Mannheim
Compact Memory

Die Stimme · 1952-11-01 · Heft 68 (November 1952) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 68 (November 1952)
Date
1952-11-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2431292-2431356-2431368--0480-2432104
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

So i t c 6 Dir: stimmi: „Uns kann nix g’schehn!" ..Gewinnen wir (Ion krieg. sind ir I )cii tsclie: verspielt Deutschland (Ion Ki i t'£j. sind wir Oesterreicher." k rioii^N orliroclior Reich. oliom. k nnmiss’ir dt'r \\ affenfabrik in Rad >m. Wir sind c> gewöhnt. in dor ro;ikti'»n;iron Presse Vnuriffe *1 uf Judon und auf ■illo Geste/e zu finden. dio zum Zwecke einer bescheidenen W iodergutmaclume; der uns zugefügten Schäden erlassen w urden. Wir sind es newöhnt. dal.' deutsche und österreichische Kriegsverbrecher in Schutz, genommen werden. daß man Annonce verteidigt und vmi ..reell tsimißi - gern Erwcib" jüdischen Gutes spricht. Derartige \us! assungen journalistischer Tintonklauen und entsprechende Redai ihrer Hintermänner von der neonazistischen Seite sind uns nichts neues mehr und wir werden uns weiterhin dagegen zur W ehr setzen. Was wir aber noch nicht gewohnt sind und was uns äußerst merkwürdig erscheint. ist die Tatsache, daß sich mm ein namhafter österreichischer Politiker einen Teil dieser .. Argumente" zueigen gemacht hat. \ i/.ekanzler Dr. Schärf hat die Abneigung seiner Partei gegen \ erhandlungen mit Vertretern jüdischer Organisationen über Reparationszahlungen aus erblosem jüdischen Vermögen zum Ausdruck gebracht. W ir hätten gerade von Herrn Dr. Schärf eine demokratische Stellungnahme erwartet: wir hätten aber vor allem eine andere Art der Argumentation gew iilischt. Das geraubte jüdische Vermögen. Wir wollen zunächst einmal aufzählen, was alles da ist und was Dr. Schärf allem Vnschein nach übersehen hat. W ir beziehen uns dabei auf eine Statistik der Aermögensverkehrsstelle aus dem Jahre 1939. Uif Grund eines am 18. 5. 1938 erlassenen Gesetzes, mußten alle Juden im Lande Oesterreich, deren Vermögen 5000 HM überstieg, ihren Besitz bei der V rrmögensverkchrsstelle anmelden. Insgesamt meldeten 47.768 Juden ein Vermögen von insgesamt 2.041.828.000 Reichsmark an. Nicht inbegriffen sind hier zunächst die kleineren Vermögen und Ersparnisse um Juden. Ebenfalls nicht inbegriffen ist jüdisches Vermögen in Form von Gold. Juwelen und anderen Wertgegenständen, welche den Juden später ebenfalls abgenommen wurden. Dr. Schärf argumentiert zwar, daß das Gold und die W ertgegenstände. die \on den Nazis konfisziert. nach Deutschland überführt wurden. und daß es daher Sache Deutschlands. nicht Oesterreichs, wäre. Entschädigung zu leisten. Demgegenüber möchten wir feststellen, daß die Deutschen riesige V ermögensw erte in Oesterreich, \or allem in Form von Industrien, zurückließen, die sie den Juden geraubt haben. Es wäre demnach Sache der österreichischen Republik, ihren Bürgern zu ihrem Rechte zu verhelfen, gcgebenenfaib eben aus Eingängen der von den Deutschen zurürkgelassenen Industrien. Ebenfalls nicht inbegriffen ist der W ert der den .Juden geraubten Wohnungen und Wohnungseinrichtungen. Vor der deutschen Besitzergreifung besaßen die Juden in Oesterreich 64.000 Wohnungen. Diese W ohnungen konnten die Nazi nicht gut nach Deutschland verschleppen, sie kamen also der österreichischen Bevölkerung und zu einem erheblichen Teile den österreichischen Nationalsozialisten zucruIo. Insgesamt wurde in Wien etwa 12.3 Pri'/cnt des \\ ohnungsbestandrs durch hrirgsrinw irkung total zerstört. oder schwer beschädigt. Wenn wir den gleichen Pi •o/.cnlsatz auch hei den jüdischen W olmimgen zugrundolegen. welche sich ja hauptsächlich in Wien befanden, bleiben noch immer 56.000 jüdische W ohnungcn. \on denen nur ein äußerst geringer Teil, weniger als 2000, den jüdischen Eigentümern direkt oder in der Form um Ersatzwohnungen zurückgegeben wurde. Dies, obwohl eine beträchtliche Anzahl österreichischer Juden seit 1945 in Elends- und Notquartieren untergebrarht ist. Wenn wir den Wert einer Wohnung samt Einrichtung bloß mit durchschnittlich 20.000 Schilling nnnehmen. bleibt ein Betrag von 1.120.000.000 Schilling, welcher den Juden entzogen wurde und derzeit der österreichischen Bevölkerung, größtenteils den ursprünglichen Ariscurcn, zugute kommt. Unbezahlte Sklavenarbeit. Schließlich wurden während der deutschen Besetzung etwa 50.000 österreichische. ungarische, polnische u. a. Juden gezwungen, durchschnittlich etwa drei Jahre hindurch beim Bau von Straßen und Blockhäusern, sowie beim Schienenlegen für Eisenbahnen Zwangsarbeit zu \errichten. Durch diese Arbeit wurden Werte geschaffen, die dem heutigen Oesterreich zugute kommen. Wenn wir für jeden Mann etwa 1000 Arbeitstage annehmen und den einzelnen Arbeitstag mit der geringen Entlohnung von 20 Schilling berechnen, kommen wir zu der Summe von 1.000.000.000 Schilling, welche von den später ermordeten Opfern des Zwangsregimes dem heutigen Oesterreich ..geschenkt" wurde. V\ ir glauben, daß es sieh angesichts dieser Tatsachen erübrigt, weiter auf eine Diskussion einzugehen, ob der österreichische Staat als solcher zu einer Entschädigung an die Juden verpflichtet ist und ob die Mittel dazu vorhanden sind. Bei Arisierungen und beim Raub jüdischen A ermögens, jüdischer Wohnungen und jüdischer Betriebe gab es nur Deutsche. Arier, beim Zurückerstatten selbst geringer Bruchteile des Geraubten, gibt es nur noch gute Oesterreicher, die davon nichts hören wollen. Es muß zum wiederholten Male gesagt werden, daß sieh die österreichischen Nationalsozialisten in nicht geringerem Ausmaße. als ihre deutschen ßundesgenos- Die Tätigkeit des Klubs der Zionistischen Jugend Wiens hat am 25. Okt. 1952 mit einem ausgezeichneten Referat des Kncsscth-Abgeordneten Georg Flesch seine Tätigkeit begonnen. Herr Flesch sprach über das Thema ..Jugend und Sport in Israel" und die aufmerksamen Zuhörer konnten aus berufenstem Munde Interessantes erfahren. Anschließend an den Vortrag unterhielten sieh unsere jungen freunde bei israelischer Tanzmusik und der Oneg-Schabbath, der um 5 I hr nachmittags begonnen hatte, endete erst am späten Abend. * * * Samstag, den I. November wurde der Oneg-Schabbath im Cafe Savoy abgehaltcn. Das Vorstandsmitglied unseres Klubs. Herr Isidor Merdinger, brachte eine kurze Zusammenstellung von aktuellen Nachen. an sämtlichen Greuel laten und an allen Grausamkeiten, die an Juden heyangen wurden, beteiligt haben. Nicht nur. daß der Leiter der VussicdlimgsaktioiK’ii der Juden in ganz Europa. Adolf Eichmarm. ein Oesterreicher war und daß sieh unter den Führern der National Sozialisten zahl reiche ()est er reich |r hi'fanden, waren Oesterreicher per/.entuell in durchaus gleicher Zahl, wie die Deutschen in allen Naziorganisationen vertreten und haben sieh dabei als Mitarbeiter der SS. der Gestapo, der Schutzpolizei. insbesnmlers im ..Osteinsatz" in Polen, in den Todes-Lagern. um nichts besser benommen, als die Deutschen. So waren z. B. von insgesamt 7000 in Europa eingesetzten W iencr Schutzpolizisten 1500 in Polen eingesetzt, wo sie an V ergasuiigsaktionen und hei Massenersehießungcii von Juden aktiv teilnalimen. Zum Beispiel seien die Aktionen ..Kolonien" oder „Strvj" genannt. (Das Beweismaterial liegt hei der Wiener Staatspolizei.) (Sollten diese und ähnliche Akte durch ..Zufall" nicht mehr aufzutreiben sein, sind wir gerne bereit, die betiicffendeii. Dokumente vom Jerusalemer Staatsarchiv wieder nach Wien zu bringen.) Es wurden etwa 65 ehemalige Schutzpolizisten festgenommen, von denen der größte Teil als Inspektoren (1234) bis zu ihrer Verhaftung im aktiven Dienst der jetzigen Wiener Polizei waren. Sie schildern seihst in allen Einzelheiten die Vorgänge hei den Vlassenerschießungcn von Juden, an denen sic seihst teilnalimen. Bezeichnend für den heutigen politischen Kurs ist es. daß man die Untersuehungen und Verhaftungen überstürzt abbrach und die Kommissare und Polizeireferenten. die sieh mit diesen Angelegenheiten befaßten, auf andere Stellen versetzte. Auf diese Art verhinderte das Innenministerium die Wiener Staatspolizei, daß viele Hunderte Verbrecher verhaftet werden, so daß dieselben noch bis zum heutigen Tage unangefochten ihren Dienst als hohe Funktionäre versehen können. Die Aktenvermerke und Resultate mühseliger Nachforschungen in dieser Angelegenheit schlummern ruhig in den Regalen der W iener Staatspolizei. Auch diese Verbrecher waren nur .,Deutsche”, solange es galt, Juden zu ermorden und ’ilir Vermögen zu rauhen: heute sind sie brave Oesterreicher mul werden als solche geschützt. T a d e k F r i e d m a n n richten aus Israel. Es war uns gelungen, zwei Künstler zu uns zu bitten, um jiddische Volkslieder zu singen und zu spielen. Es waren dies die Herren Fritz Jcreme und Edi Christof, die für ihre Darbietungen großen Beifall ernteten. Auch diese!1 Oneg-Schabbath endete mit Tanz und ul Io Anwesenden waren von der Veranstaltung befriedigt. Eine aufmerksame Zuhörerschaft folgte den interessanten Ausführungen des Präsidenten des Zionistischen Landesverbandes Dr. Herzberg, der am 8. November ebenfalls im Hulmicn eines Oncg Scliabbatli über „Die Zukunft der jüdischen Jugend" sprach. Eine anschließende Diskussion stand auf hohem Niveau. * * * Infolge der Truuertage entfallen die nächsten Oneg-Schabbath-Feiern. Nr. 68 Hunderste Ortsgruppe der WIZO \m 13. Oktober 1952 versammelten Geh in einem großen Saal in Tel-Aviv über 100!) Clnwerol aus allen Peilen des Landes, um die Gründung der jüngsten W izn-Gnippe der Landesföderation zu feiern. Dieser neueste Punkt ist Elat an der Südspilze des Negcw. viele Stunden von der nächsten größeren isracliaIhii Siedlung entfernt. Die Vorsitzende der W izo in Israel. Frau R a e Ii e I Kagan. betonte in ihrer Ursprache. daß das Arbeitsgebiet der W izo sich nunmehr von Metulla an der libanesischen Grenze im Norden bis nach Elat am Roten Meer erstreckt und daß seil Gründung des Staates 32 neue Gruppen geschaffen wurden. Frau R e - h (- e e u Sief f, Präsidentin der Wclt- VV izo. hob hervor, d a ß W i z o a I s u n - p a r t e i i s c Ii e 0 r g a n i s a t i o n auch als e i n z i g e i n d c r L a g e s e i, i h r e V u f g ,a h e n ii u p a r t e i i s e h, d. h. nur im I n t e r e s s e (I e r S a c Ii c, z u e r - I ii I I e n. Sie kündete auch eine in der nächsten Zukunft durelr/u führende Aktion zur Erziehung zum Bürgertum an. Die Vorsitzende der Exekutive der Welt - W izo. Frau R o s a G i n o s s a r, pries die Initiative der Frauen, die es verstehen. die schweren slaatsälinlielien Aufgaben, die sie übernommen haben, weitcrzufülireii. Neuer WIZO-Kindergarten Gleich am nächsten Tage hatte W izo eine neue Aufgabe zu erfüllen, ln Asca- Ion, auf historischem Boden im Süden des Landes, hat A r i d a r, ein gemeinschaftliches l ntcrnchmcn von Atnidar, der nationalen ßaugesllschaft und dem Jcwisli Appeal Südafrikas, eine Siedlung für 135 kürzlich eingewanderte Familien errichtet. Schon vor einem Jahre war die Gesellschaft an W izo mit der Bitte herangetreten. dort einen Kindergarten zu eröffnen, sobald die Bewohner in diesen ..Scliikun" einzielien würden. Die Eröffnung des Kindergartens war mit einer eindrucksvollen Feier verbunden, bei der der südafrikanische Soziologe, Dr. Sonnabend. als Vertreter des südafrikanischen Jcwisli Appeal, in seiner Ansprache behauptete. daß die Pionierarbeit, die \V izo immer wieder leistet, sic jung erhält. Frau Tonic Zeissler-I lauscr, die den Vorsitz führte, erwähnte, daß viele dieser neuen Siedler schon in der Maahara die Hilfe der W izo genossen hätten. Ferner sprachen: Frau Ginossar, Vorsitzende der Wcll-Wizo Exekutive und Frau Vevuin, Vorsitzende der Instruktions-Abteilung der W izo, die die Schaffung einer Gartenstadt auf den Sanddünen mit Hilfe der W izo Garlen-Instruktorin voraussugic. Promotionen Dr. Akos Löw l nserem Freund und Chawer Dr. Akos Löw gratulieren wir zu seiner Promotion zum Doktor der Philosophie. * Kurt Michael Lewin Am 3. Dezember d. J. wird im Festsaal der Wiener Universität die Promotion zum Doktor der Medizin des. ersten israelischen Studenten stattfinden. Es ist dies Chawer Kurt Michael Lew in aus Tel-Aviv, dem wir lierzlielisl gratulieren. Klub der Zionistischen Jugend Wiens (Hanoar Hazioni) Bevor Sie anderswo Kohle, Koks, Anthrazit, Briketts, Holz einkaufen, beraten Sie sieh — unverbindlich für Sie — mit mir! ICH BIETE IHNEN: BESTE QUALITÄT STAUBFREIE SORTIERUNG TROCK EN ES BR IvN N MATER IA U Pl" NKTLICi IE ANLI EUER l NG ZU JEDER GEWÜNSCHTEN STUNDE Billigste Preise auch für kleinste Mengen. Kohlcnlmndlung WALTER VOLK Wien IX., Garnisongusse 12 Tel.: A 23-7-36 Juwelen <^e Uhren unerschöplich in Auswahl Prachtstücke Wiener Goldschmiedekunst I., Kohlmarkt 1 I., Kärntnerstraße 12 wie Omega, Schatlhausen, Doxa u. a. Schweizer Marken f. Damen und Herren, letzter Schöpfungen VII., Mariahilferstr. 114 VII., Kirchengasse 9

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.