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Die Stimme · 1952-08-01 · Heft 65 (August 1952) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 65 (August 1952)
Date
1952-08-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE STIMME Sette 3 Mr f>r> „Die ich rief, die Geister... Im I.cifnrtikcl vom 23. Juli 1952 unternimmt die „Arbeiter-Zeitung“ den Versuch, die zu Gunsten der Nazi, an deren Händen Blut klebt, iim^ Parlament beschlossenen Gesetze Begreiflich zu machen und Aufklärung darüber zu geben, weshalb die Interessen der Naziopfer den Interessen der Nazi hintangestellt wurden. Zu unserem Bedauern stellen wir fest, daß die „Arbeiter-Zeitung“ keine gesunden, logischen Argumente finden konnte, um d‘e anständig denkenden Menschen davon zu überzeugen, daß es zum Wesen einer Dcinok.-i,Ce gehört, auch jenen Mitbürgern, die gegen sie gefehlt haben, und noch heute gegen sie handeln, die Möglichkeit :-.ü *c •öffnen, sich wieder in u;o Demokratie cinzulcben. Böte sich der .Arbeiier-Zeitung“ keine Gelegenheit, das Treiben der Neonazi in Wien und n der österreichischen Provinz zu beobachten, und daraus Schlüsse zu ziehen, müßte man ihr den guten Glauben zubilligen, daß SS-Männer fähig sind, sich in die Demokratie eiimzufügen. Es käme, einer Verspottung gleich, wenn wir die Arbeiter-Zeitung belehren wollten, daß Nazi unter allen Umständen Bernde der Demokratie sind und darauf lauern, ihr den Garaus zu machet». Die Vergangenheit lehrt und die Gegenwart bekräftigt es, daß der Nazismus die demokratische Freiheit mißbraucht und jede Gelegenheit wahrnimmt, um mit Mitteln der brutalen Gewalt, die Rechte des Volkes zu beseitigen, und despotische Methoden 2 X täglich Konzert im Freien 1 SCübners Cafe-SRestaurant KURSAION Es spielt: Kapelle Eduard MACKU Normale Preise zu. gebrauch ein. Die deutschen Sozialdemokraten unter Eberth, waren orthodoxe Anhänger der Demokratie und trieben den Gerechtigkeitssinn soweit, daß sie den Vorläufern des Nazismus, den Wilhelminischen Generalen das Maximum an Rechten eiinräumten, bis sic die Macht im Staate an sich rissen, Hindenburg zum Präsidenten machten uind Hitler in den Sattel hoben. Das nazistische Deutschland, das die Demokratie ungewollt gebar, legte die Saat zum zweiten Weltkrieg, demoralisierte Europa und anektierte 1938 Oesterreich. Als der Oktober 1939 kam, brannte das vom Hitlreismus gelegte Feuer lichterloh. Die österreichischen Nazi schürten dieses Feuer und vergingen sich an der Menschheit und Menschlichkeit. Raub und Mord waren die Devise des Tages. Demokratisch denkende Menschen wurden ein ge kerkert und In die Konzentrationslager deportiert. Juden wurden außerhalb des Gesetzes gestellt und Gewalttaten, die gegen sie begangen wurden, legalisiert. Wohnungen, die Juden innehatten, mußten innerhalb kürzester Frist geräumt und vorzugsweise dein Nazi zur Verfügung gestelllt werden. Jüdischer Besitz, beweglicher und unbeweglicher, mußte als Volksgut dem Ariseur überantwortet werden. Der Jude durfte die Straße nicht gefahrlos betreten und als der 10. November kam, Inszenierten die je tzt re in ge vva schienen Nazi gegen die Judenschaft eiine Hatz, deren Schrekken die Geschichte nicht kennt. Jüdische Gotteshäuser wurden a,n- B. Teilet WIEN I, SALZTO RQAS S E 5 TELEFON U 25-4*85 HERREN-, DAMENKLEIDER UND -MANTEL MODISCHE SPORT- UND REQENSCHUTZBEKI.EIDUNgS- KABRIK gezündet oder gesprengt I Völlig unschuldige Menschen, die als Juden zur Welt kamen, wurden in den .Straßen gefangen, in die Gesfapozellen geschleift, blutig geschlagen und in die Konzentrationslager gebracht, wo ein großer Teil zu Tode gemartert wurde. Dies war das Werk auch österreichischer Menschen, die sich besinnungslos dem mörderischen Nazismus verschrieben haben, fm Jahre 1941 holten die Nazi gegen das Judentum Europas zum tödlichen Schlag aus; alle. Personen, die nach den sogenannten „Nürnberger Gesetzen“ blutmäßig dem Judentum zugczähll wurden, kamen in die Konzentrationslager, in die Gaskammern. Die SvS tötete eigenhändig Greise, Kranke u. Kinder in der Wiege. Das Bedürfnis der österreichischen Republik ihr Haus iin innere Ordnung zu bringen, ist begreiflich, ebenso ihr Vorsatz, nicht dauernd gewisse Bevölkeruingsschichten als Bürger zweiten Ranges und minderen Rechtes zu behandeln. Aber absurd ist es, und mutet verlogen an, was die Arbeiter-Zeitung im gegenständlichen Leitartikel aus der Fülle des Herzens sagt: „Was uns als das Höchste gelten muß, ist und bleibt dies: Vor der freien Welt rein und sauber dazustehen, als ein Land der Rechtlichkeit und Humanität.“ Rechtlichkeit und Humanität in Ehren, sonst könnte die anständige Gesellschaft nicht bestehen. Rechtlichkeit uind Humanität kann aber nur jenen Menschen gegenüber geübt werden, die die Gewähr dafür bieten, daß sie sich dieser Wohltaten würdig DER ERMORDETE, NICHT Das gegenwärtige politische Bild in Deutschland zeigt häufig ungewöhnliche Fälle, die noch vor zwei Jahren kaum denkbar waren. Die Politik greift auf verschiedene Gebiete des Lebens über und verschont auch nicht die Justiz. Man gewöhnt sich daher an alle möglichen Kuriositäten. Das kaum Denkbare wird zur Realität. Vor einem Nürnberger Schwurgericht lief ein Prozeß gegen ein Bewachungsmitglied des Konzentrationslagers St. Valentin (Oesterreich), Georg Dimowitsch. Die Untersuchung gegen Dimowitsch begann im Jahre 1949, als ihn einige Häftlinge aus St. Valentin erkannten und in ihren Zeugenaussagen vor dem Untersuchungsrichter seine Unmenschlichbeiten schilderten. In den Zeugenaussagen rollten die düsteren Bilder, besonders der letzten Tage vor der Evakuierung St. Valentins nach Mauthausen ab. Aus Oesterreich gingen eidesstattliche Erklärungen von ehemaligen Häftlingen an den deutschen U n tersuch ungsrichter. Es scheint eine einheitlich festgelegte Linie der Verteidigung der Kriegsverbrecher im Deutschland u. ln Österreich zu bestehen, denn ebenso dort wie hier ist es die Taktik der Verteidigung, dein Prozeß so lange hinauszuziehen, bis die Zeugen Oesterreich oder Deutschland verlassen, wodurch der Prozeß vor leeren Zeugenbänken abrollt. Eidesstattliche Erklärungen gelangen nicht einmal zur Verlesung, Venehmungsprotokolle des Untersuchungsrichters — wenn der Zeuge nicht mehr da ist — werden fast bedeutungslos. Es kann daher niemanden wundern, daß Freisprüche am laufenden Band erfolgen. Das übliche Bild der letzten Prozeszu erweisen vermögen. Gemeine Verbrecher werden in der Regel begnadigt und nach Ablauf von einigen Jahren treten sie in den Genuß der vollen bürgerlichen Rechte. Niemals fiel es einer gesetzgebenden Körperschaft ein, Ansprüche von Verbrechern zu refrovertieren, oder ihnen gar Vorteile einzuräumen, kraft welcher, sie moralisch und wirtschaftlich ihren Opfern gegenüber stark dominieren. Die Gewährung von Entschädigungen an die belasteten Nazi und ihre Wiedereinsetzung in die früheren Positionen, kommt der Gutheißung der Na/.K.ntaten gleich. Die Zurücksetzung der Naziopfer, die Schmälerung der Rechte auf Wiedergutmachung und der Entzug des erblosen jüdischen Vermögens, macht das Streben nach dem Höchsten, nämlich, vor der freien Welt rein und sauber dazustehen, illusorisch. Es ist eine Verzerrung der Dialektik, wenn der Grundsatz aufgestellt wird, daß Nazi, die aus Habsucht geraubt und aus Blutgier gemordet haben, politische Verbrecher seien, die im Interesse der allgemeinen Befriedung Rehabilitierung verdienen. In diesem Zusammenhang wollen wir einen Satz hervorheben, welchen die Nationalrätin Jochmann, vor dem versammelten Hohen Haus, sprach : „Ich wünsche Ihnen, Herr Abgeordneter Reimann, daß Sie während der Naziherr schuft nur eine Nacht die Schmerzeinsschreie der Opfer mitangehört hätten.“ Die blutrünstigen SS- Horden schlugen so unbarmherzig zu 1 Bernhard Braver DEI «IMEI IST Slillll se hat [in der Verhandlung gegen Dimowitsch eine neue, bisher nicht gekannte Phase eingeleitet. Die Verbrecher gehen durch die Verteidigung zur Offensive über. Vom den zwanzig Zeugen, die gegen Dimowitsch ausgesagt haben, war es nur einem Zeugen, u. zw. Roman Glaser aus Krakau möglich, im Gerichtssaal zu erscheinen. Die anderen haben inzwischen Deutschland oder Oesterreich verlassen und befinden sich in den USA, Israel oder Australien. Dagegen bot der Angeklagte Dimowitsch' eine größere Zahl Entlastungszeugen auf, die alle unter Polizeibewachiung aus verschiedenen Gefängnissen herangeschafft werden mußten, weil sie selbst wegen Kriegs verbrechen langjährige Strafen zu verbüßen haben. In Ihren Augen war natürlich Dimowitsch ein Lämmlein, das niemandem ein Haar krümmte, der nur darauf bedacht war, den Häftlingen zu helfen. Kurz eine ideale Erscheinung 1 „Wenn er auch einmal zugeschlagen hat, so war das lauch nur zum „Wohl“ der Häftlinge, denn hätte er sie nicht geschlagen, wäre er vom Dienst im Konzentrationslager entlassen worden und ein Schlechterer hätte seinen Platz eingenommen.“ Die Richter nickten den Ausführungen der Zeugen zustimmend zu. An die Zeugenbarre trat nun ein neuer Mann. Für alle Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen mit seinen 60 Nebenlagern kein Unbekannter! Es war der Lagerschreiber von St. Valentin, Herr von Posern, der selbst wegen Uinimenschlichkeiten vor einem Kriegsverbrechergericht in Dachau im Jahre 1948 zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt wurde und seine Strafe in Laindsberg absitzt. SINGER STOFFE II) DIR ROTRHrURMSTR 1? DAMENSTOFFE HERRENSTOFFE IMPRIMfiS SHANTUNG FRÜHJAHRS- UND SOMMERNEUHEITEN TEL. U 21388 ADRIATICA SCH I HAH R T 5 G r S Ei./ SCHAFT-VENEDIG LUXUS-EXPRESSDIENST nach ÄGYPTEN (Alexandrien) und LIBANON (Beirut) Von Venedig am : 16. VIII., 30. 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Abfahrtadaten können Änderungen erfahren 1 Auskünfte und Buchungen bet dar Zweigniederlassung ln WIEN I., Kärntner Ring 6, Telefon U 47 5 60 Serie bei der Filiale in GRAZ, AnnenstraOe 10 Telefon 67 01, sowie bei allen Reisebüros Frachtenabteilung: WIEN I, Kärntnerstraße 33 (Eingang Jobannesgaasel) Telefon R24560Serie Herr von Posern stellte vor dem Gericht eine neue These auf : Nicht die angeklagten Kriegsverbrecher, sondern die jüdischen Beschuldigungszeugen seien die richtigen Mörder. Er selbst kann bezeugen, daß in den letzten Tagen vor dem deutschen Zusammenbruch, die Juden in St. Valentin und in Ebensee 1140 (eintausendeinhundertvierzig) Deutsche ermordet hätten. In dem Belastungszeugen Roman Glaser will er einen Mörder dier Deutschen agnoszieren. Auf Vorschlag des Verteidigers von Dimowitsch, wurde Herr von Posern veranlaßt, einen Eid auf diese [Beschuldigung ahzulegen, was dieser tatsächlich tat. NÄZIEHRE! Georg Demowitsch, der blutgierige Bewachungshyäne vom St. Valentin, wurde in allen Punkten der Anklage freigesprochen. Gegen dein Zeugen Glaser, den ehemaligen KZ-Häftling, hat die Staatsanwaltschaft in München ein Verfahren wegen Ermordung von Deutschen e ingeleitet!! Die erste Vernehmung Glasers hat bereits stattgefunden. Die Reaktion der deutschen Presse und der deutschen Bevölkerung auf dieses Urteil und dessen Folgen, war die einer Befriedigung. Man muß darauf vorbereitet sein, daß diese Taktik der Verteidigung Schule machen wird. Als vor einigen Jahren die Mitleidskampagne für die verurteilten Kriegsverbrecher epidemisch in einigen europäischen Hauptstädten, besonders aber in Washington ausgebrochen war, warnten die Kenner Deutschlands vor Milde gegen Kriegsverbrecher. Ihre Stimme wurde nicht gehört. Das Ziel, das durch diese Milde erreicht werden sollte, wurde nicht erreicht. Kaum einer von den Amnestierten und Entlassenen gesteht, daß ihm Gnade zuteil wurde. Sie bleiben Feinde der Menschheit. Dr. SIMONI Erstklassige Stolle und Zugehör, sowie beste Verarbeitung' bilden die Grundlage der bewährten TELLER-KLEIDUNG ///. HtäfihfrfiKeM- 90 U16 216

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