Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1951
- Issue
- Heft 53 (12.9.1951)
- Date
- 1951-09-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 53 Ben Gurion spricht Rede beim 23. Zionistenkongreß ERFÜLLTER TRAUM Nach der Eröffnungsrede durch Berl Lecke! ergriff Ministerpräsident Ben Gero.: das \\ ort : ..Oie Regierung Israels entbietet Ihnen ihren Segen zum Zionistenkongreß. w eichet" das erste Mal in de,. 'Heimat und in levusalein stattfindet. Sei: dem letzten Kongreß hat sich in unserem Lande viel Wunderbares ereignet. Derartige Begebenheiten, die sich seit der Eroberung von Jcschuah Ben Nun nicht zugetragen haben : Wir haben unsere Unabhängigkeit und Souveränität in unserem Lande erneuert. Es entstand die Armee Israelis. die im Kampfe gegen die vielen arabischen Armeen siegreich hervorging. Unsere Staatsgrenze erreichte im W esten das Mittelländische Meer und im Süden das Rote Meer. Ueber Dreiviertel des Bodens vom westlichen Israel wurde befreit und befindet sich letzt innerhalb von Israel. Die Tore unserer hleimat öffneten »sich breit für den Kibbuz Galujoth. Lieber 600.000 luden von 64 Staaten der Erde kamen im Laufe der dreijährigen Existenz des Staates in das erlöste Israel. Eine solche Rückkehr in diesem Maß stabe und Tempo hat die jüdische Geschichte noch nicht gekannt. Ein Colus nach dem anderen wurde aufgelöst in den Ländern Osteuropas, am Balkan und Nordafrika und in den arabischen Staaten. Dieses Jahr wurden zwei der ältesten Golus-Gcmeinden aufgelöst : Yemen und Babylonien (Irak). Unsere Feinde wollten uns ins Herz treffen, wollten uns Jerusalem entreißen, dies ist ihnen aber nickt gelungen. Unser junger Staat wird von über 50 Staaten des Ostens und Westens anerkannt, uns wurde ein ehrenvoller Platz in der Organisation der Vereinten Nationen eingeräumt. Es wurde das Kapitel der Abhängigkeit und Verknechtung (Bevormundung) des Volkes, welches über 2000 Jahre andauerte, geschlossen und eine neue Periode der Selbständigkeit, vor allem Unabhängigkeit wurde begonnen. Die Dauer" und der Umfang dieser unabhängigen Periode hängt nur von den gemeinsamen Änstremgungen und Bemühungen unseres Volkes und Staates ab. Unsere Generation ist die letzteder Verknechtung und gleichzeitig die erste der Erlösung. Aber unser Jubel und Freude darf nicht zu groß sein, denn schwer und steinig ist der Weg. der noch vor uns liegt. (Hierauf folgt ein historischer Ueberblick über die Entwicklung des Landes). Geehrter Kongreß : Wenn ich sagte, daß übergroßer Jubel nicht am Platze sei, dann meine ich vor allem unseren militärischen Sieg. Jeder Jude in dir Welt ist stolz über die Entstehung unseres Staates, noch viel mehr über unseren militärischen Triumph, aber wir dürfen uns keinen gefähr- Auß dec schönsten 7eccasse Mittags speisen im liticsatati Jausnen im Huceat&n Abends speisen im I6ucscdan HUBNER'S Cafe-Restauran t STflDTPflRK liehen Illusionen hingeben, daß dieser wunderbare Sieg den Frieden und die Sicherheit unseres Staates für alle Zeiten gesichert hat. W enn wir uns bei Entstehung des Staates an militärische Experten mit der Frage gewendet hätten, ob Aussicht besteht, daß bei unseren Kräfteverhältnissen von 650.000 Einwohnern und einer schlechtgerüsteten illegalen Wehrmacht (Hngr.nah) einen militärischen Erfolg zu erringen gegen 1,200.000 in Palästina lebenden Araber zweifellos wäre die Antwort negativ ausgefallen. Es ist schon zu bedenken, daß dem Feind sechs gut ausgerüstete arabische' Staaten zur Hilfe kommen können. Die richtige Antwort gab unser heldenmütiges Militär mit dem einzigartigen Sieg über die arabischen Armeen. Trotz dieses Sieges sind wir aber weiterhin von Feinden umgeben, welche dauernd gegen uns rüsten und unsere Grenzen bedrohen. Eine weitere Tatsache besteht darin, daß wir eine freie, demokratische und fortschrittliche Gesellschaft auf bauen, es umgeben uns aber Staatsgebilde, welche auf feudalem und despotischem System beruhen. Ferner leben wir in einer Zeit der Weltspannung und gegenseitigen Mißtrauens, wo ein Funke genügt, um einen neuen Weltbrand entstehen zu lassen. Deshalb ist das Problem unserer Sicherheit heute brennender als je vorher. Von vielen Seiten wurden wir bei Entstehung der Medinafh gewarnt : Der n eue, kleine und armö Staat kann weht imstande sein, den geplanten Einwanderungsstrom zu absorbieren. Zu unserer Freude haben sich diese und andere pessimistische Vermutungen nicht bewahrheitet. Es gelang uns trotz der großen Ali iah fast Vollbeschäftigung für Ncu-Einwanderer zu schaffen, eine noch nicht dagewesene Leistung. Es ist uns aber nicht möglich, d'eses große Werk ohne Hilfe des ganzen jüdischen Volkes, vor allem der Zionisten, weiterzuführen. Die Schwierigkeiten, die wir in den drei letzten Tnhren gemeistert haben sind nur ein Teil derer, die uns noch in den nächsten Jahren erwarten. Vor uns stehen nun drei überaus wichtige Aufgaben: Die .Sicherheit dos Staates, Kibbuz Galujoth (Sammlung der Verstreuten) und die Erschließung des Landes. Die Lösung dieser Probleme aber kann nur in Zusammenarbeit des Staates mit der zionistischen Organisation durchgeführt werden. Dieser denkwürdige Kongreß muß Wegweiser zur Erfüllung der gemeinsamen Aufgaben sein. Oben erwähnte ich die drei wichtigsten Aufgaben : Sicherheit, Entwicklung des Landes und Kibbuz Galujoth; ohne Erfüllung dieser Postulate hat der Staat keine Existenzmöglichkeif. Wiederholen möchte ich noch, daß dies nur mit ganzer Hilfe des gesamten jüdischen Volkes durchzuführen sein wird. Alle unsere Bemühungen und Anstrengungen zur Erreichung dieses Zieles müssen von einem heiligen Willen getragen sein. Das höchste Ziel unseres Strebens für unseren Staat liegt nicht bloß in der Stärkung unserer Wehrmacht, der Konsolidierung der Wirtschaft oder der Vergrößerung der Bevölkerungszahl : Von Gershon Sw et Von den bisher stattgefundenen 22 zionistischen Kongressen fand einer in London statt, einer in Den Haag, einer in Hamburg, zwei tagten in Wien, zwei in Karlsbad, einer in Prag, alle anderen ausnahmslos in der Schweiz meistens in Basel, aber auch in Zürich, Luzern und Gcneve. Die Teilnehmer des ersten Zionistenkongresses 28. — 31. August 1897 in Basel waren eigentlich keine „Delegierten" im üblichen Sinne. Dr. HerzI sandte an Hunderte von Persönlichkeiten in verschiedenen Ländern der Welt Einladungen aus und bat sie, zum Kongreß zu kommen. Meistens waren es namhafte Juden., von denen er wußte, daß sie national gesinnt waren. Er wandte sich auch an die „(’hovevei Zion“, die damals in diversen Ländern existierten, und an die jüdischen Studcnfcn-Verbindimgen in Berlin, Wien, Lemberg, C'zernowitz, Montpellier, Bern, Heidelberg etc. Wer Interesse für Herzls Vorschlag hatte und die nötigen Reisekosten zu decken imstande war, fuhr zum Kongreß. Bereits fünfzehn Jahre, ehe der erste Zionistenkongreß stattfand, existierte in Amerika eine ganz bedeutende Gruppe von „Chovevei Zion“ und auch von „Shavei Zion“ (Zions- Rückkehrer). Später vereinigten sich beide Gruppen. Schon 1891 delegierten die „Shavei Zion“ Abgesandte nach Palästina, die einen Bod nkomplex in Transiordanion, dem jetzigen Staate Jordan, erwarben. Auch an die Shavei Zion in Amerika richtete Theodor Herzl eine Einladung zum ersten Kongreß. Der Einladung folgten Adam Rosenberg, ein New- Yorker Advokat, Davis Trictsch, ein Dresdner Jude, Schriftsteller, Politiker, Kolonisator, der damals in Amerika lehte, Dr. S. Schaffer, Rabbiner der Gemeinde „Sbeerit Israel“ in Baltimore, und die Journalisten Rosa Sonnenschein, Herausgeberin der Monatsschrift „American Jewess“. Dr. Herzl forderte verschiedene Delegierte auf, dem Kongreß Bericht zu erstatten über die Lage der Juden in den Ländern ihrer Residenz. Ueber die Lage der Juden in Amerika berichtete der erwähnte Adam Rosenberg. Wenn man heute im Protokoll des ersten Zionistenkongresses seine Rede liest, stellt man fest, daß sie noch heute aktuell ist. Da Adam Rosenberg Palästina mindesetens zweimal besucht hatte (Daten über seine Herkunft und seinen Tod sind nicht h.orhanden), berichtete er auf dem Kongreß darüber. Seine Rede auf dem ersten Zionistenkongreß schloß Adam Rosenberg mit dem Wunsch, daß „der kommende Zionistische Kongreß in Jersualem ahgehalten werde“. Es hat volle 54 Jahre gedauert, bis dieser Wunsch im Erfüllung gegangen ist. Jeder der bisher stattgefundenen 22 Zionistenkongresse war ein großes Ereignis Im Judentum. In noch größerem Maße ist es der 23. Kongreß, der jetzt in Zion sfatffand. Bedeutet es doch die Erfüllung des Zieles, um dessenw illen 22 Zionistenkongresse abgehalten worden sind. Dr. Herzl sagte einmal zu seinem Freund, dem bekannten Wiener Journalisten Heinrich York VSfeiner : „Sie werden sehen, alle Leute, die auf dem ersten Kongreß gewesen sind, werden eine Aristokratie bilden. Wie die nach Amerika geflohenen cngLschen Protestanten nun dort eine Aristokratie bilden, so wird man auch sagen : Der Urgroßvater des A. und B. hat dem ersten Kongreß beigewohnt.“ Von den „May Ho wer“-Zio nisten gibt es heute in der ganzen Welt nur noch wenige Ueberlebende. First in diesen Tagen ist in hohem Alter Professor Heinrich Loewe, den viele deutsche Juden lebhaft in Erinnerung haben, in Haifa gestorben. In Israel leben heute von den Teilnehmern des Ersten Zionistenkongresses Professor Josef Klausner, Dr. Mayer Ebner (früher Czernowatz), Dr. Marcus Broidc (früher Rabbiner in Stanislaw und Lodz) und Dr. Isidor Schaßt, Dr. Herzls früherer Sekretär. Außer diesen sind noch am Leben Dr. David Earbstein, der in Zürich wohnt, Josef Mirkin, der langjährige Agronom der ICA, der in Paris ansässig ist, und der bekannter Orientalist Professor A. S. Yehuda in Amerika. Schon der erste Kongreß, dieses „Parlament des kommenden jüdischen Staates“ nach Herzl — wdes eine frappante Fülle von blendenden Persönlichkeiten auf. Äußer Theodor Herzl und Max Nordau, die damals schon in Europa ziemlich bekannt waren. beteiligten sich am ersten Kongreß der Philosoph Ach ad Haam, der universale Journalist Nachum Sokolow, der Dichter des „Träumer des Ghetto“, Israel Zangwill, der berühmte Kiewer Augenarzt Dr. Maximilian Mandclstam, der Heidelberger Mathematiker Prof. Hermann Schapiro, die damals noch jugendlichen Dr. Marcus Ehrenpreis, Leo Motzkin, Dr. Josef Klausner, Menachem Ussischkin, Dr. Berthold Deiwel, Leib Jaffe. Wie viele Parlamente größerer und reicherer Völker der Weit könnten eine solche Fülle von Begabungen in ihren Häusern auf weisen? Auf den späteren Hcrzl-Kongressen kamen hinzu : Dr. Chaiin We;:zmrnn, Dr. Schmaryahu Lewin, Dr. Martin Buher, der damals noch junge Vladimir Jabotinsky, der zum erstenmal 1903 auf dem letzten Herzl-Kongreß in Basel erschien und eine scharfe Rede gegen Herzls Reise zum russischen Innenminister Plehve hielt, und viele andere. Auf dem XVI. Z ionistenkongreß in Zürich, 1929, rief der Vorschlag Dr. Weizmanns, die Nichtziionisten in die l'orl.selzuni; auf Seile 7 Das hehrste und höchste Ziel Israels ist und bleibt seinem Geiste treu zu dienen, die große Mission seiner Propheten fortzusetzen und der gesamten Welt den ersehnten Frieden zu bringen. (Weitere Kengreßnachrichten in der nächsten Nummer, 28. Sept. 1951.) „ELSE” PARFÜMERIE WIEN I, STEINDELGASSE 1 (beim Tuchlauben-Kino) TELEFON U 21 3 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U. S. A. FRANKREICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir schicken offiziell Pakete mit Parfümerien und Seifen nach Israeli STOFFE KLEIDER FÜR DAMEN HERREN UND KINDER (jut und frccUwezt mm ItaüfUaus Bcüdec Habe* Wien VII, Marlahllferatralie 90 Telaphon: B 36 0 63, B 36 2 37