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Die Stimme · 1952-08-01 · Heft 65 (August 1952) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 65 (August 1952)
Date
1952-08-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE STIMME Selbe 5 l\r 65 JUltäfalitieuuity dcc 1/lcvzi In einer am 17. Juli im Wien abgelialfenen Pressekonferenz, an der die Velfagenfuren der infern. Presse und zwei maßgebende Persönlichkeiten des Amcican Jewi.sh Committee und des World Jewi.sh Congrcss, Herr Sh u st er mild Heir Dr .Roth teilnahmen, unferzogen die beiden letztgenannten Herren, die dem österreichischen Natienalraf vorge legten (inzwischen angenommenen) Gesetze betreffend die Haftentschädigumg für KZ-Häftlinge einer kritischen Beleuchtung. Naziahnliche Methoden. I)r. Shuster stellte fest, daß Oesterreich sich auf einem gefährlichen Weg befinde, der durch die Annahme einer Reihe von Gesetzen gekennzeichnet sei. Jüdische und nicht jüdische Organisationen im Auslande betrachten dies als eine Introduktion zur Stärkung des Nazismus in Oesterreich. Remefiziem für wen? Die Gesetze beinhalten eine volle Rehabilitierung der belasteten Nazi, hingegen Beschränkung bzw. Entzug der geringen Zugeständnisse an die Opfer des Nazismus. Es handelt sich insgesamt um sieben Gesetze, von welchen drei, eiine direkte Bevorzugung ehemaliger Nationalsozialisten beinhalten, zwei weitere benachteiligen die Opfer des Nazismus, die retslichen behandeln die Frage der Rückstellung erblosen Vermögens. So werden ca. 26.000 ehemalige nationalsoziasiistische Führer, Mitglieder der SS, die bisher wegen ihrer Vergangenheit nicht amnestiert werden durfi Zollfreie Mesptap» j| nach Ungarn und dar CSR, auch Medikamente 1 KFI FNI Tn WIEN I., ESSL1N6GASSE NR. 2/5 | LIU., telephon U 29-0-57 ten, weitgehende Rehabilitierung erfahren. Zwanzigtausend erhalten volle Staatsbürgerrechte wieder, sechstausend erklärten Kriegsverbrechern und Blutordensträgern wird das Vermögen zurückgestellt. Weitere 30.000 öffentliche Äxigestelllte, die wegen ihrer nazistischen Vergangenheit in ihrem Amte in den letzten 3 Jahren nicht be- Denkmal für Dr. ZAMENHOF Am 27. Juli 1952 wurde in Wörgl Tirol, ein Denkmal für den Schöpfer der Esperantosprache, Dr. Ludwig Zamenhof, enthüllt. Dr. Zamcnhof beschäftigte sich schon als junger Mann mit dem Gedanken, eine völkerverbindende Hilfssprache zum Wohle der Menschheit zu schaffen. Im Jahre 1914 hat die Stadtverwaltung von Franzensbad dem Schöpfer des Esperanto ein Denkmal gesetzt, das die Nazi iin Jahre 1939 gesprengt haben. Dr. Zanienhof war vom Gedanken des prophetischen Kosmopolismus beseelt; er sah in einer Weltsprache das Mittel, die Völker zu vereinigen im Sinne des jüdischen humanistischen Endzieles. Der Schöpfer des Esperanto starb am 14. April 1917 in 'Warschau, betrauert von der jüdischen und nichtjüdischen Welt. fördert wurden, werden nunmehr Beförderung und Entschädigung erhalten. Dr. Roth stellte im diesem Zusammenhang fest, daß die Durchführung des lef/tgc narinten Gesetzes, Oesterreich in den nächsten fahren 160 Millionen .Schilling kosten wird, während eine gerechte Haftentschädigung für Opfer des Nazismus nur 200 Mill. Schilling erfordert. Juden im Ausland ausgeschlossen. Das Ha ff ent sch ädiguingsgesetz sieht jedoch eine Entschädigung für jene Opfer vor, (431. Schilling pro Haftmonat) die österreichische Staatsbürger sind. Oesterreich ische Naziopfer, die gegenwärtig im Ausland leben, werden von den Bestimmungen des Gesetzt s ausgeschlossen. Das erblose Vermögen. Das Gesetz betreffend erblose Vermögen, wird als Sammelstelle-Gesetz bezeichnet. Es bestimmt, daß Ansprüche auf diese Vermögenswerte zu registrieren seien, jedoch sind darin keine konkreten Maßnahmen über eine etwaige Verwendung vorgesehen. Die Ansprüche müssen innerhalb eines Jahres angemeldet werden, Vermögenswerte, worauf kein, dem Gesetz nach, rechtmäßiger Anspruch erhoben wird, werden einem Kuratorium des Finanzministeriums unterstelle. Die Vermögenswerte müssen für die Opfer der Barbarei verwendet werden. In Oesterreich leben ungefähr 10.000 Juden, von ihnen ist ein Großteil krank, und wird von den amerikan. Juden befürsorgt wird! Vor einigen Wochen gedachte die Sozialistische Partei Oesterreichs des Mannes, der auf dem Hainfelder Parteitag im Jahre 1889 die Grundlagen gelegt hat für die geeinte, starke, politisch reife sozialdemokratische Partei, die befähigt war, unmittelbar nach dem Zsammenbruch der Oesterreichischen Monarchie, die Macht im Staate zu. übernehmen, ihm die republikanische Verfassung zu geben, den Friedensvertrag mit den Siegermächten .von 1918 abzuschließen, die im Gefolge der politischen Neuordnung auftretenden Wirren, klug und überlegen einzudämmen und Oesterreich in die Völkergemeinschaft einzugliedern. Viktor Adler, der Leiter und Organisator der Oestcrr. Arbeiterbewegung, bildete eine Generation vortrefflicher Menschen, wie Pernersforfer, Hanusch, Renner, Scitz, Eldersch, Ellenbogenl, Otto Bauer, Danneberg, Breitner u. a, politisch heran, wodurch seine Partei die Regierungsfähigkeit und die Macht erlangt hat, den Arbeitern den Weg zum sozialen und kulturellen Aufstieg zu ebnen. Viktor Adler, der Ende Oktober 1918 vom Balkon des Landl,•Uhrbandes in der Hcrrcngasse den historischen Akt, der Ausrufung der Republik Oesterreich, vollzog, übernahm die Funktion des Staatssekretärs für Auswärtiges, die er nur kurze Zeit auszuüben vermochte. Am 11. November 1918 schloß Adler die Augen für immer. Das Wiedererwerbsgesetz. ermöglicht, bereits abgeschlossene Prozesse wicderaufzuinehmen; dieses Gesetz steht im krassen Widerspruch zu der Londoner Erklärng vom 5. Jänner 1943, es ist eine Verletzung des Art. 44 des Besatzungisstatuts und steht aber auch im Widerspruch zu den Pückstellungsgesetzen. Ein Gesetz, das rückwirkend ist, kann Unsicherheit im wirtschaftlichen Leben bringen und wird das Ansehen Oesterreichs empfindlich schädigen. Im Vergleich zu Deutschland, wo die Nazi aus dem Außenamt ausgeschieden wurden,setzt man sie in Oesterreich überall wieder ein. Deutschland verhandelt mit jüdischen Organisationen, Oesterreich hingegen schafft fast alles, was hier seit Kriegsende für die Opfer des Nazismus getan wurde, ab. Bezeichnend ist, daß der Inhalt dieser Gesetze, noch 3 Tage vor der Abstimmung, strengstens geheim geh alten wurde, lediglich, die Führer der SPOe und OeVP hatten Kenntnis von der Ungeheuerlichkeit dieses Beginnens!! Die Herren Dr, Roth und Dr. Shuster haben gleich nach Bekanntgabe des Inhalts der Gesetze, bei Bundeskanzler Ing. Figl, Justizminister Dr. Tschadek, Außenminister Dr. Gruber und bei den Vertretern der amerikanischen und englischen ßesatzungsmacht interveniert, jedoch keinen Erfolg erzielt. Es bleibt der inuind ausländischen Oeffentlichkeit — soweit sie demokratisch und weitsichtig ist — überlassen, zu diesen, die Moral verletzenden Gesetzen weiter Stellung zu nehmen. Mdgr. Viktor Adler entstammt einer jüdischen Familie, die ebenso in Prag wie in Wien Ansehen genoß und Vermögen besaß. Im Jahre 1880 begann er an der Wiener Medizinischen Fakultät das Studium, interessierte, sich besonders für Psychiatrie und widmete sich mit Eifer der Lösung der sozialen Frage. Sein absoluter Gerechtigkeitssinn und seine tiefe menschliche Güte bewogen ihn, den Kampf gegen Willkürherrschaft zu führen, wofür er mit Gefängnisstrafen belegt wurde. Leider betrachtete Adler die Judenverfolgungen im zaristischen Rußland und im bojarischen Rumänien von einem dogmatischen Gesichtswinkel aus und konnte sich nicht aufraffen, den Antisemitismus auf breiter Basis zu bekämpfen. Von der Warte seiner streng marxistischen Auffassung aus, betrachtete Adler den Antisemitismus als ein Manöver der Kapitalistenklasse und der politischen Reaktion, die die Arbeiter verdummen, spalten und von der Wirklichkeit ablenken wollen. Obwohl Adler die Theorien des Zionismus gekannt hatte, lehnte er es ab, eine positive Stellung zum Judenproblem zu beziehen. Seine Weltanschauung war darauf gerichtet, den demokratischen Sozialismus zu verwirklichen, der allein beirufen wäre, die Menschheit, somit auch die Juden von der Unterdrückung zu befreien. Die zionistischen Bestrebungen der Juden identifizierte Adler mit dem VIKTOR HDLER 2um 100. (ftbudstafy Heinrich STEIN Telephon: U 49 0 64 WOLLE UND GARNE ERZEUGNISSE: ADOLF BOMZE Selbstroller Rollvorhänge V, Reinprechtsdorferstraße 48 Verdunkelungen XX, Wallensteinstraße 17 Bretterjalouclen Holzrollbalken Telephon a32 oo8 XVI, Neulerchenfelderstraße 20 Durchsichtige Schaufenaterrolloe II, Rotensterngasse 5 Die idealsten Schulterauflagen aus Watte, bette Paßform, für Damen-, Herren- und Kinder- Bekleidung „HAPO" Achselpolster- Erze ugung RUDlCH&Co. Wien //, Aspernbrückeng. 4 Telephon R 45 5 63 Die Zionistische Föderation veranstaltete am 14. Juli im Schubertsaal eine Gedenkfeier für Theodor Herzl und Chaim Nachman Bialik. Die Begrüßungsworte sprach der Vizepräsident der 'Zionistischen Föderation Herr Dr. Victor E. Pordes, der die Anwesenden von dem plötzlichen Ableben des stellvertretenden Ministerpräsidenten Israels, Elieser Kaplan in Kenntnis setzte. Die Gedenkworte für Elieser Kaplan sprach der Konsul des Staates Israel, Herr Arie Eshel. Zum Zeichen der Trauer erhob sich das Publikum von seinen Sitzen. Oberrabbiner Dr. Akijba Eisenberg würdigte das Werk des großen Dich¬ Buchdruekerai A. Glücksmann & Söhne Willi XVII, Beheimgasia 77, Tel. A 29 2 27, A 28 0 29 Alle Arten von Drucksorten Holen Sie bei uns Offerte ein ters Caim Nachman Bialik sehr eingehend und analysierte an Hand von Leseproben aus seinen Gedichten das Wesen dieses einmaligen Genies. Der Oberkantor der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Franz Weiß., sang das El mole rachamim mit Herz und Gefühl und brachte anschließend, zwei Lieder in hebräischer und jiddischer Sprache zum Vortrag, die Anwesenden lauschten seinen Darbietungen mit großem Interesse. Zwei Gedichte von Bialik, meisterhaft von Erich Margo zum Vortrag gebracht, beleuchteten das Werk dieses Dichters. Herr Dr. Imanuel Unger (Tel-Aviv) hieljt die Herzl-Gedenkrede, die das Leben, Wirken und Sterben unseres großen Visionärs an unserem Auge Revue passieren ließ, Der Redner verstand in prägnanten Worten die ungeheuren Verdienste Theodor Herzls um die Entstehung der Medinath Israel aufzuzeigen. Mit der Abslngung der „Hatikwah“ schloß, die solenne Feier. bürgerlichen Nationalismus, den er verwarf und dem Irrtum verfiel, daß die Judenfrage in der Galufh gelöst werden könne, wenn das Weltproletariat stark genug sei, um die Manöver der Kapitalisten wirksam zu bekämpfen. Bernhard Braver „TABU” Warenhandelsgeaellschaft W.Bursztyn WIEN VI, MARIAHILFERSTR. 51 TELEPHON B 24 204 TEXTILIEN UND HERRENKONFEKTION

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