Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1953
- Issue
- Heft 70 (Januar 1953)
- Date
- 1953-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 70 „Soziales Friedenswerk" Eine Salzburger Gruppe, die auf den Ruf ,.Soziales Friedenswerk“ hört, wandte sieh an den österreichischen Bundes- Präsidenten und an die Bundesregierung mit der infamen Zumutung, sic mögen eine ..totale Amnestie“ erlassen, die sich aber nicht auf jene Personen erstrecken soll, die durch Not. oder vorübergehende Sinnesverwirrung, einmalig einen Dieb- Wiener Kinder in den Schweizer Bergen In den Tagen vom 24. Dezember bis 4. Jauner 1953\eranstultcte die internationale Jugendbewegung des HVSC1IOMER- II AZ AIR eine Wintermoshawah an der gegen 500 Chawerim aus Frankreich. Schweiz. Italien und Oesterreich zusammenkamen. Treffpunkt der Moshawah waren die wundervollen Schweizer Berge im Kanton Wallis. Im ganzen Umkreis lag 2 bis 3 Meter hoher Schnee, also eine richtige herrliche Wintermoshawah. Und nun zur Organisation der Moshawah: Die Schweizer Regierung stellte uns ein kleines Dorf mit allem Komfort zur Verfügung. Wir hatten elektrisches Licht, Baderäume, und eine große moderne Küche. Die ganze Moschawah war in 4 Altersgruppen eingcteilt. Jede Gruppe (Schiehwa) hatte einige Schlafwild AVohnräume, welche Tag und Nacht geheizt wurden, ihren eigenen Speiseraum, wo uns sogar Teller und Tassen zur Verfügung gestellt wurden. Es gab täglich vier Mahlzeiten, die reichlich und nahrhaft waren. Täglich Fleisch, Gemüse. Obst, Dessert u. s. w. Auch das Programm war sehr inhaltsreich. Tagsüber: Skilaufen, Rodeln, sogar Fußball, Handball und Völkerball. Zur Dämmerung kehrten wir in das Haus zurück und widmeten uns dem kulturellen Teil des Programms. Isrithkurse wurden fortgesetzt, interessante Sichoth wechselten ab mit Debatten, Scouting - theoretisch u. s. w. Auch nach dem Abendbrot fand das Programm seine Fortsetzung. Manchmal eine ernste, manchmal eine lustige. Es gab nächtliche 'Geländespiele, ein schöner Abend war hauptsächlich israelischer Musik gewidmet, Tänze und Spiele wechselten ab. Es war eine Freude, die vielen jungen, jüdischen Menschen zu sehen, welche sich zwar sprachlich noch nicht verständigen konnten und doch gemeinsam unterhielten, und von ihrer Zukunft das Gleiche erhoffen. Aus Wien waren wir gegen vierzig Chawerim und wären nicht die finanziellen Schwierigkeiten, so hätten wir fünfzig mitnehmen können. Die Erlebnisse dieser Moschawah werden sich mit den schönsten Erinnerungen tief in unserem Leben verwurzeln. Der Abschied, begleitet von Fackeln und lodernden Lagerfeuern, verbrüderte die junge jüdische Jugend mit der ganzen Welt. Ihr Weg führt nach Israel, — wir sind nicht allein auf diesem Weg; in unseren Reihen marschiert das höchste Gut des jüdischen Volkes — die Jugend. — Die Moschawah gibt uns neue Kraft für die Verwirklichung unserer Ideale. STOFFE KLEIDER FDK DAMEN HERREN UND KINDER Sut und preiswert vom Diaufhaus BcitiUc Hc&cc i »0 stahl oder Einzelvcrbrcchcn begangen haben. sondern ausschließlich uuf abschnuliche Kriegsverbrecher und nazistische Massenmörder. Die Herren, der Erzbischof Rohrachcr. der Präsident des Roten Kreuzes Prof. Breitner. der Dekan der evangelischen Fakultät der Universität Wien Prof. Entz. motivieren ihr Unterfangen damit, daß die verurteilten Verbrecher unter besonders gefährlichen Umständen und auf Befehl gehandelt hätten. Unter diesen Gaunern sollen solche Verurteilte verstanden werden, die die Niederwerfung bewaffneter „Ausbrecher“ aus Mauthauseu geleitet und Menschen hier, wie in der Strafanstalt Stein, niedergemctzelt haben. Damit nicht genug: Die oben angeführten Herren verlangen auch die Amnestierung ehemaliger Angehöriger der Gestapo, die unmenschliche Mißhandlungen verbrochen haben. Die Repräsentanten des obskuren ..Sozialen Friedenswerkes“ bringen den Mut auf. die Erlassung dieser Amnestie und dadurch eine Rückkehr der österr. Staatspolitik zur Rechtsidee zu fordern. Da können wir uns nicht enthalten, Schiller zu variieren: „Gemein sind diese Menschen und die Gewohnheit nennen sie ihre Amme.“ Dem Erzbischof, dem Präsidenten des Roten Kreuzes, dem evangelischen Dekan, darf nicht verziehen werden, daß sie eine Tat begangen haben, die ans Gemeingefährliche grenzt. Die hohen Posten, die sic bekleiden, verpflichten sie, sich de?’1 besonderen Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewußt zu sein und Schritte von solcher Tragweite vorher genau zu überlegen, um im gegebenen Zeitpunkt Rede und Antwort stehen zu können. In diesem Zusammenhang wollen wir der Oeffentlichkeit folgenden Fall zur Kenntnis bringen: In einer Salzburgeo- Zeitung hat der Kooperator Josef Egger aus Goling öffentlich gegen Roh racher und Konsorten Stellung genommen. Egger war während des Krieges Seelsorger bei den deutschen Truppen in Norwegen. Ein guter überzeugter Katholik und aufrechter Mensch, hat er die nazistischen Verbrechen unbarmherzig gegeißelt, worauf ihn das Nazigerieht zum Tode verurteilt hat. Kooperator Egger gelang es, unter furchtbaren Schwierigkeiten und Mühsalcn sich durch die Flucht nach Schweden zu retten. Egger wirft dem Geistlichen im Fiirstenornat Rohracher vor, daß er eine gefährliche einseitige Haltung einnimmt, die darauf hinzielt, das Ilitlerregime zu rechtfertigen und illegale Arbeit der Nazis zu legalisieren. Egger ist ohne Zweifel keine Person, der vorgeworfen werden kann, daß sie mit dem Bolschewismus oder gar mit Juden konspiriert. Er hat am eigenen Leib die Brutalitäten des Nazismus verspürt und das System als verbrecherisch erkannt. Daß den Herren Rohracher, Breitner und Entz das Schicksal der ermordeten Naziopfer nicht naheging, ist angesichts des heimtückischen Schrittes anzunehmen, aber daß sie die heilige Ordnung, die sie sonst anbeten, verletzen und sich zur Beleidigung der Staatsautorität versteifen, ist bezeichnend. Ja, die nazistische Ordnung hat dieser Gesellschaft sehr behagt. Wir fragen, was sagen die höchsten kirchlichen Behörden dazu, daß ein Kirchenfürst sich für heidnische Ordnung einsetzt. Rückstellung in Österreich Ein zynischer Richter Derzeit liegt bei der Rückstcilungskommission des Oberlandesgcrichtcs in Wien als zweiter Instanz eine Beschwerde gegen ein Erkenntnis des Rückstellungskommission beim Landesgericht in Linz, welches, wie wir hoffen, für die Praxis der Rückstellung in Oesterreich keinesfalls typisch ist, aber gerade aus diesem, Grund in das Licht der Oeffentlichkeit gerückt werden soll. Die Rückstelhmgswcrbcrin, die bekannte Tierärztin, Frau Dr. Rudolfinc Menzel, ist eine in Oesterreich bekannte Expertin in ihrem Beruf, die sich inzwischen auch in Israel einen Numcn geschaffen hat. Sie besitzt in Kiriat Motzkin in der Nähe von Haifa eine Hundefarm mit Dressuranstalt und angeschlossener Traincrschule für Polizeihunde!. Bekannt sind ihre Gruppenvorführungen von Dressurakten. Frau Dr. Menzel und ihr Gutte, besaßen in kleinmünchcn, Gerichtsbezirk Linz ein Grundstück, welches sie im Zuge der berüchtigten Arisierungsmethoden im Sommer 1938 an die „Reichswerke Aktien-Gesellschaft, Alpine Montanbetriebe Hermann Gocring in Linz“, die heutige VOEST, für einen Betrag von RM 11.000 abzutreten genötigt waren. Der tatsächliche Wert des Grundstückes betrug S (>0.000.— alter Währung. Das im Jahre 1952 eingebraehtc Kückstcllungsgesuch wurde kostenpflichtig abgewiesen. An Stelle eines Kommentars, zitieren wir im folgenden einiges aus den Entschcidungsgriinden: „Die Rückstellungsgegnerin (also die VOEST) wendet ein, daß der Erwerb der streit\erfangenen Liegenschaften unabhängig von der nationalsozialistischen Machtergreifung erfolgt sei, du die Linzer lliitte ihre Entstehung nicht typisch nationalsozialistischen, sondern wirtschaftlichen Erwägungen verdanke.“ Auf diesen Einwand der Rückstellungsgegnerin stellte sieb auch die Riiekstcllungskommission, welche den Rückstellungsantrag für nicht begründet erklärte. Man höre weiter: „Die Riickstellungswerber stützten ihren Antrag nur darauf, daß sie als Juden die Liegenschuft verkaufen mußten. VY u r ti in die R ii c k s t e 11 u n g s w e rb e r als J u den verka u f e n m u ß - teil, haben sic nicht angegeben. Sie haben mit keinem Wort angeführt, daß sie zum Zeitpunkt der Verkaufsverhandlungen und des Vertragsabschlusses wegen ihres Judentums politischer Verfolgung unterworfen waren. Dort wo der Jude ohne Gleiehheitsverlctzung behandelt wurde, liegt trotz seiner Zugehörigkeit zum Judentum, keine Verfolgung vor.“ Die Rückstellungskommission führt weiter aus, daß die Hermann Gocring- Werkc ein sehr großes Gelände angekauft hätten und daß die diversen Grundeigentümer, von denen sic die Liegenschaften erwarben, nicht nur Juden waren, sondern ganz einfach die Anrainer, unter denen sich auch ganz bestimmt nationalsozialistische Parteigenossen befanden. Selbst wenn man diese Tatsache als wahr und gegeben annimmt, bandelt cs sich in diesem Fülle eines Zwungsverkaufes um den Preis. Wir lassen wieder das Urteil selbst sprechen: „Aus dem von der Antragsgegnerin (VOEST) vorgclcgten Gutachten des Magistrats der Landeshauptstadt Linz“ — und jetzt beachte man das Dutum — „vom 25. Juni 1938 — ist ersichtlich, ...das Gutachten des Linzer Magistrates vom selben Sommer, als der Verkauf erzwungen wurde, schätzte die WOLLE UNO GARNE größte Auswahl ADOLF BOMZE V, Reinprechtsdorferstraße 48 XX, Wallensteinstraße 17 Taiaphon a 32 o06 XVI, Neulerchenfelderstraße 20 II, Rotensterngasse 5 Liegenschaften mit allem Zubehör samt Haus, auf RM 12.665.— (zwölftausendsechshundertscchzigfünf). Dies war das Beweismittel und jetzt der daraus gezogene Schluß: „Der von den Rückstelluugswcrbcrn angegebene Wert von S 60.000.— ist offensichtlich übertrieben. Etwas zynisch fügt der Herr Ohcrlandcsgerichtsrat hinzu : „Wahrscheinlieh hätten die Rückstellungswerber hei einem freiwilligen Verkauf einen höheren Verkaufspreis erzielen können. Aber die Riickstellungswerber haben nicht behauptet und wohl auch nicht beweisen können, daß der Kaufpreis nur deshalb mit RM I I.000.— festgesetzt worden war, um sie als Juden zu deklassieren.“ Und zum Schluß noch der Clou: Festzuhialten ist, daß der Verkauf um 21. Juli 1938 erfolgt ist, also zu einem Zeitpunkt, in dem die Juden bereits emigrierten, aber doch noch vor dem 9. November, mit dem erst die Judenverfolgungen mul Tötungen voll eingesetzt haben. Der Herr Ohcrlandcsgerichtsrat scheint im August 1938 nicht in Oesterreich gewesen zu sein, aber viele andere Zeitgenossen waren da und wissen worum es ging! MB Die Juden in der Welt Die vom World Jcwisli Congrcss durchgeführte Volkszählung der jüdischen Be- \ölkerung der Welt, zeigt folgendes Ergebnis: Gegenüber 18 Millionen Juden der Vorkriegszeit beträgt die Zahl der Juden in «97 Ländern der Erde gegenwärtig 11,672.000, also um 6,400.000 weniger, die in den nazistischen Todeslagern iimgekommen sind. In der Liste der 15 Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungsdichten stehen die Vereinigten Stauten mit fünf Millionen, die Sowjetunion mit 2 Millionen, Israel mit 1.45 Millionen und Großbritannien einschließlich Irland mit 480.000 an den ersten Stellen. Die Zahl der Juden in Deutschland wird mit 20.000 angegeben, die der Juden in Pi.len mit 45.000 gegenüber 3Millionen vor dem Kriege und die in Oesterreich 9800. . . . und in Wien Laut Statistik der 1KG Wien sind bei ihr jetzt 9547 Juden registriert, davon sind 7851 Inländer und 1969 Ausländer. 2581 oder mehr als 25<>/() sind über 60 Jahre alt. Die Zahl der Kinder bis zu 10 Jahren beträgt 640, was 6.7<>/o uusmueht. Seit 1945 sind 373 zum Judentum zuriiekgekehrt oder haben cs angenommen. 6935 waren in der Emigration, davon 1112 in Shanghai, 549 in England und 102 in den USA. Der liest schmachtete in KZ’s oder rettete sieh als U-Boot oder lebte in Mischehe. DU. DAVID SCIIAPIRA bat sein Kultusmandut zurückgelegt und dadurch bekundet, daß er mit der Tätigkeit der Mehrheit des Kultusvorstandes nicht in allen Fragen einverstanden ist. Wir sind dessen sicher, daß Dr. Scliapira seinen Schritt mit großer Logik durchdacht und verantwortungsbewußt gehandelt hat. Wie immer duriiber geurteilt wird, stellt unerschütterlich fest, daß Dr. Schapiru in der Kultusstubc wertvolle Arbeit geleistet hat, wofür er bedankt sei. B. B. Israel-., Capri-"' Wien I, Graben 10 Teltphon R 26100 Offizielle: Verkaufsstelle aller Flug-, Schiffs- und Bahnlinien Faß- und Visabesorgung 05