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Die Stimme · 1952-04-01 · Heft 61 (April 1952) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 61 (April 1952)
Date
1952-04-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 61 DIE STIMME Seite 5 IRRTUMER UND FEHLER vom Dr. Hermann Flamm Die Wahlergebnisse der letzten Wiener Kultusratwahlen waren rnsoferne recht aufschlußreich, als sie uns in besonders krasser Art die leichte Beeinflußbarkeit und Vergeßlichkeit der jüdischen Massen sowohl in den deutsch sprechenden Ländern, wie auch in den anderen Ländern der Diaspora demonstrierten. Ja, noch mehr als das: Sie illustrierten uns die Auswirkungen einer demagogischen Phraseologie auf Herz und Hirn des Judentums in einem solchen Grade, daß die vom „Glanz des Abendlandes" verblendeten und durch Einflüsterungen falscher Propheten vernebelten Köpfe jüdischer Menschen das für das Judentum der Golah nahende Verhängnis nicht sehen können, nicht sehen wollen, da derartige Beeinflußumgen ohnedies die Tendenz zur Verdrängung der unangenehmen Erinnerungen und Unlustgefühle noch mehr verstärken. Drum können viele von uns nicht sehen, daß Millionen Juden im Begriffe sind, zwischen den Mühlsteinen auf diesem Erdplaneten, der aus den Fugen zu gehen droht, zu geraten. In dem Wahlkampf innerhalb unserer Kehilla hat der Wahlblock der Konföderation und traditionsfreuen Juden nicht gegen die links orientierte Partei als Bekenner ihrer Ideologie agitiert. Aber wir kämpfen mit Nachdruck gegen eine Verwässerung des Judentums, gegen den zer setzenden Geist eines Sehe infortschritflcrfums, der zwangsläufig die Voraussetzungen für die zunehmende Verödung und Verseichung jüdischer Wesensart schafft und zur zunehmenden Entfremdung und Distanzierung nicht weniger Glaubensgenossen zum Judentum führt, abzustellende Mißstände, zu denen ein verkehrtes Zwangssystem einer Eintreibung der Kulfussteuer und die unheimlich zunehmende Zahl von Mischehen sowie die nicht jüdische Versippung eines Teils der Angestellten der Jüdischen Kulfusgemeiinde nicht wenig beitrugen. Derselbe Geist eines „fortschrittlich ein" Ässimilationsjudenfums war es, der vor dem zweiten Weltkrieg den aktiven Äbwehrgeisf des europäischen Judentums gelähmt hat, ihm pochend auf den kulturell'len Fortschritt des zwanzigsten Jahrhunderts, die Demokratie und den Völkerbund, einen kritiklosen Optimismus suggeriert, es unfähig gemacht hat, sich zu einer aktiven Tat im Sinne zweckdienlicher Präventivmaßnahmen aufzuraffen. Das Wiener Judentum hat nicht hundertprozentig jüdisch gewählt, eine Tatsache, die als pathognomische Erscheinung des dominierenden Einflusses von Strebern zu werfen ist, die in einem losen Kontakt zu dein Judentum stehen, ja, es sogar im Innern :ablehmien, Scheinjuden, die in Wirklichkeit außerhalb des Judentums stehen und von demselben Geist beseelt sind, wie ein die zionistische Idee bagatellisierendes, bespöttelndes und leidens ch a f tlieh bek ä m p f ein de s Ä ss iim Hat ioinsjudcmf'um der Vorkriegszeit. Dieser zersetzende Geist der Assimilation spiegelt sich auch in der spöttischen Bemerkung des gegnerischen Agitationsblattes, es sei die Tradition des Zionismus, mit dein eigenen Gelde hier zu bleiben, und mit dem fremden Gelde für den Zionismus zu spenden. Großartig! Ein glänzender WahIschla- H OT E L Stefanie. Wien II, Taborstraße 12 Tel. R 48 2 46, R 49 5 43 RESTAURANT - GARAGE ger der Gegenseite \ Und was haben die Spötter für den Aufbau Israels geleistet V Glauben Sie am Ende, daß man mit bloßen spöttelnden Auslassungen gegen den Zionismufs ein Land aufbauen kann V Ohne die finanzielle Unterstützung des traditionsfreuen Judentums der Diaspora, ohne die intensive propagandistische Mitarbeit des Zionismus, wäre ein Aufbau Ercz Israels undenkbar. Ohne diese aufopfernde Propagandatätigkeit des Zionismus, ohne die Hilfeleistung des von traditionstreuen Juden gegründeten „Joint“, ist der Jischuw, der diese Hilfe wie die Luft zum Atmen benötigt, rettungslos verloren. Bewußte Juden waren es auch, die nach dem nazistischen „Umbruch" hunderttausenden gestrandeten Juden die Emigration und die wirtschaftliche Einordnung ln den Emigratiionsländern ermöglicht haben. So wäre beispielsweise ohne die großzügige, unter erschwerten Bedingungen organisierte Hilfsaktion des „Joint" fast die gesamte Emigration in Shanghai in einem chinesischen Rinnsal zugrunde ge gangen. Diesen rührenden Akt der Lebensrettung durch, bewußte Juden, die ihre Pflicht im Sinne der Heiligen Schrift für ihre gefährdeten Glaubens- und Stammesgenossen erfüllt haben, scheinen viele Heimkehrer aus Shanghai, die am Wahltag die Liste der Konföderation und traditionsfreuen Juden nicht gewählt, vergessen zu haben. Aber nicht allein Vergeßlichkeit, auch ausgesprochen antijüdische Gesinnung nicht weniger repatriierter undankbarer Rückwanderer aus Shanghai, waren die Motive für die Wahl der gegncrischmen Liste. Ucber dieses Phänomen braucht man sich gar nicht wundern, da sich die Shanghaier Emigration aus den heterogensten Elementen zusammengestzt hat. Sie setzte sich aus pietätsvollen Volljuden aus Deutschland und Oesterreich, zum Teil aus Freidenkern, getauften Juden, geborenen christlichen Judenstämmlingen und nichtjüdisch versippten Volljuden zusammen. Diese vom Schicksal zusa menge würfelte Notgemeinschaft mit Einschluß der vom Nazismus zu Zwangsjuden gestempelten Mischlinge wurden fast zur Gänze vom Joint betreut. Nach Ausbruch des pacifischen Krieges hat, nach Drosselung der Joint-Hilfe, die Lage der Emigration einen katastrophalen Grad angenommen. Hunger und Krankheiten nahmen exzessive Formen an. Es war eine äußerst kritische Zeit, in der jüdische Freidenker ihre Seelen den christlichen Missionen für einige Eßlöffel Suppe und Näschereien verkauft haben. Die glaubenstreuen Emigranten hielten der um sich greifenden Verzagtheit und Verzweiflung stand. Orthodoxe Kreise der früher eingewanderten russischen Juden taten das Möglichste, um die ärgste Not der Emigration zu lindern. Endlich, wie durch ein Wunder, traf Hilfe vom Joint ein, die immer ausgiebiger wurde. Der gute Vater „Joint“ nahm fast die gesamte Emigration unter seine Fittiche, darunter auch die getauften Freidenker, die mit dein jüdischen Geburtsschein in der einen Tasche und dem verschwiegenen Taufschein in der anderen Tasche an dem nun reichlicher gedeckten Tisch saßen und fleißig mitaßen. Jüdische Freidenker waren es, die auch nach der Repatriierung als Kalorie-Juden ausgiebig Joint-Hilfe in Anspruch nahmen und dann, nach dem Uebertauchen der Notzeit, sich vom Judentum distanzierten, es als einen lästigen Ballast über Bord warfen und als Ausdruck dieser Gesinnung aim Wahltag eine Liste wählten, die unter dem Diktat einer politischen Partei stand, die leicht dazu neigt, jüdische Interessen zu vernachlässigen. Und jetzt stürzt sich diese Kategorie geretteter Juden ins Leben und genießt in vollen Zügen die „Herrlichkeiten" der abendländischen Zivilisation. Solche Scheinjuden bedeuten aber, solange sie nicht mit dem Judentum sämtliche Verbindungen gelöst haben, eine ernste Gefahr für dieses, da sie innerhalb des Judentums unterminierend und zersetzend wirken. Nach: Rückkehr der Heimkehrer aus der Emigration ist Wien zu einer Galuth im Kleinen geworden. Man hat sich nach allen Windrichtungen zerstreut, der eine weiß vom andern nichts, ja, man weicht sogar einander aus, es besteht kein richtiger Kontakt, keine tröstende und ermunternde Aussprache von Herz zu Herz, keine Pflege jüdischen kulturellen Lebens. Dieser zunehmende, von verbildeten Scheiinjuden geförderte seelische Entai tungsprozeß eines nicht geringen Teiles des Judentums, hat nicht allein seit der falsch gedeuteten Emanzipa- SINGER STOFFE im diu Rommmnu 19 DAMENSTOFFE HERRENSTOFFE IMPRIMßS SHANTUNG FRÜHJAHRS- UND SOMMERNEUHEITEN TEL. U 21388 G/m. insignia $5 Insigne #5 TLIEGEN SIE MIT DEN SCHNELLEN_UND KOHTOR- I AB LEN 4-MOlORIGEN CLIPPERN DON Wl EN NACH ERAHKEURI NACH ALLEN KOMINEN1EN. Pa/v Amfr/ca/v World Afomrs togotyp« #3 ^/Xc System of f/ie^F/yiny C/ippers DIE ERFAHRENSTE FLUGLINIE DER WELT WIEN 1. KÄRNTNERRING NR. 5 (HOTEL BRISTOL) B 34 5 20 AB 1. MAI 195 2 AUCH VERBILLIGTE TOURISTENKLASSE GESCh' ULI I e n Die idealsten Schulterauflagen aus Watte, bette Paßform, für Damen-, Herren- und Kinder- Bekleidung „HAPO’’ Achselpolster-Er Beugung RU DICH & Co. Wien //, Aspernbrückeng. 4 Telephon R 45 5 63 tion des Judentums vergangene Sünden begangen, sondern gefährdet jetzt noch durch seinen Defaitismus sowohl das Diaspora-Judentum, das nach wie vor auf diesem Vulkan Erde trotz der Deklaration der Menschenrechte durch die „Internationale Liga für Menschenrechte“ auf der Pariser Generalversammlung der UNO kommenden Katastrophen auisgesetzt ist, wie auch der Jischuw in Israel, der mit Schweiß und Blut unter unsäglichen Entbehrungen das Land aufbaut. Diese Not an Produktiens- und Lebensmitteln in Israel kennte mit Leichtigkeit behoben werden, denn sie ist nicht durch ein unlösbares wirtschaftliches Problem, sondern moralisch bedingt. Die Menschheit als Gesamtheit gleicht einem von einer fieberhaften Krankheit befallenen Organismus mit vorübergehenden Zuständen von Besserung und Rückfall. Dieses Gleichnis besagt, daß in Zeiten sozialer Krisen, die Tendenz zur Periodizität haben, stärkere jüdische Minderheiten als bequeme Zielscheibe des Hasses, Gefahren blutiger Verfolgungen ausgesetzt sind, eine durch biologische und psychologische Gesetzmäßigkeit bedingte Tatsache, an der politische Präventivmaßnahmen, die nur Notbehelfe sind, nichts ändern können. Das Gefahrenmoment ist für das Diaspora-Judentum besonders groß, denn tonangebende aber kurzsichtige Assimilationsjuden ohne klare Kenntnis der Märtyrer geschachte des Judentums und ohne die Fähigkeit einer psychologischen Analyse historischen Geschehens, den jüdischen Massen einredet, daß die zwischen den Verfolgungen eingeschalteten vorübergehenden Schonzeiten bleibende Zustände sind. Es gibt nur eine einzige Lösung und Rettung für das Judentum : Rückkehr zur jüdischen Tradition und Erfassung und Lenkung geistiger, moralischer und wirtschaftlicher Kräfte des Judentums im Sinne eines wahren Zionismus, der erst die richtigen Voraussetzungen für die Autnahmsfähigkeit Israels für Millionen gefährdeter Juden schafft. Wir müssen Israel mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln helfen, erstens, weil es uns die Heilige Schrift gebietet,und zweitens, weil in Zeiten eines Ausbruches der Gesera in den Diaspora- Ländern ein mächtig gewordenes Israel seinen bedrängten Brüdern und Schwestern beistehen kann und wird. Heinrich STEIN Wien IV, Favoritenstra&e 24 Telephon: U 49 0 64 ERZEUGNISSE: Selbstroller Rollvorhänge Verdunkelungen Bretterjalouslen Holzrollbalken Durchsichtige Schaufen8terrolloe

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