Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 66 (September 1952)
- Date
- 1952-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE STIMME Nr. (>(» Kurse für . ORT Schuljahr 1952-53 Die World ORT Inion. \u>tn:i Mission. hivihsii lititrt im Schul j'ilir I9.i2 53 die Eröffnung bzw. W »Mlerfühi mn>'!>lüontlcr l\>stenh>sor T aclikurse /11r Iruidu et Fliehen llor iirviu^hilclutiu : Metalhh eherei Schweißen \ut(.mcc!rmik und Chaufl irren Radiomeeli aiiik Hau- und M öbeltisehlerei S Imlioberiei I e•’/,( 111111c, { In maelierei Photographie 11 .scnschncidorci I landschuher/cugimn- 1 Jamrnsrhneiderei W äsclie- und Miederer/nutung Pediküren und Maniküren Kosmetik Konditorei Mcdezeicimen. Plakatzcichnen Ferner: englische Stenoaraphie Anmeldungen zu obigen und evenUiel- Icn weiteren Kursen werden im Wiener liiir» der OHT. W ien 10.. Währingeraürtel PT HothseliildheimN. Zimmer 0(). täglich. mit Ausnahme \on Samstag und Sonntaa. in der Zeit von 9^ bis 12 l hr er:ta a< agen mimen. Tel. R 52 0 01. Jüdische Kinder auf Urlaub Moshawa des Haschomer Hazair Nur selten haben die jüdischen Kinder in Wien Gelegenheit, das Leben kennen zu lernen, das ihre Utcrsgenossen in Israel führen. Nun haben 50 Buben und Mädchen mitten in Oesterreich ein Stückchen Israel auf gebaut und vier Wochen lana richtiggehend ..Kibbutz” gespielt. Luter der Leitung van Jakob Schönfeld lrat diese kleine Gruppe in Edlueli am Semmering ihr Lager aufgcsehlagen und vor dem Sterbehaus I)r. Theodor llcrzls die blauweiße Fahne gehißt. Hebräische Lieder und heimatliche Tänze waren Kennzeichen dieser ..Moschawa". die g inz im Zeichen jüdischen Geistes stand. Zwar ist das Haus, in dem Herzl seine letzten Tage verbrachte, zur Hälfte zerstört und der äußere Rahmen primitiv, aber dies focht die Kleinen nur wenig an. Sic fühlten sich ganz als Pioniere und als solche nahmen sic willig die kleinen Lnebcnheiten auf sich. Sport und Spiel wechselten ah mit l.’nterricht und Ein fühlen in nationale Gebräuche und diese wenigen Wochen der Eintracht und Solidarität haben ganz bestimmt nicht nur dem Körper neue Kraft, sondern noch mehr der Seele neuen Impuls gegeben. Dem Leiter der Aktion und seinen Helfern gebührt der Dank der Eltern und das Lob der jüdischen Gemeinschaft. I. L. Bikur Cholim \ er -in zur Betreuung jüdischer Kranken W ien 1. Sei tenstettengasse 2 Der Verein ..Bikur Cholim". dem es obliegt, den kranken Brüdern und Schwestern Hilfe und 'Frost zu bringen, wendet sich an die jüdische Oeffentlichkeit mit der Bille, des Werkes dieser so wichtigen chari tativeil und sozialen Institution jederzeit zu gedenken. ..Bikur Cholim" besucht Kranke in ihrem Heim, ebenso wie in den Spitälern und unternimmt alles, um die Not, in der sieh jeder kranke Mensch befindet. zu lindern. Wo es die Imstande erfordern, werden Medikamente, Lebensmittel und Geldzuwendungen gewährt. All', Anlaß des Rusch-I lasehanah, wünschi Bikur Cholim allen Freunden, Gönnern und Kranken das Allerbeste zum Jahreswechsel 5713. Cafe — Bar — Tanz Wien IX.. Porzellangasse 39 Tel. R 52 405 WIZO Israel an WIZO Wien Die Memoiren eines Intriganten ..V ielen Dank für Ihren Brief vom 25. Juni mit Frachtbrief und Insten über zwei Kisten mit Wäsche und Kleidungsstücken. Sie haben Recht mit Ihrer Annahme. daß die Stoffe. Bettücher und V\ indeln für die Institutionen genau das Richtige sind und wir danken der W’izo- V\ ien für diese wieder so schöne Sendung. Die Sendungen aus Wien sind sehr schön und nützlich, besonders die Wäsche, Franz von Papens Memoiren, vorläufig in englischer l ebersetzung erschienen, haben ein Rascheln vieler Blätter des in- und Auslandes hervorgerufeil. Diese Memoiren weckten zwar das Interesse weiter Kreise, aber sie stießen außerhalb des deutschen Sprach raumes auf Ironie und Ablehnung. Mit seinen Erinnerungen verfolgt Pupen den Zweck, seine Verderbtheit, seine OTTOMAN GLACE TAFFET FÜR ABENDKLEIDUNG KLEIDERSAMT SCHAFWOLLSTOFFE DULDNER & DEUTSCH Wien VII, Neubaugasse 10 die wir für alle unsere Institutionen sehr brauchen. Wenn Sie etwas l ebriges tun wollen, bitten wir Sie, soviel wie möglich Hosen, Röcke. Blusen, Socken, Schuhe und l nterwäsche für unsere Jugendgruppen zu schicken, da die Frage der Bekleidung der Jugendlichen (von 10—15) in den Schulen und Trainingsfarmen immer schwerer zu lösen ist.“ WIZO-Konferenz Mitte Juni fand in London die erste Regional - Konferenz der europäischen \v izo-Köderationen statt. Achtundzwanzig Delegierte repräsentieren zehn europäische Länder. Frau Rosa Ginossar, Vorsitzende der Wizo-Exekutive und Frau Fay Grovc, die Vorsitzende der Abteilung für Organisation und Kultur, kamen aus Israel, um an der Konferenz teilzunehmen. die sich die Behandlung der organisatorischen Probleme der Föderationen und die Schaffung einer engeren Verbindung dieser Föderationen untereinander zur Hauptaufgabe gestellt hatte. Die Beschlüsse der Konferenz, die noeil der Bestätigung der Welt-Wizo-Exekutive unterliegen, sahen unter anderem die Veranstaltung intensiver Mitglieder-Werbeaktionen in allen europäischen Wizo- Föderationen vor, sowie die Organisierung von Gemeinschafttsreisen nach Israel. Auf dem Gebiete der Kultur- und! Erziehungsarbeit riefen einige Resolutionen die Föderationen und ihre .Mitglieder dazu uuf, ihren ganzen Einfluß aufzubieten, um das Niveau jüdischer Erziehung fiii Kinder und Jugendliche in der Golah zu heben. Wer kann Auskunft geben über Erika Bartkowsky, vor 19.‘58 Wien V L, Linke \\ ienzeile: Samuel \ \ c I r a d, vor 1938 Wien VIIL, Schlösselgasse: Oskar Steiner, vor 1938 Wien, Schönbrunnerstraße: Via\ Del e r und Senta Heller. Zuschriften an: Prof. N’cmes Aurel, IN. Liechtenstrinstraße 41. Weiters über: Isidor Schach ter, vor 1938 Wien XX., Kloslcmculnirger,straßc 50/30; letzt»: Nachricht kam 1047 aus Javor, Nied.-Schlesien. Zuschriften an: Landesverband, Wien IX., I niversitätsstruße 4. üblen Taten, die ihm im Nacken sitzen, zu rechtfertigen. Er liefert eine Apologie. die seine verhängnisvolle Rolle im politischen Leben klar zu Tage fördert. Papcn, eine völlig unkomplizierte Erscheinung, wird preußischer Kavallerieoffizicr. dem die adelige Abstammung Ressourcen im deutschen Ilceresverband verschaffen. Mit skrupellosen Intrigen und Liebedienerei, bahnt sich der aalglatte katholische Preuße den Weg zum Aufstieg und erreicht den Rang eines Militärattaches. Vor Ausbruch des ersten Weltkrieges wird er vom Kaiser Wilhelm mit der Aufgabe betraut, als Militärattache in Washington zu wirken. Papcn, der jeder anständigen Tätigkeit abhold ist, vernachlässigt seine militärischen Pflichten, vergißt auf sein geheimes Archiv, das ihm in Amerika entwendet wird und organisiert in den Vereinigten Staaten einen Spionagedienst. Sein subversives Treiben wird entdeckt, worauf Papen ins Zuchthaus wandert. Die amerikanische Demokratie läßt Gnade walten und weist den Spion Papen aus den Vereinigten Staaten aus. Nach Deutschland zurückgekehrt, widmet fcich der ehemalige Militärattache einer Tätigkeit, die völlig undurchsichtig ist. Papcn ist einfach nicht fällig, eine anständige Gesinnung zu betätigen und ein normales Leben zu führen. Nach dem größten Verbrechen aller Zeiten, woran Papen mitschuldig ist, hat er das Bedürfnis, der Welt zu beweisen, daß er moralisch rein dasteht. Kein Mensch verstand es, wie es möglich war, daß Papen nach dem Röhmputsch am Lehen blich, obgleich er als Mitwisser dem Tode geweiht war. Leber dem Haupte Papens schwebte immer Dunkel; er läßt von seiner Tollheit nieht und nähert sich wieder Hitler, der ihn zum Gesandten in Wien ernennt, wo er Heuchelei mit Verbrechen paart. Darin hat sieh die Tätigkeit Papens in Oesterreich erschöpft. Eine seiner vielen Widerlichkeiten müssen wir besonders hervorheben. Pupen ist unverschämt genug, um öffentlich Versicherungen abzugeben, daß er während der Naziiierrschaft ein Freund der Juden war. wofür sie ihm Dankschreiben zukommen ließen. Ein Trick, auf den niemand mehr hereinlallt. Jeder Nazi kannte irgendwie einen Juden, den er ungeschoren ließ, vielleicht mit ihm einige freundliche Worte wechselte. ZIONIST! Itwitb den StUtkd und stäckc damit da* Pccttfyc de* ii*ni*U*cUen /ioHdetvectande* in ÖdecuicU! Schekalim sind im Sekretariat, Wien IX., Universitätsstraße 4 erhältlich Nach dem Zusammenbruch suchte der schuldbeladene Nazi den Juden auf und bat ihn um einen schriftlichen Beleg, woraus sein judenfreundliches Benehmen hervorgehen sollte. Papcn will mit seinem Täuschungsmanöver vollen Erfolg haben und rückt mit einem Bild heraus, das ein Naziplakat darstcllt, auf dem zu lesen ist: „Wir misten aus. Am 6. November für Freiheit und Brot. Volksgericht gegen Papen und Juden“. Papen spekuliert darauf, daß die Menschen Schandtaten oft vergessen. Er war damals Reichskanzler, während Hitler nur politische Demagogie betrieb und alle, die mit der Weimarer Republik zu tun hatten, als Juden verschrie, also auch Papcn! Während seiner Vizekanzlcrsehaft bei Hitler machte Papen alle Schandtaten der Nazi mit; nun bringt er den traurigen Mut uuf, in seinen Memoiren die Judenmassaker erst jetzt, im Jahre 1952, zu verurteilen. Aber Papen geht noch weiter u. unternimmt cs, den Lnhold Hitler mit der Behauptung zu verteidigen, daß der „Führer“ Einzelwesen für seine Mißerfolge im Leben verantwortlich macht und seinen Groll besonders gegen Juden richtet, denen er in den Geriehtssälen begegnet ist; sic waren angeblich seüne Richter und seine Gegner, denen er Rechenschaft zu geben verpflichtet war. Für seine in Ankaru als Botschafter geleisteten Dienste, verlieh ihm Hitler persönlich das Ritterkreuz, wofür Papen noch heute in Demut erstirbt. Er schjldert den feierlichen Empfang bei Hitler folgendermaßen: ..Kurz nach dem Attentat. befahl mich Hitler ins Hauptquartier, um mir die Auszeichnung zu überreichen. leb traf Hitler leichenblaß, zitternd, mit einem Arm in der Schlinge und abgezehrt: er erregte wahrlich mein Mitleid." \Y enn man alles was Papen zu seiner Rechtfertigung schreibt, zusammen faßt, kann man das Gefühl nicht los werden, daß Papen alle Schlechtigkeit und Heuchelei des barbarischen Teiles des deutschen Volkes anhaften. Fritz Müller ,,U4*Mcid&staat'' Im Prozeß gegen den Nazigeneral Reiner in ßraunsehvveig erklärte der Gcrichtsvorsitzende Ileppe in der Urteilsverkündung, das Dritte Reich sei kein Rechtsstaat sondern ein „Unrechtsstaat“ gewesen und in seiner Anklagerede hatte der Generalstaatsanwalt Fritz Bauer von Hitler als dem „obersten Kriegsverbrecher“ gesprochen, der nur kraft Usurpation der „oberste Kriegsherr“ gewesen wäre. Der Reiner-Prozeß zeigte zum ersten Male, daß in Westdeutschland Richter und Staatsanwälte ihren Aufgaben gewachsen waren. Bauer gab in seiner Anklagerede einen zusammenfassenden Uebcrbliek über die Methoden, mit denen Hitler sich auf ungesetzliche Weise die Macht im Staate verschaffte. Diese Darlegungen sind auch von besonderem Interesse für alle, die Ansprüche an die Nachfolger des Ilitlerrcgimes zu erheben haben. Ferner kommt den Ausführungen ein politisches Gewicht zu, weil sie zeigen, wie eine totalitäre Partei sieh die Staatsgewalt aut scheinbar ligale Weise erobern kann. Dankenswerterweise hat die Europäische Verlagsanstalt (Frankfurt am Main, Goethestraße 29) die Reden Bauers und lleppcs wie Ausführungen von Sachverständigen in einer Broschüre unter dem Titel „Es ist Dir nieht erlaubt!“ herausgegeben. Der bekannte sozialdemokratische Bundestagsabgeordnete und Herausgeber der Zeitschrift „Geist und Tat“ hat ein Vorwort zu der wichtigen Sammlung geschrieben, (k.) w».WIEN hotel BELLEVUE Ul* IX. Bezirk / Amerikanische Zone GutbUrgerliches Familienhotel Jeder Komfort A GARAGE IM HAUS / X TEL. A18 2 26, A18 2 36 6867677