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Die Stimme · 1952-12-01 · Heft 69 (Dezember 1952) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 69 (Dezember 1952)
Date
1952-12-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 die S T I INI!>! E Nr. ()•) Partei ti' lim im Verlauf flrr zw eiliimdert - jäliriircn I leim inft di r {bi erben iini’it mein' an \iisd< lumm: und Macht zu. ihre Vnhämjrr \ r: mehrten ^irli um Geschlecht ZU ( i('sl lllccll (. S > (| l ß der I len schaft dei Sen I [cl’.en Priester aus ihr Diese l’nu'üiini; bildete f:i!ie für die jüdische die Kivslenz. des \ ilk -s Doch h-it der sittliche (hast der IVoplu trn (buch die reue Fr/icliiimjsarbrit der Sopherim in der Seele des \ olk -s. namentlich der Ruueniklussr. schon tiefe Winzeln jicschl agrti und ('s entstand eine natiomdrcliginsc Gegenpartei. die fest entschlossen war. ihre national;' Eigenart zu bewahren. an fiirrr schlichten., ungekünstelten, prunklosen. aber gesunden. auf Gcrcrlitigkrit und Tugend basierenden Kultus festzulialten und sie gegen jeden Feind zu \crteidigeu. Sie nannten sich ..Gliussidim" (Wohltätige. Fromme . auch ..Vnavim". ..Zenuim" 'Bescheidene'. Sie w aren die \ orgünger der Pharisäer und \ssoäer und forderten nicht nur Gerechtigkeit und die gesetzmäßige Pflichterfüllung, sondern auch die über sie weithinausgehende Liebe (..liplinim misclnirath badin"\ Ihr Motto wir; ..Was mein ist. ist auch dein und was dein ist. behalte cs!” (Avoth, 5. FT ..Wer schwer zu erzürnen ist. sich aber leicht besänftigen läßt, ist ein Cli riss i d *' (Avoth. 5. 4.) ..Bin Chassid ist der. welcher selbst gibt und veranlaßt auch andere, zu geben”. (Avoth. 5. 13} Fs gab unter ihnen viele, die nicht nur ein beschauliches Leben führten, sondern auch ..Männer der Tat" (..Ansche Mausse"'. Einige nannten sich „Bannaim" (Bauleute. Handwerker), weil sie. trotz ihrer Gelehrsamkeit. — zum l nterschiecic von ihren heutigen Namensträgern — nur von der Arbeit lebten. Eine andere Gruppe wurde ..Yatikim” (Sittliche. Tüchtige) genannt. Alle diese Gruppen schlossen sich dann Juda Makkabi in seinem Aufstand gegen die Griechen an. Trotz ihrer friedlichen Gesinnung und ihres Abscheues vor der Anwendung von Gewaltmitteln, hielten sie es für eine heilige Pflicht. Religion und Vaterland mit dem Aufwand aller zur Verfügung stehenden Mitteln zu verteidigen. Bis zum Ausbruch des Aufstandes ließen sich Unzählige für ihre Ideale töten. Greise. Frauen und Kinder starben den Märyrc rtod. darunter Channe und ihre sieben Kinder. Als aber Juda Makkabi das Volk zum Aufstand gegen den großen Feind der jüdischer, monotheistischen Kultu : Antiochos Epiphanes aufrief, zögerten sic nicht, sich ihm anzuschließen. Dieser Antiochos ..Uarascha” faß‘e den Entschluß, den Plan .Alexanders zu verwirklichen, eine W eltmonurchie unter griechischer Hegemonie zu errichten. Sein Entschluß entsprang aber nicht ideilen Motiven, sondern Ehrgeiz und Machtstreben. Er war daher weniger darauf bedacht, das Wertvolle und Große an der griechischen Kultur: Die Wissenschaft und die schönen Künste zu verbreiten, vielmehr in erster Reihe die griechische Religion, mit ihrem unzüchtigen, bacchantischen und orgiastischen Kultus in alle Vasallenländer zu verpflanzen. Fir schickte sich an, auch dem jüdischen Volke, den griechischen Pantheon mit Gewalt aulzuzwingen. Die jüdischen Hellenisten, die die patriarchalische, von sittlichem Ernst. Gewissenhaftigkeit und Pflichtgefühl g:- tragene jüdisch'' Kullur als zu primitiv und /ii strenge auffaßlrn. die Enthaltsamkeit. die 1 nterdrückung der Triebe als naturwidrig hielten, leisteten \nti >- sie in der Zeit rhos Epiphanes in seinen II elleuisieruiig- -! »rillen sogar die brslrrhiuigen 1 lilfsdienste. Wie die WJer Vlitt e stellten. n• i 1 inten aller Zeilen, über; snlien auch de eine e niste Ge¬ (Fas \\ ei tveile und Erhabe ne im Jud 'u- Kultur il n d für tum und eiligen in ihrem Virlinhmungse fer und ILidik ilismus zu weit. Antisemitische Eskapaden Dr. Wolf llerzhrrg. V i/.t priisident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien STOFFE KLEIDER ent DAMEN HEHREN UND KINDER Qut und preiswert vom Jiaufhaus BcücUe Uafoc Wl«n VII, MarlahllfsritraB« 90 Talaphoai B 36 061, B 36917 W ic immer ein Evtrem das andar erzeugt. v> tief auch der Radikalismus der l!( llenisteii die Gegenströmung d r Ghassidim hervor, die radikal gegen alles Griechische auftraten und auch alles W ertvi IF' Schölle und Gute daran verholen. Sie und ihre Nachfolger, die .Sch am mailen. schufen scharfe Trenmiugsgeseize. um jeden Einfluß von außen auszuselinlteil. Doch gelang es diesen l eberstrengen und W isseiisehaftsseheuen nicht, das Eindringen der griechischen Sprache un.l W isscnschaft in Israel zu verhindern. Auch große fromme Gelehrte unterlagen ihrem mächtigen Einfluß und zuletzt au -!i die llasmonäcr. die dann der saduzäisehen Partei angchörten, den gemäßigten Nachfolgern ein Hellenisten. Die Thcokra'ie fiel, mii ihr die patriarchalische Or.lnung. Der .Makkabäeraufstand wurde vn,i Erfolg gekrönt, die Selbständigkeit wieder hcrgsctellt. Es entstand die I Lisinonäisehc Dynastie, aus der ach t ’ Generationen. in den acht Cbanriukaliebtcrn symbolisch angedeutet, auf dem Throne Davids saßen. Mit der Monarchie, gegen die die Propheten mit Kraft eiferten und deren unglücklich geführte Politik, die Zerstörung des ersten Staates herbei führte. traten die alten dynastischen Streitigkeiten und das politische Ränkespiel in Jerusalem wieder auf. Die ,,Stille und Ruhe" der geistigen Republik war geschwunden. Dies ist die Schattenseite d v Makkabäer Ihre großen Verdienste und die Bedeutung des großen historisch \i Ereignisses des Makkabäeraufstandes liegt in der Errettung der jüdischen Kultur und mit ihr des gesamten Volkes vor der Vernichtung durch den Despoten Anti »- clios Epiphanes, der im Zuge seines Hellcnisicrtuigsplanes viele kleine Völker ausgelöscht batte, sowie auch in dem kühnen, gewagten l'nternchmcn und ihrem beispiellosen Mute, den nur die große Begeisterung für eine Idee auszulösen vermochte. Diese große Kraft der Begeisterung, die wie ein kleiner Funken aus der cliasmonäischcM Heldenfamilie ausging, und sieb zu einer lodernden Flamme entzündete und alles mit sieb riß. wird in der reichen Bildersprache der Alten, symbolisch als ein kleines Kriiglein Oel darg *- stellt, das Brennstoff nur für einen 'Fog enthielt, jedoch aber acht Page brannte. Diese Allegorie entstand sicherlich in einer Zeit, wo das freie, unverhüllte Feiern von nationalen Freiheitsaufständ *n als staatsgefäiii lieh untersagt war.... Auch heute noch, wie zu allen Zeiten und in allen Orten, wo das nationale Gefühl noch nicht erloschen ist. leuchtet das Lieht der Menora am Chanukkafest als Symbol des Sieges der Idee der Freiheit und Gerechtigkeit über die rohe VIacht der Gewalt und der l ntcrd rückung. JAKOB TANNEN BAI VI Wellpappe-, Kartonagen-, Büroartikel-Fabrikeu und Druckereien A. GLOCKSMANN&SdHNE Wien XVII., Bcheimgasse 77 A 29 2 27 A 28 0 29 Die Lorbeeren des ..W iener Samstag1’ lassen den Skriblcr des ,.W iener Montag” nicht ruhen. Er leistet sieh in der Nummer vom 27. Okt. 1952 eine pamphl ((artige Eskapade, die inhaltlich eigentlich eine \V iederholung der Auslassungen im ..Samstag” sind. Er wird sicherlich Gimpel in erheblicher Zahl finden. die ihm auf den Leim gehen. Allein viele von diesen werden lächerliche Stellen dieser Eskapade entsprechend zu würdigen wissen. Noch immer gibt es eine ganze Anzahl von Oesterreichcrn, welche der Meinung sind, daß bereits alle die l iigelicuorlichkcitcn, die während des Nazi-Regimes begangen worden sind, gänzlich in Vergessenheit geraten werden. Noch immer gibt es eine erhebliche Gruppe von unseren Mitbürgern. welche glauben, daß ihnen Unrecht geschieht, wenn Recht gefordert wird und das l nreelit besieht, nach der Meinung dieser, darin, daß man es wagt, zurüek/.uv erlangen, w as in buchstäblichem Sinne geraubt worden ist. Nicht nur Häuser und große Unternehmungen, Fabriken, etc. sind im Zeichen Hitlers den Besitzern weggenommen worden, sondern die anderweitigen Schäden, wie Beschlagnahme und Raub von wertvollem Schmuck, Mobilien, Geldeinlagen, Wertpapieren, etc. übertreffen summarisch den Wert det erslcrcn. Der Schreiberling wagt cs zu behaupten, daß sieh die Eigentümer „freiwillig’4 ihres Vermögens entäußert haken, um ebenso ..freiwillig’’ auszuwandern, weil sie angeblich hier nicht weilen wollten, wobei man sieh dem Sinne nach hinzudenken muß, daß sic ja ohne weiters hicrbleibcn konnten und durften. Er geht aber noch weiter und meint, daß die Eigentümer die Situation ausgenützt haben, um die Preise, die sic für ihre Güter erzielt haben, ins Ausland transferiren zu können, indem er noch hinzufügt (selbstverständlich denunziatorisch), daß der Transfer auf schwarzem Wege sieh vollzogen hat. Er übersieht hiebei bewußt die Tatsache, daß man selbst „freiwillig” das Land nur mit einem Betrage von RVI 10.— verlassen konnte. Noch lächerlicher und banaler ist die weitere Behauptung dieses Pamphlets, daß bei Slaluierung der Nichtigkeit der abgeschlossenen Rechlsverträge. auch in Betracht gezogen werden müßte, daß für die jüdischen Veräußerer derselbe Nichligkeitsgrund bestünde, denn sie hätten unter ..listigen Vorspiegelungen4’ den Ariseur rpiasi gezwungen, das Haus oder das Unternehmen, etc., zu erwerben. Er negiert somit nicht bloß die Nichtigkeit solcher Rechtsgeschäfte, sondern er mö( hie sogar dem Veräußerer noch eine Selrulenersatzpflicht aufcrlegen. Soll man noch weiter mit einer derartigen Auslassung polemisieren 7 Der Skriblcr will aber seine Auslassungen mit einem Man (eichen der Objektivität verschleiern, welches mehr als Hinterlist und Hinterhältigkeit in sich birgt. Im Schlußsatz dieser Eskapade bezeichnet er den Gedanken einer Wiedergutmachung als richtig und demokratisch. nlleir die Rückslellungsgesctze hätten jedoch anders ausschaucn müssen und zwar so, daß der größte Teil des gerauhten jüdischen Vermögens in den Händen der Ariscure verbleiben müßte. Soweit die Erwiderung auf die Auslassungen dieses Blattes. Wir aber haben nicht vergessen, was uns das Hitler-Regime angetan hat. Wir haben nicht vergessen, daß gerade ein großer Teil der österreichischen Bevölkerung bahnbrechend in der Verfolgung und in der Art der Verfolgung ihrer jüdischen Mitbürger war. Wir können nicht so leicht vergessen, daß hier eine Meute gegen die jüdische Bevölkerung aufgescheuclit worden ist und daß hunderte von Familien in den Tagen nach dem 13 . März 1938 ihre Zuflucht nach Deutschland nahmen, wo die Verfolgungen nicht diese Form angenommen hatten, obwohl das Hcgimc seit 1933 dort am Werke war. Es handelt sieh nicht bloß um die Rückstellung des arisierten Vermögens, sondern um die Wiedergutmachung von Schäden aller Art, an deren Zustandekommen ein Teil der österreichischen Bevölkerung mitgewirkt hat. Wir kämpfen um das Recht, auch wenn unsere Gegner dieses Recht als Unrecht bezeichnen. ZUM PRAGER PROZESS Der Prager Slaatsgerichlshof verurteilte in dem großen Schauprozeß gegen I4 ehemalige führende Mitglieder der tschechoslowakischen Komm unis tischen Partei l l Angeklagte, darunter den ehemaligen Außenminister Vladimir Clcmentis lind den früheren KP-Gen. -Sekretär Rudolf Slansky, zum Tode. Sic waren der Spionage und Sabotage, des Zionismus und Titoismus und der geplanten Ermordung des Staatspräsidenten Gottwald beschuldigt worden. Die drei Angeklagten Lönl, llaydu und London erhielten lebenslänglich Gefängnis. Unter den Angeklagten befanden sich elf Juden. Die israelische Kncsscth verurteilte den großen Prager Säuberungspro/eß, in dem wiederholt zionistischen Organisationen Spionagetäligkcit vorgeworfen wurde, als eine Beleidigung des jüdischen Volkes. Nach vierstündiger lebhafter Debatte nahm die knesseth mit überwältigender Mehrheit eine Entschließung an, in der großes Entsetzen iincr de i Prozeß geäußert wird, der den guten Namen Israels besudelt und die traditionelle Freundschaft zwischen der tschechischen und der jüdischen Nation untergräbt. Ben Gtirion ist besorgt. Der israelische Ministerpräsident Divid Ben Gurion äußerte große Besorgnis über das Schicksal der zweieinhalb I■ Ilinnen Juden in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang. Zu dem Prager Prozeß Stellung nehmend, sagte Ben Gurion; ..Die Angelegenheit ist furchtbar ernst”. „Ich wäre glücklich, wenn sic nicht einen furchtbaren, tragischen Wendepunkt einlei tete.4’ Beschämend ist es und stimmt traurig, daß der kommunistische Gerichtshof in Prag den Antisemitismus auf die Spitze getrieben und Männer zu nationalistischen Juden gestempelt hat, die mit dem Judentum tatsächlich nichts zu tun hatten. Die Nachwelt wird erstaunt fragen, wie cs möglich war, daß, nach dem bestialischen Nazismus, ein Prager Gericht den Mut aufbrachtc, uns Juden zu schmähen und uns Taten zu bezichtigen, die wir niemals begangen haben. Der Prager Gerichtshof konnte dies nicht schlüssig beweisen, sondern stützte sich vielmehr ja(uf Aussagen, die durchwegs nebulös waren. „ELSE” PARFÜMERIE WIEN I, STEINDELGASSE l (beim Tuchlauben-Kino) TELEFON U 21 3 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U. S. A. FUANKMEICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir schicken offiziell Pakete mit Parfümerien und Seifen nach Israel! Israel-Abteilung Capri-" ‘ Wien I, Graben 10 Telephon R 26100 Offizielle Verkaufsstelle aller Flug-, Schiffs- und Bahnlinien PaB- und Visabesorgung 55

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