Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 69 (Dezember 1952)
- Date
- 1952-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. b. b. ÖtfyOH du Atlty&ntiHCH ÜöhUUh in ÖsiuccUU Preis 2 Schilling Redaktion und Administration : Wien I X, Universitätsstr. IVr. 4/4 Telefon A 26 4 73 Postscheck-Konto Nr. 134.292 Dezember 1952 h Zionistischer Landesverband Wien Jizchak Ben Zwi Der neue Präsident Israels Am 8. Dezember 1952 hat das Israelische Purlument (Knesset!)) Jizchak Ben Z \v i zum Präsidenten gewählt. Die Wahl fiel auf eine der größten Persönlichkeiten des Staates Israel. Jizchak Ben Zwi kam ain 6. Dezember 1884 in Poltawa (Südrußland) zur Welt. Er ist ein Enkel von Moshe Iwicr, eines Gaons und Mitgliedes der Chowewe Zion. Ben Zwi besuchte die jüdische Elementarschule (Glieder) und absolvierte das Gymnasium in Poltawa. Er gründete gemein - Zwi als Emigrantin den Vereinigten Staaten von Amerika, wo er gemeinsam mit dem jetzigen Ministerpräsidenten Ben Gurion das sehr interessante Werk „Erez Israel“ in jiddischer Sprache hcrausgub. In Amerika jiahm er an der Gründung der jüdischen Legion teil und trat in deren Verband ein. Im Frühjahr 1918 nahm Ben Zwi an den Kämpfen gegen die türkischen und deutschen Heere in Palästina teil. Der jüdischen Legion gehörte er 2 Jahre lang an und nach deren Auflöggf*»’ *>''4 f&US1 ** Sam mit dem \erewigten Brr Roroelmw die Poale Zion in Rußland und rief eine Bi udcroi gaiiisation in der Krim ins Leb.m Nach Beendigung des Gymnasiums, i.i skribierle Ben Zwi an der Universität in Kie w und studierte Naturwissenschaften. Im Jahre 1904 verließ Ben Zwi Rußland und ging nach Palästina. Er gründete das Ilei inische Gymnasium in Jerusalem, an dem er als Lehrer wirkte. Im Jahre 1906 war Ben Zwi in Wien und hielt hier Verliägc, die die Aufmerksamekit der politischen und gebildeten Welt hervorriefen. Vom Jahre 1915 lebte R.m sung widmete er sich der Politik und der W issensehufl. Im Jahre 1912 ging Ben Zwi nach koiistantinopel und studierte an der dortigen Universität Jurisprudenz. Im Jahre 1927 erhielt Ben Zwi die Berufung als Stadtrat von Jerusalem und auf der Vertretervei Sammlung der palästinensisch m Juden (Assefat ha-Nifcharim) wurde Ben Zwi in den Vorstand des Waad halcumi entsendet. Im Jahre 1925 ernannte Sir Herbert Samuel den jetzigen Präsidenten / an Mitglied des Advisory Council. Ben Zwi befaßte sich mit dem Studium der rrrn n^rrr cwn rvnnKnn Gmm Nr. 69 1952 CUg4tiuUU& 5713 ln der Epoche des zweiten Staates wurde durch Esra und Nachcima, im Sinne des Priester-Propheten Jchcskcl, eine Synthese von Priestcrlehrc und Prophetismus geschaffen. Tempel und Kultus einerseits, dies forderte, trotz Jesaijah 66. 1 — 3: Jesaijah 1, 11 — 18, die Entstehung der Diaspora: strenge Neutralität und Friedenspolitik andererseits (Jesaijah :vj — 15: Jesaijah 57 —19). Nicht in machtpolitischen Bestrebungen und Militarismus sahen die Propheten die Aufgabe des Volkes, sondern im Gegenteil ui der Propagierung des Univcrsalismus, Pazifismus und in der sozialen Gerechtigkeit. Der Prophet Sccharirja gab die Losung: „Nicht durch Heere, nicht durch Macht, sondern durch den Geist“ (Sech. 4, 6). Die erste Periode der Perserherrschaft verlief auch in Stille und Ruhe. Nach dem Tode des Kronprätendenten wurde eine Theokratie errichtet, die eigentlich eine Nomokratie, eine geistige Republik war. Man kam zur Ueberzcugung, daß der Univcrsalismus und der allgemeine Weltfrieden utopistische Gedanken sind, zu welchen die Menschheit noch nicht reif ist, so ging man daran, den dritten großen Gedanken der Propheten: die Soziale Gerechtigkeit im eigenen Lande ‘in stiller und friedlicher Arbeit zu verwirklichen. in seinem Bestreben, den Osten mit dem Westen zu verschmelzen, kolonisierte Alexander der Große viele Griechin auch in Israel. Durch die Berührung mit denselben, lernten die Juden die griechische Kultur kennen, die der jüdischen diametral entgegengesetzt war. Der Einfluß der griechischen Kultur in Palästina führte zu einer Spaltung und zum Bürget krieg im Judentum. Die jüdische Kultur ist auf dem Prinzip der Gerechtigkeit uufgehuut. Nach den Vorschriften der Thora, die zu jener Zeit die Staatsv erlassimg war, ist der Grund und Boden Gemeinbesitz. Durch die gleichmäßige Verteilung desselben und durch das Schemitageset/. konnte kein Großgrundbesitz, k >i Geschichte und Ethnographie Palästinas mui veröffentlichte seine Abhandlung, u im Sammelwerk „Schear Jischuw” mui in mehrt reu Broschüren und Zeitschriften. Ein l niversidist. großer Geist und würdiger Nachfolger des hcimgegangciu u Prof. Weizmunn tritt jetzt an die Spitze der Mcdinatli Israel. Beil Zwi ist in seiner Lebensart einer der bcpcheidcnsten Männer im Lande* *; ihn zeichnet besonderer Edelmut, üpferwiiligkrit, Menschenfreundlichkeit. Güte und vorbildilehe Bedürfnislosigkeit aus. Wir vermerken hei dieser Gelegenheit mit Freude, daß er des Glückes teilhaftig ist, sieh des 90. Geburtstages seines noch rüstigen Vaters zu erfreuen. Jcchi nessi Mcdinatli Israel Ben Zwi mca w'essrini schanah! * * * Mittwoch, den 10. Dezember 1952 hielt der neue Präsident unter den klängen der „llatikwah“ feierliehen Einzug in die knesseth. Der Staatspräsident hat Jerusalem zur Residenz gewählt, wo er den größten Teil seines Lehens verbrachte. Jizchak Ren Zwi erklärte hiezu: „Jerusalem wai’ und wird ewig die Hauptstadt Israels bleiben.“, nc Bodcnarislokratic entstehen, auch eine Bürgcrklassc gab cs beinahe nicht. Der Ackerbau wurde zur Grundlage der Wir .- scliaft, das Handwerk wurde gepflegt, dagegen der Hunde) geringgeschätzt und nur von einer dünnen Schicht in der Hauptstadt betrieben, die den Innenmarkt mit den Bodenprodukten versorgte. Mm lernte unnatürliche, gekünstelte Bedürfnisse zu vermeiden, zu unterdrücken, keine zu großen Ansprüche an das Leben zu stellen, in Einfachheit, Bescheidenheit und Genügsamkeit zu leben, den Mcmonismus, den Luxus zu verachten. Es ist klar, daß in einer solchen Ordnung, beim Mangel einer reichen Klasse, für prunkvolle Häuser und Paläste kein Raum war, die Baukunst kein Betä::- gungsfeld finden konnte, nicht aber aus Mangel an Kunstsinn und -Fähigkeit, wie antisemitische Historiker behaupten. D n Sinn und Zweck des Lebens sah das Judentum in der geistigen Höherentwicklung der Menschen, in der Veredlung desGh<- rakttrs: in der Vervollkommnung (P:rfcktionalismus). Das Wissen suchte m m zum Gemeingut des ganzen Volkes zu machen. Die Bibel wurde unter das Volk verbreitet, die Juden wurden ein Volk des Buches. Im vollen Gegensatz dazu stand die griechische Kultur. Nicht soziale Gerechtigkeit, nicht Altruismus, sondern e\tr - liier Individualismus, Egoismus, Merk-istilismus, sind die Grundlagen dieser Kultur. Die reicher, griechischen Aristokriten und Kauflcute, die ein loses, träges, schwelgerisches Genußleben führten, wi-1 ren auch in der Lage, durch ihre Skia cm Prunkwerke und Palastbauten für sieh und viele kunstvolle Tempel für ihre zahllosen Götter erbauen zu lassen, /.w Lust und Freude der Autochthonen, dm I Icrreiiklusse, aber auf Kosten der Armen, Schwachen und l nterdriiekten. Di - ses begabte Volk hat auch Großes und Wertvolles auf dem Gebiete der Wissenschaft geschaffen, wie kaum ein zweites, aber die Wissenschaft blieb nur auf dm kleinen kreis der Philosophen beschränkt, der sie scheinbar nur zum eigenen Vergnügen betrieb. So ließ er das Volk in Sklaverei, in Aberglauben und in dem Pfuhl der Sinnlichkeit und Geilheit versinken, sowie an der polytheistischen R •- ligion Icsthalteil, die er seihst verspottete. Auch viele unter den Philosophen seihst sahen den Sinn und Zweck des Lehens im sinnlichen Genuß (Hedonismus). Nicht die Einheit, sondern Her Streit, ist. nach llcroklit, der Vater all •« Dinge . .. Seit Menschen existieren, verwenden sie leider ihren \ erstand, zum Zwecke des Eigennutzes und zum Schaden der Mitmenschen, stellen sie die Wissenschaft in chm Dienst der Gewalt, der Waffcner/.eugung, des Bruder- und Völkermordes. Ihre Motive sind Habsucht und Ehrgeiz. Schon die Bibel bringt die Mordtat des Lcmech im Zusammenhang mit der Erfindung der Schmiedekunst und verbindet die Trennung der Einheit der Menschheit in einer Unzahl von Völkern mit der Eirichtung eines Kolossulbuues des „Babylonischen Turmes", der zum Ruhme der despotischen Herrscher errichtet wurde. („Naasse lanu Schein“) Die lockere, flotte, leichtlebige und freie Lebensweise der Griechen lockte viele Juden, besonders die Jugend und wurde von ihnen nachgeahmt. Es bildete sieh die Assimilatioiispartei der „Hellenisten", die bestrebt war, die griechische Kultur in Judäa cinzuführen. Diese