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Die Stimme · 1952-06-01 · Heft 63 (Juni 1952) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 63 (Juni 1952)
Date
1952-06-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 63 WIEN — LUDD direkt INC’.. S. WIHSHNTHAL DC'C’ fiC’&QsC’ß \m r- MV 1 OS') f;ln.|;lllf Einladüng der Repräsentantin der Hl-AI - für Oe^tct reich, Trau Irene Friedrich, eine kur/: Besprechung niit der indischen Presse in Oesterreich statt. Nach. Begrüßung der Anwesenden begründet brau Friedrich die so plötzliche Anberaumung und erklärt, daß der Grund dafür die Wiederaufnahme des düx'kt;.n Verkehrs Wien lel-Aviv ist, sowie der zwischen Oesterreich Italien und Oesterreich Griechenland. Der direkte Flugverkehr zwischen Wien und Tel-Aviv wurde schon 1930 aufgenommen. -infolge technischer Schwierigkeiten jedoch, in der Zeit zwischen März 1931 und Mai 1952 eingestclllt. Der direkte Verkehr zwischen Oesterreich und Italien war in den letzten Monaten völlig unterbunden, was mit der vorübergehenden Einstclllung der italienischen Fluglinien zusammenhing. Die Wiederaufnahme des Flugverkehrs von El-Äl, wurde in breiten Kreisen des Publikums freudig begrüßt. Der direkte Verkehr mit Griechenland hat die Fluggesellschaft EL-AL als erste seit dem Jahre 1945 auf genommen und intensiviert. EL-AL verbindet die Hauptstädte der 4 Kontinente; so ward der Flugdienst mit besten Costelllation-Flugzeugen zwischen Johannesburg — Lydda - Rom Zürich — Paris — London New York aufrechterhalten. Die Flugverbindung nach Wien, Nicosia, Istambul, wird mit erstklassigen, neurusgestatteten Kommandoflugzeugen durch geführt. Das Zentrum aller dieser Flüge ist nunmehr der modemst und best ausgestattete Flughafen Israels, Ludd. Alle Schwierigkeiten, die sich während der letzten Monate bei der Gesellschaft ergeben haben, und deren Folgen, auch mehrmalige Verspätungen und Unpünktlichkeiten waren, sind endgültig überwunden. Es ist verständlich, daß viele in Oesterreich wohnende Familien, die hier ihre Existenz fanden, den Wunsch hegen, ihren Verwandten, Freunden, Schwestern und Brüdern, sehr häufig auch Ihren Kindern, einmal Im Monat ein Geschenkpaket zu senden, daher die Anregung der EL-AL, bei der österrei- Lchischen Regierung eine Genehmigung für den Versand von Lebensmitteln zu erwirken. ELvAL Israel Air-Lines Ltd., gehört heute dem International Air Transport Association fl. A. T. A.) Verband an. Es ist wichtig darauf hinzu weisen, daß eine Umschreibung der Flugkarte auf eine andere Linie möglich Ist. Die EL-AL in Wien vertritt auch die Schoham Sherutey Hayam Ltd.; diese bietet ven Italien oder Frankreich aus, fast wöchentlich Schiffsverbindungen nach Israel, die mit einer angenehmen Mittelmeerreise verbunden sind. Schließlich macht Frau Friedrich die Anwesenden darauf aufmerksam, daß Buchungen sowohl für Flugals auch für Schiffahrtslinien bei den Wiener Reisebüros durchgeführt werden können. Die in diesen Büros gelösten Karten kommen nicht teurer zu stehen, als Buchungen im Büro der EL-AL, Wien 1, Hegelgasse 21. Heinrich STEIN Wl«n IV, PevorilenetraBe 24 Telephon i U 49 0 64 ERZEUGNISSE: Selbstroller Rollvorhänge Verdunkelungen Bretterjalouslen Holzrollbalken Durchsichtige Schaufensterrollos Wenn wir retrospektiv auf alle die Verhandlungen des Gerichtes, aut Aeußcrungcn in der Presse, auf die Reaktion des Publikums in Deutschland, der politischen Kreise in Bayern hinweisen. gelangen wir zur Frkenntnis, daß Philipp Auerbach schuldig ist, jedoch keineswegs im Sinne der Anklage! Auerbach vorbehaltlos; er trat dadurch als Aushängeschild für d:e bayerische Demokratie auf und wurde zum Blitz ahleifer für die Sergen der KZ-Häftlinge und jüdischen Flüchtlinge, deren Zahl durch die Not im Anwachsen war. Auerbach fing die .Schüsse der bayerischen Antisemiten und die der Juden gegen die bayerischen ItalUhiscUz Messen: Vom bis 22. Juni 1952 die MFSSF \()\ P\I)l \. Vntp'Hirdert : Internationaler Salon der Verpackuiur und eine Selmu des (lest er reich i;sehen Fremdenverkehrs. Vom 29. Juni bis 13. Juli 1952 die Jsücsiec l^tccHoiionatc tttüsieemesse mit einer Schau der Holzindustrie und der Ausstellung: ..Kaffee”. Auskünfte erteilt die Italienische Handelskammer für Oesterreich. W ien I. Bauernmarkt 2. Tel. I 24 5 70. Auerbach ist schuldig, da er, der Jude, vermeint hat, daß ein deutsche^ Jude im Jahre 1945, eiin normales Leben fertsetzen kann, das im Jahre 1933 nach der Machtergreifung Hitlers, nichts mehr bedeutete. Auerbach ist schuldig, weil er geglaubt hat, daß ein Jude In Deutschland nach dieser unfaßbaren Tragödie der Nazijahre, wieder als deutscher Bürger und Jude wirtschaftlich Fuß fassen könnte. Auerbach ist schuldig, daß er sich als ehemaliger KZ-Häftling, von schönen Aussprüchen ehemaliger Nazis oder frisch gebackener deutscher Demokraten täuschen ließ und an eine Entgiftung der deutschen Umwelt glaubte. Eine Umwelt, die Hitler, solange er Siege feierte, zujubelte und vorbehaltlos hinter allen seinen verbrecherischen Taten stand, und nicht die leiseste Kritik zu üben gewillt war, aufrechte deutsche Männer, die den Verbrecher Hitler erkannt und beseitigen wollten, iim Stich ließ, ist inferior. Als nach dem deutschen Zusammenbruch die Tore der Konzentrationsu. Ghettolager geöffnet wurden und die noch am Leben gebliebenen Juden herausströmten und auf dem deutschen blutgetränkten Boden fast 200.000 Juden dastanden, war das sowohl für die Alliierten wie auch für die deutschen Behörden eine Belastung, der sie nicht standhalten konnten. Diese Belastung war nicht die Folge der großen Zahl von Juden, war doch die Zahl der nichtjüdischen Flüchtlinge größer. Die Belastung war geeignet, eine Schockwirkung auszulösen, da 200.000 jüdische Ankläger zugleich riefen : „Mörder unserer sechs Millionen Brüder!“ Die ganze Welt blickte damals fragend auf Deutschland, das den ehrlichen Willen zur Demokratie offiziell bekundete. Die wirklich demokratischen Kräfte Deutschlands waren aber zu schwach, um die Fahne der ehrlichen Freiheit hissen zu können, während ihre Antipoden riefen : „Wir waren immer dagegen!“ In dieser Atmosphäre entstand in Bayern das „Stuatskommissariat für politisch und rassisch Verfolgte“. Dieses StaatskommLssariat war das Aushängeschild der neuen und jungen deutschen Demokratie und nach den Handlungen dieses Staatskommissariats, sollte die Welt die neuen deutschen Behörden beurteilen. Hier müßten sie zeigen, wie weit sie Hitler abgesehworon haben und wie weit sie zu gehen bereit sind, um den am Leben'gebliebenen Naziopfern eine Wiedergutmachung für die materiellen .Schäden an gedeihen zu lassen. Von einer Wiedergutmachung für die moralischen, physischen und seelischen Schäden kann keine Rede sein. Die bayerische Regierung suchte einen Menschen, dem sie dieses Amt unvertrauien könnte und sie bestimmte, wie jetzt im Prozeß der frühere Ministerpräsident und der jetzige Innenminister Dr, Högner ausgesagt hat, Behörden auf. .So wechselte Auerbach seine Rolle; einmal war er .Sprecher der bayerischen Behörden gegenüber den Juden und das andere Mal war er Sprecher im Namen der Juden, gegenüber der bayerischen Regierung. Er arbeitete unermüdlich Tag und Nacht und schuf sich Feinde auf beiden .Seiten. Seine Macht stieg ihm zu Kopf, er wurde unfreundlich und hochmütig, glaubte, in Bayern politisch eine Macht darzustellen, was sein größter Fehler wer. Solange es noch genügend Juden in Bayern gab, hatte /Auerbach hei den deutschen Behörden tatsächlich Ansehen genossen. Im Laufe der Zeit, insbesondere nach dir Entstehung des israelischen Staates gingen tausende und abertausende Flüchtlinge nach Israel und die Macht Auerbachs schwand- Bayerische Staatsbeamte sagten In diesem Prozeß aus, daß dank der unermüdlichen Arbeit Auerbachs tausende Flüchtlinge den deutschen Boden verlassen konnten. Das war für die deutschen Behörden das Wichtigste und sie drückten damals beide Augen zu, wenn Auerbach seine Vollmachten etwa überschritten hat. In Deutschland geht eine langsame aber unaufhaltbare Denazifizierung vor allem in den Gemütern der Bevölkerung vor sich. Sie drückt sieh vorläufig noch nicht in gewaltigen Zahlenstimmen für neu entstandene Naziparteien aus. Sowohl die deutschen Behörden In Bonn wie auch die Alliierten haben diese Entwicklung erkannt und versuchen vorläufig erfolglos, gegen sie anzukämpfen. Solange man die breite Schichte der Nazi fern von den Behörden, von den Zeitungen und vom öffentlichen Leben halten konnte, gab es diese Gefahr nicht. Dies hat sich geändert! In der bayerischen Justiz sitzen etwa 80"(i ehemalige Nazi. Wie konnte sich dann ein Jude als Präsident des Wiedergutmachungsamtes halten, dessen Fonds auf dem beschlagnahmten N azivermögen basiert. Nach drei Wochein Verhandlung kann man sagen, daß vorläufig von den Anklagepunkten nur einer zu Recht besteht. Der, zu dem sich Auerbach persönlich, schuldig bekannt hat, nämlich, daß er in den Jahren 1945 bis 1949 zu Unrecht den Doktortitel geführt hatte. Die Zeugen, die bisner vor dem Tribunal defilierten, waren Belastungszeugen des Staatsanwaltes, doch gaben sie zumeist Auerbach da's beste Zeugnis, zum Aerger des Staatsanwaltes und des Vorsitzenden, der als ehemaliger Nazi sich „nicht befangen fühlt“. Die zahlreichem Sitzungen des Gerichtes waren zumeist mit politischreligiös gefärbten Auseinandersetzungen zwischen Verteidigung und Gericht, zwischen Verteidigung und Staatsanwaltschaft ausgefüllt. Sowohl das Gericht wie auch die Staatsanwaltschaft, die in diesem Prozeß gegen Auerbach fungiert n, s'nd ehemalige Nazis. Viermal versuchte die Verteidigeng das Gericht abzulehnen, viermal virale es abg: wi esen. Der Prozeß begann am indischen Osferfi fterfag. Trofz des Protest es hi flagranter Verletzung des 8 4 des Bonner Grundgesetzes, das jedem Staatsbii’ g: r die Ausübung '■einer R< ligionsprakfiken gewährleist G. D‘e Klage der Verteidigung vor dem BundesvcrUssuogsgcrichfshof in Karlsruhe ist noch nicht entschieden. So wie es jetzt aussieht, beherrscht die Verteidigung und vor allem der Verteidiger Klibamsky das Feld. Parallel zur Verhandlung laufen auch politische Reibungen zwischen den Parteien des bayerischen Landtages. Die Zielscheibe der Angriffe der bayerischen Parteien ist die graue Eminenz dieses Prozesses und der Erzfeind Auerbachs, Justizmlnister Müller, der sieh gezwungen sah, „aus der Oeffcntlichkeit auszuscheiden“. Politische Kreise halten Müller für politisch tot. Der Großteil der deutschen Presse spricht sich gegen die Führung des Prozesses durch Landesgerichtsdirektor Dr. Mulzer aus. Die Münchner Woebenzeituing „Echo der Woche“, ein wahres demokratisches Organ, wie es kein solches bisher in Deutschland gegeben hat, begann die Berichterstattung über den Prozeß Auerbach mit einem Artikel „Treten Sie ab, Herr Vorsitzender.“ Sowohl die Zeitungen, wie auch ein Teil des Publikums meint, daß es für den Vorsitzenden noch nicht zu spät ist... Israel-Abteilung im Reisebüro Dr. Barry Neben der erfreulichen Mitteilung der EL-AL über die Eröffnung der direkten Linie von Wien über Rom nach Lydda, die wir in der heutigen Nummer bringen, wollen wir Ihne,, die wichtige Mitteilung machen, daß eine eigene jüdische Reisebüroabteilung bei dem stadtbekannten internationalen Reisebüro Dr. Barry errichteft werden ist, die unter der Leitung des Herrn Salo Schlifke steht. Herr Salo Schlifke, der bekanntlich durch viele Jahre in der Äuswandcrungsabteilung des American Joint tätig war und an den Viele in der neuen Heimat mit größter Dankbarkeit denken, stellt seine großen Erfahrungen nunmehr in seiner jetzigen Arbeitsstätte den Kunden voll zur Verfügung. Diese werden daher bei allen Reisen sei es mit Flugzeug, Schiff oder Bahn und?'l allen Fragen der Auswanderung auf das Beste beraten. Herrn Schlifke stehen im Reisebüro Dr. Barry langjährige erfahrene und erprobte Beamte zur Seite, so daß jeder Kunde mit einer individuelllen, sorgfältigen und trotzdem raschen Bedienung verläßlich rechnen kann. Herr Dr. Barry selbst, einer der erfahrensten Verkehrsfachleute von Wien, versichert uns seines ganz besonderen Interesses für die Entwicklung dieser Abteilung und wird bei allen Fragen gerne mit Rat und 'Fat zur Seite stehen. Wir würden uns daher sehr freuen, wenn diese neue Abteilung in zunehmendem Muße den Zuspruch des Wiener jüdischem Publikums fände. und in WIEN ... ins hotel BELLEVUE IX. Bezirk / Amerikanische Zone Gutbürgerliches Familienhotel Jeder Komfort A GARAGE IM HAUS / \ TEL. A 18 2 26, A18 2 36

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