Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 60 (März 1952)
- Date
- 1952-03-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. <50 DIE STIMME Sette 5 Der schwärzeste Tag der jüdischen Geschichte Vor wenigen Wochen, am 20. Januar 1952, hat sich der furchtbarste Tag der jüdischen Geschichte zum zehnten Mal gejährt. Am 20. Januar 1942 traten die Staatssekretäre des Dritten Reiches im der Villa am Großen Wan n see 58 in Berl in -Wann sce zusammen und erörterten die Durchführung der „Endlösung der Judenfrage“, d. h. die Ermordung von elf Millionen europäischen Juden zum ersten Mal in allen Einzelheiten. An diesem furchtbaren Tage begann die Nazimaschine im gesamten besetzten Europa und den Satellitenstaaten inr Werk, dem sechseinhalb Millionen Juden zum Opfer gefallen sind. Als ich in den in die Häinde der US-Armee gefallenen Akten des deutschen Auswärtigen Amtes das Protokoll der Sitzung am Großen Wannsee zum ersten Mal in Nürnberg sah, rief ich meine Mitarbeiter zusammen, um mit ihnen die volle Tragweite dieser „Geheimen Reichssache“ zu erörtern, die nur in wenigen Exemplaren an die beteiligten Staatssekretäre gegangen war. Auf Seite sieben des Dokumentes heißt es : „Unter entsprechender Leitung sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In gewissen Arbeitskolonnen, unter Trennung der Geschlechter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung auisfallen wird“. Und damit auch alle Juden bis auf den letzten ermordet würden, hieß es auf Seife acht des von den Ministerien und der SS beschlossenen Mordprogramms weiter: „Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich, bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaus anzusprechen ist. (Siehe die Erfahrung der Geschichte).“ Weiter heißt es : „Im Zuge der praktischen Durchführung der Endlösung wird Europa vom Westen nach Osten durchgekämmt. Das Reichsgebiet einschließlich Protektorat Böhmen und Mähren HOTEL Stefanie Wien II, TaborstraBe 12 Tel. R 48 2 46, R 49 5 43 RESTAURANT - GARAGE ÖSTERREICHISCHE STRUMPF- U. WIRKWARENFABRIK HERBST & GAON ZENTRALE: WIEN I, QONZAGAGASSE 1 (MORZINPLATZ 3) TEL. U 25 t 43 FABRIK: WIEN VI, MOLLAROGASSE 20 TEL. A 30 2 57 Von Dr. Robert M. W. Kempner wird allein schon aus Gründen der Wohnungsfrage und sonstigen sozialpolitischen Notwendigkeiten vorgenommen werden müssen. Die evakuiertein Juden werden zunächst Zug um Zug in sogenannte Durchgangsgnettos verbracht, um von der! aus weiter nach dem Osten transportiert zu werden.“ In der Besprechung folgten dann Einzelheiten über das Mischlingsproblem, über die aus Deutschland stammenden Juden über 65 Jahren, über Zwangssterilisierung und anderes. Die Zahl der angeblich iin jedem Land vorhandenen Juden in Europa wurde in der Sitzung auf elf Millionen Juden geschätzt, fünf davon angeblich in der Sowjetunion und der Ukraine und etder Exekution des Mordplanes maßgebend beteiligt waren. Reichsamtsiciter Dr. Leibbrandt vom Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete, den die bayrische Staatsanwaltschaft wegen Mordbeteiligung anzuklagen versuchte, ist in Deutschland in Freiheit, ebenso der Vertreter der^ Bormann’schen Parteikanzlei, SS-Oberführcr Klopfer, der erfolgreich entnazifiziert wurde. Das Protokoll dieser Vernichtungssitzung ist in englischer Uebersctzung in den Drucksachen des Kongresses d. United States, weil es von besonderer Bedeutung für die Verhandlungen über die Genocide Convention war. In Deutschland ist es nie ge¬ Regelmäßige PASSAGIEREXPRESS- und WARENDIENSTE nach ALLEN WELTTEILEN ITALIENISCHE SCHIFFAHRTSLINIEN „ITAUA” - GENUA NEW YORK und HALIFAX (Canada) SÜD- und ZENTRALAMERIKA NORD- und SÜDPAZIFIK „LLOYD TRIESTINO" - triest SÜDAFRIKA, AUSTRALIEN, SOMALILAND, INDIEN, PAKISTAN, WESTAFRIKA, KONGO, FERNER OSTEN „ADRIATICA” - VENEDIG ÄGYPTEN, LIBANON, SYRIEN, ISRAEL, GRIECHENLAND, TÜRKEI, ZYPERN, RHODOS „TIRRENIA” - NEAPEL SIZILIEN, SARDINIEN, KORSIKA, TRIPOLIS, MALTA, TUNIS und nach Häfen der Westküste ITALIENS Auskünfte und Buchungen bei der Zweigniederlassung dzt. in WIEN I, SCHUBERTRING 6, TEL R 23 013 und R 22 508 und bei der Filiale in GRAZ, ANNENSTRASSE 10, TEL. 67 01 sowie bei allen Reisebüros wa zweieinhalb im polnischen Generalgouvernement, Die Ministerien waren in dieser Konferenz im allgemeinen durch ihre Staatssekretäre vertreten. Es ist interessant, was aus den Konferenzteilnehmern während der letzten zehn Jahre geworden ist: Zwei Teilnehmer, nämlich Staatssekretär Dr. Stuckart vom Innenministerium und SS-General Hofman vom SS-RasseundSiedlungshauptamt, wurden in Nürnberg verurteilt, sind aber inzwischen begnadigt worden. Staatssekretär Freister vom Reichsjustizministerium kam noch während des Krieges um, und die Staatssekretäre Neumann von der Vierjahresplanvcrwaltung und Kritzinger von der Reichskanzlei sind nach dem Kriege gestorben. Unterstaatssekretär Luther vom Auswärtigen Amt soll 1945 in Berlin umgekommen sein; vom SS-Gruppenführcr Müller im Reichssicherheitshauptamt weiß man ebenso wenig etwas wie von SS-Obersturmbannführer Eichmann, die an druckt worden und nur auszugsweise in dem Buch „Das Urteil im Wilhelmstraßenprozeß“ wiedergegeben. Dabei sollt es jeder gelesen haben, der sich mit dem Problem der Beziehungen zwischen Deutschland und der Judenhcit befaßt. Das Protokoll der Sitzung vom 20. Januar 1942 mit seinen Anlagen spielt eine Rolle auch bei der Untersuchung der Frage, ob sieh im Bonner Auswärtigen Amt Personen eingenistet haben, die an den Judenvernichtungsaktionen beteiligt waren. Nach der Sitzung vom 20. Januar 1942 hatten die Vertreter Ribbentrops in Berlin und in den Satellitenstaaten begonnen, auf fremde Regierungen einen Druck zur Durchführung des Vernichtungsprogramms in ihren Gebieten auszuüben. Der Druck auf Tiso in der Slowakei, Ho.rth y in Ungarn, Mussolini in Italien, Antonescu in Rumänien, sowie „diplomatische Aktionen“ in Belgien, Dänemark und Frankreich sind Kapitel der jüdischem Geschichte, die noch geschrieben werden müssen. SINGER ■ STOFFE \h D[R norff/rumsm /; DAMENSTOFFE HERRENSTOFFE SEIDENNOUVEAUTES ENGL., FRANZ. UND SCHWEIZER IMPORTE TEL. U 21388 Die idealsten Schulterauflagen aus' ’ Watte, bette Paßform, für Damen-, Herren- und Kinder- Bekleidung „HAPO’’ Achselpolster-Erzeugung RUDICh&Co. Wien II, Aspern brückeng. 4 Telephon R 45 5 63 SUanqUaUc in Wien! Die nach Wien zurück gekehrten Shanghaier werden gewiß nachstehenden Bericht mit großem Interesse lesen und sich, zwecks Geltendmachung ihrer Ansprüche, zusammenschließen: HONKEW WAR GHETTO In Berlin kam cs anläßlich einer Entschädigungsklage eines im Shanghaier Ghetto interniert gewesenen deutschen Juden zu einer interessanten Entscheidung. Das Landesgericht Berlin entschied nämlich am 31. Dezember unter Verzicht auf weitere Beweisaufnahme zugunsten der Antragsteller, und es wird ihnen danach eine Haftentschädigung im Sinne des Berliner Entschädigungsgesetzes zugebillligt. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, daß der Sperrbezirk von Hongkew als Ghetto und der befohlene Zwangsaufenthalt als Auswirkung nationalsozialistischer Verfolgung anzusehen sei. Das Gesetz hinsichtlich der Gewährung von Haftentschädigung an jene Oesterreicher, denen der Nazismus die Freiheit geraubt hatte, ist vom österreichischen Nationalrat bereits verabschiedet worden, doch läßt die Durchführungsverordnung auf sich warten. Vom moralischen und juristischen Gesichtspunkt aus unterliegt es keinem Zweifel, daß alle Personen, die vom Nazismus an Leib und Leben bedroht, nach Shanghai die Flucht ergreifen mußten, wo die Japaner im Auftrag der Deutschen für sie ein Ghetto errichteten, in dem sie unter Polizeiaufsicht das Leben gefristet hatten, auf Haftentschädigung Anspruch haben. Zwecks Wrhruing frer Interessen, werden alte Shanghaier au gefordert, h-e Adressen der Redaktion „Die Stimme“ ungesäumt bekanntzugeben. In der PARFÜMERIE PRUCHTER Wien VII, Neubaugasse 71 Telefon B 35 5 34 Mariahilferstraße 88 a Zitahof, Telefon B 30 0 47 werden Sie fachmännisch beraten und billigst bedient. 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