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Die Stimme · 1952-11-01 · Heft 68 (November 1952) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 68 (November 1952)
Date
1952-11-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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•7WWS? -> «*'. 3» «V DIE STIMM E IX r. «>« _ „ .. . Z lüden - Vlo&etMcisU&aee Zum 29. November 17 Die Juden und die Völker Seite 4 JAKOB TANNENBAUM: Die Bcziclnmueii des jüdischen \ olkes /.(i den anderen V ölkeni gestaltoten sich im \ erlaufe «.einer ganzen Geschichte. \ ( »en der e'pmiierteil geographischen i. ,»e meines I. indes und Hegen seiner umin.llit i«.tischen Grund msrliammg. nicht »iinsti». Im Bewußtsein seiner hehren W elt imelumuiui. trotzte das kleine. ph\ - - seh schwache Volk allen äußeren Gev. eiten und überlebte seine Besieger und { nterdriieher. Der Zerstörer des ersten Staates, dis nach Weltherrschaft streb nde. de*|»atischc Balnlonien. wurde durch die dem jüdischen Geiste nahe- * teilende persische Macht vernichtet und dis jüdische Volk in seine Rechte wieder eingesetzt. Dasselbe Schicksal ereilte den Zerstörer des zweiten jüdischen Staates: Rom. das die Haupt-Repräsentantin des Heidentums war. \ 1 s das aus einer jüdischen Sekte liervurneganscne Christentum zur Weltherrschaft gelangte, hätte man erwarten können. daß die christlichen Völker, die monotheistischen Nachfolger des heidni- heil Rom. gemäß der hehren Moral des Stifters der neuen Lehre, das jüdische \olk human behandeln und den Judcn- « 'a it w iedcrherstcllcn würden. Aber w eit gefehlt. Das pudinische Christentum begeht aus einer Synthese zwischen Judentum und Heidentum, in der der heidii'.-che Faktor den Ausschlag gab. Dieses Heidentum im christlichen Gewände verfolgte das monotheistische Judentum in unbarmherziger W eise. Erst nach zweitausendjährigem Martyrium ohne gleichen. entschlossen sich die christlichen Völker, der Judenheit Satisfaktion für das ihr zugefügte Unrecht zu geben: Am 29. November 1947, faßte die Genera! \crsammlung der Vereinten Nationen den Beschluß, in einem Teil Palästinas einen unabhängigen jüdischen Staat zu errichten. Dieser historische Akt war der Auftakt zu dem großartigen Wiederauferstehungs-Melodrama, der Proklamation des Judenstaates am 14. Mai 1948. Dieser l NO-Besehluß bildet einen W endepunkt in der jüdischen Geschichte. Sie schließt die traurige Epoche eines 2B00jährigen Exils, der Heimatlosigkeit. Entrechtung. L nterdriiekung und Verfolgung ab und eröffnet eine neue, lieht- \olle Aera der l nabhängigkeit. der Freiheit und W ürde. Der Fluch des ..Ahasver" ist gelöscht, der ..Ewige Wanderer” hat seine alte, freie Heimstätte gefunden, wo er ungestört sein ergrautes, wundes Ifauut nicderlcgcn kann. Der Traum unzähliger Generationen ging in Erfüllung. Diese l NO-Entscheidung kam gerade in einer Zeit der größten Not des V olkes. IMdete das Leben in der Diaspora seit der Zeit der Zerstörung des Staates eine ununterbrochene Kette von \ erfolgungen. '-u müssen diese Leiden noch als gelinde erscheinen gegenüber all dem, was die •luden in der Nazizeit durch den mörderischen Hitlorismus erlitten haben. Der 1 NO-Besehluß wurde deshalb son der ganzen jüdischen Welt mit größtem •Jubel aufgenommen und begrüßt. Besondere Begeisterung und Freude löste er in Israel und in den Reihen der Zionisten aus, die ihr Werk von Erfolg gekr"• 111 sahen. Mit dieser l NO-Resolution, dem jüdischen \ olke einen rechtmäßigen Platz in der Familie der Völker einzuräumen, «ebrieben auch die Vereinten Nationen ein ruhmvolles Blatt in die Geschichte dieser neuen internationalen Institution. Fr bedeutet einen großen moralischen Sieg der Idee der Gerechtigkeit. Freiheit und Gleichheit der Völker. Schwer drückte das Schuldgefühl auf die Seele der Völker, denn abgrundtief war die Tragik diese«, Märtyrervolkes, liimmcl- 'elireiend die großen und zahlreichen l 11 - gerrclitigkeiUoi. die die christliche Welt gegen uns beging. Es galt, nicht nur eine alle Schuld des kirchlichen Mittelalters abzutragen, in (bau die christliche Tuchler der jüdischen Mutter die Anhänglichkeit an ihrem rein monotheistischen Glauben, mit den fürchterlichsten Verfügungen heimzalilte. sondern auch eine nabt geiingerc Schuld der Gegenwart, die sie durch das tatenlose Zu- «cluuien. wie Millionen unschuldiger Juden durch den Nazismus liingemorilet wurden, auf sieb geladen batten. Nur die Verleihung des Beeiltes auf Souveränität \ermoebte einen Teil dieser Schuld zu tilgen. Andererseits aber sprachen viele Gründe gegen die Errichtung eines Judeiistantcs. Vom politischen, strategischen und besonders vom ökonomischen Gesichtspunkt ausgehend, mußten sieh große Bedenken gegen ein solch gewagtes abenteuerFebes l nterfangen erheben. Es war zu befürchten, daß die Araber den Judenstaat mit Krieg überziehen, den ganzen Orient, bzw. die mohammedanische Welt in Aufruhr gegen die Großmächte bringen werden. Es konnte auf keinen Kall im Interesse der Mächte gelegen sein, sieh die Araber zu Feinden zu machen, auf deren Territorien das >0 dringend notwendige Oel sieh befindet und die ausgedehnte Gebiete von hohem strategischen Werte besitzen. Wenn die Entscheidung zu Gunsten des Judenstaatcs ausficl. so waren cs kulturelle, geistige, moralische Faktoren, die den Ausschlag gaben. Theologen. Idealisten und religiös gestimmte Naturen, die gewohnt sind, alles Geschehen von einer höheren W arte aus zu betrachten, glaubten, in diesem großen Ereignis ein geschichtliches Wunder, den Vnbruch der mcssianischcn Zeit erblicken zu können. Fnd in der Tat, wenn man auch ein W under im Sinne der orthodoxen Theologie. als Durchbruch des Kausalgesetzes nicht gelten lassen will, so muß man das Zusammenwirken der verschiedensten l mstünde. die zur l NO-Beschlußfassung führten, als etwas Irrationales bezeichnen. Es ist klar, daß dieser Beschluß nur durch die Lebercinstimmung der beiden Blocks in der Palästinafrage zustande kommen konnte. Daß aber der Ostblock auch für die Errichtung des Judenstaates stimmte, kann seine Ursache nur darin gefunden werden, daß England dagegen war. Ein Judenstaat unter Englands Einfluß z. B., hätte bestimmt keine Zustimmung der Russen gefunden. Das Zusammentreffen sieb kreuzender l i sacliem eiben, w as sieb gewöhnlich Zufall zu nennen pflegt, ist ein irrationales aber zweckmäßiges Geschehen... Dieses durch die Völker zugebilligte Recht auf einen souveränen Staat, findet seine Parallele in den durch den persischen König Cyrus im fi. Jahrhundert verkündeten Edikt, daß die von ihrer Heimat vertriebenen Juden dorthin zuriiekkehren und es neu aufbauen dürfen, die später durch die Makkabäer zu einem selbständigen Staat ausgestaltet wurde. Es ist anzimelimcii, daß jener Tag, an dem das Cviuscdikt verkündet wurde, der erste Tiseliri war und deshalb zum Nationalfeiertag, zum Jom-Ilasikaron bestimmt worden ist. Wie der Monat Nissan, durch die in ihm stattgefundene Befreiung aus Aegypten, zum ersten Monat des Jahres festgesetzt wurde, so jetzt Tiseliri zum Neujahrsfest. Da aber die Gv rusdeklaratiou nicht zur absoluten Freiheit führte und später auch teilweise zurückgenommen wurde, so ist die Bedeutung dieses Jom Ifasikaron, den Abraham Waksmann V 01 zweimidzw nnzig Jahren ging in New Volk ein junger Jude. .Sohn eines Kupferschmiedes in Hußland, an Land, der nichts besaß als den glühenden W unseli. zu studieren, und den festen \\ illen. zur Erreichung dieses Zieles keine Vliilie zu scheuen. Tatsächlich wurde er bald von einer l niversität aufgenommen: nicht als Student zwar, denn dazu reich - teil seine Ersparnisse nicht, sondern als Hilfsarbeiter für die Gärtnerei. Aber dem jungen Ivnu anderer genügte diese Chance: tagsüber setzte er Pflanzen und nachts setzte er sieb zu den Büchern. Fünf Jahre darauf promovierte er an der gleichen l niversität zum Doktor der Biologie. Dreißig Jahre später wurde sein Name, den bis dabin nur ein paar Kollegen und Schüler gekannt batten, von Menschen auf der ganzen W eit mit Dankbarkeit genannt. Denn inzwischen batte der frühen' Hilfsarbeiter und jetzige Professor Seinem Abraham W a k s m a 11 n nach mühevollen Forschungen aus dem Schimmelpilz ein hervorragendes Mittel gegen die gefürchtete Hirnhautentzündung und andere gefährliche Formen der Tuberkulose gewonnen. Heute sind es bereits llundcrttnusende, die dem Streptomycin die Rettung ihres Lebens verdanken, und dieser Tage wurde dem Entdecker dafür der Nobelpress, die höchste W ürdigung einer w'isst nsehaftlichen Leistung. zuerkannt. W eiche Ge fühle mögen den Professor Vbraham Waksmann bewegen, wenn er nach der feierlichen "Verleihung des Preises in Stockholm nach New York zurückkehren und inmitten aller Ehrungen hei seinem Empfang an den Tag zuriiekdenken wird, an dem er als armer Einwanderer unbeachtet sein Bündel durch den Hafen trug... Dieses wahre Märchen hat auch einen wahren, schönen Schluß: Professor W aksman hat sämtliche Einkünfte aus der Verwertung seines Präparates, die immerhin bereits cinciiiviertel Millionen Dollar ausmaehen, der Universität, die ihn seinerzeit als Hilfsgärtner anslellte, für Korsehungszwecke zur Verfügung gestellt. Gäbe es doch mehr Menschen wie diesen Gelehrten! Unsere Zeit, die Menschheit könnte sie brauchen, wie sie viele wertvolle Juden braucht, die der Antisemitismus besudelt, aber ihre segensreichen Leistungen in Anspruch nimmt! Nicht auszudenken ist cs, was geschehen, wäre, wenn Prof. W aksman, der \\ ohltäler der Menschheit, in die hänge des Nazismus geraten wäre. der Dcutronomist u. d. Propheten nicht nennen, verwischt worden. Ein ähnliches .Schicksal erlitt das große historische Ereignis des Palästiiiabesclihisves der LNO. Die sch wankende Haltung der Mächte nach der Beschlußfassung, die die Araber zum Kriege ermutigte, den Juden einen Kampf auf Leben und Tod uuf/.wang, bewirkte es, daß dieser große Tag noch kein offizieller Nationalfeiertag wurde. Doch darf man den Wert dieses grandiosen Ereignisses nicht lierabwürdigcn, da ohne diese denkwürdige L N()-Resolution es wahrscheinlich noch zu keinem •ludenstaat gekommen wäre. Der 29. November 1947 bildet einen Wendepunkt in den Beziehungen der Völker zum jüdischen Volke. Wir ehren diesen Jag, den 29. November 1947, freudig. Felix Bloch Das zuständige Nobelpreiskomitee bat in seiner Sitzung vom (i .November beschlossen. den Physik-Nobelpreis für 1952 den amerikanischen Professoren Edward Mills Purccll (I larvard-lniversität) und Felix Bloch (Stanford-Universität) zu gleichen Teilen zuzuerkennen. Diese außergewöhnliche Ehrung erfolgt in Anerkennung der Verdienste der beiden Forscher um die Förderung der Atomphysik. Felix Bloch ist Schweizer von Gehurt. Er stammt aus Zürich, wo er als Sohn von Gustav und Agnes Bloch (geh. Mayer) am 25. Oktober 1905 geboren wurde. V 011 1924 bis 1927 studierte er an der Eidgenössischen Technischen I lochsehule seiner Vaterstadt, erwarb aber seinen Dr. pliil. an der Universität Leipzig, an der er dann im Jahre 1932 dozierte. Seit 1934 lebt Dr. Bloch in den Vereinigten Staaten und hat seinen Wohnsitz in Palo Alto in Kalifornien. Bis I93(i war er Associate Professor für Physik an der kalifornischen Stanford-Universität und hat seit dieser Zeit dort eine Vollprofcssur. ln den letzten drei Kriegsjahren war er an amerikanischen Universitäten (Stanford, Los Alamos und Harvard) mit kriegswichtigen Forschungsarbeiten befaßt und entdeckte 1945 die sog. Kcrnindiiktion. Professor Bloch, der seit 1927 zahlreiche Vitikel auf dem Gebiet der Atomphysik in wissensehafttlielien Zeitschriften veröffentlicht hat. ist führendes Mitglied der amerikanischen ,.Physikalischen Gesellschaft". Mit Felix Bloch ist zum achten Mal ein jüdischer Wissenschaftler durch die Zuerkennung des Nobelpreises für Physik ausgezeichnet worden. Die ersten sieben jüdischen Nobelpreisträger waren Albert Abraham Miclielson (1907, ISA): Gabriel Lippmann (1908, Frankreich): Albert Einstein (1921, Deutschland); Otto MeverhoC (1922, Deutschland): James Fr nick (1925, Deutschland): Gustav Hertz (1925, Deutschland) und der Halbjudc Niels Bohr (1922, Dänemark). General Eisenhower General Eisenlmwer mußte aus dem Schlaf geweckt werden, vim zu hören, daß der republikanische Parteitag ihn zum Präsidentschaftskandidaten gewählt hatte. General Eisenhower mußte in den folgenden Monaten einen Kampf um seine Wahl führen, der, wie amerikanische Politiker oft scherzhaft erklärten, ..die Landung in der Normandie zu einer angenehmen Erinnerung werden ließ4’. Während General Eisenhower noch sieben Monate vor dem Parteitag durchaus nicht wollte, batte während des Wahlkampfes niemand Zweifel, daß er in seinen Träumen oft das Weiße Haus sah, in dem nun er und seine Gattin residieren werden. Es war für Eisenhower ein ungewöhnlicher Kampf, da er. wie er auch anfänglich zug-ili, wenig von der amerikanischen Innenpolitik und nichts von der Führung eines Präsiden tschaftswahlkampfcs verstand. Trumaii hatte General Eisenhower, als er noch unschlüssig war, oh er eine Nominierung annehmen sollte oder nicht, gewarnt. Er hatte ihm gesagt, daß er damit rechnen müsse, karrenweise mit Schmutz beworfen zu werden, wenn er als Kandidat in den Wahlkampf zöge. V irllcieht bat Eisenhower die Warnung nicht verstanden, aber nachdem er den Wahlkampf s'egreich Überstunden hat, w ii'il n w ahrsclicinlich öfter an die vergangenen Monate denken — aber auch daran, (laß dir Präsident selbst ohne Pardon gegen ihn zu Felde zog. Zeitungen beschuldigten Trnman sogar, daß er den Mann, den er einmal seihst für die demokratische Nominierung gewinnen wollte, mit Schmutz geradezu bombardiert habe. Zwar ragte Eisenhower während des Wahlkampfes, ein solches Bombardement könne ilm nicht aus der Ruhe bringen, denn t'r habt' während des Feldzuges in Europa wirkliche Artilleriebombardcmeiils erlebt; aber es wird nicht bezweifelt, daß er seelisch unter den äußerst heftigen Angriffen Trumms litt. Es bleibt abzu warten, welche Fälligkeiten General Fisenliower entfalten, wieviel Set lengröße und Verantwortungsbewußtsein er zeigen wird. BOrgt für QUALITÄT Oft kopiert Nie erreicht SCHUH-FABRIK Wien III., Münzgasse 5 Telephon U 19 408

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