Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 61 (April 1952)
- Date
- 1952-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite -i Nr. 61 DIE STIMME 15. Nissan 5712 — Pessach — 10. April 1952 || iiniaiiiin m Fortsetzung von Seite 1 und die Keime des L nterganges in sich tragen. Alle d ese Maßnahmen des Judentums zum Zwecke der Selbsterhaltung, zeigen, wie eng im Judentum das Religiöse mit dem Nationalen verknüpft ist. daß vielen religiösen Vorschritten, neben ihren religiösen Motiven, auch noch ein nationale? Motiv zugrunde liegt. Der Aufenthalt in Aegypten barg in sich große Gefahren für die r>hvsische und geistige Existenz des jüdischen Volkes. Es drohte die Gefahr der Assimilation an die auf höherer Stufe stehende Kultur der Aegypter. Der sinnliche, ausgelassene Kultus mußte für das junge Wesen anregend und verlockend gewesen sein. D'e Tatsache, daß dies nicht geschah, beweist, daß die „Benei Jisrael“ schon damals ein ausgeprägtes Selbstaefiinl besaßen und sich ihrer Eigenart wohl bewußt waren. Diese Erscheinung könnte auch als Beweis für die biblische Leberlieferung dienen, daß der Monotheismus schon den Israeliten in Aegypten bekannt, da er eine Schöpfung Abrahams war und von Moses und den Propheten nur ausgestaltet wurde und nicht erst ein Produkt späterer Zeit ist, wie die Bibelkritik behauptet. Die Aegypter befanden sich damals, trotz des hohen Niveaus auf dem Gebiete der Architektur und anderen Wissensgebieten, noch auf der Stufe des Fetischismus, der bei ihnen eine solche scheußliche Form annahm, wie bei keinem anderen Volke der Antike. Als Gegensatz zu diesem fratzenhaften Tierkultus der Aegypter, bildete sich bei der Elite des jüdischen Volkes, dem Stamme Levi, der jüdische sittliche Monotheismus noch weiter aus. Mögen viele Glieder zum Götzentum abgefallen sein, der Kern blieb sich selbst treu. Eine andere Gefahr lag darin, daß die langandauernde Unterdrückung ungünstig auf den Charakter des Volkes einwirken und in ihm negative Eigenschaften ausbilden könnte. Der Charakter eines Volkes, wie der eines Individuums, ist das Produkt von vererbten und durch Einwirkung der Umgebung erworbenen Eigenschaften. Besonders sind die Erlebnisse der Kindheit ausschlaggebend für die Charakterbildung des Individuums, wie die eines Volkes, zum Guten wie zum Bösen. Ein Kind, das zu hart, zu strenge erzogen wird, oder gar in Lnf reih eit das Licht der Welt erblickt, wird nicht nur eingeschüchtert, mutlos und feige, sondern es bildet sich in seiner Siele ein Haß und Rachegefühl gegen seine Unterdrücker, ja ein Minderwertigkeitskomplex aus, der nach Leberkompensation strebt. Andererseits aber ruft die Unterdrückung einen starken Freiheitsdrang, ein Mitleidsgefühl mit allen Unterdrückten, Schwachen und Leidenden hervor. Ebenso ist es mit dem jüdischen Volk. Die Kindheit des jüdischen Volkes spielte sich in der Unfreiheit ab. Es lebte unter Joch, Zwang, harter Knechtschaft und schwerem Druck; es mußte die schwerste, Körper und Seele aufreibende Fronarbeiten verrichten. Nichts wäre natürlicher, als daß sich :n ihm eine Erbitterung und Empörung gegen seine Unterdrücker erzeugte und es mit Haß und Rache erfüllte, daß sich Feigheit und Aengstlichkeit einerseits und Stolz und L Überheblichkeit andererseits ausbild ete. Doch, die Erbanlage des Volkes war gesund und kräftig genug, daß sie die schädlichen Einflüsse der Unterdrückung und der Versklavung in der Kindheit überwinden konnte. Diese gesunde Erbanlage bewirkte es, daß die schweren Erlebnisse des „Sklavenhauses“ die Seele des Volkes nicht unterdrückten und verletzten, sondern daß nur die positiven Momente der Unfreiheit sich der Seele einprägten : Mitlerdsgefühl mit allen Schwachen, Bedrückten, Besitz- und Schutzlosen, und Freiheits- und Friedensliebe, worauf die ganze soziale Gesetzgebung der Bibel beruht, wie : Sab/bathruhe, Arbeiterschutzgesetz, soziale Fürsorge, Fremdengesetz usw. Das letzte stent auch heute noch unübertroffen, ja unerreicht da : „Einerlei Gesetz sei für euch und den Fremden . .. Liebe ihn wie dich selbst!“... L’ngeaehtet der großen Leiden, die das Volk von den Aegyptern attszustehen gehabt hafte, begegnete cs ihnen nicht mit Haß, sondern verbot Haßgefühle auch ihnen gegenüber: ,.Du sollst den Aegypter nicht verabscheuen, denn ein Fremder warst du in seinem Lande“, heißt es ausdrücklich in der Bibel, und der Prophet Jesaijas nennt in seiner Eschatologie (Lehre von den letzten Dingen) auch Aegypten ostentativ als Brudervolk : „In jener Zeit wird Israel der Dritte im Bunde sein mit Aegypten und Assyrien... die Gott segnen wird : gesegnet sei mein Volk Aegypten und mein Werk Ashur und mein Erbe Israel“ . .. In noch höherem Maße als die Galuth Mizrajim. wären die schrecklichen Leiden und Verfolgungen der dritten Galuth danach angetan, die Seele des Volkes zu verwunden und ihr solche Charakterschäden beizubringen, wie sie uns unsere Feinde zuschreiben. Doch haben auch hier die geschichtlichen Tatsachen, insbesondere die Tatsache der Wiederherstellung des Juden- Staates und der große Sieg Israels über 7 arabische Staaten klar gezeigt, daß der gesunde abrahamitsche Kern gegen alle schädlichen Einflüsse und verderblichen Gewalten immun ist, daß alles Gerede über jüdische Feigheit, Aengstlichkeit, Minderwertigkeit usw. tendenziöse Märchen sind und ins Reich der Fabel gehören. Hat noch jemals ein Volk in der ganzen Geschichte einen solchen Heroismus, eine solche Widerstandkraft und Zähigkeit aufzuweisen, wie das jüdische 7 Nur blindwütige Hasser können dies leugnen und cias Gegenteil davon behaupten . . . Die Unterdrückung in Aegypten geschah nicht aus Haß gegen die Israeliten. Man hielt im Gegenteil das jüdische Volk für nützlich und wertvoll. Flatte es doch bei der Erbauung der Pyramiden und anderen Kunstwerken großen Anteil. Auch in der ganzen Antike waren die Beziehungen beider Völker keine unfreundlichen. Erst nach der Gründung des Judenstaates wurde Aegypten zum Hauptgegner Israels. Es ist aber zu hoffen, daß die friedliche Hand, di£ Israel dem großen Nachbar ausstreckt, nicht zurückgewiesen werden wird, daß vielmehr der Nilstaat die Freiheit und Unabhängigkeit Israels anerkennen und im Sinne des Propheten, einen Freundschaftsbund mit ihm abschließen wird. Das neue Israel wird auch zusammen mit allen gut gesinnten Mächten bestrebt sein, dahin zu wirken, daß Unterdrückung, Verfolgung, Haß, Streit und Krieg ein Ende nehme und an ihre Stelle Freiheit, Verträglichkeit, gegenseitige Achtung, Freundschaft, Hilfsbereitschaft, Liebe und Frieden treten sollen. Dann werden wir feiern den „Pessach leatid“, das Fest der Freiheit aller Menschen... Jakob Tainnenbaum Die Einwanderung betrug im Februar an 2000 Freien: im April isl mit einer Einwanderung von 4000 Personen zu rechnen. Alijah aus Persien. Nachdem die Einwanderungsabteilung der Jewish Agency vom Gesundheitsamt der UNO in Genf benachrichtigt worden ist, daß keine Befürchtung für eine Pestgefahr verhänge ist, wurde die Alijah auf dem Luftwege aus Persien wieder aufgenommen. Ausreise aus Polen. Die polnische Regierung hat beschlossen, Ansuchen von Juden um Ausreisebewilligung aus Polen, von neuem zu untersuchen, um deren Vereinigung mit ihren Familien in Israel zu ermöglichen, erklärte der Israel-Gesandte in Polen und der Tschechoslowakei, Ä. Kubovy, einer Gruppe von etwa 100 polnischen Olim, die vor dem Außenministerium demonstrierten, und welche die Einwanderung ihrer Familien forderten. Der Gesandte fügte hinzu, daß Hoffnung bestünde, die polnische Regierung werde wenigstens einen Teil der Ansuchen bestätigen. Die Israelgewerkschaft macht ihrerseits alle Anstrengungen, um die Ausreisebewillliguingen von Familien- Mitgliedern zu erreichen. Notbehausungen und Hilfswirtschaftein. Mit der Beschleunigung von Zwischcnbehauisuing (Holzbaracken) und Verlangsamung des Baues ständiger Wohnungen konsolidieren sich die Maabaroth. Die Einordnungs-Abteilung der Jewish Agency beschloß Schritte zu unternehmen, um das gesellschaftliche und kulturelle Leben unter den Ncu-Einwandcrern zu heben. Zu diesem Zwecke wurden administrative Aenderungen in den' verschiedenen Ressorts durchgeführt, um die Reisen der Inspektoren zu verkleinern und dadurch eine größere Aktivität in den Maabaroth selbst zu erreichen. Diese Aktionen beinhalten Aufstellung von Hills wirtschaften, erwei trete Tätigkeit der Frauein vereine und Jugendbewegungen, sowie fachliche Erziehung der Jugend. Wasserwerk. ln den Bergen des Galil, wird durch die Gesellschaft Mekoroth, an welcher der Keren Hajessod beteiligt ist, ein großes Wasserwerk und eine Pumpstation errichtet, welche dasWasser aus Quellen und Bächen konzentrieren wird. Riesenpumpen werden Millionen von m1 pumpen und das Wasser durch ein Rohrnetz in die Wirtschaften des östlichen Galil leitein.! I Pumpstation. Ungeheure Wasser inen gen münden im die Sümpfe des Hulehgebiietes und werden verschwendet, weil sie keimn Abfluß haben. Durch den Bau der Pumpstation wird dieses Wasser ausgenützt werden. ln den Bergen wird ein Tunnel gebaut, der 120 m lang, 4 in breit, und 4 m hoch ist. Der Tunnel führt in einen großen Raum, der 60 m lang 10 m breiit und 10 m hoch ist und ln welchem die großen Maschinen aufgestellt werden. Die Wände und die Decke wird durch Stahlbogen und Schutz tafeln gestützt. Nach Beendigung der Arbeit werden die Wände und die Decke durch Eisenbeton verputzt. Dieses Werk ist ein gewagter Versuch, dessen Durchführung schwierig und gefährlich ist und durch Bergleute und Ingenieure aus dem Ausland durchgeführt werden wird. Wohneinheiten. Verträge für den Bau von 44.400 Wohneinheiten wurden seit Beginn des laufenden Finanzjahres durch die Behausungsabteilung des Arbeits-Ministeriums unterzeichnet. Im Monat Januar allein wurden Verträge zum Bau von 420 Einheiten für 562.000 Pfund getätigt. Außerdem wurden Uehereimkommen mit verschiedenen Behausungsgcsellschaften zum Bau von 756 Einheiten für 424.000 Pfund getroffen. Die Behausungen wurden gebaut in Tirah bei Haifa 100 Einheiten; Chezor im Galil 100 Einheiten und 200 Einheiten in verschiedenen Einwanderungssiedlungen. Budget vom Cholon. Das Budget der Stadt Cholon für das nächste Finanzjahr beträgt ungefähr 21 Millionen Pfund, davon 1 Million normaler Etat und 1 Million En t w i ck Tun g sb u d get. Anvefikamiscfne Hilfe. Das Abkommen für die amerikanische Hilfe wurde im der Kanzlei des Außen-Ministeriums unterschrleben. Namens Israels zeichnete M. Scharet, im Namen der U. S. A. der amerikamische Botschafter M. Davis. Dieses Abkommen bezieht sich auf 50 Millionen Dollar. Ueber die weiteren 15 Millionen Dollar wird ein ähnliches Abkommen in naher Zukunft äbgsehlosseen werden. Erziehungsanstalt ein. Die Zahl der Schüler aller Gattungen der Erziehungs-Anstalten, welche von der Regierung gestützt werden, inklusive arabischer Schulen, wuchs von 251.101 iim Anfang des Jahres 1950 51 auf 309.732 anfangs 1951/52. (Diese Zahlen beinhalten nicht private Kindergärten mit etwa 7000 Kindern uind Talmud Thora sowie Jeschiwoth mit 7500 Schülern.) Die Gesamtzahl der Lehrer, Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen in vollen und halbtägigen Stellungen, welche in vom Staate gestützten Institutionen arbeiten, beträgt 13.150, gegenüber 10.647 im Vorjahre. In dieser Zahl sind 700 arabische Lehrer und private Kindergärtnerinnen nicht enthalten. Szold-Pr eis Verleihung. Tn Gegenwart von Aerzten undWIsschen schaftlern wurde in feierlicher Zeremonie der Preis Henrietta Szold d er Stadt Tel-Aviv zur Forschung auf dem Gebiete der Medizin und Hygiene verteilt. Den Preis im Werte von IL 300 erhielt Prof. Ulitzky für seine Arbeit „Baktereologische Untersuchung der Wasserzystcrnen in Jerusalem“. Einen Ehrenpreis von IE 300 erhielt Prof. J. Mayer für seine Verdienste auf dem Gebiete der Kinderheilkunde. Regieruingsbudget. Das Budget für das nächste Einamzjahr, welches diesen Sonntag durch die Regierung endgültig bestätigt wird, nachdem es von der Koalition hervorgebracht wurde, beläuft sich auf 177 Millionen Pfund. Die Vergrößerung vom 53 Millionen Pfund, gegenüber dem lau fern dem Jahre ist vor allem auf die vollständige Deckung des Sicherheitsbudgefs und durch Ueberweisungen auf das Entwicklungsbudget zurückzu führen. Dr. Burg iin der Schweiz. Gcsumdheitismimisfer Dr. J. Burg, der sieh in Angelegeiilieiteil des Keren Hajessod im der Schweiz befindet, wurde vom dortigem Innenminister ein plan. gen. IMPRIME SHÄNTUNG KLEIDERRIPS WOLLSTOFFE DULDNER & DEUTSCH Wien VII, Neubaugasse 10