Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 64 (Juli 1952)
- Date
- 1952-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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vSeitc 6 Nr. 64 _ DIE STIMME__ Das ewig jüdische Jerusalem Dr. IMANUFX UNGER (Tel-Aviv) Mit dct l ebrrfiihrung des Außenminisieriums nach Jerusalem ist das letzte isriulistlie Staatsamt in die Hauptstadt übersiedelt und damit wurde eindeutig auch dem UiMand gegenüber zum \usdriK k gebracht. daß keine fremde Macht das .1000 .Jahre alte Bestimmungsrecht \ereiteln kann. Jerusalem ist den drei monotheistischen Heligionen heilig, aber für die Juden ist es die biblische Heimat, die sie nie. selbst in Zeiten der härtesten \ erbannung aufgegeben haben und das politische Ziel, das für sie seit König Davids Zeiten zum Symbol wurde. Die Opferbereitschaft der Juden für die Heiligkeit Jerusalems ist allzeit zum Ausdruck gekommen, sei cs in den Worten des grolsen Propheten Jesehajahu : ..kür Zion werde ich nicht zögern und für Jerusalem nicht schweigen”, sei es in dem Treueid: ..Wenn ich Dein vergesse, Jerusalem, verdorre meine Rechte", mit dem auf dem ersten Zionistenkongreß der Schwur der Verbannten nach Babylon erneuert wurde. Viele Völker und Stämme, Könige und Abenteurer vermochten im Laufe der Jahrtausende die Stadt zu erobern, die heute ein schiefwinkeliges Viereck mit 12 Toren und 34 Türmen ist, umgeben von einer Mauer, die darauf hinweist, daß sie einst eine Festung war — aber kein einziger vermochte sie zu halten. Immer wieder wurde die Mauer niedergerissen und immer wieder neu errichtet, aber seit König David im Jahre 1005 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung den ersten Gürtel um die Stadt zog und fünf Jahre später den Tempel erbaute, das Irbild des historischen Rechtes auf Jerusalem. haben Juden die immer wieder besetzte, zerstörte und vernichtete Stadt neu erobert, aufgebaut, gefestigt und nie ist noch ein Anspruch stärker durch die Ereignisse, durch die Geschichte und durch Gottes Ratschluß erhärtet worden als das Recht Israels auf seine Hauptstadt. Wechsel voll waren die Schicksale Jerusalems. Kaum 200 Jahre nach Davids Jod waren cs die Philister, die die Stadt eroberten, doch schon 15 Jahre später baute König Joas sie wieder auf. 150 Jahre darauf war es der König der Assyrer, der das Reich Jchuda zerstörte und die 10 Stämme in alle Windrichtungen vertrieb, vor Jerusalem aber mußte er Halt machen und wurde von dem weisen König Ghiskijahu, der vorsorglich einen unterirdischen Kanal baute, um die Stadt während der Zeit der Belagerung mit W usser zu versorgen, verjagt, nachdem Pest und Krankheit das Feindesheer dezimiert hatten. Und wieder 120 Jahre später zerstörte Nebukadnezar Jerusalem, vernichtete den Tempel und trieb die Juden naeh Babylon in Gefangenschaft. Doch nicht für lange, denn schon 60 Jahre später zog es die Gefangenen 'zurück in die Heimat, der Königssohn Zerubabel errichtete erneut den Tempel, verstärkte die Mauer und in alter Pracht erstand die Hauptstadt. Hann kamen Perser, Mazedonier, Aegypter und noch andere, die von Neid, Mißgunst, Eroberungssucht und Zerstörungswut getrieben wurden. Immer neue Kämpfe, immer neue Heldentaten erzählen von den Schicksalen der Stadt in dieser Zeit bis Antioclnis Kpiphanes. der Böse genannt, sic dem Erdboden glrichmnchte und den Tempel niederriß. Da standen die llasmonäer auf. ein kleiner Haufe nur. aber eine fanatische Gruppe ' ’n Patrioten und nahmen den ewigen Kampf auf gegen die Tyrannen. W ieder ward Jerusalem befreit, wieder kam eine kurze Bast für die umstrittene Stadt, doch schon kamen neue Feinde. Es stürmten die Könige der Araber und wurden vertrieben, es jagte der siegesgewohnte Pom pejus heran, aber auch seine Pracht war nur von kurzer Dauer und von Erobcrungslust getrieben, kam der reiche Krösus und entweihte den Tempel. Dann kam Herodcs, der Römergiinstling. der den Stamm der Makkabäer ausrottete, das Svnhcdrion schloß und griechische Sitten einführte. Zwar baute er den Tempel wieder auf und hob die Wirtschaft, aber das Volk haßte ihn, weil er Jerusalem zu einer römischen Provinz machen wollte und das Volk hatte recht, denn die Römer waren es, die den Tempel wieder zerstörten und Jerusalem wieder zur Wüste machten. Von einem anderen Helden weiß die Geschichte zu erzählen, von Bur Kochba, der die verstreuten Reste der Juden sammelte, den Kampf gegen Iladrianus aufnafun und den größten Teil des Landes von der Fremdherrschaft befreite. Zwei Jahre lang vermochte er sich gegen die Lebermacht der Feinde zu halten, 50 Kriege mußte der römische Kaiser gegen ihn führen und wie der Talmud erzählt. ,,wurden die Flüsse rot von dem Blut, das vergossen wurde“. Weiter rasten fremde Heere über das Land und über Jerusalem dahin. Konstantin setzte im Zeichen des Kreuzes die Greueltaten fort, die sein Vorfahre im Namen Zeus begonnen und erst 350 Jahre später atmen die Juden ein wenig auf, als Flavius Claudius, der Christenhasser, ihnen aus Trotz, nicht aus Güte, etwas mehr Freiheit gibt. Doch immer weiter ist Jerusalem das Ziel fremder Angriffe, zuerst stürmt der Kalif Omar mit der Fahne des Halbmonds, dann machen sich die Kreuzritter das Land zu eigen’, 1187 ,, befreit“ Salach Adin Jerusalem von den Christen, 1220 erobert cs Friedrich der Zweite, um nach 15 Jahren den Arabern zu weichen, die wiederum um 1266 die Herrschaft an die Mongolen abgeben. Zwisehendurch sind die Juden ein Spiclball fremder Mächte, Flüchtlinge, die sich in der Stadt oder in ihrer Umgebung versteckt halten, stets bereit zurückzukehren, nie bereit zu verzichten. Im Jahre 1276 faßten sie wieder festen Fuß und weder die naehkommenden Türken, die revoltierenden Beduinen, noch die Araber vermochten mehr, sic zu vertreiben. 1812 kamen die ersten Aschkcnazim, 1855 entstand die erste jüdische Schule, 1858 erbaute Mosche Montcfiori die erste Siedlung außerhalb der Mauern der Altstadt und von da ab entwickelte sieh Jerusalem durch die Arbeit jüdischer Hände und die Macht jüdischen Geistes. Seit mehr als einem Dezennium geht erneut der Streit um die Zugehörigkeit der heiligen Stadt zu Israel und als vor fast 12 Jahren die „Royal Commission“ der englischen Regierung, nach ihrem Besuch im Lunde, den Rechenschaftsbericht vorlegtc, spruch der Erzbischof von Ganterbury im ..llouse of Lords“ die unvergeßlichen Worte: „Die Ideale Zions können nicht erfüllt werden, wenn irgendein Teil von Zion abgetrennt wird. Laßt uns der laiiajührigen Beeilte und Leiden des jüdischen Volkes gedenken, das geschworen hat : „Wenn ich Dein vergesse, o Jerusalem, verdorre meine Rechte“. Das \olk von Israel, die Einwohner von Jerusalem haben den Schwur nicht vergessen, heute, vier Jahre naeh der Befrei. mif beherbergt die Stadt über 120.000 jüdische Bürger und das sind mehr, als jemals vorher dort gewohnt haben. Ganze Stadtteile, die früher kaum ein jüdischer Fuß betreten hat, werden jetzt von neuen Einwanderern bevölkert und wo sich friiher Engländer und Deutsche exklusiv abschlossen, in der Deutschen Kolonie, hausen heute Juden aus Polen, Rumänien und Ungarn, Irak, Marokko und dem Jemen, sind neue Lokale und Geschäfte entstanden und die noble Gegend, die kaum durch ein Geräusch gestört wurde, ist jetzt vom Leben durchpulst, vom Stimmengewirr aller möglichen Sprachen erfüllt und die Straßen bilden ein neues Zentrum mit einem starken Verkehr, mit einer regen Geschäftigkeit und mit einem atemberaubenden Tempo, das eigentlich gar nicht zu der althergebrachten Tradition des Stadtbildes paßt. Das neue Jerusalem hat sein Gesicht in den letzten vier Jahren stark verändert. Nach wie vor sind zwar die alteingesessenen Bürger der Stadt konservativ geblieben, bleiben in den kleinen Zirkeln ihrer Gesellschaftskreise und lieben die Ruhe, die der Hauptstadt durch Jahrzehnte ihren Stempel aufgedrückt hat. Stille herrscht immer noch in den Straßen von Rchavia, auch in den Gartenvororten Talpiot, Beth Hakercm und Montcfiori wahrt man die gewohnte Würde, aber im Zentrum der Stadt, das früher um 10 Uhr abends ausgestorben war, herrscht jetzt bis nach Mitternacht frohes Treiben. In der Hauptsache ist es der neue Oleh, der leben und genießen will, der nachzuholcn wünscht, was er in Jahren der Knechtschaft vermißt hat und mit Kind und Kegel zieht er durch die Straßen, Kinos und Konzertcafes. Jerusalem hat den Ehrgeiz sieh zu entwickeln, baut Straßen und Häuser, errichtet Fabriken und Werkstätten, raumgreifende Amtsgebäude und großartige Kongreßsäle. Noch ist Jerusalem nicht zur Gänze befreit, noch befinden sich Universität und Hadassa in fremden Händen. noch ist ein historisch wichtiger Teil nicht an die Hauptstadt angeschlossen, noch ist der Weg zur Klagemauer nicht frei und noch bildet die enge Nachbarschaft mit einem nicht wohlgesinnten Volke eine ständige Gefahr. Aber die Bürger von Jerusalem, gleichgültig ob Deutsche oder Marokkaner, kennen das Ziel und sind sich der Pflieht bewußt, die sie zu erfüllen haben : Nächstes Jahr im wiedererbauten Jerusehalajim! Barnett Jänner - 60 Jahre Der Präsident des Rates der Allgemein*: n Zionistischen Föderation für Europa uimd Nordafrika, Barnett Jänner, feierte am 20. Juni seinen 60. Geburtstag. Wie er im zionistischen Organisationsleben für das Recht und die Ehre der Juden eiritriOt, so tut er es auch seit langem im parlamentarischen Leben Englands. Wir entbieten dem Jubilar unsere herzlichsten Glückwünsche: Ad meah w'essrim schanah! HacdUtat fcuUUabec Miit Kardinal Michael Faulhaber ist ein Mann dahingegangen, dessen Andenken als eines aufrechten Kämpfers gegen den Nationalsozialismus stets in Ehren gehalten werden wird. Er war ein scharfer Bckämpfer der Rassenlehre und Führer im Kampf der römisch-katholischen Kirche gegen Hitler und das Naziregime. 'Niemals ist es den vSchergen Hitlers gelungen, den Münchener Kardinal mundtod zu machen. Es ist wenig bekannt, daß Kardinal Faulhaber «d;ne anerkannte Autorität des Bibelstudiums war, vor allem des alten Testamentes. Er trat stets gegen Judenverfolgungen und die atheistische Erziehung der deutschen Jugend auf. GUSTAV LEITNER: „Das Aufbauwerk ist grandios” Das Direktorium des Magbith Mciichedet lud eine Anzahl ihrer Förderer zu, einem Vortrag ein, in welchem dessen Präsident, Herr Gustav Leitner, über seine Eindrücke in Israel sprach. Nach einer Begrüßung durch den Vizepräsidenten Elias Schapira, sprach der Konsul Arie Eshcl die einleitenden Worte. Präsident Gustav Leitner der, anläßlich der Jom Haazmauth-Feier, Gast der Israelischen Regierung war, äußerte seine Freude über den herzlichen Empfang, der ihm in Israel bereitet wurde. Der Redner schilderte zuerst die militärischen Feiern anläßlich des Unabhängigkeitstages und lobte die Disziplin und Strammheit des Israelischen Militärs. An die Parade schlossen sich sportliche Uebungen, die den Höhepunkt der eindrucksvolle^ Veranstaltung darstellten. Herr Leitner hatte Gelegenheit das ganze Land zu bereisen und sich von den ungeahnten Fortschritten immer wieder zu überzeugen. Er schilderte in begeisterten Worten das große Aufbauwerk Israels und das Wesen seiner herrlichen Jugend. Wenn Skeptiker und Querulanten noch immer finden, daß in Israel nicht alles so ist wie cs zu wünschen wäre, so ist dem cntgegenzuhalten, daß es das einzigege Land der Welt ist, das imstande war, innerhalb 4 Jahren seine Einwohnerschaft: zu verdreifachen. Was die Ernährungslagc betrifft, wies Herr Leitner darauf hin, daß es in Israel für die Hausfrau zwar sehr schwer sei, einen abwechslungsreichen Küchenzettel zusammenzustelllen, daß aber dort niemand Hunger leide, weil Milch, Brot und Obst in jeder gewünschten Menge zur Verfügung stehe. Jeder Jude, so schloß der Redner, kann stolz sein darauf, was in Israel in kurzer Zeit geschaffen worden ist. Er appellierte an alle Anwesenden, in ihrem Bekanntenkreis für den „Magbith -Mcuchcdcth“ zu werben. Das Aufbauwerk in Israel ist grandios, der Magbit ist dessen Instrument. Die eindrucksvollen Ausführungen des Vortragenden fanden begeisterten Widerhall und lösten lebhaften Applaus aus. Lieber Aufforderung des Vizepräsidenten Schapira ergriff Herr Benjamin Schreiber, der Präsident der „Agudath“- in Wien (der kürzlich Israel besuchte) das Wort und beschäftigte sich hauptsächlich mit den religiösen Problemen in Israel. Ueber das Gesehene war Herr Schreiber ebenso begeistert wie sein Vorredner und benützte auch die Gelegenheit, den Anwesenden nahczulcgcn, für den Magbith-Mcuchcdcth (Aktion für Israel) das Möglichste zu tun. Oft kopiert Nie erreicht Schuherzeugung Wien III., Münzgasse 5 Telephon U 19 408 Juwelen Uhren UUnulull //•- U III G II unerschöpllch In Auswahl wie Omega, Schafihausen, Doxa Prachtstücke u. a. Schweizer Marken f. Damen Wiener Goldschmiedekunst und Herren, letzter Schöpfungen 1., Kohlmarld 1 VII., Mariahilferstr. 12 I., Kärntnerstraße 12 VII., Kirchengasse 9