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Die Stimme · 1952-09-01 · Heft 66 (September 1952) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 66 (September 1952)
Date
1952-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Si'if.' :i S T I M IM i: Die Zionistische Mitte \on 1)15. 11 ANS Kl.ilK (Genf) Diplom»' des I imcrsiläfsinstituts Fiir Intcrnnlionalc Sludien. Zusammenschlüsse I ntcrnationalcr Art halle die Well Dis zum Kommunistischen Manifest von 1847 nur als Bündnisse \ou Regierungen gekannt: auch die gelegentlichen Versuche zur Einigung Europas — etwa im Angesicht der Türkengcfahr — waren nur als Ausweitungen dieses Bündnisprinzips gedacht. Der Appell in dir internationale Solidarität der Arbeiterklasse war etwas grundsätzlich \cues. bisher 1 nerhürlcs. (Nicht Hem’erungen oder Staaten, sondern Menschen mit ihren Interessen und Anschauungen, mit ihrem Willen und Idealismus waren aufgerufen worden. Die Hoffnungen auf die durch solchen Appell geweckten Kräfte wurden enttäuscht. Die Arbeiterschaft, die nach Besserung ihrer leige strebte, fand sich an dem läge, an dem diese Besserung erkämpft war, immer noch wirtschaftlich und politisch nach Ländern geteilt, die der (Natur ihrer Wirtschaften gemäß und nach ihrer sozialen Struktur gegensätzliche Interessen zu verteidigen hatten. Die Stimme von Jean Jaures erstarb einsam, während die französischen, besonders aber die deutschen Sozialisten zu den Lahnen einerseits der französischen Hcpuhlik und andererseits des deutschen Kaiserreichs eilten. Trotz theoretischer ,,Solidarität" mißglückte nach dem zweiten Weltkrieg der Versuch zur Zusammenarbeit englischer und ita- HUBNER’S BETRIEBE in Wien. Kursalon, Kobenzl, Meierei Stadtpark, Splendit-Bar im „Feuchten Stock" zum Heurigen mit Schrammeln lienischer Grubenarbeiter in den Bergwerken Englands; die prohibitiven Einw anderungsgesetze, sozialistischer Begierungen etwa in Australien und Neuseeland entsprangen der Furcht vor ausländischer Konkurrenz und der Sorge um den eigenen Lebensstandard, lind um noch ein uns nahe liegendes Beispiel jüngerer Zeit zu zitieren: Die internationale Solidarität hinderte Kniest Bcvin nicht, den arabischen Feudalismus im damaligen Palästina gegen die jüdische Arbeiterschaft zu stützen; der Gewerkschaftsführer, den die Sorge um den Beschäftigungsgrad des englischen Arbeiters drückte, sah furchtsam auf das Entstehen einer nah-östlichen Industrie-Konkurrenz. Trotz dieser Enttäuschungen liegt etwas Großes und für die Zukunft der Welt vielleicht Entscheidendes in dem Gedanken an die internationale Solidarität des Geistes. Aber sie kann ihrem Wesen nach nur von denen verwirklicht werden, die sich gegen jede Verengung des Blickfeldes zuliebe von Interessen, Doktrinen, übersteigerten Nationalismen oder jedweder anderen Art von Intoleranz zur Wehr setzen, ln letzter Analyse ist der einer wahren internationalen Solidarität fähige Mensch immer milder liberale Mensch. Trotzdem wäre es sinnlos zu leugnen, daß gerade die Nicht-Liberalen es sind, die häufig den größeren Nutzen aus ihren zwischenstaatlichen Beziehungen ziehen, auch wenn in dem Augenblick, wo diese Beziehung sich zur Solidarität steigern soll, die Enttäuschung eintreten wird. Bleiben wir in unserem Kreis : Poale Zion haben intensive und sicherlich B. Teil et WIEN I, SALZTO RQAS S E 5 TELEFON U 25-4-85 HLRRfcN-, DAMFNKLtlDER UND -MÄNTfcL MODISCHE SPORT- UND RKgtNSCUUTZUtKl tlDUNC/S- FAURIK auch fruchtbare Kontakte mit der sozialistischen Welt, mit L-ihour in England, den Sozialdemokraten vieler westlicher und überseeischer Länder, und nicht anders stillt es mit den engen Banden der israelischen llistadruth zu zahlreichen Gewerkschaften und ihren Zusammenschlüssen auf der ganzen Welt. Bei Mapam liegt der Fall bereits so, daß ihre internationalen Beziehungen auf den Geleisen der Kominform unsere ernste Besorgnis für die Konsequenzen hervorriifcn. die sieh für den Staat Israel einmal daraus ergeben müssen. Das Bedürfnis nach lebendigen Kontakten mit Gleichgesinnten anderer Länder besteht allseits. Nur so ist es zu verstehen, daß bald nach dem Nazi-Krieg die sozialistische Internationale wieder erneuert wurde und daß auch die christlich-demokratischen Parteien, die in zahlreichen europäischen Ländern eine Kraft darstellen. — etwa in Frankreich, Italien. Oesterreich, Holland, Westdeutschland. etc.. — unter dem Namen „Nou- \clles Equipes Internationales4, den aus den gemeinsamen katholischen Icberzcugungen genährten Zusammenhang untereinander gefunden haben. Wir wollen über die politische Brauchbarkeit dieser Instrumente noch keine Vorhersage wagen. ln der sozialistischen Welt mag cs zu denken geben, daß Massen geschulter Aibeiter am entscheidenden Tage zu Hitler und Mussolini abschwcnktcn, daß umgekehrt in den Vereinigten Staaten die mächtigen Gewerkschaften das Prinzip der freien Wirtschaft dieses Landes bejahen und daß auch zwischen dem doktrinären Sozialisten des Kontinents und dem liberalen Labourtyp des Commonwealth so große Unterschiede bestehen, daß die Gemeinschaft dieser Internationale kaum einer neuen Belastungsprobe gewachsen sein wird. Was uns hier interessiert, ist die Frage, ob und wie die zionistische Mitten der ..Allgemeine Zionismus4' an dem Zusammenschluß teilhaben kann, der als „Liberale Weltunion44 seit einiger Zeit versucht, die gleichen Kräfte in allen Ländern zusammenzufassen, denen auch wir uns geistig zuzählen. Demokraten im Hinblick auf unsere Ucberzeugung über Staatsform und Parlamentarismus, Liberale in unseren Anschauungen über die unverzichtbaren Freiheitsrechte des Individuums, sozial-fortschritttlich durch unsere Ucberzeugung vom negativen Charakter der Klassenkampf-Ideologie und durch unser Streben nach Ausgleich der Interessengegensätze, gehören wir in Israel und in der Diaspora in das geistige Lager des Liberalismus. Nichts wäre verkehrter, als eine Unterwerfung unter den ironischen Machtspruch unserer kollekti- \istischen Gegner, daß wir damit einer veralteten, aus der Mode gekommenen Anschauung anhängen, die zum Absterben verurteilt ist. Man könnte cinwenden, daß der jüdische Begriff vom Indiviuum und seiner Menschenwürde, von seinen Freiheiten und ihren Grenzen (die da verlaufen, wo die Freiheit der Gesamtheit des Schutzes bedarf), aus sinaitischen Zeiten und Höhen stamme und nicht aus dem europäischen Geisteskampf des 18. Jahrhunderts. Der Einwand hat seine Gültigkeit. Denn nicht ein von seiner Quelle gelöstes, allein der menschlichen „ratio“ entspringendes Naturrecht — wie es an der Wiege des europäischen Liberalismus steht — führt uns Juden zur Forderung nach Abgrenzung der Freiheitssphären für den Einzelnen und für die Gesamtheit. mn n rrehisstaatliehen Sicherungen "egen Willkür und Staatsallmachl. — unsere Sorge gilt dem im Ebenbilde des Schöpfers erschaffenen Menschen, dem seine Hechte. Pflichten und Freiheiten \on Anbeginn aufgegeben wurden, dessen ..natürliches Hecht" die Gesamtmensehheit bindet, und das identisch ist mit den GrundfOrdnungen des Dekalogs (/ehn Gebote). Menschliche \crnunft wechselt nach Zeit und Ort: Freiheiten. die auf dem Zusammenstimmen der Völker allein sieh aufbauen, fehlt die Grundlage des Fundaments. Hier könnte der Beitrag jüdischen Denkens zur Geisteswelt des Liberalismus gefunden werden, wenn es versucht, die Idee der Freiheit und des freien, nur durch das selbst übernommene Gesetz sieh bindenden Menschen von dort abzulciten. wo es seine echten Wurzeln hat. Doch diese Betrachtung führt uns über unseren heutigen Gegenstand weit hinaus. Hier sollte nur auf die Möglichkeiten ideologischer und praktischer Natur hingewiesen werden, die sich für die zionistische Milte aus dem Zusammenhang mit der ihm geistig verwandten Welt des Liberalismus ergeben. Wenn wir uns demnächst im Merkas Olami unserer Bewegung zusammenfinden, sollten wir auch diese Frage studieren. Oft leiden wir alle daran, daß wir uns zu ausschließlich im engen Kreis der eigenen Sorgen und Gedanken bewegen, ohne daran zu denken, daß eine weite Welt von ähnlichen Sorgen und Ideen erfüllt ist, die uns helfen kann und der wir mithelfcn können, den richtigen Weg zu finden. / ITALIENISCHE SCHIFFAHRTSl^ (TINMARE GRUPPE) ITA LI A LIÖYfrTRIESTINO ADRIATICA TI.RR E NI A Regelmäßige Passagierexpreß- und Warendiensfe nach allen Weltteilen NEW YORK u. HALIFAX (Canxda), SUDu. ZF.NTRALAMF.RIKA, NORDu. SÜDPAZIFIK SÜDAFRIKA, AUSTRALIEN, SOMALILAND, INDIEN, PAKISTAN, WESTAFRIKA, KONGO, FERNER OSTEN ÄGYPTEN, LIRANON, SYRIEN, ISRAEL, GRIECHENLAND, TÜRKEI, ZYPERN, RHODOS, ALBANIEN SIZILIEN, SARDINIEN, KORSIKA, TRIPOLIS, MALTA, TUNIS und nach Häfen der Westküste ITALIENS Auskünfte und Buchungen bei der Zweigniederlassung ln WIEN I.. Kärntner Ring 6, Telefon U 47 5 60 Serie bei der Filiale In GRAZ, Annensfraüe 10 Telefon 67 01, sowie bei allen Reisebüros Fraditenabtellung: WIEN I, Kärntnerstraße 33 (Eingang Johannesgassei)Telefon R24560Serie DAVID ZWI PINKÄS Noch ist die Wunde frisch, die der Tod Eliescr Kaplans verursacht hat und schon gelangt die Kunde von einem neuen Schlag, der den Jischuw und das jüdische Volk getroffen hat. zu uns. Der israelische Vcrkchrsministcr. Dawid Zwi Pinkas ist am 20. August in seinem Zimmer im King David Hotel in Jerusalem plötzlich gestorben, ln der Blüte seiner Jahre hat ihn der Tod ereilt und damit den arbeitsreichen Weg eines Lebens abgeschnitten, der noch lauge nicht am Ende war. Pinkas ist am jüdischen Herzen gestorben, das keine Schonung kennt. Der verstorbene Verkehrsminister gehörte zu den markantesten Persönlichkeiten des neuen Israel. Im Burgcnland geboren, genoß er seine Ausbildung in Wien, wo er das Rabbinerseminar besuchte, sieb aber später dem Merkantilismus zuwandte und in der Maria-Thercsien-Straße ein Bankgeschäft betrieb. Von frühester Jugend ian ein glühender Zionist, schloß sieh Pinkas der ..Misrahi" an und übersiedelte Ende der Zwanziger Jahre nach Palästina. Dort gründete er die Bank Misrahi, die unter seiner Leitung sehr bald eines der führenden Finanzinstitute des Landes wurde. In kurzer Zeit wurde er Präsident des „Ylisrachi" Vorstand der Großen Synagoge sowie Mitglied des Stadtrates von Tcl- Aviv und später auch Vizcbürgcrmcistcr dieser größten jüdischen Stadt. Noch vor Errichtung des Staates Israel stand Pinkas in der vordersten Linie und bekleidete als Leiter der Sicherheitsabteilung einen der wichtigsten Posten im Befreiungskriege. Im Jahre IP48 wurde er als einer der Führer des vereinigten religiösen Blocks in die erste SINGER STOFFE IR D[R ROHMUR MSI k 1? ENGLISCHE KAMMGARNE REINWOLLENE DAMEN- UND HERRENSTOFEE SEIDENNOUVEAUTßS TEL. U 21388 Kncsseth gewählt und mit dem verantwortungsvollen Amt des Vorsitzenden des Finanzausschusses betraut, der zu jener Zeit neidlos als die am besten funktionierende Kommission anerkannt wurde. Der Verblichene galt als einer der besten Köpfe im ersten Parlament und nicht selten klärte er durch seine Logik und seinen Scharfsinn mit wenigen treffenden Worten verwirrte Situationen. Obwohl selbst tief religiös, war er durchaus tolerant und als die Wogen des Streites um die Erziehung nach Strömungen am höchsten schlugen, trat er mutig für eine einheitliche Erziehung allen Kinder in Israel ein, wobei es dem Willen der Eltern überlassen sein sollte, sieh für eine religiöse oder weltliche Aus-, bildung zu entscheiden. Als Pinkas in der Zweiten Kncsseth zum Verkehrsminister nominiert wurde, erregte dies aus zwei Gründen allgemeines Aufsehen: Erstens war man nach dem Zerfall der alten Koalition vielfach der Ansicht, daß er stark zum bürgerlichen Sektor tendiert und auch in der Opposition bleiben wird, wenn einzelne Gruppen des aufgelösten religiösen Blocks wicdei in die Regierung eintreten und zweitens galt Pinkas auf Grund seiner überragenden Fähigkeiten schon seit jeher als Kandidat für den Posten eines Handels- oder eines Finanzministers, jedoch keinesfalls für das ihm fremde Ressort eines Verkehrsministers. Trotzdem fand er sieh auch auf diesem ungewohnten Posten sehr bald zurecht und führte in der kurzen Zeit seiner Amtstätigkeit eine Reihe überaus wertvoller Reformen) durch. Durch das plötzliche Ableben von Dawid Zwi Pinkas ist im politischen Entwicklungsprozeß eine kaum ersetzbare Lücke entstanden. ür. Imanucl Unger Erstklassige Stoffe und Zugehör, sowie beste Verarbeitung' bilden die Grundlag der bewährte TELLER-KLEIDUNG ///. Haüphbrasu 88- 90 U16 2 86

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