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Die Stimme · 1953-01-01 · Heft 70 (Januar 1953) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 70 (Januar 1953)
Date
1953-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite r» DIE STIMME Nr. 7« Eindeütke (ms IsMttl BERICHT v 011 l’rof. La/ar. Referent für Knl,tasangelcgcnhcitcn der IKG Wien. \nläßlich seiner Rückkehr aus lsr-icl. w;> Ing. B :i u m a n n beheimatet ist. gewährte er uns nachstehendes Interview. j'rage: W elche Eindrücke haben Sie. nach zweijähriger \hwesenheit. \<>m Lande Israel empfangen? Nntwart: Ich kenne das Land und habe es jetzt wieder bereist und hin ungemein beeindruckt vom groben Aufschwung und speziell von der landwirtschaftlichen Siedlungstätigkeit. S» z. IL sind in der l mgebung von Jerusalem. Tel Avis und Haifa, wo noch Mir zwei Jahren einzelne Siedlungen waren, viele neue entstanden. Auch in Heer-Sehewa. der Hauptstadt des Ncgev. war z. R. die Einwohnerzahl vor 2! , Jahren ca. 1000. Heute nähern wir uns schon auf ca. 20.000: ein neues Industrie- und Wohnviertel ist entstanden. Insgesamt 370 neue landwirtschaftliche Siedlungen sind in den letzter. 41 Jahren entstanden von der Jewish Agency mit den Geldern des Keren 1 lajcssod - Magbith Meuchedcth finanziert. Auch in diesem Jahre sollen 00 neue Siedlungen ins Leben gerufen werden. Frage: Wie ist die neue Einwanderung in Bezug auf die LandwirtschaftV Antwort: Leider will der größte Teil der Xeueinwanderer nicht aufs Land, sondern in den Städten bleiben, obwohl die Landwirtschaft viel günstiger ist. Es mangelt eben an solchen Pionieren, wie sie nach dem ersten Weltkrieg waren. Die jetzigen Einwanderer sind eben Emigranten, die ihre Heimat verlassen mußten. Trotzdem ist es in den letzten Jahren gelungen 75.000 —100.000 Personen am Lande anzusiedeln. Natürlich ist dies viel zu wenig. In den letzten Monaten hat die Histadruth eine Propaganda unter der Devise ..von der Stadt ins Dorf” begonnen. Bis jetzt haben sich infolge dieser Propaganda über 4000 Familien, auch solche, die schon länger im Lande ansässig sind, gemeldet. Frage: Welche weiteren Aufgaben in Bezug auf die Landwirtschaft harren noch der Lösung? Antwort: 700.000 Einwanderer der letzten 41 .> Jahre sind zur produktiven Arbeitsleistung, vor allem in der Landwirtschaft. heranzuziehen. In den nächsten 4 — 5 Jahren müssen noch Fortsetzung von Seite 5 Juden in Curagao sung, den Rabbiner J. Jeschuro Cordoza aus Palästina nach Curacao als Oberrabbiner einzuladen, so daß das jüdische Leben wieder auferstanden ist. Er gründete jüdische Nachmittagsschulen für Kinder, ist zionistisch sehr aktiv tätig, wird von den Aschkenasim verehrt und von seiner sephardischen Gemeinde als Autorität behandelt. Sein Haus ist erfüllt von Israel. Geist, er macht dafür Propaganda, daß Eltern ihre Kinder nicht nach USA zur Erziehung schicken, sondern nach Israel. Rabbiner Cordoza nimmt mit Sicherheit an, daß die Kinder, nach Beendigung ihres Studiums, die Eltern veranlassen werden, nach Isruel auszuwandern. Da er in Curacao .Staatsangestellter und mit dem Erzbischof gleichgestellt ist, hält ihn die Frage seiner Pension noch eine Weile dort zurück. Die Juden in Curacao sind eine Gemeinschaft, die sich, gemessen an det jüdischen Gemeinschaft in Columbien und Venezuela, in ihrer allgemein jüdischen und zionistischen Tätigkeit nicht zu schämen braucht, was sicherlich nicht in letzter Reihe der /Arbeit von Rabbiner Cordoza zu danken ist. Auf alle Fälle bitten die Juden in Curacao, daß inan in Zukunft nicht — wie bisher — die unrichtigen Viensehen als Sehliehim hinschicke. mindestens 30.000 Familien, das sind ungefähr 100.000 Personen von der Stadt aufs Land umgesiedelt werden. Im Jahre 104b 1047 betrug der kultivierte Roden im arabischen und jüdischen Besitz ca. 41 > Mill. Dimain. Im Jahre 1048 1040 nach dem Befreiungskrieg kaum 1,800.000 Dunam. Im Jahre 1051 1052 waren es schon 3' _> Millionen. W ir sind dennoch mit I Mill. Dollarn im Rückstand. Frage: Wie ist das Verhältnis zwischen Produktion und Verbrauch? Antwort: In diesem Punkte sind wir leider trotz großer Anstrengungen noch rückständig. Der Gemüsebedarf wird zu 80—00° o im Lande gedeckt. Die diversen anderen Lebensmittel müssen aber zum größten Teil aus dem Auslände eingeführt werden. Die Folge ist das gegenwärtige strenge Rav nnierungs- Sv stem. Frage: Ist es möglich, sieh in der Zukunft agarwirtschaftiicb vom Auslände unabhängig zu machen? Antwort: W ie die in- und ausländischen Fachleute erklären, kann in den nächsten Jahren bis auf W eizen und Fleisch, der Bedarf an landwirtschaftlichen Produkten im Lande selbst aufgebracht werden. Frage: W ie ist der Stand der Bewässerungsanlagen? Antwort: Im den Bedarf für eine Bevölkerung von 3 Millionen zu decken, müssen wir 2 Millionen Dunam Boden bewässern. Bis heute haben wir nur eine halbe Million bewässert. Es müssen demnach in den nächsten Jahren ca. 150.000—200.000 Dunam jährlich bewässert werden. Bis jetzt bekommt der Siedler 3—4 Dunam bewässerten Boden zugewiesen. Unser Ziel muß sein: ..20—25 Dunain bewässerten Boden pro Siedler”. Bisher wurde die Bewässerung nur mit Grundwasser durchgeführt. Jetzt beginnt in dieser Hinsicht ein neues Kapitel, u. zw.: a) Vor allem wird vom Jarkonfluß dureli neu gelegte Bohre W asser dem Ncgcv zugeführt. b) Die Aufspeicherung des Regenwassers im Lande Galiläa, das bisher während der Wintermonatc nutzlos abfloß, erfolgt mm in riesigen Stauseen und wird so in den wasserarmen Gebieten des nördlichen Ncgevs nutzbar gemacht. Ich selbst konnte einen dieser künstlichen Seen in Betli Natuva (Galililäa) sehen und das im Bau befindliche Werk bewundern. e) Eine der berühmtesten Kapazitäten auf dem Gebiete der Bewässerungsanlagen der U. S. A., Prof. Laudesmilk, steht seit einem halben Jahr zusammen mit anderen Fachleuten an der Spitze der Bewässcrungsplanung. Krage: Welche Parteien sind in der neuen Regierung vertreten und wie wurde dies im Lande aufgenommen? Antwort: Es sind in der Regierung Mapai, Allgemeine Zionisten, Progressive, Misrnchi, Ifapoel Hamisrachi vertreten und vielleicht kommt die Poale Agudath Iisruel dazu. Sie sehen also, daß HO—85% der Abgeordneten in der neuen Regierung vertreten sind. Die Regierung wurde mit Ausnahme von kleinen extremen Gruppen von rechts und links mit großer Zufriedenheit aufgenommen und es ist zu hoffen, daß die neue Regierung die gegenwärtig schwere finanzielle Krise überwinden wird. Krage: W'ie war das Resultat der im Dezember v. J. stattgefuiidencn Sitzung des Aktionskomitees? Antwort: Vor allem wurden wichtige organisatorische Fragen der Zionistischen Organisation erledigt und dann Beschlüsse hinsichtlich des Budgets ge- S C II E C III T V Im Zuge der Bestrebungen zur Erreichung einer geordneten Scheehita war die Angliederuilg der im nördlichen Teil des Burgenlandes lebenden Juden an die Israel. Kultusgemeinde Wien notwendig. Das Zustandekommen dieser Anglicderung ist meiner Initiative, nach wiederholten Interventionen bei den zuständigen Ministerien und Landesregierung von W ien. Mieder-Österreich und dem Burgenlaiul. zuzuschrciben. Das Endergebnis dieser meiner konsequenten Bemühungen war das Anheimfallen der jüdischen Vermögensteile dieser Provinzen an die Israeli tische Kultusgcmeindc Wien. Die Scheehita, das heißt: die koschere Schlachtung, der ich ein besonderes Augenmerk zu wendete, wurde früher unkontrolliert ausgeübt: erst nach schwerem Kampfe sowohl mit den Berufsschüchtern als auch mit einer Gruppe sogenannter orthodoxer Juden gelang cs, die gesamte Scheehita unter die Kontrolle der Israel. Kultusgcmeindc Wien zu stellen. Nach der Befreiung Oesterreichs hat die Israel. Kultusgemeinde Wien eineKoseher-Kiiehe in der Leopoldstadt eingerichtet. die sieh bestens bewährte. Leider gebrach es an Geldmitteln und die Kiiclie mußte schließlich gesperrt werden, da die Teilnelimerzahl auf 6 Personen gesunken war. Nun ist die erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, daß sich wieder eine entsprechende Anzahl von Interessenten gemeldet hat, die auf Koscherkost reflektiert, so daß nunmehr Bestrebungen im Gasige sind, die Koscherküche dem ursprünglichen Zweck wieder zuzuführen. MIKWAH Seit dem Wiedererstehen der Israel. Kultusgemeinde Wien im Jahre 1945 war die Mikwah ein ständiges Streitobjekt zwischen den verschiedenen Richtungen der Orthodoxie im Zusammenhang mit der Kaschruth gewesen. Heute steht die Mikwah außer Streit, faßt. Es ist bis jetzt das größte Budget der zionistischen Organisation: es beträgt 83,750.000 Pfund. Davon ist der größte Teil für die Landwirtschaft, für die Einwanderung und besonders für die Jugend-Einwanderung bestimmt. Frage: Wie hoch wird ungefähr die Einwanderung im nächsten Jahre sein? Antwort: Mau erwartet eine Einwanderung von 50.000—60.000 Menschen. Dies hängt natürlich von den Auswanderungsbewilligungen der verschiedenen Länder ab. Zum Schlüsse noch eines: Das Budget wird hauptsächlich von den Aktionen des Keren Ilajcssod - Magbith Meuchedeth in der ganzen WAeIt aufgebracht. Es ist daher von äußerster Wichtigkeit, daß auch die Judenhcit Oesterreichs in diesem Jahre ihrer Ehrenpflicht nuelikoir.mt und ihren Beitrag zum Aufbau und Konsolidierung des Staates Israel leistet. Sie wollen meine zionistische Vergangenheit wissen? Nun ganz kurz: Ich bin in einer zionistischen Familie aufgewachsen. Mein verstorbener Vater und mein älterer Bruder bekleideten ehrenamtliche Stellen in der zionistischen Bewegung. Ich seihst war 1924 — 1926 Mitglied der Zentrale der „Zeirei-Zion“ Bewegung Polens und Delegierter beim 13. und 14. Kongreß. Als Student in Deutschland war ich auch in Karlsruhe führend zionistisch tätig. 1926, als ich in Wien domizilierte, war ich auch zionistisch tätig. Jetzt hin ich Sonderbeauftragter finden Magbith in Oesterreich. da sic von allen in Betracht kommcndcjn Fachleuten als einwandfrei koscher qualifiziert wurde. Die Israel. Kultusgcmeindc Wien hat neuerdings keine Kostern gescheut, um den verschiedenen Wünschen Rechnung tragen zu können. VERPFLEGUNG Spital und Altersheim Es ist allgemein bekannt, daß die koschere Verpflegung mit größeren Kosten verbunden ist. Dennoch ließen sieh die maßgebenden Faktoren nicht davon abbringen, daß in den beiden Institutionen) der Kultusgcmeindc Wien: im Spital und Altersheim, gemäß der alten Tradition koschere Kost verabreicht wird. Ich darf mir als langjähriger Angehöriger des 'Kultusvorstandes der Isr. Kultus- Geni. Wien wohl erlauben, darauf hinzuweisen, daß ich im Verlaufe dieser Zeit weder Mühe noch Zeit gescheut habe, um allen an mich herangekommenen W ünschen und Beschwerden, auch wenn sic nicht in mein Ressort fielen, nach bestem ‘Wissen und Gewissen zu entsprechen. „25. Todestag von Oberrabbiner Chajes” Unter diesem Titel erschien in der Zeitschrift „Neue Welt“, Jänner-Ausgabe 1953, ein Artikel, in welchem die Behauptung aufgestellt wird, daß „bisher keine jüdische Stelle oder Organisation in W ien den 25. Todestag eines der hervorragendsten Männer gefeiert hat.“ Hiezu stellt die Israelitische Kultus - gemeinde Wien fest, daß diese Behauptung unwahr ist. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien hat am 20. Kislev beim Abendgottesdienst in einer schlichten und traditionellen Weise das Gedenken an den unvergeßlichen Toten gefeiert. Die Israeli tische Kultusgemeinde Wien stellt gleichzeitig fest, daß der Herausgeber der Zeitung „Neue Welt“, Herr Künstlingcr, von dieser Tatsache vor Veröffentlichung des genannten Artikels genau unterrichtet war, ebenso von der Tatsache, daß anläßlich der Jahrzcit M osis, am Sajjin Adar, in größerem Rahmen das Leben und das Werk Chajes’ gewürdigt werden wird. Israelitische Kultusgemeinde Wien Rose Renee Roth Am 25. Jänner las in der Wiener Urania, die seit langem aus Wien abwesende Vortragskünstlerin Rose Renee Roth, eine Reinhardtschiilcrin, aus Werken zeitgenössischer Dichter, wie Peter Altenberg, Meyrink, Franz Kafka und Stefan Zweig. Die Künstlerin erntete verdienten Beifall und wir hoffen, Rose Renee Roth recht bald in einem größeren Rahmen wieder zu hören. „TABU” W;i:•cnliamlclsgesellschalt W. Bur«zly» WIEN VI, MARIAHILFERSTR. 51 TELEPHON B 24 204 TEXTILIEN UNI) HERRENKONFEKTION Ttflcwuzet Bäüne w» ftläctyzecwatd! . KEREN KAYEMETH LEISRAEL WIEN I.. SEITENSTETTENGASSE 4 TELEFON U 29 2 26 / POSTSPARKASSEN-KONTO 130067

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