Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 69 (Dezember 1952)
- Date
- 1952-12-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 I) I K S T I M I\f K Nr. f>9 Dr. JEHOSCHUAH GUVRIN (Oskar Grünbaum) Tel-Aviv MODERNE SCHÄTZE Die Regierung Israels hat der Knesseth drei wichtige Gesetzentwürfe vorgelogt. ein Gesetz das die territorialen Gewässer um weitere drei Seemeilen erweitert. ein zweites Gesetz das den Meeresboden und den Meeresim(ergründ annektiert und das den Zweck hat die Ausbeutung der im Meeresboden vermuteten \ orkommen an Mineralien und Petroleum zu ermöglichen und ein drittes Gesetz. das Oclgesctz. das an Stelle des aus der Mandatszeit stammenden Oil Mining Ordinance treten soll. Ocl ist ein gar wundersamer Saft, das Lebenselixier der staatlichen Wirtschaft. Hin Staat, der Oet aus seiner Erde strömen lassen kann, ist unabhängig von der Einfuhr von Petroleum und Benzin, kann eine pctrochcmisclie Industrie errichten, billigen elektrischen Strom erzeugen und Devisen aus dem Export des Ocls und seiner Nebenprodukte cinheimscn und ist im Falle eines Krieges unabhängig von der Einfuhr dieser für die Kriegführung so wichtigen Produkte. All das gilt natürlich nur für den Fall, daß der Staat die Oclqucllen in seiner lland hat und daß nicht fremde Trusts die Oelquellen beherrschen, wie es zum Beispiel bisher in Persien der Fall war, oder daß aus irgend welchen Gründen einer hohen Politik kein ernsthafter \ ersuch gemacht wird, das Erdöhl überhaupt zu erbohren, wie das in der Mandatszcit in Palästina geschehen ist. Israel wird dafür sorgen, daß sein Oel, wenn es einmal gefunden wird, nicht eine Einnahmsquellc für Fremde sein soll, sondern die Wirtschaft des Staates fördern und sie sanieren wird. Die Geschichte der Erdölqucllen und der mit ihrer Erschließung erworbenen ungeheueren Reichtümer ist aus unzähligen Büchern und Zeitungsartikeln bekannt. Sie ist von einer reichen Romantik umwoben, die von armen Bauern erzählen, aus deren armseligen Boden plötzlich das Oel sickert, oder von dem Wirtshaus in Drohobycz, das zwar einen schlechten Schnaps verkaufte, das aber trotzdem von Kutschern gerne besucht wurde, weil es im Hof des Wirtshauses eine fette schwarze Erde gab, mit der die Kutscher ihre Wagenachsen schmieren durften. Andere Geschichten erzählen von enttäuschten Hoffnungen und ergebnislosen Bohrungen und verlorenen Millionen. In allen diesen Fällen aber kam das schwarze Gold aus den Tiefen der Erde, manchmal ohne Bohrungen, wie zum Beispiel das Erdharz in den Gruben des Tales Siddim im Negew, in der Nähe des Toten Meeres, in die auf der Flucht die Könige von Sodom und Gomorra hineinfielen und dort crertranken. (Genesis, Kap. 14, Vers 10). Der unersättliche Hunger der modernen Wirtschaft nach Oel und Benzin und die allmähliche Erschöpfung reicher Oelfelder nötigte nun die Geologen nach neuen Oelvorkommen zu suchen. Dabei fiel auf, daß geologische Strukturen des Bodens, die ölhaltig waren und sich in der Nähe der Küste befanden, ihr Ende nicht am Meeresstrand fanden, sondern sich in die Tiefe fortsetzteu, also mit der geologischen Formation an der Küste ein Ganzes bildeten und stufenförmig ins Meer abfielen. Derartige Formationen nannte man „Continental Shell” u id in ihnen fand man öfters Erdöl. Die Oelbohrungen im Continental Slielf im Golf von Meixko und im Meer an den Küsten der amerikanischen Staaten Texas und Luisiania bis zu einer Entfernung bis 29 Seemeilen (1 Seemeile — 1852 Meter) haben ungeheure Mengen von Oel aus den Tiefen des Meeresbodens gefördert. Diese ungeahnten Erfolge waren naturgemäß mit einer Fülle technischer und geologischer Probleme verbunden und beschäftigen weiter die besten Juristen und Kenner des Internationalen Rechts in allen Ländern. Eine Fülle von Fragen wurden aufgeworfen, zum Beispiel: Wem gehört der Meeresboden und der Meeresuntergrund? Kunn ein Staat und welcher Staat Hoheitsrechte auf den Meeresboden ausüben und wenn ja, bis zu welcher Grenze, bis zur Grenze der territorialen Gewässer oder darüber hinaus? Verletzt das Bohren von Oel oder Mineralien aus dem Meeresboden nicht den Grundsatz des „mure liberum”, das heißt, daß dus offene Meer der Schiffahrt aller Nationen frei zur Verfügung stehen muß? Die endgültige praktische Lösung wurde durch eine Deklaration des Präsidenten Truman gefunden, der im Jahre 1945 den Meeresboden und den Meeresuntergrund des Continental Slielf der amerikanischen Küste als Eigentum der Vereinigten Staaten erklärte und die Souveränität und Kontrolle der I SA darauf ausdehnte und weiter erklärte, daß die Grenzen des Continental Shclf durch Arbitrage fcstgestellt werden sollen, falls sich der Slielf bis zur Küste eines anderen Staates erstrecken sollte. Zahlreiche Staaten in Lateinamerika erließen ähnliche Deklarationen und im Jahre 1949 erließ König Ibn Saud ein Gesetz, das die Annektion des Continental Slielf vor den Küsten seines Reiches, also im Persichen Golf, im Roten Meer und im Golf von Aqaba (Elat) aussprach und gleichzeitig die territorialen Gewässer von 8 auf 6 Seemeilen ausdehnte. Das Gesetz verspricht auch Arbitrage für den Fall, als durch die Ausdehnung auf 6 Meilen die territorialen Gewässer eines Nachbarstaates verletzen sollten. Man muß sich nun daran erinnern, daß im Golf von Elat die Grenzen Israels, Aegyptens, Transjordaniens und Ibn Saudiens Zusammenstößen und daß die Bucht von Elat sehr schmal ist. Israel muß daher auf der Hut sein und darf keine Verletzung seiner territorialen Gewässer dulden, die jetzt auf 6 Seemeilen ausgedehnt werden sollen. Niemand kann allerdings wissen, ob es Oel im Meeresboden der Bucht von Elat gibt, aber sollte es dort Ocl geben und zwar innerhalb unserer Hoheitsgewässer, werden wir unsere Rechte darauf zu wahren wissen. Oelbohrungen im Meeresboden sind eine sehr kostspielige Sache. Sie sind 10 bis 14 mal teurer als Bohrungen am Festland und normalerweise wird man im Continental Slielf Israels im Mittelländischen Meer und im Golf von Elat erst dann mit Oelbohrungen beginnen, wenn man an der betreffenden Küste Oel gefunden hat. Niemand kann sagen, ob und wann das sein wird, aber die Aussichten für das Festland werden von berühmten Geologen uls sehr gut bezeichnet. Daher ist auch das Gesetz über die Ausdehnung der territorialen Gewässer, dus neue Oclgesctz und das Gesetz über Ausdehnung der Souveränität Israel auf den Meeresboden und seinen Untergrund unerläßlich und werden die sichere gesetzliche Basis für Investitionen von ausländischen Kapitalisten bilden. Es soll aber auch nicht vergessen werden. daß der Meeresuntergrund nicht nue Ocl, sondern auch Minerulschätze entlud- DER TIEFE len kann. Schon wurden Minerallager im Nege w gefunden, die jetzt gründlich untersucht werden und fromme Menschen verweisen auf die Worte im 5. Buch Moses. Kapitel 8. Vers 9, der sagt .....ein Lind, dessen Steine Eisen sind und aus seinen Gebirgen wirst du Kupfer hauen." VIoses wußte noch nichts vom .Meeresuntergrund. In unserer Zeit wissen wir, daß es im Meeresuntergrund auch Mineralien gibt. Nicht nur viel Geld, auch viel Glück gehört zum Auffinden von .Mineralien und Oel. Hoffentlich wird dieses Glück auch Israel hold sein. Erdöl und Mineralien können Israels Wirtschaft sanieren und das Land reich und unabhängig machen. Wer ist aufdringlich und überheblich? Der nazistische Antisemitismus in Oesterreich hat cs bis heute nicht zur Kenntnis genommen, daß die Hitler-Barbarei eine Seuche war, die die .Menschheit befallen und ungeheure Opfer gefordert hat. Im Weltbrand, den die nazistischen Wegelagerer gelegt haben, ist der Geist, den der „Wiener Montag" wieder au flehen läßt, erstickt. Das von der wüsten Reaktion vergewaltigte Oesterreich, wurde von den demokratischen Mächten befreit, worauf eine Epoche der Freiheit und des Aufbaus begann. Anständige Menschen stehen moralisch und sachlich zur österreichischen Republik, verfolgen mit Interesse das politische Geschehen und wünschen eine gedeihliche und menschliche Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens in Oesterreich. Anders die Unbelehrbaren, die Nutznießer des Nazismus, die in der demokratischen Ordnung nicht zu bestehen vermögen, weil sie sich nur mit fäkalen Dingen beschäftigen müssen... So bringt der „W iener Montag" vom 8. Dezember 1952 auf Seite 8 eine Notiz betitelt „Aufdringlich und überheblich" und vergießt Krokodilstränen darüber, daß das lladiopailamcnt ein einmaliges Reiner trägnis dem l uteistützuiigsfonds der Israel. Kultusgemeinde zufließen läßt. Der schäbige Schreihelling ist peinlich berührt, daß .las Raidoparlament mit der Israel. Kultusgemeimk etwas zu tun hat. Wir wollen die ewig Gestrigen vom ,,VV iener Montag" dahingehend informieren. daß das gegenständliche Reinerträgnis jenen jüdischen Armen zugute kommen wird, die von den Gesinnungsgenossen des „Wiener Montag" belaubt und in Am.ut gestürzt wurden. pfr&Uäu*» Auszug aus einem Artikel von R .Zimmermann VV ährend des vergangenen Monats hat die WIZO die Gründung der 100. Gruppe im verhältnismäßig entfernten Elat, dem jüngsten und neuesten Außenpasten des Landes gefeiert. VV nimm ist dies ein so bedeutendes Ereignis im Leben der WIZO Organisation? Nicht wegen der damit erreichten Anzahl. denn obwohl die gesamte. Anzahl der VV IZO - Mitglieder 45.000 beträgt, ist dies nicht so sensationell im Verhältnis zu der stets steigenden Rcvölkerungs-. Z'ffer. aber für WIZO als Organisation ist es eine Errungenschaft, es ist ein M]cilenslem auf der Straße, die zur Erfüllung eines Traumes führt. Im winzigen Staate Israel und im großen Werke der WIZO als unparteiische und als Erzieliungsmarht hat die Gründung der hundertsten Gruppe ihre wichtige 1' unklion. In der Rückkehr zum reinen Zionismus, zur Wiederschaffung der jüdischen Persönlichkeit bedeutet d > eine sine qua non und nur durch die A ri teil nähme der gesamten jüdischen I'raucnschaft. durch deren Einfluß, ausgehend von dem heiligen Bereich des jüdischen Heimes, kann diese Wiedergeburt des Geistes erreicht werden, ^enn es ist nicht genug, daß das jüdische Volk in seinem eigenen Lande leben, seine eigene Sprache sprechen und seine politischen und wirisch,aflichen Probleme lösen darf. Seine ganze Haltung gegenüber dem Zionismus muß nach diesen Richtlinien einer radikalen Aendcrung unterzogen werden. WIZO verkörpert den Zionismus in seiner reinsten, unparteiischen Form: sie hat in Israel eine Organisation geschaffen. die in der Ausübung des praktischen und sozialen Werkes und der Erziehung der h rauen als Staatsbürgerinnen ihren unschätzbaren Anteil bei dieser Wiedergeburt des Geistes geleistet hat. Dieses Werk ist besonders schwierig, weil WIZO eben eine unpurtiischc Organisation ist. Wir können und dürfen unseren Mitgliedern keine materiellen Belohnungen bieten: wir müssen ihnen vielmehr die harte Lehre der Selbsthilfe und der gegenseitigen Unterstützung bieten, anstatt des leichten Förderungsimttels der W ohltätigkeit oder der Hilfe aus unbekannten Quellen. Es liegt jedoch an uns, daß in unserer Bewegung das positive Moment, das uns untereinander einigt, immer das Ziel der WIZO sein soll. Es wird immer unsere Hauptaufgabe sein, die Neuankömmlinge und besonders die Frauen in dieser positiven Haltung zu erziehen. Ohne diese kann niemals ein wahres jüdisches Bürgertum, noch ein wahrer und echter Zionismus bestehen. Die ersten hundert Gruppen der WIZO in Israel sind ein wichtiger Schritt auf diesem Wege. S. C. HAKOAH A„. 80. November 1952 um 18.00 Uhr fanden im W iener Amalienbad die kluiimeisterschaften der Schw immsektion statt. Vize-Präsident II. Wenkart hielt eine herzliche Eröffnungsrede und wünschte der gesamten Sektion den besten Erfolg. Diese Klubmeisterschaften standen besonders im Zeichen der Jüngsten unserer Jugend und als bester Knabensehwunmer zeichnete sich llarry Kandel (18 Jahre) aus. Bei der männlichen Jugend war Gusti Adler eine besondere U'cbcrrasehung, der in 2 Bew(allen Bestzeiten errang. Weiters zeigte George Herbert, David Walter und Silberberg Dani beachtenswerte Erfolge. Bei unseren Damen zeigte Herta Mengler, daß sie etwas kann, wenn sie will und Ghaimovvitz Susanne, sowie Mimy Tcnglcr hatten unsere Erwartungen nicht getäuscht. Besonders Mimy Tongier, die ihren Mut bewies und im gemischten Bewerb (100 m Rückenkraul) die dritte Bestzeit errang und somit den 1. Platz für Damen belegte. Und zum Schluß unser „Bicerl" Herbert Bicck war wie er es schon immer war, unser Stolz. Elegante Pelzmodelle nur beim Kürschner m eist c r ENGEL Wien XVII, Elterleinplatz 7, Tel. 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