Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 66 (September 1952)
- Date
- 1952-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 66 i) 11: s t i \i ivi i Seile VERSÖHNUNG JAKO» TANNFNBAl M Allr jüdischen Feiertage haben national-historische Bedeutung. Sie fußen auf Begebenheiten aus der nationalen Geschichte, welche in der Vergangenheit vor sich gingen. Der Neujahrstag und der Versöhmmgstag dagegen, tragen einen individuell-universellen Charakter. Der erste Tischri. als Tag der Wellschöpfung, Imt einen kosmologischen Sinn, der Versöhnungstag hingegen eine rein religiösmoralische Bedeutung. Die Bestimmung dieses Tages ist, den Menschen mit Gott, den Begriff des Guten, mit sich selbst und mit den Nächsten bezw. der ganzen Gemeinschaft zu versöhnen. Der Versöhnungstag wird auch deshalb ,.Jom llakadoseh“ .,1 [eiliger Tag1' genannt. Es muß der Jude seine Gedanken von allem Profanen abwenden und in sich gehen. Kr soll eine moralische ltiiek- und linschau halten über die sittlichen Handlungen des verflossenen Jahres, über das dem Nächsten zugefügte Inrecht, Beleidigung, Kränkung oder Schmerz und sich bestreben, alles wieder gutzumachen, und Versöhnung herbeizuführen. Dieser Tag der Kinkehr und der Besinnung, der Pflicht zur Wiedergutmachung und Versöhnung, gilt mit Hecht als das größte und bedeutungsvollste Fest des Jahres, denn für das friedliche und glückliche Zusammenleben der Menschen kommt nichts an Gehalt, Bedeutsamkeit I Zollfreie LiebesgabenpaReto I nach Ungarn und der GSR, auch Medikamente I KELEN-LTD., WIENesslinggasse nr. 2/5 | TELEPHON U 29-0-57 und Dringlichkeit der Pflicht zur Versöhnung gleich. Kino Gesellschaft, die nur auf Egoismus, Maß, Gewalt und Kampf aufgebaut ist und kein anhaltendes Bestreben nach Ausgleich der Gegensätze zeigt, ist dem Untergang geweiht. Dies lehrt die Geschichte der Vergangenheit, insbesondere aber die Geschichte unserer Zeit. Noch nie war die Notwendigkeit einer versöhnlichen Haltung der Völker, wie in unseren Tagen geboten. Sein oder Nichtsein der ganzen Menschheit hängt davon ab, wie sieh die Beziehungen der um die Weltgeltung ringenden und scheinbar unversöhnlichen Weltanschauungen in der Zukunft gestalten werden. Nur durch Ausgleich und Versöhnung der beiden Ideologien, kann die Menschheit vor einer neuen Katastrophe bewahrt werden. Die Tatsache, daß trotz der Einsicht von der Dringlichkeit einer Versöhnung, die Weltgeschichte dennoch von Kampf und Krieg ausgefüllt ist, beweist, daß die Krkenntnis des Guten allein nicht genügt. Das bloße Wissen um das Moralische, gibt noch kein Motiv zur guten Handlung. Dazu gehört noch ein guter Will e. ein guter Gharaktre. Dies kann vielleicht auch der tiefe Sinn des 3. Kapitels der Genesis sein. Das Verbot des Genusses vom Baume der Krkenntnis des Guten und Bösen, will eine große Lehre des Judentums symbolisch zum Ausdruck bringen, nämlich, daß die Moral nicht, wie Sokrates lehrt, auf die „Krkenntnis” des Guten und Bösen begründet sein kann! Der Mensch handelt oft unmoralisch, trotz besseren Wissens. Das Böse, der Kgoismus trübt das Urteilsvermögen und läßt das ihm Nützliche für gut erscheinen, wenn Heinrich STEIN Wl«n IV, FavoritenstraBe 24 Talaphon: U 490«4 ERZEUGNISSE: Selbstroller Rollvorhänge Verdunkelungen Bretterjalouslen Holzrollbalken Durchsichtige Schaufensterrollos es auch dem anderen Schaden verursacht. Auch der nationale und religiöse Kgoismus kann den Verstand verdunkeln. Welch furchtbare, verderbliche Kolgcu der Kgoismus auf religiösem Gebiete zeitigen kann, zeigen die Religionskriege des Mittelalters und der Neuzeit bis zum Dreißigjährigen Krieg, wo Millionen Menschen in der Begeisterung für eingebildete Werte sich gegenseitig tofschlugen und ganze Länder \ erwüstetcu. Von den schrecklichen Verfolgungen der Juden schon gar nicht zu reden... Ja. noch mehr, d -r Verstand wird häufig bewußt in den Dienst des. Bösen gestelllt. wenn es der Kgoismus eines Volkes, oder einer Partei \erlangt, wie wir es in Hitlerdeutsi hland erlebt haben, wo l niversitälsprofessoren. Gelehrte. Philosophen und Dichter die Hasscnidcologie, den Völkerhaß, den Mord der Nazi, mit dem ganzen Rüstzeug der Wissenschaft unterstützt hatten. Auf solche falsche Propheten bezieht sich der Ausspruch Jeremias: .,Weise sind sie, das Böse zu lehren, dem Guten weihen sie ihr Wissen nicht!" (Jeremias 4.. 22). Und Jesaia: ,,0. die da das Böse gut nennen und das Gute böse, ciie Finsternis für Licht ausgeben und Licht für Finsternis, das Bittere als süß erklären und das Süße als bitter, die sich weise dünken tin ihren Augen und vernünftig für sich selbst erscheinen!“ (Jesaias 5. 20-21). Die Schlange, das Symbol des Bösen, des Giftigen wird daher in der Bibel, bezeichnenderweise, als listig dargestellt. . . Die Grundlage der Moral kann nur, so lehrt das Judentum, das Gefühl, der gute Wille, das Gewissen sein. (Jezer tow.; Die Triebe spielen im Leben des Menschen die Haupttrolle. Sic sind die Wurzel des menschlichen Handelns: Nahrungs-, Fortpflanzung«, Ehrtricb usw. Sie dienen dem Zw'eck der Sclbstcrhaltung und sind naturnotwendig. Der Mensch gehl aber in der Befriedigung dieser Triebe zu weit und schießt über das Ziel der Sclbstcrhaltung hinaus, zum, Schaden des Mitmenschen. Er macht die Lust zum Selbstzweck. Diesen Egoismus (Jezer ra) gilt cs zu zügeln. Das kann mir durch planmäßige Erziehung geschehen. Das Mittel dazu ist, nach den Lehren des Judentums, in erster Reihe die Uebung des .Willens zum Guten, daß es zur Gewohnheit und zweiten Natur werde. Zu diesem Zwecke hat das Judentum ein ganzes System von Gesetzen geschaffen. die der Stärkung des guten Willens und auch der Zügelung der selbstischen Triebe dienen. Auch für erhabene Ideale schuf das Judentum Zweckmäßiges in Form von Symbolen und Gedenku. Festtagen. So auch den Versöhnungstag. Die Idee der Versöhnung, die als einer der erhabensten Gedanken, die der jüdische Geist schuf, bezeichnet werden muß, ist ein Ideal, das höher steht als die Nächstenliebe, denn sie verpflichtet zur Versöhnung mit dem Fdinde. Für vorsätzlichen Mord hingegen gibt es keine Verzeihung... Eine Versöhnung und der Friede ist durch ein Kompromiß von beiden Seiten möglich, und zwar auf Grundlage einer Synthese der beiden entgegengesetzten Weltanschauungen: Individualismus und Kollektivismus.... Israel, woher die Idee der Versöhnung ausging und das in der Gegenwart die Kulturen von Ost und West in sich vereinigt und den Versuch unternimmt, eine solche Synthese 'im eigenen Lande herbeizuführen, wird als wichtiger Faktor innerhalb der Mächte, die eine Versöhnung der Welt anstreben, dienen. Möge im neuen Jahre der Geist der V ersöhmmg und Verständigung seine Krönung finden und der von allen Menschen heißersehnte Friede auf allen sozialen Gebieten hergestellt werden. An alle Juden! An alle Zionisfen! Im vorigen Jalii versammelte sich in Jerusalem, der ewigen Hauptstadt des jüdischen Volkes, der XX111. Zionistenkongreß, der erste, der im Gebiete des Staates Israel stattgefunden hat. Dieser Kongreß hat angesichts des Bestehens eines jüdischen Sla >- tes neuerlich die dem Zionismus gestellten Aufgaben umschrieben: Konsolidierung des Staates Israel, Sammlung der Diaspora in Krez Israel und Festigung der Einheit des jüdischen Volkes. Der Kongreß hat folgendes Programm für die Zionistische Weltorganisation aufgcstcllt: Förderung der Alijah, Verstärkung und Eingliederung der Emigration, Verbreiterung der Kolonisation, Entwicklung des Landes und Ankauf von Gründen angesichts ihrer Eigenschaft als Nationaleigentum, verstärkte Aktion für die Pionierarbeit, Anlegung der Investition von Privatkapital in Israel, Verstärkung der Volksstimmung für die Verbreitung der zionistischen Idee, das Studium jüdischer Kullurwerte und hebräische Erziehung in der Diaspora, Mobilisierung der Weltmeinung zugunsten Israels und des Zionismus, Teilnahme an den Bestrebungen zur Organisierung eines jüdischen demokratischen Lebens in den Ländern der Diaspora und an der Verteidigung der Rechte der Juden. Es leben noch jüdische Massen in Ländern, wo sie von einer völligen geistigen Assimilation bedroht sind. Die Stunde gebietet allen Zionisten die Kräfte zu sammeln und das Ergebnis durch Werbung neuer Mitglieder zu erhöhen. Der Sehekel ist das Symbol der Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation, der Bejahung des Staates Israel! Deshalb soll jeder Jude einen Schekel erwerben, auf diese Weise ein Mitglied der Zionistischen Organisation werden und an der Erfüllung der Aufgaben und der hohen Mission tcilnehmcn. Mögen alle zionistischen Kreise sich zu einer neuen kraftvollen Anstrengung vorbereiten und überall unter den jüdischen Massen den Schekel weit verbreiten. Es erwerbe jeder Jude den Schekel! Die Exekutive der Zionistischen Weltorganisation Schekel-Kommission ln ihrer Sitzung am 1. September konstituierte sich die Schekelkommission deren Aufgabe die Verteilung der Schekalim und l'eberwaehung des Schekelverknufrs sein wird. Zum Vorsitzenden wurde Herr Wolf Tisehenkel ( Vllg. Zionist), zum \ izcNorsitzcndcn Herr Bra\ (Misrachi). zum Schriftführer Herr Hausmann (Rc\isionist) und zum Kassier Herr Schönrdd (Mapam) gewählt. Zu Kontrolloren wurden die Herren Bohrer (Mapei ) und Dr. Klamer (I lerzl-Klub) bestimmt. A. G. Vereinigter Wiener Tischlermeister Wien VI, Marlahlller Straße 31 / Ir!. B 22-401, U .V 4U‘>, B , zur WIENER MESSE ,,„V Saa/ T. Koje» IMbllMO Die idealsten Ä Schulterauflagen aus Watte, beste / Ä <3.\ Paßform, für Damen-, /m „HQPO / ui i e n \ Herren- und Klnder- Bekleidung „HAPO” Achselpolster-Erzeugung RU DICH & Co. Wien II, Aspern brückeng. 4 Telephon R 45 5 63 Allen unseren Kunden u nd Freunden herzlichste Glückwünsche zu den hohen Feiertagen 1 1 Die neuen Hcbräiseh-Kurse, veranstaltet vorn Zionistischen Landesverband in Österreich unter Leitung unseres Mitarbeiters Herrn Jakob Tannenbaum, beginnen am Mittwoch, den 1. Oktob e r, sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene. Nach Ablauf des ersten Semesters werden Prüfungen stattfinden, die mit reichen Preisen dotiert sind u. zw.: 1. Preis: Stoff für einen Herrenanzug oder Dam.enkoslüm; 2. Preis: I Paar Herren- bzw. Damenschuhe; 3. Preis: 3 Herrenhemden bzw 3 Charmcusegarniturcn für Damen. Die Preise wurden von Vorstandsmitgliedern des Zionistischen Landesverbandes gespendet. Der Jury werden Persönlichkeiten des Wiener Judentums angehören. Unsere Kurse finden in der Universitätsstraße 4 statt und sind für Mittellose unentgeltlich. Anmeldungen an die obige Adresse bis 27. September. Shanghai-Aktion Die Redaktion der Zeitschrift „Die Stimme“ hat für Dienstag, den 16. September folgende Herren zu einer Besprechung eingeladen: Alfred Grünfeld, Armin Guttmann, Emil Klincnbcrger, Moses Monaster, Maximilian Rcchcnbcrg, Hermann Schlesinger, Jonas Schönfeld, Julius Steiner, Erich Stern. Arthur Topf, Dr. Joset Tuttmann, Friedrich Wachtel, Briigl und Fellner. Bei dieser Besprechung werden wir den) genannten Herren einen ausführlichen Bericht über die in der Shanghaier Angelegenheit geführte Korrespondenz erstatten, insbesonders werden wir über die Sachlage in Deutschland eingehend referieren, da wir der Ansieht sind, daß viele Argumente der Shanghaier in Deutschland auch für die österreichischen Verhältnisse zu verwenden sein werden. Die Redaktion wird es den obgenannten Herren f reis teilen, ein Proponenten - komitec zu bilden, um die weiteren Arbei teil durchzuführen. Trauung, in 7*1 Aviv Der verdienstvolle Gründer der Historischen Dokumentation in W ien, Tadek ITudmunu. dem es gelungen ist, eine Reihe von Nazis und Verrätern am Judentum. der Untaten zu überführen, hat am 14. September in Tcl-A\iv Frau Dr. C utmaim geheiratet. Die beste u* bequemste Möglichkeit! Basch zu Geld — billig zu Sachen durch j)UCUoMe>' Ptivat\crkaufs\ ermittlung \\V iedner Hauptstraße 117 und 11.. Ausstellungsstraße 1