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Die Stimme · 1952-12-01 · Heft 69 (Dezember 1952) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 69 (Dezember 1952)
Date
1952-12-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Nr. f>9 Seite fi _ DI E FLUG von ISRAEL nach LONDON Dr. 7. F. FINKFI.STKIN (Jerusalem) Israel und Enjjbind! Weltenfern scheint diese Insel für einen Israeli zu sein, dem' es kaum gelingt, eine \usreisebcw illigmig und eine Reisekarte aus dem \us1and zu erlangen — und dennoch im Flug in kaum zehn Stunden erreichbar. Man frühstückt noch in l.udd bei strahlendem Himmel und subtropischer Hitze und landet noch bei Tageslicht über dem Ifüusermeer Londons, von dem die ersten grellloten Lichtreklamen emporsehießen. Doch grau ist der Himmel und man fröstelt föimlieh nach dem jähen l ebergang von der heißen Glut Tel-Avivs in das Wolkenmeer, das von der Themse aus die gewaltige Stadt zu umhüllen scheint. Nord und Süd, zwei Welten, die man mit einem Salto-Mortale eines Fluges überspringt. Schon bei der Ankunft am Londoner Flughafen gibt es ein jähes Erwachen. Am morgen, vor dem Abflug in Ludd erfüllte Menschen und Maschinen eine Art zitternden Erregcns — allerorts eine Hast und Unruhe. ein Jagen und Gewirre. Am Londoner Flughafen fällt einem sofort eine Ruhe und Sachlichkeit auf, die beinahe an Gleichgültigkeit grenzt. Man entschuldigt sich förmlich, wenn man Fragen persönlicher Art an den Ankömmling aus Israel stellt. Ein freundliches Lächeln ein „Thank you“ bei der Aufnahme und Abladung des Gepäcks: ein Israeli wird beinahe verlegen und verwirrt vor lauter ..Thank you”. die er nach langen, bangen Jahren bei solchen Gelegenheiten in der Ilcimat kaum vernommen hat. * * * Es wimmelt wohl in London von Studenten und allerlei Reisenden aus Israel, doch wird man als letzter Sendbote aus der Heimat mit glühender Erwartung empfangen. Es schwirren Fragen um die letzten Ereignisse in Israel, man berichtet und ist froh, so manche übertriebenen Düsterkeiten über die momentane Lage zu zerstreuen. Es leuchten die Augen der Zuhörer, wenn man vom ununterbrochenen Aufbauwerk des Jischuw verkündet und vom unbändigen Willen der Israelis das gewaltige Werk des Aufbaus von Dan bis Ellath zu vollenden. Dies vollzieht sich gegen alle Drohungen der Araber, die mit einem eisernen Ring den Jischuw zu erdrosseln versuchen und über all die unei meßliheen Schwierigkeiten eines aus Wunder erstandenen und auf Wunder aufgebauten Staates. Im Nu wird derart eine Brücke geschlagen vom Glauben eines Israeli, der noch einen Tag zuvor in den glühenden Straßen Tel-Avivs wandelte, zur kühl berechnenden Skepsis eines englischen Juden. Ein Israeli und ein englischer Jude! Es gibt kaum einen wesentlichen Gegensatz, wenn beide in ihrem Judentum verwurzelt sind und doch zwei verschiedene Welten. In dem Israeli zittern noch die Nachwehcn der erschütternden Ereignisse der letzten Jahre vor und nach der Staatsgründung — für den englischen Juden war dies nur ein Echo aus weiter Ferne, das ihn wohl mit banger Erwartung oder gar Schrecken als englischer Staatsbürger erfüllt hat, doch sein Innerstes kaum aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Wir Israelis standen an der fordersten Front, kämpften, bluteten und wanden uns durch tausend Gefahren hindurch. Der englische Jude litt zwar an dem Zwiespalt zwischen der englischen Politik und seinem Judentum, doch war cs letzten Endes nur Leid eines in den Strudel historischer Ereignisse mitgeris- H OT E L Stefanie Wien II, TaborstraBe 12 Tel. R 48 2 46, R 49 5 43 RESTAURANT - GARAGE seneti Zuschauers. Heute glätteten sich die Wogen einer trüben Vergangenheit und die Londoner Juden leuchten förmlich \or Freude, wenn man ihnen \on den immer größeren Sympathien des Jiscluiw zur englischen Kultur und dem englischen Volk berichtet. Sie fühlen cs instinktiv: an einem kleinen Streifen des Mittelmeercs wird ein Wunder jüdischer Staatsgründung geschaffen, doch ist irgendwie ihr eigenes Schicksal oder deren Nachkommen mit dem Gedeihen dieses Israeli-Staates verbunden. Auf einem \ls K o n z e r n b e t r i e 1) der \\ iener Städtischen Versicherungsanstalt. des größten \ ersicheriingsbetiiibcs Oesterreichs. bieten wir durch unsere verschiedenen krankcnversjelierungstarifc. die den Zeit\ci hältnisscii angepaßt sind, jedermann die Möglichkeit, sich gegen das wirtschaftliche Risiko s e h w erer E rkra n k un g e n cn t w e d er d u reh eine V OI.I \ ERSICIIERl NC oder durch eine jede Pflichtversicherung ergänzende ZI SATZV ERSICIIERL NG zu schützen. Wiener Wechselseitige Krankenversicherung Wien. I.. Canovagassc 5 L 47 5 74 kleinen Erdstrcifcn vollzieht sich dieses Wunder unter unheimlichen Schwierigkeiten des Aufbaus und der Aliah und derart ist es auch dem kühlen und überlegenen englischen Juden nach kaum vier Jahren seit der Staatsgründung klar geworden, daß durch Israel eine neue weltumfassende und schöpferische Solidarität im Werden begriffen ist, durch die sie über alle Grenzen und Ozeane hinweg am Schicksal dieses Israeli-Staates teilnehmen. * * * „Oxford - Street, Piccadilly - Charing- Cross I Wie ein Traumwandler schreitet der Israeli durch diese prachtvollen, weitausholenden Straßen u. Plätze und bewundert mit aulgerissenen Augen die unübersehbare Fülle der Dinge, die in den Auslagen ausgebreitet sind. Eine Menschenmenge strömt ununterbrochen durch die Straßen, wie eine unendliche Flutwelle. Autos, Autobusse und tausenderlei Vehikel schwirren an einem vorbei. Man achtet auf den Wink des Poliecman und überschreitet gemessen das Gestrüppe des Autos und Autobusse am Piccadilly- und Oxford-Zirkus. Keine Hast und kein Gedränge! Man geht ziel- und scheinbar endlos in der Millionenstadt herum. Die Menge verschlingt einen förmlich! Man staunt und vergleicht unwillkürlich mit der Heimat, die man erst gestern verlassen hat. Um die Mittagszeit stehen auch hier wie in Tel-Aviv, Jerusalem und Haifa Schlangen vor jedem Autobus. Doch hört man hier kaum einen Laut der wartenden Menge. Man drängt sich nicht gewaltsam vor und man stößt nicht einander. Man hat scheinbar keine Eile, trotz riesiger Entfernungen und schreitet mit einem gemächlichen Tempo vor, bis man vom Kondukteur in den Wagen wie ein Gast mit einem hörbaren „Pleuse“ in den Wagen hereingelassen wird. Eine andere Welt! Menschenwellen überfluten die Straßen und man hört kaum einen übermäßigen Lärm. Man spricht überraschend wenig, die Gesichtszüge sind zumeist gespannt und kühl. Jeder scheint luutlos und ohne viel STIMM E JOSEPH \m R>. N tvi'iiibcr waren cs zehn Jahre, daß Joseph Sclimidl \ erstarb, sein Lied das um d’c WcR ging, iiiilrrbrochcn winde. Kurz \nrhrr war er mit dem großen I-liichllingssti■om '.on Frankreich in die Schweiz gekommen, zu jener kritischen Zeit, da inaii an hoher und höchster Siel- Io da’iil'i i ängstlich ratschlagte, wen man in die Schweiz hereinlassen salb' und wen nicht und ob man nicht besser alle bereits ..schwarz Eingcrcistrn" samt und sonders wegen ihrer besonderen ..Gefährlichkeit” wieder an die Grenzen stciLn solle... Einer dieser ..Gefährlichen" w ir •Joseph Schmidt, als \ erfolgter, dem die Sein* ei/. Rettung bedeuten sollte. Joseph Schmidts Stern war schon etwa zehn Jahre \orhcr aufgegangen, in Wien. Mit offenen Armen war er von Film und Radio aufgenommen worden, und bald hatte er sich, noch jung an Jahren, die Heizen des Publikums erobert. Im ..Rettungsboot Schweiz", das nach amtlicher Fei ei hiuing schon ii b e r füll t w a r, schien kein Platz für seine Stimme zu sein.! nd Schonung seiner Stimme war besonderer Luxus, auf den er keinen Anspruch erheben durfte. So mußte sie liier brechen. Sie fiel einer Erkältung zum Opfer, die er sich im Lager zuzog. natürlich zii/ichen mußte, denn in welchem Lager erkältet man sich nichtV Nur erkälten also durfte sich Joseph Schmidt in der Schweiz, singen nicht. Man staune nicht: auch ein Beethoven hätte 1942, als Flüchtling in der Schweiz nicht komponieren dürfen. So wollte es die \rglist. Fs ist eine traurige Erinnerung, diejenige an Joseph Schmidt, und sic könnte eine so schöne, erhabene sein! Müßig zu fragen: Was wäre mit einem Ridiard Tauber, mit einem Al Jolson geschehen, wären sie 1942, aus Frankreich her. ohne Paß. ohne Schriften, ohne Visum. mit leeren Händen, in die Schweiz ..einga reist", wie Joseph Schmidt! Sein einziges kostbares \ ermögen — seine ..EXODUS” Die „Exodus“, eines der berühmtesten .Schiffe in der Geschichte der Alijah vor der Gründung des Staates Israel, wurde an die Gesellschaft „Hajama“ verkauft. Das .Schiff, dias im Jahre 1947 seine Odyssee nach Israel und von da gezwungenerweise nach Hamburg antrat, lag lange Zeit am Wellenbrecher im Haifaer Hafen. Es bestand der Plan, es zu einem Museum der „illegalen Alijah“ auszubauen und bei Bat Galim aufzustellen. Aufhebens seinem Ziel zuzustreben. Ilic und da erspäht man ein Lächeln, doch ist es wie ein Aufleuchten eines Blitzlichtes in einer Dunkelheit. Nur die englischen Frauen und Mädchen scheinen dem Straßenbild Londons einen Stempel von größerer Heiterkeit und Lebensfreude aufzudrücken. Zurückhaltend und voll natürlicher Distinktion schreiten Engländerinnen durch die Straßen und ihr Lächeln unterbricht wohltuend das Grau und die Eintönigkeit der Straßcnmengc. Man spürt unwillkürlich den festen Unterbau eines Imperiums, der auch im Straßcnbilde Londons in den gewaltigen Bauten, in monumentalen Palästen und den zum Himmel strebenden Denkmälern eines Nelson und Königin Viktoria zum Ausdruck kommt. Gilt es Vergleiche zu ziehen? Wo bist du Tel-A\iv mit deiner überschäumenden Vitalität der Juden aus aller Welt? Ein relativ kleiner Mensehenstrom in der Alleinbystreet oder Disengofplatz in Tel- Aviv überragt bei weitem mit seinem Hasten, Toben, Drängen und Lärmen sogar die Londoner City um die Mittagsstunde. N u r die Sonne fehlt in dieser City. Diese lachende, strahlende Sonne Israels! SCHMIDT wunderbare Stimme, sic galt nichts in einer von \ iollaiiscndfuehrii satanischen Stimmen \:ni hrirgsgcschrei und llaßgesaug übcrlönten Zeit. So mußte Joseph Schmidt \or 10 Jahren auf dem Friedhof Friesenberg zur letzten Ruhe getragen werden, und die Traucrfcicr gestaltete sich zu einer ergreifenden Kundgebung der Trauer und Verehrung für den großartigen und berühmten Sänger. Ein Stern war vom Himmel gefallen, ein Stern war erloschen, ln der Schweiz! Eiht Jlctni+i&>z€H'Z Diesci- Tage waren es 00 Jahre, daß der jüdische Mädchen verein „Moriali“, der erste in Oesterreich-Ungarn, gcgrün_ det wurde und seine Tore im Lokal der jüdischen Verbindung ..Kadimah“ — Präsident Isidor Sch.alit — für Gäste öffnete. Es waren nur 7 Mädchen, die vom Zionismus noch nichts wußten, es sieh aber zur Aufgabe stellten, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, national jüdisches Bcwußtscin. wie sie es nannten, zu envekken. Dies war nötig, denn die Assimilation hatte damals schon tiefe Wurzeln gefaßt. In ihrer Arbeit halfen die Bundesbriider der Kadimali. Ihre Hilfe bestand darin, daß sie Vorträge hielten aus jüdischer Geschichte und Literatur und Diskussionen leiteten. Es zeigte sieh, daß die Gründung von Erfolg gekrönt war. denn bald war das Lokal der Kadimall für den Mädchciixcrcin zu klein. Fmigc Jahre nach Gründung unseres \ ereines wurde der zweite Mädchenvereiu. die ..lladassa" gegründet. Später folgte die „Wizo”. Im Januar 1902 verlor unser Verein durch Heirat auch die letzte der Gründerinnen und damalige Präsidentin, aber die erst im Jahre 1900 in den Verein eingetretene Berta Hermann konnte bereits das Präsidium übernehmen. Leider aber bestand der Verein dann nicht mehr lange, da Fräulein Hermann sieh mehr der Clialuzim-I lilfe zu wandte. Sie arbeitet auch noch jetzt als Frau Berta Berger in Tel-Aviv. Und nun die Namen der Gründerinnen dieses ersten „Literarischen Gcselligkeitsv er eins jüdischer Mädchen Moriali“. Berta Schabt, verehelichte Schabt, Fanny Reich, verehelichte Dr. Werner Ida Weiner, verehelichte Salzer Sabina Grudcr, verehelichte Haas Erna Rosenthal, verehelichte Schwarz Eva llorowitz und ich selbst, die das Vergnügen batte, als Mitglied und oftmalige Präsidentin, vom ersten Tag der Vorbesprechung zur Gründung der Moriali, diesem Vereine für 10 Jahre zu dienen. Natalie Kolb - Pollak EIN SIGMUND-FREUD-ÄRCHIV IN NEW YORK Eine Gruppe 'führender Psychologen aus verschiedenen Ländern der Welt hat In New York ein „Sigmund-Freud- Archiv“ gegründet, um Freuds Briefe, Notizen und anderes unpublLüertes Material von und über Freud und seine Patienten zu erhalten. Die Tochter Sigmund Freuds, Anna Freud, hat zugesagt, die Manuskripte ihres Vaters der Sammlung zu spendein. Das schönste Chanukkageschenk Porzellan-, Silber¬ und Krislallgegenstände Spezial-Parfumerie-Artikel In reicher Auswahl Depot ELISABETH ARDEN WIMMER Wien III, Landstraßer Hauptstraße 14-16 Telefon U 11 2 93 A. G, Vereinigter Wiener Tischlermeister Mobelverkouf umi Zentrnle I # j Wien VI, Mariahilfer Straße 31 / Tel ß '/.> 401, R 14) 40S, ß 20-lMb A i toi/ uruj 1ui nlerver k/iuf IVV V Winn XV, Goldschlagslraße 73 / lei. A iV 4 Hl, A i9-Z 70 | Hol/oberflächenbeiwjmilun')v Muter I«j len verkauf j Wian XV, GoldschlagitraBa 65 / Id. fi 11 709

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