liervortritt. Bezeichnenderweise war es ein zweiter Wiener in Israel, der unter den Heerführern zur Zeit des Kampfes um das Schicksal des Staates als einer der gezählten Militärs vom Fach hervorstaeh. Fritz von Eisenstüttcr, nunmehr Brigadier Esched, hatte in Wien als Erbe militärischer Tradition seit Urgroßvater, Klang und Namen, den er als einer der vereinzelten jüdischen Offiziere im österreichischen Volksheere mit Stolz zur Geltung brachte. Als Absolvent der Wiener Neustädter Militärakademie und obendrein als Schwiegersohn Robert Strickers, schloß sich der Junge aus Wien naturgemäß der „Haganah“ an, bildete Artilleristen unter den Späheraugen der Mandate macht heran und spielte gleichermaßen mit den Gefahren der Untergrundbewegung des Wuffensehmuggcls! Heim Ausbruch des Krieges mit den Arabern, rückte Esched sofort als bewährter Soldat in die oberste Heeresleitung, unter Führung Ben Gurions ein. Seine Kaltblütigkeit, trotz jugendlichen Elans, sein überragendes Fachwissen und Erfahrung Icuchcteten erst recht hervor, als es galt, Waffen gleichsam aus dem Boden zu stampfen. Esched vollbrachte das \\ under. indem er neue Mchodcii der W affenerzeugung unmittelbar hinter der Front geschaffen hat und die sagenhafte Kamme „Duvvidka“ der Jerusalem einigermaßen seine Bettung in Stunden der höchsten Gefahr verdunkle, ist angeblich auf die Planung Escheds zuriickzufiihivn. Fritz oder David Esched, blüht auch als Brigadier (..Aluf Mischnct“) in mimosenhafter Scheu vor der Oeffentlichkeit. Der tatkiäftige Haudegen aus Wien, verwandelte sieh in Israel in einen stolzen Juden, dessen hoher Militärrang Symbol und Weckruf ist einer neucntslandcneit Volksgemeinschaft.... Gar manche Wiener gibt cs in Israel, denen im Bäderwerk militärischer Planung eine gewichtige Bolle zufällt. So Curacao ist eine interessante Insel. Obgleich man heute noch Anzeichen der Anzeichen der Sklaverei vorfindet (erst letztens starb der reichste Jude Cardoze, der 91 Söhne hatte, deren Identität er nur laut Namen und Nummern in seinem Register kannte), die erst 1863 abgeschufft worden ist, ist Curacao dank einer sehr vernünftigen liberalen Kolonialpolitik Hollands, eines der meist fortgeschrittenen Länder, nicht nur unter den Curabacischcn Inseln, sondern in ganz Zentralamerika. Bis 1634 war die Insel unter spanischer Verwaltung, dann wurde sic von Holland besetzt; 1807 wurde sic englisch, dann folgten einige Versuche der Franzosen die Insel zu besetzen, bis sie dann 1814, anläßlich des Wiener Vertrages, endgültig zu Holland zurückgekommen ist. Die Jugend spricht holländisch und englisch, zum Teil auch portugiesisch. Die zweite Landessprache neben Holländisch, ist Papiamento, die crstaunliclicrweise auch von vielen Juden als ihre eigene Sprache benützt wird. Nach historischen Forschungen des Rabbiners J . Cordoza, der aus Flolland stammt, seit 1939 Oberrabbiner in Curacao ist, haben die Juden die naive Sprache Papiamento geformt, die ein Jargon von portugiesischen, spanischen, holländischen, französischen und englischen Worten ist. Die Juden spielen überhaupt eine große Rolle in der Geschichte Curacaos. Curacao ist eine kleine Insel, im ganzen 38 Meilen lang und 7 Meilen breit und es gibt einige Stellen, wo die Breite von Mceresufer zu Meeresufer nur zweieinhalb Meilen ist. Die jüdische Bevölkerung besteht au s660 Seelen von einer Gesamtbevölkerung von 102.000 und ist heute eine sehr repräsentative Gruppe, deren Wichtigkeit in ihrer historischen Vergangenheit liegt. Die Insel Curacao ist iin Jahre 1499 von einem Kollegen von Columbus, De Ojeda, entdeckt worden. Im Jahre 1651 wurde von einem portugiesischen Juden, Joas Ilhao, die erste jüdische landwirtschaftliche Siedlung gegründet und 1652 gründete Dawid Nassi (Joseph Nuncs de Fonseca) die zweite jüdische Siedlung. David Nassi hat auch den ersten Charter zur Garantierung der religiösen Rechte der Jucken in der westlichen Hemisphäre geformt. Im Jahre 1654 ist aus Brasilien eine weitere Gruppe von Juden nach Curacao gekommen und gründete die Gemeinde „Mikwch Israel“. Schon im Jahre 1659 wurde ein jüdischer Friedhof angekauft, der heute als der alte Friedhof bekannt ist, gut erhalten und wohl gehütet und umgeben von Territorien der Oel-Gesellschuften, die immer größere Summen für rückte der junge Philosophiestudent \ r j e G e 1 b e r. .Sohn des Historikers Dr. N. M. Gelber in den Bang eines Brigadiers heran und leitet das gesamte \ crpflegimgsw es-en des Heeres. Der Wiener Ingenieur L i c h t e n s t e i n. Gatte der hervorragenden I lene-Bapapart-Liehtrnsteiu. leitet die größte MunitionsfabriU Israels. Merkwürdig und vielfältig gestaltete sieh das Schicksal so mancher Wiener in den Kriegslagen Israels. Die einen stempelte der Sturmwind der Geschehnisse zu unbekannten Soldaten« die anderen hob er in Spitzenstellungen, die dem Jischuw Halt und miliüriselic Kraft zu gehen bestimmt sind. den Friedhof anbicten. ..die Toten Juden sind ihnen im Wege“. Weitere Einwanderung von Juden nach Curacao folgte und 1703 gab es 3 Synagogen. 1720 wurde ein jüdischer W'ohltätigkcitsvercin in Curacao gegründet, der zum jüdischen Zentrum der neuen Welt der westlichen Hemisphäre wurde. Dieser Verein half 1720 bei der Gründung der ersten Synagogengemeinde in New York, Schcarith Jakob (jetzt Schcarith Israel), und trug maßgebend zum Bau der Synagoge Nefulzei Israel in Newport, Rhode Island, USA. 1765 bei. In der Schcarith Israel Synagoge in New York wird noch bis zum heutigen Tage am Jom Kipper abends beim Kol-Nidre Gebet ein Mischebcrach gemacht als Zeichen der Dankbarkeit für die Gemeinde in Curacao. In Curacao besteht ein Beth Midrasch, dessen Absolventen Rabbiner in New York, Jamaica, St. Thomas und anderen neuen jüdischen Gemeinden in der westlichen Hemisphäre sind. Der im 18. Jahrhundert tätige Oberrabbiner Jacob Lopez da Fonseca war schon in Curacao geboren. In der Heeresgeschichtc von Curacao — wie z. B. der englische Krieg im Jahre 1796 — spielen die Judenauen eine bedeutende Rolle, da sie das wirtschaftliche Leben entscheidend beeinflußten. Im Jahre 1863 wurde eine Reformsynagoge unter dem Namen „Emanuel“ gegründet, Sie haben einen Prediger und zählen 25 Familien mit 96 Seelen, darunter 90 Scpharden, zu ihren Mitgliedern. Zur sephurdischen Synagoge gehören 42 sephardische Familien mit 229 Seelen plus 16 europäische Familien mit 51 Seelen, also zusammen 280 Seelen. Sicbeq europäische Familien gehören zu verschiedenen kleinen Gemeinden, während 70 askenasische Familien aus Europa mit 243 Seelen eine eigene Gemeinde gegründet haben unter dem Namen „Union“. Curacao hat jetzt eine askenasiche Mehrheit mit 341 von 660 jüdischen Seelen. In den Jahren 1850—1880 zählte die Gemeinde 1750—2000 Seelen, 1900 nur noch 600 Seelen, alle Scpharden. Bliebe die Gemeinde nur aus Scphardim bestehen, würde heute kein jüdisches Leben mehr in Curacao sein. 1927 kamen aber die eisten Emigranten aus Polen nach Curacao. Dies gab den Scpharden Veranlas- Fortsetzung auf Seite 6 Cafe KAMMERSPIELE FILM-ESPRESSO I, ROTENTURMSTRASSE 25 TEL. U 22-109 Sepaiietle Spielum/ KluJuiuiuicr IHREN GESCHÄTZTEN BESUCH ENTGEGENSEHEND BäcUtec: HU&af - iwccenz }. frassu/zg, WIRKWAREN UND WÄSCHE-ERZEUGUNG Tel. R 29 0 43 Wien I, Fleischmarkt 16 Tel. R 29044 Postsparkassen - Konto Nr. 30.937 Fortsetzung folgt Juden auf Curacao