Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 65 (August 1952)
- Date
- 1952-08-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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vSeitc 6 DIE STIMME (i5 WIENER IN ISRAEL dec ühchiwtqic Ha&sec /.. r. einkklstkin siehe euch „Diu Stimme" Nr. 62. ()4 32 H e i ß i s t c! e r B o d e n i n I s r a e 1 und hitzig allzu hitzig sind die I'enu'C'-amcnte! l ud obendrein ist s ein Neuland, in dem luden aus dem dunkelsten Yemen und den Klippen Marokkos mit luden des Westens um n.ur!.eben.sfernten in Wirtschaft, Politik und Kultur erst jetzt zu ringen beginnen. rn diesem Schmelztiegel der steten Finwanderungswe llrn ntuß sieh di österreichische Mijah nur mit einem bescheidenen Anteil begnügen. Außer den fungen aus \\ icn, d:e schon kn ft ihrer lugend mul Intelligenz in die erste Ptihe der führendem Schichte int lisch uw gerückt sind, (siche Schilderung in der 2. böige) sind es nur vereinzelte Wiener, die sich gerade in letzter Zeit im politischen Leben Israels durchgesetzt haben. Es sind dies der gewesene Schüler des un\crgcl.dh heil!’ r -> f. G h a j c s. Dr. Rimalt und der Fiihrer derMaccabibewegung Georg Flesch, d:e dank dem MifsHiw u.ug (Lr Allucmc»- -nen Zionisten in die Knesseth gewählt wurden. Dr. Rimalt zeichnet sich durch eine durchschlagende Logik, großes jüdisches Wissen und eine prachtvolle Rednergabe aus, geschult an der alten Wiener Garde wie Stricker, Plaschkes und Friedmann. Rimalt. der Lehrer und Rabbiner, trägt wohl den Marschallstab in seinem Tornister. Sollte es den Allgemeinen Zionisten gelingen, eine Majorität im Jischuw zu erlangen, so gilt er als aussichtsreicher Kandidat für die Ministerbank. Allerdings — zur Majorität ist noch ein weiter Weg! All zu stark dominiert indessen die Histadruth auf allen Gebieten der Wirtschaft und Politik und die Disziplin der „Mapei“ kann wohl beispielgebend sein, wenn es auf eine Entscheidung um die Führung im .Staate ankommt. In diesem Zusammenhang ist auch der gewesene Wiener Anwalt Dr. Markus Frey zu erwähnen, der als einer der Führer der Allgemeinen Zionisten in den Stadtrat von Tel-Aviv gewählt wurde. Dr. Frey wirkte jahrelang im Schatten eines Rokach und Bernstein und erwarb sich durch seine unermüdliche Organisations- und Aufklärungsarbeit besondere Verdienste. Ernst, tiefgründig und ein wissen- Veto Amerikas Das amerikanische Außenministerium hat den österreichischen Botschafter in Washington davon in Kenntnis gesetzt, daß es überaus erstaunt ist, daß die osterr. gesetzgebende Körperschaft die Verabschiedung der Cesetzc zu Gunsten der belasteten Nazi vollzogen hat, während die Probleme der Rückstellung und der allgemeinen Ansprüche von Opfern des mörderischen Nazismus, von der osterr. Regierung noch nicht in zufriedenstellender Weise gelost wurden. ln einer Pressekonferenz wurden zahlreiche Fragen über Probleme der Nazigesetze und der Rückstellung erörtert. Obwohl eine offizielle Stellungnahme noch aussteht, erwartet man, daß der amerikanische Hochkommissar im Alliierten Rat sein Veto gegen die ominösen Gesetze einlegen wird. Auf der Pressekonferenz wurde auch der Gegensatz, zur Lage in Westdeutschland hervorgehoben, wo die Rückstellung viel weiter gediehen sei. Es wurde die Möglichkeit für direkte Verhandlungen zwischen der osterr. Regierung und jüdischen Organisationen angedeutet. Die Abänderung des .‘1. Rückstellungsgesetzes sei zum Nachteil der Naziopfer erfolgt und die amerikanische Regierung sei über diese Haltung gleichfalls in hohem Maße bcuniuhigt. der Eiferer des Parteimechanisnms er setzt er Feuerwerke der Rednergabe durch Gelehrsamkeit und Logik. Ob er vom Stadtrat einen .Sprung in die flöhe, wie Pünkas, machen wird, ist fraglich. P a r t c i ist das um uind auf auch im Aufstieg und Niedergang Wiener Zionisten! AVer von Wien aus bereits mit den Stempeln der „Histadruth" nach Erez kam, hatte bereits eine Vorgabe einer Königin im Schach-Matt der irrenden Kämpfe um die Existenz und Aufstieg. Alle Tore wurden schon um das Jahr 1938 geöffnet für die „Chawerim“ aus Wien. . Solei Boneh“, „Tnuwah“, ..Hamaschbir", Bank- und Industriekonzerne der Histadruth versorgten einen Teil ihrer Anhänger. Dies ist kein Vorwurf, eher ein Lob. Fs ist bereits Geschichte. Traurige Geschichte der Wiener Alijah, die zerschlagen und fassungslos, dem schwelen Ringen von Leuchten des Wiener Zionismus, die mit dem Stigma der Spaltung nach Erez kamen und zusehen mußte. Einer der vom Glück beschenk teil aus dem Kreise derjenigen, die bereits in Wien eä,n linkes Los gezogen haben, gehört Dr. I. Lamm, der auf sein Mandat als Knesseth-Mitglied verzichl eher den Antisemitismus ist schon so viel mul so oft gesell riehen worden, (laß t's mm .schwer fällt, wieder und wieder dieses Thema zu berühren. Dies umsomehr. als jede Polemik über diesen Gegenstand als zwecklos erscheinen muß. d i der Antisemitismus eine hereditäre Anlage ist. die durch Erziehung in Haus und Schule verstärkt, leider zu einer unheilbaren Krankheit wurde. Doeli zwingen Herausforderungen des Neonazismus einem die Feder in die Hand. Inter dem Titel: ..Der ewige Hasser“ wirft der ..Montag“ vom 7. Juli 1952, den Juden nach der Methode: „Haltet den Dieb!“. Gehässigkeit vor. indem ein Teil der Juden sieh gegen die Entgegennahme einer von der Regierung Westdeutschlands angebotenen Gcldentschädigung für die von den Nazis ermordeten i) Millionen Brüder, Schwestern, Kinder. Ellern. Frauen und Männer, sich aussprach.... In diesem Zusammenhang gibt der ..Montag“ den Juden den weisen und freundlichen Rat, in sieh zu gehen und über die Ersuchen des Unglückes, das sie traf, nachzudenken... Es heißt da wörtlich: „Aber wäre cs nicht hoch an der Zeit, daß das Wcl tjudentum, statt am erlittenen Unrecht ewig zu kranken, sieh einmal mutig die Krage stellt, wieso überhaupt eine so furchtbare Judcnverejß unerschöplich In Auswahl Prachtstücke Wiener Goldschmiedekunst I., Kohlmarlct .1 lM Kärnfnerstraße 12 Uhren wie Omega, Schaffhausen, Doxa u. a. Schweizer Marken f. Damen und Herren, letzter Schöpfungen VII., Mariahilfersfr. 114 VII., Kirchengasse 9 tet hat, um einen hohen Richterposten zu übernehmen, Dr. Lamm wurde allerdings gleich nach seiner Alijah unter die Fittiche der reichen Organisation der deutschen Juden genommen, zeichnete sich durch einen gewissen Elan im juristischen Wissen und auch einen Schuß von Ehrgeiz aus und kam bald aus der Enge der „Olej Geirmaniah“ ins Rampenlicht der Oeffentlichkeit als Redner, erstklassiger Mapelpolitfker und gleichzeitig Jurist von großem Wissen und Sachlichkeit. Ein Kampf ums Dasein in den ersten Jahren, der einem Dr. Leo Goldhammer das Herz gebrochen hat, war ihm erfreulicherweise erspart. Weniger vom Glück begünstigt, scheint ein politischer Antipode: Lamm’s, der um die Organisation Wiener Zionisten in den letzten Jahren überaus verdienten Dr. Oskar Grünbaum zu sein. Als er nach Tel-Aviv aus dem Inferno Hitlers kam, wurde er mit Trompeten klang seiner Getreuen empfangen. Doch wurde er allzubald ins Gestrüpp des politischen Sammelsuriums verstrickt und windet sich bis zum heutigen Tage zwischen Szilla und Charybdis der Ränke, Ambitionen unter Auf- und Niedergängen der konkurrierender! Parteigrößen. Eine Persönlichkeit von Rang, die in erstaunlich kurzer Zeit das Hebräische erfaßt hat und in dieser .Sprache eine glänzende Feder führt (iim „Haboker"), eine führende Gestalt des Wiener Zionismus, muß noch immer um Geltung und Stellung iim Rahmen dieser Partei ringen, zu deren Aufbau und Aufschwung er wesentlich beigetragen hat. Ein heißer Boden ist der Jischuw und schwer wie das Leben ist das Ringen um die politische Führung, die sich im Rahmen der vielen — allzu vielen Parteien hier abspielt. Nebenprodukte der Galuth uind Ausstrahlung folgung geschehen konnteV“ Aus dieser Frage wäre zu schließen, daß der „Montag“, gleich allen Nazis, auf dem Standpunkt steht, daß die Juden selbst an ihrem Unglück die Schuld trügen, daß die, auf unmenschlichste Art, hingemordeten ö Millionen Juden, darunter Greise, Kinder, Frauen und Kranke, wegen angeblich begangener Verbrechen ihren Tod verdient hätten. Diese Schlußfolgerung läßt aber das im Vordersatz zugegebene Unrecht, das an den Juden geschah nicht zu. Wie ist aber dieser Widerspruch zu verstehen V Soll dieser Rat zur Einkehr, Selbstbesinnung, Reue und Buße von freundlicher Seite herstammen, u. zw. von einem höheren, religiösen, metaphysischen, moralischen Gesichtspunkt aus, vom Standpunkt des Glaubens an Schuld und Sühne?! Wer cs glaubt, irrt. Erstens ist das Dogma der Vergeltung längst von Hiob widerlegt... Damit wollen wir natürlich nicht sagen, daß die Juden gleich Hiob sünden- und fehlerfrei seien. Kein Mensch und kein Volk ist vollkommen. Die Juden besitzen Fehler, wovon die andern Völker nicht frei sind. Die Juden sind nicht besser, aber auch nicht schlechter als die andern Völker. Viele Fehler haben sie sieh sogar erst in der Zerstreuung zwangsläufig angeeignet. Zweitens läßt schon der Titel. „Der ewige Hasser“ erkennen, daß sich hinter diesem Artikel ein getarntei Nazi verbirgt. Der Nazi spielt auf das Motiv der Judenhasser der Antike an, die, aus fab schein Verstehen, die Abschließungsgeeiner ungewissen Zukunft... Die Wiener Alijah ist nur ein schwaches Blitzlicht, das aus diesem Chaos hervorbricht. „Panta Rhei“ — alles ist hier im Werden begriffen. Und das Leben rollt in strahlten der Unbekümmertheit vom Dan bis Elath... Fortsetzung folgt. setze der jüdischen Theokratie zur Zeit des /.weilen St illes, tendenziös alb Ausdruck des Hasses interpretierten. Andere Fehler kannten die mit einem Haßkomplev hehalle'en Antisemiten des Altertums den Juden nicht vorwerfen, da die Theokratie darauf ausging, alle Friller der .Juden, die auf Nachahmung der Kultur der Heiden zurürkzuführen wann. amzumerzen. sie unmöglich zu machen. Damals \ erlcmndete man die Juden. sie wären Hasser, weil sie nicht der Assimilation \rrfirlen. Die Antisemiten der Neuzeit werfen den Juden, trotz der starken Tendenz zur Assimilation, noch immer Neigung zur Gehässigkeit vor. I nd nun taucht wieder dieses Motiv auf. Es ist aller schon eine alte Hegel in der Psychologie, daß ein Mensch, (Dr über gewisse Felder allzu oft spricht, nur beweist. daß er mit diesen Felllern seihst behaltet ist. Ist es nicht eigentümlich, daß man den Juden eine Untugend vor - wirft, die mau selber in einem solch hohen Maße besitzt, daß sie zur Vernichtung von Millionen Menschen, nicht nur Juden, führte?! Die Juden hätten viele Gründe. die Mörder zu hassen. Doch ist cs Böswilligkeit, den aus idealen, moralischen Motiven ausgclüslcn Entschluß eines geringen Teiles der Juden, für den gemeinen Mord keine Entschädigung anzunehmen, als Ausdruck des Hasses und Haßmotive zu unterschieben. Es ist ein Zeichen dafür, daß man nur irgend einen Anlaß sucht, gegen Juden zu hetzen, und sei die Ursache noch so fadenscheinig und spräche die angeführte Tatsache sogar gegen die übelwollenden getarnten Nazis. Die Hauptsache ist. die Judenfrage nicht ruhen, den Haßinstinkt nicht einschlafen zu lassen, bis die Zeit wieder kommt, wo sie das angesammclte Gift wieder verwenden können, um sich wieder an jüdischem Vermögen zu bereichern. Der Schreiber geht sehr behutsam mit seinen Formulierungen vor, aber trotz der geschickten Tarnung kann man erkennen, wessen Geistes er ist. Er kann die Lelirherren Streicher und Goebbels nicht verleugnen. Wie eine so furchtbare Verfolgung hat geschehen können? Wir wissen es ganz genau. Weil wir eine wehrlose Minorität sind einerseits und die Nazis wilde Tiere andererseits, die alle Völker Europas am liebsten „ausradierten“, wenn sic es vermocht hätten ... Oder glaubt der „Montag“ wirklich, daß die Ermordung der Juden Ursachen hätten, die dem Nazismus die Berechtigung gaben, als Rächer aufzutreten? Welche Verbrechen kann ein menschliches Gehirn ausdciikcn. worauf eine Strafe steht, die vollzogen wird durch Abziehen der menschlichen Haut, Begraben am lebendigen Leibe, Zähne ausbrechcn, Augen ausselilageu, schwangeren Frauen die Bäuche aufschlitzen usw. usw.?! Jaak. Tannin Beteiligung Beteilige mich an einem seriösem, gewinnbringendem Geschäft, wobei ich mitarbeiten möchte. Unter „Kapital vorhanden" an die Verwaltung des Blattes. Textilgeschäft oder Herrenu. Damenmoden, möglichst Arbeitergegend, frequentierter Posten, zu kaufen oder pachten gesucht. Unter „Barablöse" an die Ver" waltung des Blattes. Vjtanut Bäume i*n nUktyuwaU! KERElKuASilLs4RAEL TELEFON U 29 2 26 / POSTSPARKASSEN-KONTO 130 067 0294