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Die Stimme · 1953-01-01 · Heft 70 (Januar 1953) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1953
Issue
Heft 70 (Januar 1953)
Date
1953-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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dm: s T [ MM I Ein Freund der Juden St'i te 4 Dis jüdische Volk hat sich mir selten \ ( i ständiger Freunde erfreuen dürfen, die seine Eigenart. seine Kultur, seine Geschieh te und sein Land zu würdigen ücwillst hohen. Wenn es solche Mensehen uiht. insbesondere in Deutselilaud. entspricht es einer Pflicht der Dankbarkeit, ihrer hei gegebenem \nlasse zu gedenken. Kiiisd.knu I)r. Hermann Maas (Heidelberg'. als Sproß einer uralten Pfarrersfamilie am Vugust 18"" in dem Seliw ar/.waldcl >rf Geugenbaeh erhören, ist freilich eine so überragende. eigenartige, mit solch reichen Gaben dos Herzens und des \ erstandes gesegnete Persönlichkeit. daß l nzälilige. Christen wie Juden, an seinem 75. Geburtstag dankbar seiner gedacht haben. Die Berufung zum Geistlichen war ihm fast Selbst \ erstand lichkcit. Ebenso selbstverständlich war es für ihn. unmittelbar vor Kriegsausbruch 1914. aktiv in der Friedensbewegung im ..W eltbund für internationale Freundschaft durch die Kirchen" tätig zu werden. 1915 wurde er einstimmig an die Heilig-Geist-Kirche zu Heidelberg berufen, und dieser Stadt blieb er dann in Treue verbunden, wie sich dann auch seine Gemeinde in den Jahren der schw eren A erfolgung um ihn scharte. 1919 suchte er durch die ökumenische Bewegung Anschluß an die christlichen Gemeinschaften anderer Länder. Um die gleiche Zeit schloß er sich der bürgerlichen Linken, der Demokratischen Partei um Friedrich Naumann und Max Weber an. Er vertrat diese längere Zeit in der Heidelberger Stadtverordnetenversammlung. In seiner kirchlichen Tätigkeit kultivierte Dr. Maas von jeher die Arbeit mit der Jugend und die mit der Geistlichkeit des Auslands. Der Erzbischof von Canterbury sowie der von Chichester und der Bischof Amundsen von Haders - Icr gehörten zu seinen Freunden. Maas selbst nennt sich einen alten Zionisten. Es sei dahingestellt, ob cs reiner Zufall war. daß er vor einem Halbjahrhundert, im Jahre 1903 dem 6. Zionistenkongreß beiwohnte, jenem historischen Kongreß, der den Sieg der unbedingten Zionisten nach der Art Achadha-Ams. Chaim Weizmanns und Martin Bubers über die Anhänger des ..Nachtasvl”-Projektes mit dem Territorium Lganda. brachte. Seit jener Zeit hat Maas Begeisterung für die Sache des Zionismus nie nachgelassen, er liest auch heute noch jüdische Blätter, zahlte von jeher seinen Schekel, stiftete üelbäume für das Heilige Land und half mit Rat und Tat dem neuen Unternehmen. 1933 lenkte er mit vielen deutschen Juden seine Schritte nach Palästina, wo er außer den heiligen Stätten seines Glaubens auch Ausgrabungen, ferner die jüdischen Kolonien, die Kibbuzim und Kwuzoth, die seinen Enthusiasmus für den neuen Aufbau im Jüdischen Palästina nur noch steigerten, besichtigte. Im Herbst des gleichen Jahres ging seine Tochter ebenfalls nach Palästina, um die schöne Kunst der Handweberei unter der Jugend des jungen Landes zu verwurzeln. In diesem Unternehmen war sie mit der Tochter des großen Hebraisten David Yellin, der Gattin des Biologen Prof. Leo Picard verbunden. Als die Verfolgungen der Juden in Deutschland sich verschärften, verband sieh Dr. Maas mit dem „Büro Griiber" in Berlin, dessen Hauptaufgabe darin bestand, das Schicksal der „Nichtarier4' zu lindern und ihre Auswanderung zu fördern. Freilich wurde Maas selbst nun ein Ziel stets zunehmender Angriffe. Unmittelbar nach der Rückkehr von seiner ersten Palästinareise im Jahre 1933 würfle er von der SA bedroht und mit Gewalt gezwungen, seine Predigertätigkeit einzuslellen. Erst nach der Intervention englischer Freunde wurde dieses Verbot wieder aufgehoben. Damals schloß er sich dem Pfarrernotbund der „Bekennenden Kirche" an. Nach Kriegsausbruch wurde fast jede Tätigkeit für Pfarrer Maas vereitelt und sein Arbeitsfeld immer mehr eingeschränkt. Die Arbeit im Gefängnis, in den Krankenhäusern, in allen Schulen wurde ihm untersagt und er wurde sogar gezwungen, seine Pfarre zu verlassen und aus der Gemeinde auszuziehen. Schließlich unternahm man den letzten Versuch, den Mternden endgültig zum Schweigen zu bringen; mail befahl dem Sicbenundxeclizigjälirigen. mit einem Schippcrkommninio. das unter SV-Bewachung stond. noch Frankreich mitzugehen. Er hat auch dies ausgehalten. getrost, weil er das Ende des Schreckens sah und weil er die Kameradschaft seiner Mitgefangenen beglückend empfand. Nach dem Einzug der Amerikaner konnte er in die Heimat zurückkehren. Im Sommer 1945 wurde er zum Kreisdekan von 10 Dekanaten Nordbadens ernannt, und er ist heute mehr denn je in die aktive Arbeit eingespannt, die er nicht als Last, sondern als bereichernde Aufgabe empfindet. Die Arbeit der ökumenischen Bewegung im Kampf gegen den Antisemitismus, die Fürsorge für die einst Eingekerkerten und Verfolgten, die Pflege der Beziehungen zu (len amerikanischen Soldaten und ein großer Briefwechsel sind nur Teile dessen, was er Tag für Tag zu leisten hat. Zu seinem 70. Geburtstag ernannte ihn die Heidelberger theologische Fakultät zum Ehrendoktor. Im darauffolgenden Jahr weilte er auf dem großen evangelischen Konzil in Amsterdam. Nie jedoch kam sein Interesse und seine tiefe Zuneigung für das jüdische Volk und das Land Israel zum Erlahmen; so gereichte es ihm zur freudigen Ueberraschung, als er im Jahre 1949 eine Einladung dorthin erhielt und damit als erster deutscher Nichtjude den jungen Staat besuchen durfte. W iederum weilte er wochenlang hier, diesmal als Gast des Ministeriums für religiöse Angelegenheiten. Er kehrte zurück, übcrsprudelnd von positiven Eindrücken, die er in einer Reihe begeisterter Schriften niedcrgelegt hat, („Skizzen von einer Fahrt nach Israel", \ erlag Evangelischer Presseverband ßawcg-Verlag, Essen 1950; „Jerusalem, das droben ist", in „Für Arbeit und Besinnung” 15. 7. 1950 usw.) Nicht allein mit der Feder, sondern auch mit einer beredten Zunge hat Maas die Geschichte des Landes Israel in seiner deutschen Heimat zu verbreiten gewußt. In großem 1 m fange sind Dr. Maas Einladungen kirchlicher und politischer Gruppen zugegangen. Am 22. Januar 1952 sprach er vor der Parlamentarischen Gesellschaft in Bonn, und unter den Gästen waren neben dem Präsidenten Dr. Ileuss die meisten Abgeordneten des Deutschen Bundestages, die aufs tiefste von der Gewalt seiner Botschaft und von der mitreißenden Begeisterung seines Berichtes ergriffen waren. Dr. Maas würdigte zugleich kritisch und liebend die Probleme des neuen Staates, sowohl die menschlichen wie die geistigen, er beschrieb die Leistungen führender Persönlichkeiten, er erörterte die Frage der Alijah, der Erziehung, der Rationierung, der Industrie, der Siedlungen, die der Kultur und das Problem der Araber. Schließlich besprach er offen das Verhältnis Israels zum neuer* Deutschland. Er hat dabei besonders fein Takt, Geduld, Verständnis und vor allem den echten Willen zur Wiedergutmachung durch die Tut gefordert. Dr. Maas gehört zu den führenden Geislern der Bundesrepublik. Vor ihm neigt vieh in Bewunderung und Verbundenheit an seinem 75. Geburtstag eine reiche Schar von Freunden in Stadt und Land, in Deutschland, Skandinavien, England, Israel und manch anderem Staat. Daß er ein Freund des Judentums ist. gereicht uns zu besonderer Genugtuung. Seine Treue zu unserer Sache ist eine Ermunterung für alle, die auf der schweren Straße des Aufbaus tätig sind : die Sache, die sieh der hingebenden Zuneigung eines so vornehmen Mannes Gottes erfreut, ist des Schweißes der Edlen wert. Dr. I f a n s L a m m (Aus ..lfakidmah^) Das Jüdische S. O. S.-Komitce hielt am 25. November 1952 eine Vollversammlung ab und wählte zum Vorsitzenden Herrn Oberrubbiner Dr. A k i b a E i s e n b e r g, zum gescliäftsführcnden Vorsitzenden, der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien. Herrn Jakob Bin dcl. zu Mitgliedern des Komitees: Birnbaum Ing. Max. liubin-Bittmann Josef, Blaskopf Erilz, Böhmer Rudolf, Brasch Dr. Paul, Brüll Josef. Eberstark Franziska, Eliirnbcrg Lazar, Direktor Feder Theodore, Friedmann Dr. Ignatz, Huber Saul, llusz Dr. Kurt, V. Pr. Ilcrzbcrg Dr. Wolf, Hirsch Benzion, Holzberg Bernhard, Kolm Arthur, ‘Korner Irene, Korner Moritz, Amtsdirektor Krell Wilhelm, Generaldirektor Leittier Gustav, Präsident Maurn- Dr. Emil, Generaldirektor Prinz Leopold, IlcMiharz Hermann, Singer Abraham, Solid Bcrthold, Somogyi Eugen, Sc heiz er Herbert. Schwarzwald Heinrich, Volk Walter. Kom.-Rat Wodicku Ludwig. Das Komitee beschloß, eine intensive Sammeltätigkeit zu entfalten, um für die nächsten dringenden Aufgaben entspret licndc Geldmittel siclicrzustcllni. Der geschäftsführende Vorsitzende erstattete einen Bericht über die Einnahmen des S. 0. G.-Komitees bis Mitte November 1952, sowie über die bis dahin erfolgten Auszahlungen. Der Bericht wurde einstimmig zur Kenntnis genommen und zur unmittelbaren Verteilung an besonders Bedürftige einen Betrag" von S 10.000.— bereitgestellt. Caf6 — Bar — Tan* Wien IX., Porzellangasse 39 Tel. R 52 405 Nr. 70 WIZO Die WIZO als überparteiliche Fraumorgaiiisation ist heute in Israel mit vielen Aufgaben betraut, die eigentlich Staat liebe Aufgaben sind. Sie ist völlig riugeerdnet im Staatswesen, unterliegt auch der staatlichen Kontrolle und erhält gewisse Subventionen. Sie ist ein Unternehmen mit 1400 Angestellten, die auf ihr Gehalt angewiesen sind, viele unter ihnen sind erwerbende Mütter. Sie hat mehr als 10.000 Kinder zu betreuen, die leben müssen. Sie ist die einzige zionistische Organisation, der durch ein Agreement mit der Scliweslerorganisation I Ui - dissali die Gehhpiollen von den USA verschlossen sind. Sie hat ein Budget, das nur erfüllt werden kann, wenn die Föderationen des Gallith ihren Verpflichtungen nachkommen und seihst intensiv alle Aufgaben erfüllen. Mit jedem Pfund hängt das Lehen eines Kindes oder die Existenz eines Menschen zusammen. Alle Juden müssen den Staat aufbaucen, wenn auch die umfangreiche, verzichterfordernde Kleinarbeit im Lande verrichtet werden muß. Den WlZO-Institutioncn obliegt die Erziehung vom Säuglingsheim über den „Toddlcr’s room” der Eineinhalb- bis Dreijährigen bis zum Kindergarten. Vom fünften Jahr ab übernimmt der Staat, neuerdings durch Schulpflicht, die Kinder, während bis zum Kindergarten alles in Händen der freiwilligen Organisationen liegt. Die WIZO hat allein 94 Kindergärten. in denen bereits eine Amalgamierung der verschiedenen Elemente der Bevölkerung beginnt. Die W IZO war cs auch, die die vorberufliche Ausbildung in den Schulen cinführte. die jetzt vom Staat vielfach übernommen wurde. Zu der materiellen Hilfe, zu den ersten sanitären Maßnahmen, die oft nötig sind, komm! als wesentliches Moment der seelische Beistand, die schwesterliche Hilfe. Wo mit Liebe geholfen wird, das sieht man in allen Zweigen der umfangreichen Wizoarbcit, wird erst richtig geholfen, erst dann kann sich alles zum Rechten und Guten wenden. An mannigfachen Beispielen wird das so anschaulich erläutert, daß cs schwer fällt, die Beispiele in einem Bericht nicht ausführlich behandeln zu können. Denken wir nur an den kleinen Clubraum in einem verlassenen Araberhaus in Ludd, der mit einer Nähmaschine ausgestattet, bald nach Instruktorinncn ruft, dann nach einer zweiten Nähmuschine, wo eine Fra.i der anderen, weniger geschickten, hilft, sie lehrt, bis sidh eine Gruppe von 500 Frauen aus den iiahcgelenen Orten herausbildet, die heute stol /.ist, schon durch Beiträge der WIZO zu helfen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, den Gedanken einer Philanthropie, die so nachteilig au fdas Selbstbewußtstem des Nehmenden cinwirkt, auszusclialten und jeden, wenn möglich, dazu zu erziehen, für Leistungen zu zahlen, so klein die Beiträge auch immer sein mögen. \V!/0-IDI)ERATION WIEN IST UNERMÜDLICH in der Aufbringung von Geldlind Sachspenden, (Neu- und Altmaterial) für Israel. Aue hdurcli Vergnügen und Spiel kann Ihr Beitrag zu der Leistung der Wizo- Eöderation Wien abgestattet werden. Besuchen Sie die Bridge- und Canasta- Nachmittage und -Abende, jeden Donnerstag ab Ui Uhr in den Clubrüum e u d e s G a f e s G a r t e » b a u, Wien, F. Parkring. Mitglieder und Freunde der Wizo Wien treflen sich jeden Mittwoch von 10.50 Uhr in den Räumen des Wizo- I leimes in Wien, 1„ Seitenstettengasse Nr. 4 II. Stock (Lift). Vas unbekannte födUtUt liind Der Kcicn Kaiemct L’israel macht die jüdische Ocffcntlichkcit darauf aufmerksam, daß im Rahmen der Aktion Märtyrerwald in Israel, eine Aktion für die Errichtung eines Waldes für das UNBEKANNTE JÜDISCHE KIND in Durchführung begriffen ist. Das Andenken unserer in den Nazilagern um gekommenen Kinder ist uns heilig! Utax detylntc | Ges. m. b. H. I WIEN

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