Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1952
- Issue
- Heft 60 (März 1952)
- Date
- 1952-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 60 CUo*hUcUo> a&sac b'scUwot Jledt yeUotUh, von Tcaa lUnsul Ada SsUet Das „chamischa assar bie.chwat“-Fest, das uns aus unserer Geschichte bekannt ist und im Laufe der fahre in der Golah fast ganz vergessen wurde, ist in Israel zu neuem Lehen erwacht und bildet eines unserer größten Feste, Lesende-s im Leben der Kinder. Während uns hier die „WIZO“ eingeladen hat, mit ihr ,,Chamiseha assar bischwat” zu feiern, singen Tausende von Kindern in Israel : „tu bischwat higia chag hailanot“.... „der 15. im Schwat ist das Fest der Bäume”. . . Denn nur bei uns, wo der Jude wieder seine Heimat gefunden hat, nur bei uns, wo zum ersten Mal, nach tausenden von Jahren, ein jüdischer gesunder Bauernstand wieder entsteht, und nur bei uns, wo der Jude weiß, er muß nicht nur gute Geschäfte machen, um der Gewißheit willen, die Mittel zur Weiterreise zu haben, falls die anderen ihn aus ihrem Lande treiben sollten — nur bei uns, in unserer eigenen Heimat, aus der ihn niemand treibt, in der er sich zum ersten Mal als Besitzer und nicht als Gast fühlt — hat der Jude die Muße und die Freude an der Natur wieder gefunden. Ganz gleich, ob er in der Stadt oder auf dem Lande lebt, ganz gleich, welchen Beruf er hat, jeder bei uns will, daß seine Heimat schön wird, jeder freut sich an neuen Bäumen, Gärten und Grünflächen. Es ist nicht wahr, was man uns einznreden versuchte, in all den Waren Sie schon im neurenovierten??? HÜBNER’S KURSALON RESTAURANT Man speist wie zu Hause und preiswert Jahren in der Golah, daß wir zunächst nur an das Materielle denken — in Israel ist es fast eine selbstverständliche Erscheinung geworden, daß man an einem neuen Punkt, bevor auch nur ein Haus steht, bereits Bäume setzt. Es gibt keine neue Chaussee, die nicht gleich zu beiden Seiten von Bäumen umrahmt wird. Sie wissen, wie schwer es kt, aus unserem Boden, jahrtausende verwüstet, und mit unseren geringen Wassermengen, das Land grün zu machen. Doch wo Sie heute hinkommen, in die Stadt, in neue Wohnviertel, auf den Autostraßen und sogar schon in einem Teile des Negew, überall blüht es. Und am „Chamischa assar bischwat“ haben die Kinder schulfrei. Blumenbekränzt gehen sie zu tausenden, mit Spaten und Setzlingen unter der Leitung des K. K. L. hinaus auf die Straßen und Plätze und pflanzen Bäume, heu^e noch klein und schwach, doch nach einiger Zeit und bei viel Pflege werden sie wachsen, grünen und Schatten spenden. Es ist kein Zufall, daß die „WIZO“ gerade an diesem Tag ihr Fest hier feiert. Denn ein Fest der Kinder ist ein fest der „WIZO“. Gilt doch all ihre Sorge, all ihre Liebe allem, was mit Kindern zu tun hat. Sicher ist Ihnen bekannt, was die „WIZO“ bei uns In Israel leistet, wieviele tausende von Kindern und neuen Einwanderern von ihr betreut werden, wievielen sie wieder zu leben verhilft. Die ,AVTZO” in Israel, wie fast in allen übrigen Ländern der Welt, ist die bestorgnnisDrte Gruppe innerhalb der zionistischen Gesamtbewegung. Sie ist die große Partei der Parteilosen — sie fragt nicht nach politischer Einstellung, sie fragt nur: Willst Du mithelfen, hilflose Kinder und neue Oloth glücklich zu machen? Auch in dieser kleinen Gemeinde in Wien, mit ihren so unendlich vielen Parteien, die in einem völligen Widerspruch zu stehen scheinen zu all dem, was Sie hier gemeinsam erlitten haben, ist die „WIZO“ die eifrigste in ihrer zionistischen Tätigkeit. Vielleicht scheint die Hilfe der „WIZO“ Wien im Vergleich zu dem, was Israel braucht, sehr klein — aber jeder Ziegel hilft bei der Vollendung eines Baues. Nach den letzten Ueberflutungen in Israel, über die Sie gewiß in den Zeitungen gelesen haben, ist viel Elend über d:e Neueinwanderer hereingebrochen und rasche Hilfe tut not. Um Geld zu bitten, ist eine unangenehme Angelegenheit — aber nur darum so unangenehm, weil die, die geben sollen, es einem so unangenehm machen. Ehren Sie diejenigen, die zu Ihnen um Hilfe kommen und vergessen Sie nie — wie wir es aus unserer jüngsten Geschichte wissen — Sie geben, wenn Sie für Israel geben, nur für sich selbst. Denn, kann es nicht sein, daß morgen Sie selbst, oder Ihre Kinder, an unsere Tore klopfen werden? Jeder Groschen, den Sie heute geben, hilft Ihnen, falls Sie kommen, das Land noch mehr bereit für Ihre Aufnahme zu machen. Wir pflanzen in Israel am „chamisch a assar bischwat“ kleine Bäumchen. Sie, die Sie hier unter vielen großen Bäumen spazieren gehen, die nicht Ihnen gehören, fassen diesen Feiertag symbolisch auf. Helfen Sie, helfen Sie einem kleinen Neueinwanderer in Israel ein gesunder, starker Jude zu werden. IMPRIME SHANTUNG KLEIDERRIPS WOLLSTOFFE DULDNER & DEUTSCH Wien VII, Neubaugasse 10 "lüüzo- - Wie**" Die alljährliche Chamischa-Assar b’schwath-Feier der WIZO-Wien, die in diesem Jahre am 6. Februar 1952 im Kursalon stattgefunden hat, gestaltete sich zu einer imposanten Bekundung der Freunde der WIZO und der Freunde des jüdischen Lebens In Wien. Es war ein wirklich erfreuliches Moment, zu konstatieren, mit welcher Bereitwilligkeit die der WIZO verbundenen jüdischen Kreise und deren Freunde dem Rufe der WIZO, der von Frau Ada Eshel, Gemahlin des Israel-Konsuls, wirksam unterstützt wurde, gefolgt waren. Frau Konsul Eshel hob in ihrer Rede die Wichtigkeit der WIZO in Israel für die einw andern den Frauen und Kinder an vielen Beispielen hervor und betonte die ganz außerordentlichen Leistungen aller der WIZO angeschlossenen Frauen gelegentlich der so bedauernswerten Folgen der Hochwasserkatastrophe in Israel. Herr Regierungsrat Gehler würdigte die Bedeutung des Tages in launiger und geistreicher Weise als Fest, welches aus der neuen Geschichte Israels hervorgegangen ist, seinen Ur- ERZEUGUNQ FEINER lUawaüe** WIEN I, WIESINGERSTRASSE 8 TELEPHOH R 22 2 36 sprung jedoch in der Bibel hat. Der herzliche Beifall, der seinen Ausführungen folgte, bewies, mit welchem Verständnis die Zuhörerschaft diesen Ausführungen gefolgt war. Das künstlerische Programm, als dessen Amateur-Conferencier sich Herr Architekt Reisner neuerlich betätigte, 'umfaßte hebräische Lieder, Lieder von Mendelssohn und Opernarien von Saint-Saens, die von der jungen Nachwuchssängerin Erika Wien mit schönem Organ und warmer Empfindung vorgetragen wurden. Der Doyen der Wiener Pianisten, Herr Professor Otto Schulhof, entzückte die Zuhörerschaft mit der Wiedergabe von Grünfelds „Carneval de Vienne“ und „Kleine Serenade" und verhalf moderner israelischer Musik mit der Aufführung der Semitic Suite von Boskovich zu Anerkennung und warmer Aufnahme. Im heiteren Teil des Programmes begeisterte Herr Sfaafsopernsänger Kurt Preger die Zuhörerschaft mit der Wiedergabe schöner Arien von Strauß und Millöcker. Die Jugend konnte nach Abwicklung dieses Programines sich dem lang erwarteten Tanzvergnügen widmen und die Kapelle Halm beschloß mit ihren Darbietungen dieses gelungene Fest, welches neuerlich die Verbundenheit der zionistischen Frauen und Männer Wiens bei einer Veranstaltung bekundet hat, deren Reinerfrägnis zur Gänze den Kindern und Frauen in den WIZO-Heimen in Israel zugute kommt. WOLLE UND GARNE größte Auswahl ADOLF BOMZE V, Reinprechtsdorferstraße 48 XX, Wallensteinstraße 17 Telephon A 32 0 08 XVI, Neulerchenfelderstraße 20 II, Rotensterngasse 5 Ehrung eines Opfers des Nazismus in USA. Aus Chicago kommt uns die Mitteilung, daß einer der hervorragendsten jüdischen Naturforscher Univ. Prof. Alexander Spitzer, der Jahrzehnte lang in Wien still und ruhig seiner Forschertätigkeit in verschiedener Richtung nachging, in ganz ungewöhnlicher Weise geehrt wurde. Ein Buch von ihm, ganz besonderer Art, wurde wegen seines ganz exzeptionellen Inhaltes von Fachgenossen ins Englische übersetzt und in Chicago herausgegeben. Spitzer galt als Neurologe, weil seine ersten Arbeiten im berühmten nervt na natomischen Institute von Obersteiner-Marburg ausgeführt wurden und hirnanatomische Fragen betrafen. Er stieß hier auf Fragen, die die Orientierung im Raume betrafen und arbeitete sofort über die Funktion des inneren Gehörapparates, der Bogengänge und der Schnecke, und eine herrliche Arbeit über den Mechanismus der Bogengänge, die die gewiß geistvolle Theorie von Breuer und Mach ersetzte, war die nächste Frucht dieser Studien. Der Generationswechsel, ein allgemeines Vorkommnis bei der Entwicklung der Tiere, führte ihn in eine ganz andere Welt der Forschung und er erkannte, daß in einem Nebengebilde der Frucht, der Zwilling zu suchen sei, der die zweite Generationsform darstellte. Das eigemarUge Krankheitsbild der Migräne, ihr Auftreten in Anfällen, und ihr häufiges Verbundensein mit Augenmuskellähmungen und Flimmern, sowie mit Erbrechen, führten ihn zu der Theorie, daß eine akute Anschwellung eines gefäßhaltigen Gebildes in den Abflußwegen der Seitenventrikel die Ursache sein müssen, weil er so das Auftreten aller Erscheinungen erklären konnte. Es ging ihm schon im ersten Weltkriege schlecht, da sein kleines Vermögen bald auf gezehrt war. Es gelang aber seinen Freunden mit großer Mühe ihn zu bewegen, eine Tätigkeit aufzunehmen, die ihm verantwortungsvolle ärztliche Leistungen aufgebürdet hätte, denen er sich als Theoretiker nicht gewachsen fühlte, aber nur In der Weise, daß er im anatomischen Institut Prof. Tandlers einen einberufonen Assistenten suppliierte. Nach dem Krieg kam er an sein altes Institut, das neurologisch-anatomische als Assistent und wurde bald außerordentlicher Professor, sodaß seine materielle Lage gesichert war. Hervorragende Arbeiten waren die Frucht dieser ruhigeren Jahne. Es war jetzt vor allem die Entwicklung des Her¬ WIEN L, HABSBURGERGASSE 14 Feine Juwelen Handgearbeiteter Goldschmuck Silberwaren Bestecke und Chanucca-Leuchter zens aus dem einkammerigen Reptilienherzen zum zweikammerigen Herzen der Wirbeltiere, was ihn beschäftigte. Große Arbeiten klärten die Frage fast vollständig, und die Arbeit, die er hei seinen! erzwungenen Abgang ins Konzentrationslager Theresienstadt hier zurück ließ und die jetzt in Amerika soviel Anerkennung fand, war die große Uebersichit über seine Herzforschuingen. Die Nachwelt wird noch viel Arbeit haben, die tiefen Erkenntnisse Spitzers voll zu würdigen. In seinem privaten Lebpn war Spitzer der anspruchsloseste Mensch, der aber gerne Bedürftigen half, auch zu Zeiten, wo er selbst nicht genug zum Leben hatte. Er ruhe in. Frieden Im Lande seiner Wahlheimat.