Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 64 (Juli 1952)
- Date
- 1952-07-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 64 DIE STIMME Seife 3 Bundeskanzler Dr. h. c. Figl über Rückstellungsfragen Dr. Leopold Plaschkes Anläßlich des Besuches des österreichischen Bundeskanzlers in den Vereinigten Staaten. gewährte dieser dem politischen Redakteur der weitverbreiteten deutsch - amerikanischen Wochenschrift ..Der Aufbau”, Kurl Helmer, ein Sonderinterview. Herr Redakteur Helmer stellte an den österreichischen Regierungschef Kragen, die zum Teil das österreichische Judentum betreffen. Einen Auszug aus diesem Interview bringen wir nachstehend : Die erste Krage lautete : ..Warum hat man den Juden ihre Wohnungen noch nicht zuriiekgegebenV44 Antwort: ..Es wurden zahlreiche Wohnungen an l\azi-Verfolgte zuriiekgegeben. Der Entwurf des 8. Büekstellimgsgc.sctzcs betreffend Kiickslellungsanspriirhc der Mieter von Wohn- und (ieschäftslokalen steht noch in parlamentarischer Beratung Es gibt Wohnungen, die von der Bcsatzungsmaeht requiriert worden sind und daher noch nicht zuriickgcstellt werden können.“ I nsere Redaktion : Iliezu bemerken wir, daß die Behauptung des Bundeskanzlers nur so wei» richtig ist, als die Rückstellung der W (.hmmgeu an Naziverfolgte in den sei testeten Källen erfolgte, und da. ohne Ilinzutun der österreichischen Beileiden, sondern vielmehr auf Veranlassung der Bcsatzungsbehördcn. 2 X täglich Konzert im Freien! JC/tbners Cafe-SRestaurant KlIRSALON Es spielt: Kapelle Eduard MACKU Normale Preise Hausratsbeihilfe für Nazi-Verfolgte. „Warum schützt die österreichische Regierung den durch die Gestapo begangenen Raub der Wohnungseinrichtungen und anderer beweglicher Einrichtungen dadurch, daß die vom Dorotheum vorgenommenen Verkäufe der geraubten Sachen von den Nazi-Opfern nicht angefocliten werden könnenV Die Begründung, daß es sich bei diesen Verkäufen des geraubten Judenvermögens um einen gutgläubigen Erwerb’ handelt, kann wohl nicht als stichhaltig hingenommen werden.4 Antwort: „Bei den nicht-zurückgcstellten Wohnungseinrichtungen handelt cs sich zum größten Teil um solche, die — hauptsächlich in Wien — von der Bcsatzungsmacht beschlagnahmt worden sind und entweder bei ihr in Benützung stehen oder von ihr weiter veräußert bzw. verschenkt worden sind. Diese Weitergaben können von der Bundesregierung nicht angefochtcn werden. Auch hatten alle Versuche der Bundesregierung, eine Kreigabc der in Benützung stehenden Wohnungseinrichtungen zu erreichen, bis heute keinen Erfolg. Um Ungerechtigkeiten und Härten für die Nazi- Verfolgten gut zu machen, hat die Bundesregierung eine I lausratsbeihilfc eingeführt, die ein rückzahlbarer Zuschuß ist, der früher vom Vcrmögcnssichcrungs- Ministerium und jetzt vom Finanzministerium vergeben wird.“ Unsere Redaktion : Die den Juden vorcnthaltcnen, von der Gestapo geraubten Wohnungseinrichtungen wurden vom Dorotheum veräußert, ohne daß österreichische amtliche Stcl- B. Teil et WIEN I, SALZTO RQAS S E 5 TELEFON U 25-4-85 HERREN-, DAMENKLEIDER UND -MANTEL MODISCHE SPORT- UND REl/ENSC HUT/REKLE IDUNQSf'ABRIK len eine vorläufige Verfügung erlassen hätten, wonach die einwandfreie Herkunft (Irr zu versteigernden Güter nachgewiesen werden mußte. Die von den BcsatziiPgsmächlcn unmittelbar nach ihrem Einmarsch beschlagnahmten Gegenstände, wurden an die ursprünglichen Eigentümer, so weit sie sieh gemeldet hatten, längst zuriickgcstellt. Vor der Auszahlung der Haftentschädigung. „Warum gibt es keine Ilaftcntschädigung in Oesterreich V Soviel ich weiß, sind im Budget für diesen Zweck 20 Millionen Schilling vorgesehen — aber ein entsprechendes Gesetz wurde noch immer nicht erlassen.“ Antwort: „Das Gesetz über die Haftcntschüdigung ist noch nicht zustandegekommen, weil sich die Organisationen der Geschädigten, welche diese Entschädigungen auszugehen haben werden, über die Aufteilung noch nicht einigen konnten. Die dieses Jahr im Budget vorgesehenen 20 Millionen Schilling werden jedoch noch dieses Jahr ausgegeben werden. Diese 20 Millionen Schilling bedeuten aber kein Limit; weitere Summen weiden im Budget bereitgestellt werden.4* I nsere Redaktion: Das Zustandekommen des Ilaftentschädigungsgesetzes wird, infolge der Laxheit der Regierung und des Pariementes bewußt verzögert, um die Gunst der Naziwählcr für sieh zu gewinnen. Österreich für Nazisteuern nicht haftbar. „Warum werden die Flüchtlinge nicht für die Rcichsfluchtsteuer und die Judenabgabc entschädigtV Oesterreich gehörte dem Dritten Reich ebenso als .Land’ an wie Bayern, Hessen oder Preußen, und -kann sieh daher nicht mit der Zahlung der Steuer an die Reichsfinanzvcrwaltung entschuldigen. Alle reichsdeutsehen Länder haben die Reichsfluchtstcucr nach Berlin abgeführt, und die Rcichsfinanzverwaltung hat alle Kosten der Verwaltung — in Oesterreich wie in den anderen deutschen Ländern — in den Rcichshaushalt aufgenommen undaus Rcichsmittcln bcstrittep.“ Antwort : „Es ist richtig, daß Oesterreich ins Dritte Reich zwangsweise als ,Larid’ wie Bayern, Hessen oder Preußen inkorporiert worden ist. Zum Unterschied von diesen Ländern ist Oesterreich wieder ein selbständiger Staat, der nicht wie die anderen Länder an dem Fonds, welchem die Rcichsfluchtsteuer zugeflossen ist, Anteil hat. Eine Haftung der österreichischen Bundesregierung für die Reiehsfluchtstcuer cinzufiihren, würde ein nicht-tragbares Präjudiz für andere Verpflichtungen Deutschlands darstellen.“ Unsere Redaktion: Die „Ostmark44 hat sieh in das Deutsche Reich freudig eingliedern lassen und sowohl das Nationalvermögen, als auch ihre Söhne für die verbrecherische Kriegsfühnmg zur Verfügung gestellt. An den Erträgnissen der Reiehsfluchtstcuer hat Wien ebenso profitiert, wie Berlin und München. Es wundert uns, daß der österreichische Regierungschef die so heiklen Fragen der Schadcnsgutmachung oberflächlich beantwortet hat, da er sieh dessen bew ußt sein mußte, daß seine Antworten in der Weltöffentlichkeit lebhaf- Vor zehn Jahren verschied in Tel- Aviv eine in Wien populäre, und über die Grenzen Oesterreichs hinaus hochgeschätzte zionistische führende Persönlichkeit: Dr. Plaschkes, dessen Gebeine auf dem Ehrcnfriedhof zu Tel- Aviv ruhen. Eine Kampfnafur im edelsten Sinne des Wortes, focht Poldi Plaschkes für die Erlösung des Judentums, für die Errichtung des Juden- Staates, für unser Eebensrccht; er kämpfte, wie es in der Bibel heißt, einen guten Kampf, der bisweilen von seinen Ereunden mißverstanden wurde. Dies rief eine Diskrepanz hervor und führte manchmal zu einer Scheidung von seinen Mitstreitern. Seine konstruktiven Vorträge in der Jüdischen Rede- und Lesehalle in Wien, bleiben allen, die Dr. Plaschkes hören und seine Rhetorik bewundern konnten, im Gedächtnis haften. Seine Maxime „Lehen heißt kämpfen“, fand ihren Ausdruck darin, daß er sich dem Antisemitismus stellte, die öffentliche Meinung gegen diesen mobilisierte und die rohen Gemeinheiten geißelte. Die Wiener Juden entsandte Plaschkes in den Wiener Gemeinderat, wo er sich selber Achtung erringen und die jüdischen Interessen erfolgreich wahren konnte. Er war in kleinen wie in großen Fragen der zionistischen Gesinnung treu und handelte objektiv wahr. Plaschkes befolgte die Parole Herzls „Erobert die jüdischen Gemeinden“! Er entfaltete auf diesem Gebiet eine ausgedehnte Tätigkeit, deren Früchte die Eroberung der Wiener Kehila durch die Zionisten war. Unvergeßlich bleibt uns Plaschkes als Mitglied des Wiener Kultusvorstandes, in dessen Mitte er eine dominierende Rolle spielte und vielfach Diskussionen über wichtige Angelegenheiten entscheidend beeinflußte. Mit Mut und durchdringendem Verstand verflrat er die jüdischen Interessen, und war seichter und schwacher Utilität abhold. In der Zionistischen Bewegung wirkte Dr. Plaschkes für die Sauberkeit, für klare Richtung. Wohl forderte er Opfer an Zeit und Geld, doch schritt er selbst immer voran. Gewiß gab es Zionisten, die ihm die Gefolgschaft versagtem; von seinem lauteren Charakter aber war jeder, der ihn kannte, überzeugt. Unter unfaßbar dramatischen Bedingungen gelang es Poldi Plaschkes aus Wien, wo die Nazis die Hölle angefacht hatten, im Jahre 1938 nach Palästina zu fliehen. Die Gestapo lag auf der Lauer, um den ans Krankenbett gefesselten Plaschkes zu fassen und zu vernichten. Vom Krankenbett aus, (er lag im Rothschildspital am Währingergürtel), organisierte Plaschkes seine Flucht, die mit Hilfe von Freunden glücklich gelang. tes Echo finden weiden. Gerade ein Regierungschef muß in solchen Gewissensfragen der Wahrheit breiten Raum geben. Wir können unser Erstaunen nicht unterdrücken, daß der Herr Bundeskanzler, obwohl er vor Antritt seiner Reise nach Amerika, das Präsidium der Israelitischen Kultusgemcindc Wien empfangen und ein Memorandum entgegengenommen hat, woraus die Lage der Juden in Oesterreich und ihre berechtigten Ansprüche eindeutig hervorgegungen sind, davon anscheinend keinen Gebrauch machte. SINGER STOFFE IM DIR ROTIMIURMSIR 1? DAMENSTOFFE HERRENSTOFFE IMPRIMfiS SHANTUNG FRÜHJAHRS- UND SOMMERNEUHEITEN TEL. U 21388 In Israel, in seiner Heimat, vermochte sich Dr. Plaschkes nicht zu entfalten. Dies war zunächst auf seine Krankheit zurückzuführen, aber auch auf den Umstand, daß israelische Preise, im Drange der Geschäfte, den verdienstvollen Chawer negligierten. Dr. Leopold Plaschkes stand im Israel nicht an der vorderen Front, aber dem Jischuw ist es gegenwärtig, daß er ihm zu großem Dank verpflichtet ist. vSchreiber dieser Zeilen hatte im August 1939, anläßlich des 21. Zionistenkongresses in Genf das Glück, in Gesellschaft Dr. Plaschkes einige Tage zu verbringen und ihn, der sich nur auf zwei Stöcken gestützt, bewegen konnte, zu bewundern, daß er ungeachtet seiner körperlichen Schmerzen nach Europa geeilt ist, um dem zionistischen Weltforum zu huldigen, das ln der für uns schicksalschweren Zelt im Genf tagte. Die israelischen Stellen nützten zu seinen Lebzeiten die Kraft Poldi Plaschkes nicht, erwiesen ihm aber nach dem Tode die Reverenz und betteten ihn im Ehrengrabe zur letzten Ruhe. Bernhard Braver und in WIEN ... ins hotel BELLEVUE IX. Bezirk / Amerikanische Zone Gutbürgerliches Familienhotel A Jeder Komfort GARAGE IM HAUS TEL. A18 2 26, A18 2 36 Israel beim Salzburger Festival Als einziger Staat des Mittleren Ostens war Israel beim Musikfest vertreten, das derzeit in Salzburg stattfindet. An dem Wettbewerb für moderne Musik beteiligen sich 29 Staaten aus der ganzen Welt und im Rahmen eines Abends für Kammermusik wurde am vergangenen Montag zusammen mit Schöpfungen von Komponisten aus England, Frankreich, Australien, Italien, Island und Chile auch eine Sonato für Klavier und Violine von Josef Tal zum Vortrag gebracht, die reichen Beifall erntete. Der Komponist, der Israel auch hei dem gleichzeitig abgehaltenen Kongreß repräsentiert, ist Leiter des Konservatoriums in Jerusalem und Wegbereiter der neuen Richtung in der Musik. Im Mittelpunkt stürmischer Ovationen stand die „Sabre“ Lola Granetmann, die mit Prof. Walter Schneiderlian die Sonate zum Vortrag brachte und durch ihr reines Spiel, ihre reife Technik und ihr musikalisches Einfühlungsvermögen brillierte. Einen noch stärkeren Applaus holte sic sieh beim Klaviersolo einer chilenischen Komposition, der sie durch ihr hingebungsvolles Spiel eine besondere Note verlieh und sieh damit nicht nur wiederholte Hervorrufe, sondern auch den überschwenglichen Dank des chilenischen Komponisten ehrlich verdiente. Die junge Kiinsttlerin, die ihre gesamte Ausbildung in ihrer Geburtsstadt Tel-Aviv genossen hat, steht am Anfang einer großen Karriere, die schon heute in den vielen Einladungen aus dem In- und Auslande ihr Echo findet und den Ruf des Staates Israel als Kulturzentrum in die Welt trägt. I. U. Erstklassige Stolle und Zugehör, sowi beste Verarbeitur bilden die Grundlage der bewährten \\* TELLER-KLEIDUNG ///. Ha&ßtstoste M- 90 U16 2 86