Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1951
- Issue
- Heft 53 (12.9.1951)
- Date
- 1951-09-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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HEINRICH LOEWE Alijah der Juden aus Persien Pas Muster des ..Zauberteppich". der d>e <-rste'i Prien muh Israel brachte. bekommt dieses Jahr mit der Finw nrdninio der persischen Juden ein neues Pessin. 7lMw>() haben sieh regist''"';: t. dav en waren es diesen Sommeranfang bereits über 20.000, de Israel emPhten. teils im Flugzeug, teils ruf dem Umweg über die lürkei. Pi; übrigen warten noch auf ihre \liia!i. die für die luden in Persien, es leben ea. 100.00') dort im wahrsten Sinne ries Wortes ein Aufstieg ist. Pie zu Beginn des fahres 1()50 ause.bi vvl enen Judenverfolgungen in Kurdistan machten die für ferne Not r. ich! ich kurzsichtige europäische Welt, wovon wir :n Europa lebenden Juden keine Ausnahme waren, trotz unseres eigenen Schicksals, erst aufmerksam auf diesen Bevölkerungsteil, der in Erniedrigung und Verfolgung, in bitterster Armut und Krankheit seif J ahrhuoderten dahinvegeFert. Folgendermaßen ist bis heute die Situation der persischen Juden : Die meisten leben noch in den überfüllten, iiiciisehen Ghetfis, die im sechzehnten Jahrhundert entstanden, als die Lehre der ..Nadgis“ verboten hafte, an Juden, als ..unreine“ Ungläubige, Häuser zu vermieten. Jede Ghettostraße besteht aus ca. 15 Lehmhäusern, von deren manche sich statt über, unter der Lvde befinden, wie Gräber. Jede cbeser Hütten besteht aus einem einzigen Raum und beherbergt mindestens 10 Inwohner. Mobilar ist fast keines vorhanden, von Licht oder Beheizung keine Rede. Tuberkulose und Trachome sind an der Tagesordnung. epidemische Krankheiten häufig Zu den ganz Armen gehören mehr als ehe Hälfte der Judcnheif, ihre Lebensbedingengen sind weit unter dem tiefsten persischen Standard. Vermögend ist etwa 1 Prozent, meistens. Zuge wunderte aus Rußland, oder dem Irak. Ungefähr 10 Prozent gehören zum Mittels^nd und 30 Prozent führen ein kümmerliches und unsicheres Dasein als Hausierer. Die Hausierer müssen ihre Waren aber gegen Kassa kaufen und auf Kredit verkaufen. Der Post lebt noch viel kümmerlicher. Teheran, die Hauptstadt, hat eine Million Emwohner. Seihst hier sind die Juden höchstens imstande für einen Arbeitstag von 10 Stunden eine Entlohnung von 8 bis 10 cents zu erhalten. E:ne gewisse Zahl von Auserwählten, die solche Arbeit findet, Eduard Heriot Der greise Staatsmann Eduard Heriot wurde mit Stimmenmehrheit zum Präsidenten des französischen Parlaments gewählt. Wir verzeichnen dies mit besonderer Genugtuung und rechnen es uns zur Ehre an, dem Judenfreund Heriot unsere aufrichtig empfundenen Glückwünsche darzubringen. Heriot ist ein überzeugter Philosemif, der bei vielen Gelegenheiten den Juden Wohltaten erwiesen und offenkundiges Interesse für ihre nationalen Bestrebungen bekundet hat. Wir haben darüber berichtet, daß in Paris ein Denkmal für den Unbekannten jüdischen Märtyrer errichtet wird. Kein Geringerer als Eduard Heriot steht als Ehrenpräsident dem L)enkmalkoinifee vor. Die Juden der Stadt Lyon, deren Bürgermeister Heriot ist, haben beschlossen, ihm die Reverenz durch Eintragung ins Goldene Buch des Keren- Kajcir.efh zu erweisen. Als im Jahre 1042 die deutschen Eindringlinge mit der Deportation von in I rankreich ansässigen Juden begannen, erhob Heriot einen flammenden Protest gegen die nazistischen Untaten. Das damit zusammenhängende Schreilnm, welches an den Oberrabbiarbeitet als Handwerker, wie Weber, vS ch u h m a eh e r, T i s eh 1 e r, K u p f e rs ch i n ie - de. Eine kleine Anzahl fiat Textilutul Eisengeschäffe. oder einen kleinen Bauernhof. Theoretisch sind die Juden den persischen Mitbürgern gleichgestellt. Doch gibt es ein einziges jüdisches Parlamentsmitglied für die Interessen der jüdischen Minderheit. An der Universität Teheran studieren etwa 100 jüdisch,e Studenten, kein Jude kann Richter werden, kein Jude kann in den Zivildienst eintreten. Jüdische Soldaten bekommen nur in Ausnahmsfällen eine Beförderung und die Nationalbank von Persien hat noch niemals einen jüdischen Angestellten beschäftigt. Auch der geistige Standard ist tief. Die Erziehung der Jugend ist aufgehalten durch die Notwendigkeit, die halbwegs gesunden Kinder zur Arbeit zu schicken, um zur Erhaltung der Familie beizutragen, sowie durch den Mangel an Kleidung für sie. Der Joint versucht zwar, die Not zu lindern, aber was er tun kann, ist ein Tropfen auf einen heißen Stein. Die gesetzliche und soziale Stellung der Juden in den vergangenen lahrhunderfen brachte einen kulturellen Tiefstand, der bis heute anhält. Aberglauben und Unwissenheit sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, das geistige Niveau. Dem Erlösungsruf nach Israel wollen die meisten folgen. Die persische Regierung, im Prinzip mit dem Auszug der Juden einverstanden, wünscht jedoch die Abwanderung in langsamem Tempo durchgeführt, um ökonomische Störungen zu vermeiden. ner von Paris gerichtet war, ruht im Archiv der Pariser Jüdischen Dokumentation, wo es als sanktifizierfes Dokument verwahrt wird. Wir grüßen von uns aus den Humanitarier Eduard Heriot und wünschen ihm Erfolg in seinem hohen Amt und die Erfüllung seiner Ideale. Bernhard Braver Liköru. Frtichfsäfte-Erzeugung vorhandener Gewerbeschein zu verwerten gesucht. Unter „Dritter Bezirk Nr. B 109“ an die Administration d. Bl. Die Wehmut, nicht Trauer, führt mir die Leder. Es ist wehmütig, von einem alten Freunde, fast 60 Jahre waren wir verbunden, Abschied zu nehmen. Aber zur Trauer ist kein Anlaß. Man darf den Tod nicht ein für allemal als ein Unglück anschen. Ja, wenn er einen Menschen i,n der Blüte der Jahre trifft, wenn er eiine Entw icklung abschneidet, ist Trauer am Platze. Wenn aber wie hier jemand im hohen Alter dahingeht, nach einem reichlich erfüllten Lehen, auf das mit Genugtuung zurück geblickt werden kann, wenn wie hier jemand es erlebt hat, die Träume seiner Jugend erfüllt zu sehen, ist er glücklich zu preisen. Heinrich Löwe war wohl der älteste Zionist Deutschlands. Auf den ersten Kongreß kam er mit Willi Bambus als palästinensischer Delegierter. Den Kongreß, der jetzt zusammengerufen ist, hat er nun nicht mehr erlebt, diesen Kongreß, dem gerade alte Zionisten mit einiger Beklemmung entgegensahen. Und man kann vielleicht das Wort unserer Weisen, daß der Tag des Todes schöner ist, als der Tag der Geburt, in solchem Falle anwenden. Kommt ein Mensch zur Welt, ist er ein lebendiges Rätsel. Was steht ihm bevor, wie wird er sich entwikkeln V Aber wenn dann die „Auflösung“ kommt (wie treffsicher doch bisweilen die Sprache ist — es ist eine Auflösung des großen Rätsels), und man sieht, es ist zu harmonischem Ende gelangt, kann man nur bei aller Wehmut den Dahin geschiedenen. glücklich preisein. ~ : Ich sehe den jungen Dr. Löwe, einen bildschönen feurigen Mann mit dem braunen Spitzbärtchen, immer geladen voll Energie und Kampflust im Hause Hirsch Hildesheimers, gegen den et* keck auftrumpfte, und der ihn bei alledem lieb gewonnen hatte. Ich sehe ihn, wie er in der Versammlung in der der Hamburger Reformrabbi1ner Leimdörfer den Zionismus zu töten versuchte, und in der er keck das so der nationalen Idee abgeneigte Pu- GESUCHT wird das Buch von Z. F. Finkeistein „Schicksalsstunden eines Führers“. Angebote mit Preisangabe unter „ZFF 564“ an die Administration d. BL blikum aufzureizen wußte; ich sehe ihn 1896 in dem Palästina-Pavillon der Berliner GewWerbeausstellung Tag für Tag die Besucher faszinierend und mit der ihnen so fremden Idee erfüllend. Ich sehe ihn bei den Parteitagen und Kongressen. Ich sehe, wie er es wagte, dem von ihm so überaus geliebten Herzl zu opponieren, damals bei der Uganda-Frage und ich sehe, wie der große Herzl sich mit dem stürmischen Widersacher freute. Ich sehe ihn, wie er der Abgott der Loge und der großen jüdischen Hörerschaft in allen Organisationen wurde, auch wenn er dort stets als Verkünder der jenen so fremden jüdischen Ideen auftrat. Ich sehe ihn auf dem Redakfionsstuhl der „Jüdischen Rundschau“, zu dem Lina Wagner-Tauber ihn geführt hatte, wo er in ewigem Kampf mit den vorsichtigen Redaktionskommissionen stand, und stets seinen Willen durchsetzte. Ich denke daran, wie ich als Versammlungsleiter schwere Mühe hafte, sein Temperament zu bändigen, besonders wenn er mit unserem schärfsten und geistreichsten Gegner, M. A. Klausner, kollidierte. Aber es war der Zauber seiner Persönlichkeit, der seine Gegner bezwang, keiner verstand es wie er, die witzigsten und boshaftesten Bemerkungen so liebenswürdig zu jonglieren, daß er jeden Gegner entwaffn ete. „Wo sind die, die vom Breitenstein nicht wankten und nicht wichen“, sie sind dahin gegangen — Alfred Klee, Adolf Friedemann, Albert Goldberg, Hermann Struck, die damals von einem Ende Deutschlands zum andern fuhren, urplötzlich in feindlichen Versammlungen auftauchten und jene Saat streuten, die so spät auf gegangen ist. Wolffsohn, Bodenheimer, Schauer gehörten schon einer früheren Generation an. Aber der eigentliche Initiator unserer Idee zwischen Maas und Memel war dieser eine und einzige Mann; Heinrich Löwe. Es gibt wohl noch wenige, welche sich jener fast legendenhaften Zeit erinnern, in der er als Heinrich Sachse die erste Attacke ritt. Der ewige Kämpfer hat nuin die ewige Ruhe gefunden und sein Andenken wird bleiben und soll auch in den Geschlechtern, die ihn nicht persönlich kannten, nicht vergessen werden. Samrny Gronemann Generalrepräsentanz der Atlantic Lloyd Tel Aviv- Haifa Israel Reisebüro bei der Firma Capri Wien I., Graben 10 Offizielle Ausgabestelle für alle Flug-, Schiffs¬ und "' ' Paß- und Visabesorgung WIRKWAREN UND WÄSCHE-ERZEUGUNG Tel. R 29 043 Wien I, FleischmarkJ 16 Tel. R 29044 Postsparkassen - Konto Nr. 30.937 KLEIDERSTOFFE ANZUGSTOFFE MODESEIDE HUTSTUMPEN DULDNER & DEUTSCH Wien VII, Neubaugasse 10 1543