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Die Stimme · 1952-03-01 · Heft 60 (März 1952) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1952
Issue
Heft 60 (März 1952)
Date
1952-03-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Nr. 60 Sette 2 DIE STIMME Epilog zu den Wahlen Dr. ’V0lf Herzberg Vizepräsident d. Israelitischen Kultusgemeinde Wien Pr- Wahlen sind beendet und der naie Kidtusvorstand konstituiert:. Es ziemt sieh nunmehr, einen kurzen Rückblick auf das Ergebnis und einen Ausblick auf die Zukunft zu machen. Pie Wahlen endigten mit einem Sieg der „Werktätigen“ und Neo-Lnionisten bezw. Assimilanten und einer Niederlage der „Einigkeit“. Die zionistische Liste hat weder einen Erfolg noch eine Niederlage zu verzeichnen, obwohl Zionfeinde den Ausgang als Niederlage bezeichnen. Worauf der Erfolg der „Werktätigen“ zurückzuführen ist, ist schon viel besprochen und kritisiert worden. Das Eine steht einwandfrei fest, daß der Erfolg 100" uig auf die Anwendung sämtlicher Machtmittel, über welche diese Gruppe verfügte, zurückzufiihren ist. Dazu kommt, daß es in diesem Kampfe, ob mit Recht oder Unrecht sei dahingestellt, darauf angekommen ist, eine Phalanx zu bilden gegen die Kommunisten, welche sich durch, die „Einigkeit“ decken. Wenn die Zionisten den mit Recht erwarteten Erfolg nicht erreicht haben, so ist dies in erster Linie auf die oben angeführten Ursache und nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß die Ungunst des am Wahltage herrschenden Wetters und teilweise die Gleichgültigkeit hinsichtlich der Fragen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien mitgewirkt haben. Wenn Zionfeinde und ein Teil der Zionisten selbst den ausgebliebenen Erfolg auf die .Schwäche der zionistischen Partei zurückführen, so muß dies auf das Entschiedenste zurückgewiesen werden. Es ist wohl richtig, daß die Zionistische Organisation in Wien vielfach unter den Kongreßwahlen, deren formale Durchführung infolge der Fortwirkung des Einflusses der Schlichim mehr als ein halbes Jahr gedauert hat, eine Stagnation durchgemacht und schließlich durch die zeitraubende Zusammenstellung der Kandidatenliste, etc., einen Stillstand ihrer Aktivität erlitten hat; allein der aufrechte Bestand der Gesamtorganisation hat keine Aenderung erfahren. Wichtig ist, darauf hinzuweisen, daß der größte Teil der jüdischen Bevölkerung dem zionistischen Gedanken, — ohne Rücksicht darauf, ob sie organisiert ist oder nicht, — huldigt und bei einiger zu bewerkstelligender Aktivität eine Stärkung und Kräftigung erfahren wird. Nicht nur das parteipolitische Prestige, auf welches ich sehr wenig gebe, sondern das Interesse des Gesamtjudentums, welches mit dem Lcbensmteresse unseres .Staates Israel eng verbunden ist, erfordert eine starke zionistische Organisation in der Galuth und somit in Oesterreich, besonders in Wien. Wer von den Zionisten anders denkt, verleugnet das zionisti- Die schönsten Frühjahrs- Damen - Mäntel, Kleider, Kostüme in reichster Auswahl MODELL! IAÜS SONNENFELDtSTEPANIK WIE! VE MARUHILFERSTR. 109 T EL. B - 22 - 0 90 sehe Ideal und Ziel, somit die (’haluzioth und den Kiblniz Galujoth. Er begeht aber auch ehren großen Fehler an dem gegenwärtigen Lebensinteresse des Staates Israel. Es muß ohne weitet es zugegeben werden, daß die Mitwirkung des Gesamtjudentums der Galufh, ohne Rücksicht auf parteipolitische Interessen, für Israel voti großer Bedeutung ist, von großer aber nicht ausschließlicher Bedeutung, zumal cs nicht bloß darum geht, unserem Lande, dem Staate Israel, Hilfe zu leisten, sondern die int Zionismus fordert eine kräftige Zurückweisung. Liir uns ist die Gründung des Staates noch nicht Zion. Im Begriffe Zion liegt verankert die Bedeutung und die Größe unseres Volkes. Jeder Angriff auf unser Ideal ist für mich und alle diejenigen, die von diesem Glauben erfüllt sind, ein Dolchstich, der die entsprechende Reaktion hervorrufen muß. Dieselbe Wirkung erzeugt nicht nur der Angriff auf das Ideal, sondern auch auf die Existenz der Zionistischen Organisation. Vom eigenen Volk verachtet Auf seinem Landsitz in Siidnorwegrn hat Knut Hamsun am 19. Februar das Zeitliche gesegnet. Im letzten Abschnitt seines Lebens, das 93 Jahre währte, mußte er, von seinen Landsleuten verachtet, in Einsamkeit sferhen. Hamsun, der von armen Eltern stammte, konnte keine systematische Bildung erwerben. Als Autodidakt entwickelte er sich zum großen Dichter, zu.m Meister des .Stils und zum interessanten Psychologen, dem die hohe Ehre zuteil wurde, nicht nur als Dichter großen Formats, sondern auch als Nobelpreisträger in die Geschichte einzu gehen. Nach dem Einbruch des Hitlerismus in Deutschland, wo seine Werke in die deutsche Sprache übersetzt wurden und reißenden Absatz fanden, verschrieb sich Hamsun dem Nationalsozialismus und übte Verrat an Norwegen, seinem Vaferlatide! Der schnöde Verrat, den Hansum an seinem Volke, an der ganzen Menschheit verübte, ist schon deshalb bedriikkend, weil er vorwiegend aus Habgier Nationalsozialist wurde, denn reiche Taufiemen flössen aus dem „Deutschen Reich“ in seine Tasche. Das norwegische Volk hat sich von dem Kollaborateur Hamsuin abgewendet und über ihn die wohlverdiente Strafe der Aechfuing verhängt. Die norwegische Justiz machte dem Landesverräter den Prozeß und belegte ihn mit einer hohen Geldstrafe. Die Verurteilung zu einer Geld- und nicht zu einer Kerker-Strafe erfolgte ausschließlich im Hinblick auf das vorgerückte Älter Hamsuns. Ein Mann trat von der Bühne ab, der — trotz seiner Qualitäten — dem Mammon, dem Hitler Ismus, der Barbarei verfallen war und die Menschheit, die Menschlichkeit verraten hat. Es ist schmerzlich^ daß ein Norweger, ein Dichter, ein Nobelpreisträger, die deutschen Gaskammern und Vernichtungslager gutheißen konnte, die unendlichen Leiden der Juden nicht hören wollte. B. Braver Buchdruckerei A. Glücksmann & Söhne Wien XVII, Behelmgasse 77, Tel. A 29 2 27, A 28 0 29 Alle Arten von Drucksorten Holen Sie bei uns Offerte ein dere Gruppe sich von derselben Absicht leiten lassen wird. Im entgegengesetzten Falle werden wir bestimmt die entsprechenden Konseuqenzen ziehen. Ob es angesichts einer so einseitigen Pafteigebundenhcit gelingen wird, das von den „Werktätigen“ proklamierte Programm zu erfüllen, wird die Zukunft beweisen. STOFFE KLEIDER FÜR DAMEN HERREN UND KINDER Qüt ü*td fvtiawicl vom HoitfUcuM hcüdto Haftecs Wien VII, MarlahllfarstraB« BO Talaphont B 36 0 63, B 362S7 IHR REISEBÜRO... INTERNATIONALES REISE- UND TOURISTEN BÜRO, G. M B. H. WIEN I., KÄRNTNER RING 15/TELEPHON R 22 5 30 mit seiner SPEZIALABTEILUNG für ISRAEL Eisenbahn-, Flugu. Schiffskarten, Paßu. Visabesorgungen Gesellschaftsreisen zu günstigsten Bedingungen, Paketversand Wenden Sie sich in allen Reiseangelegenheiten vertrauenvoll an uns, wir werden Sie fachmännisch beraten. Bürostunden von 8 bis 18 Uhr. und in der Staatsgründung liegenden Ziele und Zwecke zu erfüllen, die nur die Zionisten bewerkstelligen können, weil sie den Staat und die Fragen des Judentums als ein empfundenes Bedürfnis betrachten und nicht nur mit der Hingabe einer Geldsumme ihre Aufgabe erfülUt zu haben glauben. Aber selbst die materielle Hilfe für Israel hängt mit dem oben angedeuteten seelischen und gefühlsmäßigen Wesen des Zionismus zusammen. Denn nur derjenige, der das Wesen des Zionismus erfaßt hat und die Existenz der Zionistischen Organisation bejaht, wird ununterbrochen, ohne Rücksicht auf Rückschläge, seine Pflicht selbst erfüllen und die anderen nicht organisierten Juden zur Pflichterfüllung aneifern, während der Pseudo-Zionist, das heißt, der nur Israelfreundllche diese Aufgabe nicht zu erfüllen vermag. Er wird wohl zeitweilig der Forderung der Zeit, seiner Partei oder der Utilität Rechnung tragen, nicht aber konsequent der Leistuingspflicht Genüge leisten. Schließlich haben wir Zionisten durch die Tätigkeit eines halben Jahrhunderts die Grundlage der Staatsgründung gelegt, trotz heftigster Bekämpfung durch Zeloten und Assimilanten. Es soll hervorgehoben werden, daß diese Gesellschaft nicht bloß die Partei der Zionisten bekämpft, sondern die Gründung eines selbständigen jüdischen Staates ironisiert hat. Es ist selbstverständlich, daß wir das zionistische Ideal, als unser Kleinod betrachten und die Verwirklichung desselben in geistigem, kulturellem und staatlichem Sinne mit wachem Äuge behüten. Jeder Angriff, welcher Art immer und von wem auch immer ausgehend, durch welchen unser Ideal verkleinert oder herabgesetzt wird, er- Da sich unsere Bestrebungen auf alle Lebensäußerungen des jüdischen Volkes, wo immer es ansässig ist, erstrecken, ist es selbstverständlich, daß wir in erster Linie berufen wären, die Geschicke der jüdischen Gemeinden zu bestimmen. In diesem Sinne fassen wir unsere Tätigkeit auch in der hiesigen Kultusgemeinde auf. Ob wir nun mit einer größeren oder geringeren Zahl in die Kultusstube eingezogen sind, ist belanglos, angesichts des festen Willlens, unsere, die Forderungen des gesamten jüdischen Volkes, des Staates Israel und des zionistischen Ideals durchzusetzen. Es ist absolut kein egoistischer Standpunkt, wenn wir der Uebcrzeugung Ausdruck geben, daß eine Uebertraguing der Aufgaben der Zionistischen Organisation auf anders geartete Gruppen von vornherein abzulehnen ist. Derienige. der glaubt, daß auch iede fremde Gruppe Träger der zionistischen Idee sein und sich demgemäß verhalten kann, befindet sich in einem sträflichen Irrtum und schädigt unsere Bestrebungen. Nicht bloß um eine Majorität zu b:lden haben wir uns entschlossen, in eine Kooperation mit den „Werktätigen“ einzugehen, sondern wir ließen uns von der Absicht leiten, die zionistischen, d;e Postulate des jüdischen Staates, durch zu setzen. Gewiß war die wirtschaftliche Existenz und Zukunft unserer Gemeinde und unserer Gemeinschaft zu sichern. Wer glaubt, daß er uns von diesem Entschluß etwa durch die Behauptung, wir seien bedeutungslos oder zu schwach, abzub rin gen versuchen wird, — um mich eines Wortes unseres unvergeßlichen Chajes zu bedienen, — auf Granit beißen. Wir sind in diese Kooperation ohne jeden Hintergedanken, eingetreten und hoffen, daß auch die an- „ELSE” PARFÜMERIE WIEN I, STEINDELGASSE 1 (beim Tuchlauben-Kino) TELEFON U 213 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U. S. A. FRANKREICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir schicken offiziell Pakete mit Parfümerien und Seifen nach Israeli

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