Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 68 (November 1952)
- Date
- 1952-11-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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St'it;' 2 I) I i; S T I M \\ I Nr. 08 \ m |l*. Y>vemli«'r 1938 trit cinr «Mit - licuTcd«' \\ ciuluna im Leben der Jud('ii rin. dir (Im- I ngliick hatten, in dem L inde /n li'ht'ii. d imihi Vitional.so/.ia - Ii-11111unter jm’lit worden war. Seit dem hme. an dem (Irr Nazismus dir trrrihli' I L 11'cli ift in Drnl-i Illand angetrotten hatte. waren dir Juden Verfolgungen und lVinimumen ausgesetzt: am 10. November I*?-‘iP> aber begann eine in der Geschieh1«: bi-licr noch nicht dagewrsenc furchtbare W ot uisjaud auf Juden. Das dem Nazismus ergebene deutsche \ olk hat am 10. November 1988 den Begriff Menschlichkeit selbst gelöscht. Mit teuflischer Verruchtheit überfiel uns die Ptysmn (Auswurf), die von den nazistischen Despoten in den Bcichsämtern ü'«’leitet war: sie durchsucht«’ alle Ecker und Winkeln der Judenbehausungen, plünderte oder zerstörte die W ohmuigscinrichtung. schlug Flauen. Kinder und Greise und nahm die Männer mit. um sie in die noch heute angsterregenden SSk asernen in der kein ongnssc. Kara jan- H isse u. s. w. einzuliefern. Welcher normale Mensch \crmag den sadistischen Zynismus eines entarteten Deutschen zu erfassen, wenn wir daran erinnern, da IS die Häscher am 10. November 1938 von morgens früh bis in die sinkende Nacht in den Straßen W icns auf .Juden gelauert, sie gefangen und ins Konzentrationslager Dachau gebracht haben. wo die Aermstcn unvorstellbaren Peinigungen unterworfen waren. Am 10. N ovember 1938 wurde der von der obersten Inquisition erteilte Befehl. Besuchet HÜBNER’S BETRIEBE in Wien. Kobenzl, Meierei Stadtpark, Splendif-Bar im „Feuchten Stock" zum Heurigen mit Schrammeln die jüdischen Tempel und ßethäuser in Flammen aufgeben zu lassen, im gesamten ..Deutschen Baum" zur gleichen Stunde wohlorganisiert und restlos durchgeführt. Brand. Plünderung. Extermination und Mord an Juden war der Beginn einer von den Nazis eingeleitetcn Phase, der ein verbrecherischer Plan zum Zw ecke der A ölkcrvcrsklavung, Völkerausbeutung und des Völkermordes folgte. Hitler wollte nicht nur den Juden physisch vernichten, sondern auch seinen Geist. Das Motiv hiefür charakterisiert treffend der Schriftsteller Moshe Prager folgendermaßen: ..Unter Führung von Nazi-Offizieren hat der Pöbel ein Beethaus devastiert. die Sifre Thora vernichtet. Den im ßeth 1 lamidrasch versammelten und von den Barbaren festgehaltenen Juden rief einer dieser Nazi-. sehergen zu: .Ruft euren Gott und ihr werdet sehen, ob er euch helfen wird. W ir führen Krieg gegen euch und geizen euren Jehova I1V Ja. sic wollten alles, was uns viele, viele Generationen hinterlassen haben, den jüdischen Geist, die zehn Gebote, unsere Hoffnung, die prophetischen Lehren, die reine edle Frömmigckit, Aufklärung, Genialität und die Kraft zum Kampfe um die Freiheit und Befreiung ertöten. \m 10. November 1938 haben die Nazis mit der \erniehtung des europäischen •Judentums begonnen. Mit Blindheit geschlagen und von abgrundtiefer Büsar- 10. NOVEMBER ligkcit und Dummheit geleitet, haben sie zugleich das Schicksal dos ehedem in Europa mächtigen Deutschland besiegelt. \on welch schmutziger, niedriger Gier -ich die Nazis hei Inszenierung des apokalyptischen IO. November leiten ließen, licht daraus hervor, (laß sie nicht nur la-t idle jüdischen Männer zunächst in die Kerker warfen und dann in die Hölle von Dachau trieben, sondern auch der gesamten Judenschafl Siilmeopfer für die Ermordung des entarteten Logationsrnls von Halb auferlegten. Kurz, nach diesem Schreckenstag hat der Beichsw irl- '•chaftsführer Funk Folgendes verlautbaren lassen: ..Die Vufhringung der Milliarde Reichsmark zur Sülmelcistung für die Ermordung unseres PG. Legationsrat von Rath ist ohne Störung auf dem Gold- und Kapitalmarkt vor sich gegangen.” Furor teutonicus hat gemordet, gebrand- M'hatzt. mit Terror den Juden Geld entrissen und dieserart ein Geschäft, eine Finanztransaktion gemacht. Unfaßbar ist es. daß die Welt unser unverdientes l ngliiek schon vergessen hat. trotzdem es irgendwo ein menschliches Gewissen geben müßte. Wer spricht heute davon, daß die nazistischen Schakale am RI. November 1938 schwerkranke Menschen aus dem jüdischen Spital verschleppt und getötet haben? Wer spricht davon, daß in Wien 24 jüdische Tempel und Bethäuser, im Burgenland, in Nieder- und Ober-Oesterreich, Salzburg. Tirol und Vorarlberg insgesamt 38 Gotteshäuser angezündet und mit Bomben gesprengt worden? Wer spricht davon, daß am R). November 1938, 21.000 jüdische Männer zusammcngetricben, auf offene Bahnlori verluden und nach Dachau gebracht wurden? Wer denkt noch an die Nürnberger Prozesse? Wer spricht davon, daß jüdische Kinder den Eltern entrissen, vergast oder mit anderen Mitteln ermordet wurden? Dis Molto der liberalen, sozialislischen und kommurcstischeu Gruppen war:..Niemals vergessen!-' Blieben sic dem Molto treu? Non es! factum! Wir Juden allein müssen die ständigen Rufer und Mahner sein! Wir dürfen das Gewissen der Menschheit nicht ruhen lassen! Das war der letzte Wille unserer Märtyrer, deren Vermächtnis zu ehren, unsere heilige Pflicht ist. In die Geschieht«’ der Juden sind viele l'rauertage verwoben, die unser Schicksal kennzeichnen. .Jener Teil des Judentums. der auf dem Territorium lebte. das vom Nazismus beherrscht war, leidet noch heute an den unheilbaren Wunden, die ihm der I li tlerismus am 10. November 1938 geschlagen. W ir können und dürfen uns einerseits nicht enthalten. den Nazismus, unseren blutrünstigen Feind, anzuklagen, andererseits die unabdingbare Forderung an Oesterreich zu stellen, das gutzumachen, was Menschen überhaupt gutzumachen vermögen. Gar viele Oesterreichcr waren es. die in den Reihen der SS standen und Mitschuld an den Peinigungen, an den Plünderungen und an den Vergasungen tragen. Diesen hat die österreichische Republik Gnade gewährt, die vollen staatsbürgerlichen Rechte eingeräumt und materiell«’ Entschädigung offiziell zugesieliert. Oesterreich hat «’s leider bis zur Stunde verabsäumt, die Schuld an uns übriggebliebenen. dem KZ entronnenen Juden abzutragen. Oesterreich, das Land der vorbildlichen Demokratie, wird es schwer haben, dem Weltforum zu beweisen, daß es ihm mit der Hochhaltung der Rechtsbegriffe ernst ist. wenn es nicht ungesäumt zur praktischen Durchführung der W iedergutmachung. die es den Juden schuldet, schreitet. B E IINII \ R D B R A V E R Eine Gedenkfeier der Israelit. Kultusgemeinden fand im großen Fcstsaul des Messcpul::- stes statt. Der dichtgedrängte Saal gedachte während einer Trauerminute des Schweigens andachtsvoll der toten Mürty rer. Die Sprecher des Abends waren der Präsident der Wiener Kultusgcmcindc Dr. Maurer und folgende Vertreter der jüdischen Weltorganisationen: Mr. Zaeliariah Shuster von American Jcwish Committee. Mr. Jakobson vom Joint und Dr. Rudolf Bienenfeld. Während Dr. Maurer in seinen Worten für den Augenblick des Gedenkens die Schreckenstage aufleben ließ, befaßten sieh die Politiker mit den Fragen von heute: Mit den Fragen des jüdischen W ied<THufbaues und der Restitution: Noch sind diese Fragen nicht geklärt, noch wird österreichischen Juden, die im Auslände leben und nicht zurückkommen, weil sie wirtschaftlich nicht können, jede W not« rgutmachung versagt. desgleichen (bai Staatsbeamten, die. wie es heißt — welcher Hohn — ..ohne Genehmigung" das Land verlassen haben, desgleichen ,.ruhen” alle Pensionen von solchen Pensionisten, die die Grenze des dritten Rei dies hinter sich gebracht hatten. (Bei d - nen. die hier geblieben waren, ruht nicht nur die Pension sondern auch der Pensionist im Massengrab.) Möge sich die ..Nachwelt des dritten Reiches", so führten die Redner aus. ihrer \ ei antwortung bew ußt w erden, möge der Einklang der österreichischen Mentalität mit dem Weltgewissen hcrgestelit werden. Das heutige Oesterreich identifiziert sich nicht mehr mit den Ideen des dritten Reiches und behauptet, daß der größte Teil des österreichischen Volkes es niemals getan hat. Niemand zweifelt daran, aber gerade an denen, die Gegner der nazistischen Doktrin sind und. wie sie behaupten, es immer waren, liegt es, die Spuren dieser Zeit restlos zu tilgen. ln tiefer 'Prauer geben wir bekannt. daß unser Freund mul Mitglied Herr ALEXANDER GELLER um 17. November 1952 von uns gegangen ist. Wir verlieren in dem V «’rblichenen einen alten und treuen Vorkämpfer für die zionistische Sa«’he. W ir wirden Alexander Geller stets ein treues Angedenken bewahren. Herzllilub-W icn Israel-Abteilung Capri-Reisebüro „ELSE” PARFÜMERIE WIEN 1. S FEI NDEL GASSE 1 (heim I« i r h 1 o n 1 * «• n - K i n < TELEFON U 21 3 64 Wien 1, Graben 10 Telephon R 26100 Offizielle Ncrkau Isst eile aller Klug-, DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U. S. A. 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Hans überstark, der imstande ist innerhalb weniger Sekunden den Wochentag jedes Datums bis 1582 frei uuszureelincn und Multiplikationen acht- und neunstelliger Zahlen in Sekundenschnelle ausfiihrt, überbot auf einem von der österreichischen Hochschülerschaft im Studcntenklub veranstalteten Rcchen-Abend den seit 100 Jahren bestehenden Rekord des Hamburgers Zacharias Dase, hundert verschiedene Zahlen sich innerhalb 10 Minuten einzuprägen und zu wiederholen. Eberstark erreichte diese Leistung in 8 Minuten, wobei er die zusainmcngcstcllte Zahlenreihe in fehlerfreier Reihenfolge nach beiden Richtungen, mit Wiederholung nach einiger Zeit, aufsagte. Es freut uns festzustellen, daß wir in den Reihen der jüdischen Studenten wieder ‘‘in Genie verzeichnen, dessen phänomenale Leistungen uns mit Stolz erfüllen. I K U F Zum fünfzehnjährigen Jubiläum des Jiddischen Kul turverbandes (1KUF) in New Vork. gratuliert die Redaktion ..Die Stimme" in Wien herzlich. STOFFE KLEIDER EUR DAMEN HERREN UND KINDER Qui und pceiswtd u<Hn liaufUaut Bcüdec Ho&ec Wien VII, MarlahllfaratraBa 90 Talaphoai B 36 0 03, B 36 3 37