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Die Stimme · 1952-11-01 · Heft 68 (November 1952) · page 7

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 68 (November 1952)
Date
1952-11-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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■W* Nr. 68 DIE STIMMF Sri le Weltkongreß-Delegierter in Wien Interview mit dem Chef der Rechts ibteilmig des Weltkongresses Wir sprechen mit I)r. Rienenfeld. (leiden meisten unserer Ccs'er von seinem \ortrag, den er hei der 10. November (Jedenkfeier im Mrsscpnlost hielt. hekTinnt sein dürfte. I)r. Rienenfeld. Wiener von (Jehiirl und hier als Anwalt tätig gewesen, lebt heute in London und ist Mitglied der Welte\(kuti\e des Jüdischen Weltkongresses. Desgleichen ist er Chef der Hcrhtsabt'i - lung. das heißt praktisch, ein Anwalt, dessen Gesetzeskenntnis sieh über die Gesetze von 62 Ländern erstrecken muß. und außerdem, so wie der amerikanische Vertreter Dr. Perlzweig. Referent des Kongresses bei der l NO. Dr. Rienenfeld, der im Aufträge des Weltkongresses hergekommen war, um die österreichisch-jüdische Situation an Ort und Stelle zu prüfen, berichtete uns über den Stand der österreichischen Restitution im Vergleich zum übrigen vom Nazismus heimgesuchten Europa. Tn folgenden Ländern, die unter Nazihcrrschaft standen und dies ohne ei geil e M i t w i r k u n g, wie: Griechenland, Rumänien, Italien, Holland und Schweden sind Restitutionsgesetze erlassen und durchgeführt. Das in Bildung begriffene österreichische Restitutionsgesetz ist von allen dasjenige, das am wenigsten den Namen Restitution verdient. Zum Unterschied von den genannten Ländern bezieht sich hier die Restitution ausschließlich auf das Vermögen, welches noch auffindbar ist. Es kommen also nicht in Krage: Wertpapiere, du sic Inhaberpapicre sind, Schmuck, Möbel, Wohnungen, die die Nazis gestohlen haben. Praktisch kommen nur in Krage Häuser und zwar im Zustand, in dem sie sich jetzt befinden und gelegentlich eine oder die andere Unternehmung, wofür dem Ariseur der Kaufschilling rückerstattet werden muß. Das von den alliierten Mächten (beschlossene Rcstitutionsgesetz für Deutschland, hat zum Grundprinzip, solches Eigentum zurückzuerstatten, welches noch identifiziert werden kann. Vermag also jemand eine Liste seiner Wertpapiere, oder seiner Möbel, vorzulegen, so hat er, auch wenn die Vermögenswerte nicht auffindbar sind, nach dem geltenden Restitutionsgesetz ein Recht auf Entschädigung. Der prinzipielle Unterschied nach dem der W/ert der Entschädigung bestimmt wird, liegt im Zeitpunkt der Einschätzung: Nach dem Gesetz in Deutschland ist dieser Zeitpunkt der Moment der Beraubung, entscheidend. Kerner wird in Deutschland Reichsfluchtsteuer, Judenabgabe zuriickgczahlt und Ersatz für vcrlorcngegangenc Existenz geleistet. Wegen des dritten Punktes hat sich der Antragsteller an die Gemeinden und die Landesbehörden zu wenden und die einzelnen Länder haften bis zu einem Betrag von 40.000 DM in jedem einzelnen Kall. Die tieferen prinzipiellen Gründe, die zu der Verschiedenheit in der deutschen und beabsichtigten österreichischen Gesetzgebung geführt haben, sieht der Jurist in der Verschiedenheit der Auffassung von Oesterreichs vermögensrechtlicher Position in dem einst „tausendjährigen dritten Reich“: Während Oestcrrcicn behauptet, nicht derjenige zu sein, der rückzahlungsvcrpflichtet ist, da der Raub nicht zu seinen Gunsten geschah, behaup- ÖSTERREICHISCHE STRUMPF- U. WIRKWARENFABRIK HERBST & GAON ZENTRALE: WIEN I, GONZAGAGASSE 1 (MORZINPLATZ 3) TEL U 25 1 43 FABRIK: WIEN VI, MOLLARDQASSE 20 TEL A 30 2 57 Dr .llansi Berger Österreich — Transitland ln den Jahren 1948 und 1949 haben etwa 200.000 D. P. Juden Wien passiert. Von der damaligen Waiiderungsw eile wurden nur etwa 200 Personen nicht erfaßt, die aus Krankheitsgründen nirgends hin ein Visum bekommen konnten. Die Auswanderung ging nach Israel, Amerika, Kanada, Australien, Mexiko und in die Staaten Südamerikas. Eine neue W elle kam Ende 1949, zumeist aus I ngarn .Die Auswanderung war verboten, doch fanden sich immer wieder einzelne/ Personen und ganze Kumilicn, die den Weg über die Grenzen fanden, obwohl Strafen bis zu 10 Jahren Gefängnis und Schüsse der Grcnztruppcn zu erwarten waren. In den letzten paar Jahren kamen so etwa 1000 Personen nach Oesterreich: cs handelte sich zumeist um orthodoxe Kamilien, die ihren Kindern in Ungarn keine religiöse Erziehung geben konnten, wie sic cs wünschten. In Wien wurden sie im Rothschild-Spital untergebracht, ferner wurden in der amerikanischen Zone zwei Lager errichtet. Das von Hallein ist ganz jüdisch, das in Asten ist gemischt. Die Baracken in Hall ein sind in einem ganz schlechten Zustand. Widerwillig nahm die österreichische Regierung diese Leute auf. Der Joint muß mit einer starken Hilfe eingreifen, er sorgt für medizinische Hilfe und für religiöse Ucbung. Die Regierung tut für di? Erziehung überhaupt nichts. Da keine Arbcitserlaubnis für die Insassen dieser Lager erhältlich ist. bleibt ihnen nichts als die Auswanderung. Das Visum nach Amerika ist den meisten versperrt, weil die ungarische Quote überbesetzt ist. Australien und Kanada nehmen die Kamilien mit den zahlreichen indem nicht auf. Als Einwandcrungsland kommt praktisch in vielen fallen nur England in Betracht, das eine genügend starke orthodoxe Bevölkerung besitzt, um sie unterzubringen. Eine Delegation begab sich in den letzten Tagen nach London, um die Möglichkeiten zu erforschen, für diese Kamilien Garanticbeiträge für den Unterhalt zu bekommen. Rabbi Z. Miskv verhandelt jetzt in England, um die Hiifc organisieren zu können. Die jungen Leute gehen nach Israel. Hemdenmacher A. Ko r n h a b e r VIII., Lerchenfelderstrobe 58 Mafjatelier für feine Herrenwäsche Bcei Müe> BucUec mm* Mtatc Bcod (et Deutschland, in Oesterreich siel mehr iiix ('stiert als herausgenommen zu haben, was also für unsern Kall bedeutet, daß die hier annektierten Vermögenswerte in Oesterreich geblieben sind und von Oesterreich zurückgezahlt werden müssen! Die Tatsache, daß in Oesterreich ein (Jeset/, erlassen wurde, das ehemaligen Nazis einen Betrag von .Tb.(MM).(100 S (seehsunddreißig Millionen) zurückerslöltet und am gleichen Tage ein anderes Gesetz, das die INaziopfer von den Vorteilen der Haftentschädigung ausschließt im Kalle, wenn sie, um in der erzwungenen Emigration arbeiten und leben zu können, die Staatsbürgerschaft eines anderen Landes angenommen haben, zeigt jedoch eine Grundhaltung, die sich ihrer Verantwortung gegenüber diesen Opfern doch nicht im vollen Ausmaße bewußt ist. ..Der Meister” -Der Sommer, den man zuriiekw (ins» bl” ..Beinah :1 ein V orzugss( höler ’ \ls der Dichter Dr. Max Brod bei einem letzten Europaaufenthalt im \ m- 'Lage in Wien weilte jalir einige läge in Wien weilte, ia er liier im Presse-Klub und auch in rin er Rundfunksendung das erste Kapitel seines damals eben vollendeten Romanos ..Der M('sler". Dieser äußerlich, wie gehaltlich umfangreiche Roman, dessen zentrale Kigur Jesus-Jeschua ist, erschien inzwischen — würdig ausgestattet — im G. Bertelsmann-\ erlag. Gütersloh. — Brod hat der Welt so viele und große Werke geschenkt, daß cs vermessen wäre, eines von ihnen wertmäßig über die anderen zu stellen: eines jedoch darf gesagt werden: Wir empfingen da aus der Koder des im Zenitli seiner Begnadung stellenden Autors eine grandiose Schöpfung, ja, seine ethisch vollkommenste und darum alles Gute im Menschen wachrüttelnde. W enn cs einen Weg zu Liebe und Kriedcn gibt, so zeigt ihn dieses Buch, von dem Brod übrigens vermerkt sehen will, daß cs nicht den Anspruch erhobt, eine historische oder theologische' Darstellung zu sein. Dieses Hinweises im Nachwort hätte cs nicht bedurft. Im atemlosen Lesen fühlt man aus jeder Zeile die eigenwillig formende Dichtung, die aus der mystcricnrcichen Landschaft des Gabi ersprießt und — bei aller Achtung vor dem Uebcrlicfcrtcn — die Gestalten des scelenreichcn Jeschua, des Zynikers Iseluirioth. des jämmerlichen Vertreters der Macht Pilatus lind Scliosehaiias, der Zichselnvcster des .Meisters’, als Kiindeiiu des edlen Prinzips, mit berechtigter poetischer Freiheit zeichnet. — Der prophetische Wandel Jcschuas, sein W (inderw irken, das Grauen der Kreuzigung — dies alles mit den Augen des fremden Griechen Melcagros gesehen, der das Geschehen begleitet, initcrlebt, mitfühlt. Er ahnt die Wende und zum Kampf für Gerechtigkeit und Wahrheit, zum Kampf gegen rohe Knechtung reiht er sich schließlich freiwillig in die gehetzte Schar der Verfolgten. Der gottgewollte Auftrag dieses Fremdlings heißt Verstehen und Versöhnung über alle die Völker scheinbar trennenden Schranken hinweg. Und das ist auch die beglückende Mission dieses packenden Werkes. — Auf einer anderen,’aber um nichts weniger dichterischen Ebene liegen die beiden neuesten Bücher Max Brods, die seither entstanden und, fast gleichzeitig wie das eben besprochene, im Mancsse-Verlag-Zürich, hcrauskamen. Sie beide erwuchsen aus Jugenderinnerungen, die für Brod mit dem Bilde der ,hundcrttürmigen Stadt an der Moldau4 verknüpft sind. In „D er So ni m er, de n m a n z u - r ü c k w ii n s c h t“, erweist sich Brod bei der Schilderung der Entwicklung zweier Knaben aus einer Prager Bürgcrfamilic wieder einmal als Seclcnmaler von unerreichtem Einfühlungsvermögen, das den verborgenen psychischen Vorgängen nachspürt, sic mit klarer Präzision erhellt. Der vertraute Zeitgenosse des Erzählten erkennt überdies ergriffen die hintergründigen Zusammenhänge der Kabel, aus der — wie aus dem damals schon morschen Gefüge altöstcrreichischcn Glanzes — auch für die kindlichen Helden des Romanos bereits die drohenden Schatten kommenden Lhihcils aufsteigen. Noch aber beschweren solche Gefahren die beiden Brüder und deren Kreundc nicht; noch sind sie alle erfüllt von ihren ureigensten Jugcndproblemcn, die hauptsächlich in den Beziehungen zu Eltern, zur ,erwachsenen Generation4 bestellen. Lind die Kriselte des Empfindens, die uns aus ihm entgegenströmt, macht dieses tief-besinnliche, dabei heiter-duftige Buch besonders genußreich. /. Bass-we-p WIRKWAREN UND WÄSCHE-ERZEUGUNG Tel. R 29043 Wien I, Fleischmarlct 16 Postsparkassen - Konto Nr. 30.937 Tel. R 29044 Im HauplleM dem Wesen nach verwandt. ist der .ILnnan eines unauffälligen Menschen’ ..B e i n i li e ein \ o r z u g ss r Ii ii I e r" weit ernster fundiert. Kr setzt einem im \ ernielitungslager sei st Imllenen Freund Brods ein Denkmal. \us dem tragischen Balunen eines von Kriegslärm dun bzitlerlen Tel Aviv entwirft der Dichter gewissermaßen eine retrospektive Reportage, die uns verklungene Studenteiljalire im altöstei reieliist heil, zweisprachigen Prag, die Krnidcn. Vite und Konflikte eines Schülers des .Slepliaiisgv mnasiums’ lebendig macht. —■ Gebt es auch um die Glnraktererzicliung des prachtvollen Kreundcs. so gestaltet sieb das Ruch doch auch zu einer unbeabsichtigten seelischen Sclbstbiographic des großen Dichters und großen Menschen Brod. Lud darum wird es uns besonders lieb. H. R. N. Sopranistin Else Fink Die uns auch aus Wien und aus der Schweiz bekannte Sopranistin Else Kink, ehemaliges Mitglied der Berliner Staatsoper. gab kürzlich in Ncw-Vork einen Lieder- und Arienabend. Die schöne, technisch fundierte Stimme und die intelligente, farbige Vortragskunst fand beim Publikum lebhaftesten Beifall. Es war ein voller Erfolg. A.K. Neue Talmud-Ausgabe Wie wir durch den Präsidenten der Zionistischen Organisation in Belgien, Herrn Ncsancl Lcwkowicz erfahren, erscheint eine Talmudaiisgabe mit jiddischer l ebersetzung. Der erste Band dieser Ausgabe ist bereits erschienen. Interessenten erhalten durch den Zionistischen Landesverband. Wien 9., Universitätsstr. 4, über Wunsch ausführliche Prospekte. KREDITE erteilt Jüdische Sparu. Kreditgen. m. b. 1L. Wien I., Dominikanerbastei 24. Tel.: R 27 5 55, Kl. 261 an jiid. selbständige Kauflcutc, Gewerbetreibende und an freie Berufe. (pftarmount? EKXXK// vorm. H. Sfernberg Jn. Herrenhemden, Pyjamas Smoking und Frackhemden In führenden Modegeschäften erhältlich in der PARFÜMERIE FRUCHTER Wien VII, Neubaugasse 71 Telefon B 35 534 Mariahilferstraße 88 a Zitahof, Telefon B 30 0 47 werden Sic fachmännisch beraten und billigst bedient. Geschenkpakete für Israel und anderen Staaten nach eigener Wahl zu k u laut e s t e n Bedingungen! 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