Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 69 (Dezember 1952)
- Date
- 1952-12-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 69 DIE STIMME Seite 5 Zur Shanghal-Uktion Vcrchrliehc Redaktion der ..Stimme“! ln Angelegenheit der Slumglmier Emigranten fand eine Sitzung der drei gewählten Vertrauensmänner statt. Es wurde der Beschluß gefaßt, daß mir das von Ihnen zur Verfügung gestellte Urteil des Landgerichtes Berlin als Grundlage für die I laftanspriiehe der Mag. Abtlg. 12 vorgelegt werde. IJeherdies habe ich eine motivierte Eingabe mit Beweisanträgen verfaßt und werden diese Urkunden von mir mit gleicher Bost an die Behörde abgesandt. In der Anlage erlaube ich mir eine Abschrift meiner Eingabe an Sic zu übermitteln. Einstimmig wurde der Beschluß gefaßt, Ihrer verehrlichen Redaktion für die große Mühe und Hilfsbereitschaft den besonderen Dank aviszusprechen. Ich zeichne mit herzlichem Schalom Dr. Tuttinann Wir bringen gegenständliche Eingabe den interessierten Kreisen zur Kenntnis und danken auf diesem Wege für das in uns gesetzte Vertrauen, das wir, nach bestem Wissen und Gewissen, jederzeit rechtfertigen werden. Redaktion „Die Stimme“ An die Magistrats-Abteilung 12 Kürsorgereferat Antragsteller: Rechtsanwalt Dr. Jcscf Tuttinann Wegen Ilaftcntschädigung Ich bin Besitzer des Opferausweises Nr. 6034 49. Als rassisch Verfolgter mußte ich zu Hitlers Zeit nach Shanghai flüchten. Dortselbst wurde am 13. 3. 1943 ein Ghetto für die Emigranten errichtet, welches bis 10. 8. 1945 bestand. Es handelte sich um eine vollständige Freiheitsberaubung der Shanghaicr Emigranten. Laut beiliegender Entscheidung der Zivilkammer des Landesgerichtes Berlin vom 13. 12. 1951 wurde in einer jeden Zweifel ausschließenden Weise fcstgestellt, daß dieses Ghetto über Drängen der damaligen deutschen Regierung errichtet wurde. Infolgedessen wurde in Berlin die Ilaftcntschädigung anerkannt. Insbesondere wird auf nachstehende Stellen der Begründung dieser Entscheidung hingewiesen 1. Seite 9 der Begründung: Erklärung des deutschen Generalkonsuls Wicdcmann vom 22. 1. 1951, wonach die Internierung der mitteleuropäischen Emigranten auf Veranlassung der deutschen Regierung erfolgte. Ferner das Rundschreiben, in welchem cs ausdrücklich heißt: Wir neigen zu der Auffassung, daß der adäquate ursächliche Zusammenhang zwischen der Austreibung aus Deutschland und der Einschließung in einem Zwangs quartier nicht verneint werden kann. 2. Seite 4 der Begründung: Aussage des Rechtsanwaltes Bock: Es hat ein völliger Abschluß von der Außenwelt stattgefunden, unter Angabe aller näheren Umstände. Herr Dr. Bock, ein Nichtjude, hat diese Wahrnehmungen mit eigenen Augen gemacht. 3. Seite 6 der Begründung schildert den Einfluß der deutschen Regierung auf Japan auf Errichtung des Ghettos. 4. Es wird beantragt, die Anfrage bei der Israel. Kultusgemeinde, Wien l, Wimn tEurfifja m Adolf Reiss Erben & Co. Tuchgrotthantlcl und eigene Schafwollwaren - Manipulation Wien 1., Rudolfsplatz 6 11 24 5 I», II 24 5 1» Schottenring 25, über die Richtigkeit der Freiheitsberaubung der Emigranten in Shanghai. 5. Es wird beantragt, die Einvernahme sämtlicher Shanghaicr Emigranten. die um Haftentschädigung angesucht haben, darüber, daß der Leiter des Ghettos, Herr Go ja. ein bekannter Schläger war, der die Emigranten in brutalster Weise mißhandelt hat. Die einzuvernchmenden Emigranten werden auch bestätigen, daß die Nichtbcfolgting der Proklamation schwer bestraft wurde, insbesondere durch Einsperren in einem bazillenversquchten Bunker und Schlägen. Dort gingen die Opfer elend zu Grunde. 6. Das von mir vorgclegtc Urteil wurde von der Redaktion der „Stimme.4', Wien IX. Universitütsstr. 4, von Berlin angefordert und mir mit der Weisung zur Verfügung gestellt, diese Urkunde der Behörde vorzulcgrfn und soll dicsas Dokument als Grundlage der llaftansprüchc der Shanghaicr Emigranten dienen. 7. Bezeichnend ist auch, daß der ,,Waysidepark“, welcher im scinerzcitigen Ghetto lag, von den Emigranten nicht betreten werden durfte. Bekanntlich hat Shanghai ein subtropisches Klima. Die Hitze im Sommer war unerträglich, trotzdem mußten sich die Emigranten nur in den schmutzigen, feuchten und gesundheitsschädigenden Baracken und Gassen aufhalten. 8. Aus dem vorgelcgtcn LTteil geht klar hervor, daß die Absperrung der Juden zu dem Zwecke erfolgte, um diesc im geeigneten Moment zu vergasen. Alle diese Vorbereitungen wurden von deutschen Spezialisten, die im Urteil namentlich erwähnt sind, getroffen. Aus den oben geschilderten Umständen besteht kein Zweifel, daß es sich um eine Freiheitsberaubung der Shanghaicr Emigranten handelt. Der Anspruch auf Ilaftcntschädigung nach der Opferfürsorge-Novellc ist daher begründet. Eine interessante Diskussion Im „Forum der Diskussionen4' der Volkshochschule Wien-West fand am 4. Dezember eine von allen großen Konfessionen beschickte Aussprache über das Thema „Ist es wünschenswert und möglich, daß die großen religiösen Bekenntnisse sich zu einer gemeinsamen Front gegen die moderne Gottlosigkeit zusammenschließcn“ statt. Als Referenten sprachen für die katholische Kirche Konsistorialrat Dr. Otto Mauer, für die protestantischen Bekenntnisse Kirehcnrat Professor Dr. Egon lfajek, für den Islam der persische Kulturattache in Wien, Dr. Aschgar Azizi, für die orthodoxen Zi vilisten der Generalsekretär des Verbandes, Dr. Abraham Riemer, und als Fachexperte für den Gedanken des christlich-jüdischen Gespräches, Universitäisdozent Dr. Kurt Schubert. Der Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaft, Dr. Riemer, hob besonders hervor, daß der Staat sich vor allem für die Stärkung der Religionen interessieren müsse, da er ja vor allem für die Moral der in ihm zusamjmengefaßten Menschen verantwortlich sei. Die jüdische Konfession lehre, an das Gute in jedem einzelnen Menschen zu glauben und schon dadurch sei der Weg für die Zusammenarbeit mit den anderen Konfessionen gebahnt. Theresienstadt Als im Sommer 1952 die Jüdische Historische Dokumentation in unserer Zeitschrift die Herausgabe des Buches „Die Juden in Oesterreich von 1938 bis 1945" ankündigte, und alle jene aufforderte. .Material für dieses Werk zur Verfügung zu stellen, erhielt die Jiid. Historische Dokumentation einen Brief, den wir in gekürzter Form hier wiedergeben: „Meine Gattin und ich wurden im Jahre 1942 nach Theresienstadt gebracht, wo ich als Statistiker im Evidenzbüro beschäftigt war. Tief beeindruckt von der grauenvollen Bilanz dieses Konzentrationslagers. beschloß ich, sämtliche Aufzeichnungen zur Nachtzeit zu kopieren. Diese stelle ich Ihnen zur Verfügung. Die Aufzeichnungen sind das Produkt jahrelanger, nerv enaufreibender Arbeit. Ich bin mir bewußt gewesen, daß die Auffindung dieser Kopien meinen Tod durch die SS-Schcrgen zur Folge gehabt hätte. Doch sollten diese Aufzeichnungen Zeugnis oblegen von den grausamen Taten der Nazi, ln dieser Statistik des Todes ist die Tragödie der Ghettoeinwohner von Theresienstadt enthalten. Von der Eröffnung des Lagers am 24. November 1941 bis zur Befreiung um 8. Mai 1945 hatten fast 150.000 Menschen das Konzentrationslager passiert. Als dann im Oktober 1944 das Lager von den Nazi geräumt und die Insassen ins Todeslager Auschwitz deportiert wurden, schmolz die Zahl der Ucbcrlcbcndcn auf einen Bruchteil zusammen. Durch die Trennung des jüdischen Eheteils vom arischen, der gleichfalls in Lager deportiert wurde, stieg die Zahl auf 13.900, die dann im Mai 1945 gerettet wurden. ln diesem Konzentrationslager sind also über 120.000 Menschen durch Krankheit, Seuchen, Vergasungen und Morde zugrunde gegangen. ln der Beilage finden Sie die von mir getreulich und gewissenhaft gemachten, Abschriften über das Konzentrationslager Theresienstadt und ich widme diese Aufzeichnungen dem Staatsarchiv von Jerusalem zum Andenken an die furchtbare Gcsera. Peter Haber Regierungsrat i. R.“ Wir gratulieren dem mutigen Mann zu seiner Errettung aus dieser Hölle und wünschen ihm und seiner Frau ein langes Leben in Gesundheit und Freude. Tadck Friedmann Tel-Aviv — Schönbrunn Für den W iencr Tiergarten Schönbrunn ist aus Haifa an Bord eines italienischen Dampfers eine neue Tiersendung eingelangt. Die genaue Zusammensetzung des Transportes, eine Geschenksendung des Zoos in Tcl-Aviv, ist uns noch nicht bekannt. Es dürften sich Bären, Pelikane. Wildkatzen, Geier, Stachelschweine und Palm tauben darunter befinden. Perez Platz in New York Leber 15.000 Menschen nahmen an den Einweihungsfcicrlichkcitcn des 1. L. Perez-Platzes in New Vork, der zu Ehren des 1915 verstorbenen großen Dichters diesen Namen erhielt, teil. Der Weltkongreß für jüdische Kulturerziehung wird außerdem ein Peres-Denkmal auf diesem Platz errichten lassen. Die Einweihung kennzeiclmete dcn ||f, hepunkt der 100-Jahr-Feiern aus Anlaß des Geburtstages Perez/, der zum Vater der modernen jiddischen Literatur" avancierte. Die Ansprachen mehrerer bekannter Persönlichkeiten des kulturellen und öffentlichen Lebens wurden von der „Stimme Amerikas" übertragen. (J'TA.) EINEN NEUEN HUT NUR VON lUckacd StUwavz ,der Ji'ut des SCerrrt WIEN, I., ADLERC.ASSE 4 TELEPHON R 20-2-71 Die idealsten Schulterauflagen aus Watte, beste Paßform, für Damen-, Herren- und Klnder- Bekleidung „HAPO” Achselpolster-Erzeugung RUDICH&Co. Wien II, Aspernbrückeng. 4 Telephon R 45 5 63 Cj GE SCH; ui i e n Heinrich Stein, 60 Jahre Luser Vorstandsmitglied Heinrich Stein, feierte im Kreise seiner Familie am 8. Dezember seinen 60. Geburtstag. Schon in seiner Geburtsstadt Czcrnowitz schloß er sich in jungen Jahren der zionistischen Jugend an, kam dann nach Wien, wo eiserne zionistische Pflicht weiter mustergültig erfüllte. Auch während seiner Emigration, die er und seine Familie in Belgien, Frankreich und Italien verbrachten, war er zionistisch tätig. Seit 1948 gehört der Jubilar dem Vorstand des Zionistischen Landesverbandes in Oesterreich an. Chawer Stein versieht wichtige Agenden und ist der Delegierte des Zionistischen Landesverbandes im Präsidium des Keren Kujcmcth und der Alijah-Kommission der Zionistischen Föderation. Wir wünschen: Mca w’essrim sch an alt! nach Ungarn und der GSR, auch Medikamente H KELEN-LTD., WIEN I., ESSLINGGASSE NR. 2/5 h TELEPHON U 29-0-57 wizo-Kinderfest Am Samstag, den 20. Dezember 1952, um 17.30 Uhr, findet im Theatersaal des Hotel Post, Wien I, Fleischmarkt Nr. 24 das infolge der Staatstrauer verschobene, ursprünglich für den 12. November 1952 vorgesehene Kinderfest unter dem Ehrenschutz der Frau Konsul Ada Es helstatt. Herr Kammersänger Emanuel List bestreitet den künstlerischen Teil des Programmes für Erwachsene. Für die Kinder ist ein lustiges Kindervaricte vorgesehen. Ellern bringt Eure Kinder, Kinder bringt Eure Eltern! Restliche Karten (Einheitspreis S 15.—) bei den \N izo-Mitglicdern unter Tel. Nr. R 50 0 75, B 52 4 67, A 14 5 65 und an der Abendkasse. Die bereits gelösten Karten behalten ihre Gültigkeit. Kultusgemeinde Salzburg Zu Schlojschim (Sonntag, den 7. Dezember 1952), veranstaltete die Israclitisehe kullusgemeinde Salzburg, unter der Aegide seines Präsidenten Einziger, eine Trnuerfeier zum Gedenken an den verstorbenen Präsidenten Chaim W/eizmann. Der Delegierte des israelischen Konsulats in \\ ien. Vizckonsul Elialni Tavor, hielt die Gedenkrede. Der Chaplain der l SFA Groß, gedachte der Persönlichkeit \\ eizmanns und sprach das Kaddischgchct. Das Gotteshaus war voll besetzt. Zentralverkaufsstele LUDWIG REISNER WIEN, IV., FLORAGASSE 8 - TELEFON U 49-5-22 STANDARD^ ypßzmWauersohle) GES.GESCH. MT »dflu n r-r I fcr : 0382