Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 69 (Dezember 1952)
- Date
- 1952-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 69 DIR STIMME Seite 3 Mut zum Bekenntnis T'iir uns Juden, die wir dns grauenhafte Cemet/el. das die Deutschen an uns verübt, überlebt haben, bedeutet die vom Bimdcspräsidcntcn der Westdeutschen Bundesrepublik, Prof. Hcuß, anläßlich der Rinweihung eines Mahnmals im ehemaligen nazistischen KZ Bergen-Belsen gehaltene Bede, einen schöpferischen Akt menschlicher Solidarität und die Aufdämmerung der Erkenntnis, daß eine Verständigung zwischen den Völkern durchaus möglich ist. Die Bede IIcuss’ umfängt uns gleichsam mit dem Lufthauch des wahren Verständnisses, sie legt sich tief in dicScjclej und lindert das unaussprechlich schmerzliche Gefühl das wir empfinden, wenn wir uns das von den deutschen Bassemcnschcn in den Jahren 1938—1945 uns bereitete Schicksal vor Augen führen. Die Bede des Präsidenten IIcuss ist umso bcdcutungs- und wertvoller, als er nach dem lateinischen Spruch handelte, der du lautet: „Vitam impenderc vero!“ (Sein Leben opfern dem Wahren). In Deutschland, wo der Nazismus noch nicht erloschen ist, wo SS-Angehörige wichtige Staatsposten bekleiden, Bitterkreuzträger sich zu Organisationen Zusammenschlüßen und aufrechte deutsche Menschen, die eine demokratische Einstellung bekunden, als Verräter bezeichnen, sind Worte aus dem Munde des ersten Bürgers, mit einer Botschaft eines Engels zu vergleichen. IIcuss sprach: „Wer in Belsen als Deutscher spreche, müsst i sieh die innere Freiheit zutrtauen, die; volle Grausamkeit der Verbrechen, die von Besuchet HÜBNER’S BETRIEBE in Wien. Kobenzl, Meierei Stadtpark, Splendit-Bar im „Feuchten Stock“ zum Heurigen mit Schrammeln Deutschen hier begangen wurden, zu erkennen. Wer sic beschönigen oder bagatellisieren wollte, gar mit Berufung auf irregegangenen Gebrauch der sogenannten Staatsräson, würde nur frech sein. Wir haben von den Dingen gewußt! Wir wußten auch aus den Schreiben evangelischer und katholischer Bischöfe, die ihren geheimnisvollen Weg zu den Menschen fanden, von der systematischen Ermordung der Insassen deutscher Heilanstalten. Wir Deutschen wollen, sollen, müssen tapfer zu sein lernen. Gegenüber der Wahrheit, zumal auf einem Boden, der von Exzessen inenschlchier Feigheit verwüstet wurde. Furchtbar ist das, was zwischen 1933 und 1945 den Juden widerfuhr! Etwas Neues war dabei geschehen : Der Durchbruch des biologischen Materialismus der Halbbildung führte zur Pedanterie des Mordens als automatischer Vorgang, ohne das geringste Bedürfnis nach einem bescheidenen, quasi moralischen Maß. Dies, gerade dies ist die tiefste Verderbnis dieser Zeit und unsere Scham, daß sich solches im Baum der Volksgeschichte vollzog, auf der Lessing und Kant, Goethe und Schiller in das Weltbewußtsein traten, diese Scham nimmt uns niemand, niemand ab.“ Wer hätte vor dem Hitlerismus geglaubt, daß das deutsche Volk den Gipfel der menschlichen Verworfenheit erreichen, die Grausamkeit organisieren und den kaltblütig berechneten Mord an der Menschheit in überdimensioniertem Maße begehen wird? Präsident Heuss sagt in diesem Zusammenhang: „Der teilweise ß. Teilet WIEN I, SALZTORGASSE 5 TELEFON U 25-4-85 HERREN-, DAMENKLEIDER UND -MÄNTEL MODISCHE SPORT- UND REGENSCHUTZBEKLEIDUNGS¬ FABRIK vorgebrachtc Vorwand, daß von anderer Seite Aehnlichcs begangen worden sei, sei verwerflich. Auf I nrecht und Brutalität sich berufen, ist das Verfahren der moralisch Anspruchslosen!“ Die Zwangsvorstellung der Antisemiten, daß der Jude an allem schuld sei und daher zum wirtschaftlichen oder physischen Tod verurteilt werden müsse, hat unsere Epoche mit dem Brandmal gezeichnet. Eine brutale, geschickt aufgezäurnte Göbbclsche Propaganda hat die räuberischen Instinkte des militaristischen Geistes gereizt und vorsätzlich alles Böse im Menschen entwickelt. Die Leiden, die Deutschland uns zufügte, werden letzten Endes keine völlige Ahndung finden. Dies wird bei reaktionär eingestellten Menschen die iJebcrzcugung festigen, daß die Schuld des Nazismus am Völkermord nicht ins Gewicht falle und die Ausrottung der Juden keine unmenschliche Grausamkeit darstellc, da es um Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes ging. Daß der Nazismus das deutsche Volk ins Unglück stürzte, wird einfach nicht zur Kenntnis genommen. Der getötete Geist, die abgewürgte Moral hatten in Hitlerdeutschland keinen ethischen Kern .sonst wären die Gegner des Begimes innerhall) der deutschen Gemarkungen aktiver und die Vorbereitung zu einer Bc\ollc um einigem Erfolg begleitet gewesen. Hoffnung und Ausblick bedeutet die edle Kühnheit der Konzeption Professor IIcuss'. dessen großartige Universalität uns die Wahrheit vermittelt, daß der llumanitätsgedanke wahr ist und an Kraft gewinnt, die Schande der Gestapo der Konzentrationslager, des Meuchelmordes und der Brandschatzung zu überwinden. l’m mit Schiller zu sprechen: ..Das Schönste sucht er auf den Fluren, womit er seine Liebe schmückt.“ Prof. Heuss lehrt das Bekennen der vollen Grausamkeit der nazistischen Verbrechen und die Tapferkeit gegenüber der Wahrheit. Diese Lehre betrifft alle Menschen, insbesondere die in Deutschland und in Oesterreich. Hier in Oesterreich stand leider keine Persönlichkeit von Bang und Namen auf, um mutige Worte der Wahrheit auszusprechen. Wenn Oesterreich der Wahrheit nicht ins Auge sehen kann, wird siine Schuld dadurch nicht kleiner... Bernhard Braver DelegUctec UceutMc U% Wie** Herr S. I. Kreutner, Delegierter des Organisationsdepartements der Jewisn Agency, iiberbrachtc der Zionistischen Föderation die Grüße der Zionistischen Exekutive in Jerusalem und der Goodwill- Mission, die vor kurzem Europa bereiste. Herr Kreutner hatte Besprechungen mit allen zionistischen Organisationen in Wien und es gelang ihm, durch seine diplomatische und konziliante Art die Zionistische Föderation zu festigen und gemeinsam mit dem Präsidium und Plenum ein Arbeitsprogramm aufzustellen, welches es erlaubt, auch weiterhin die individuelle Arbeit der einzelnen Gruppen fortzusetzen. Das bis dahin provisorische Präsidium der Föderation wurde bis Ende 1953 bestellt und dadurch wird es möglich sein, auf weite Sicht zu planen und alle Veranstaltungen der Föderation gründlich vorzubereiten, ln den Sitzungen vom 30. November und 1. Dezember wurde im Beisein des Konsuls Eshel, des Delegierten Kreutner, des Oberrabbiners Dr. Eisenberg und der Herren Jona Bosen und Natan Schwalb von der Jcwish Agency Wien, das Präsidium einstimmig gewühlt und Kommissionen bestellt, die eine gedeihliche Arbeit gewährleisten sollen. Aus dem Beferat des Delegierten der Zionistischen Exekutive, S. 1. Kreutner, bringen wir folgende prägnante Sätze : „Ich bringe Ihnen zur gleichen Zeit brüderliche, vom Herzen kommende Grüße von der Zionistischen Exekutive in Jerusalem und das Bedauern der zionistischen Goodwill-Mission, die vor kurzem Europa bereiste, ihre Föderation nicht besuchen zu kennen.“ „Was ist eine zionistische Goodwill- Mission V Sie demonstriert vor allem den Wunsch der Exekutive den Zionistischen Föderationen in den verschiedenen Ländern ihr Wohlwollen, ihre Freundscahft und ihr Interesse kundzutun. „Wir wären sicher alle viel glücklicher, w enn die Juden, die sich heute in Oesterreich befinden, in Israel lebten. Da es aber leider nicht der Fall ist, müssen w ir, um unsere zionistische Pflicht zu erfüllen, zwei elementare Funktionen uusführen; 1. Die Juden Oesterreichs mit Israel und dei Zionistischen Weltorganisation so eng wie möglich zu verbinden, zweitens die Jugend die hier lebt, für ein Leben in Israel zu erziehen und sie für die Notwendigkeiten in Israel vorzubereiten. In diesen zwei Funktionen sehe ich die Grundpfeiler Ihrer künftigen zionistischen Tätigkeit.“ „Ich will nur noch, kurz einige Aufgabengebiete der Föderation streifen, wie z. B. einen Versuch zu unternehmen, Ortsgruppen in den Provinzstädten aufzustellen, um den dort lebenden Juden einen Kontakt mit Israel und mit der Zionistischen Weltorganisation zu ermöglichen. Die Mobilisierung aller Zionisten in der Arbeit für die Fonds, die von Israel von großer Bedeutung sind.“ „Darf ich nun zum Schlüsse meiner Ausführungen den Wunsch äußern, daß ihre Föderation alle zionistischen Gruppen in Wien zur Arbeit heranziehen möge, daß sie eine kräftige, arbeitswillige Leitung wähle, um auch in Oesterreich der glorreichen Tradition des Wiener Zionismus gerecht zu werden, die einst der Stolz aller Zionisten war.“ * * * Das neue Präsidium ln der Sitzung vom 30. November wurde folgendes Präsidium für die Amtsdauer bis Ende 1953 gewählt: Herr Gustav Leitner, (Allgem. Zionist) Präsident; SINGER STOFFE IS DIR ROTESTURMSTR 1f ENGLISCHE KAMMGARNE REINWOLLENE DAMEN- UND HERRENSTOFFE SEIDENNOUVEAUTfiS TEL. U 21-3-88 I T A L I A SCHIFFAHRTSGESELISCHAFT-OENUA Expreßdienst nach NORDAMERIKA u. KANADA (Genua — Neapel — HALIFAX — New York) " M/S ,,Vulcania" am 18. 12. 52, 7. 4. 1953, 13. 5. 1953 usw. 'MS ,,Saturnia” am 5. 1. 1953, 9. 2. 1953, 21. 3. 1953 u-,w. Jungfernfahrt des 28.000 B. R. T. großen Turbinenschiffes „ANDREA DORIA" am 14. Jiinner 1953 Ankunft in New York am 23. 1. 1953 Weitere Abfahrten des „Andrea Doria" am 7. 3. 1053, 2. 4. 1953 usw. * berühren Halifax Expreßdiensf nach SÜDAMERIKA Regelmäßige Abfahrten mit: M/S Augustus", M S „Giulio Cesare", S S „Corde Biancamano", S/S „Corde Grande" und M/S „Toscanelli" Weitere regelmäßige Abfahrten nach : ZENTRALAMERIKA, Nordu. Südpazifik Auskünfte u. Buchungen bei der Zweigniederlassung in WIEN I., Kärntnerring 6, Tel. U 47 5 60 Serie, bei der Filiale in GRAZ, Annenstraße 10, Tel. 67 07 sowie bei allen Reisebüros. Keren Kayemeth Der Keren Kajcmcth in Wien nahm dieses Jahr von der Veranstaltung eines Chanukaballs Abstand. Die Leitung des KKL ließ sich von der Erwägung leiten, daß die unverhältnismäßig hohen Spesen und der Aufwand an Mühe, mit einem mageren Beinerträgnis nicht in Einklang stünde. Der KKL rechnet zuversichtlich mit dem wachen Interesse spendender Hände und hofft, daß die Juden Oesterreichs das Wunder, welches in Israel vollbracht wurde, sich vor Augen führen und das Grandiose dieses Werkes zu Herzen geben lassen werden. Israel steht aufnahmebereit für alle Juden, denen in der Galuth zunächst die Pflicht erwächst, dem KKL pekuniär bei - zu stehen. Herr Neugröschl, (Misrachi) und Herr Schönfcld (Mapam) Vizepräsidenten; Herr Dr. D. Schlang (Mapai) Gen. Sekretär: Herr Lazar jun. (Bevisionist) Kassier; Herr Fritz Müller, administrativer Sekretär. Beisitzer im Präsidium ist je ein Vertreter der WIZO und der Parteilosen. In das Präsidium kooptiert wurde Herr Üb.-Babb. Dr. A. Eisenberg. Als Neuerung in der Zusammensetzung der Föderaion ist zu verzeichnen, daß die gewählten zionistischen Kultusmandatare, sowie die WIZO und die Parteilosen in der Föderation mit Sitz und Stimme vertreten sind. * * * Im Zionist. Landesverband Am 2. Dezember veranstaltete d.*r Zionistische Landesverband in Oesterreich einen Empfang für den Delegierten der Zionistischen Exekutive Herrn S. I. Kreutner. Der Präsident Dr. Herzberg begrüßte den Gast, hieß ihn willkommen und würdigte die erfolgreichen Bestrebungen des Delegierten, um den Neuaufbau der Zionistischen Föderation in Oesterreich. Cliaver Kreutner gab uns einen sehr interessanten l'ebcrblick über die politischnc Verhältnisse in Israel. Bis spät in die Nacht dauerte das gemütliche Beisammensein mit diesem liebenswürdigen Abgesandten unserer E\ckuti\c. Erstklassige Stolle und Zugehör, sowie beste Verarbeitung bilden die Grundlage der bewährten TELLER-KLEIDUNG ///. Htüpftjra&c SS- 90 U16 2 f6 VfcA','!Li*bBWw**,.4* . •» .i;*