Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1951
- Issue
- Heft 53 (12.9.1951)
- Date
- 1951-09-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2431292-2431370-2431377--0356-2431967- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
timme Preis 2 Schilling V. b, b. % Redaktion und Administration: WienIX, Universitätsstr. Nr. 4/4 S Telefon A 26 4 73 e/lllgeniein zionistischeJVochenschrifi \ Zionistischer Landesverband Wien Postscheck-Konto Nr. 134.292 12. September 1951 | m m MlHIHIIHUlHIMIlnUMUUUNIIIIIIIlCm Nr. 53 — 1951 T Eröffnungssitzung Der erste Zionistenkongreß in der Heimat Die feierliche Eröffnung des 23. Zion. Kongresses fand am 14. August 1951 am Herzl-Berge in Jerusalem statt. Hier ist die Ruhestätte des Visionärs Dr. Theodor (Benjamin Zew) Herzl. Die Feierlichkeiten Avurden von einem Zeremonienmeisfer eiingeleftet. Der Herzl-Berg war mit vielen nationalen Fahnen geschmückt, darunter wehte die Herzl-Fahne, die den ersten Zionistenkongreß schmückte, der Davidstern auf blau-weißem Grund, der die sieben Herzl-Sterne und den Lö- Aven von Jehuda aufwies. Die Ehrenwache am Herzlgrab stellte die Zawah Israeli. Man sah die Spitzen des israelischen und des jüdischen Lebens der Golah. In der vordersten Reihe dominierten der Premierminister Ben Gurion, die zionistischen Veteranen, dl.' israelischen Minister, die Exekutive des Jewish Agency und Persönlichkeiten aus aller Herren Länder. Der Zeremonien meist er verkündet mi t vernehm lieber Stimme : „Heute eröffnen wir den dreiundzwamzigsten Zionistenkongreß, den ersten in der Medinath Israel, 54 Jahre nach dem von Herzl geschaffenen Kongreß und von ihm verkünde - ten neuen Epoche unserer nationalen und politischen Wiedergeburt.“ Hierauf tritt der Religionsminister Israels, Raw Meimon, vor und spricht den Segen : „Gesegnet sei die Stunde, auf die die Feierlichkeiten anläßlich des Kongreßbeginns fallen.“ Ein Chor intoniert einige Abschnitte unserer Psalmein, Avorauf die Gründungsbulle der Medinath Israel zur Verlesung gelangt. Zur Eh re u nd zum Am den k en a n Dr. Herzl und am die Märtyrer des deutschen Wahnsinns, betet der Kantor das El mule rachamin. Den aus Israel ein gelangten Berichten entnehmen wir weitere Details : Am Abend des 14. August begaben sich die Delegierten und ein unabsehbarer Strom von Gästen zu dem neuaufgebauten, nationalen Heim in Jerusalem. Der Saal ist prachtvoll geschmückt, bis auf den letzten Platz besetzt und die Stimmung von einer derartigen Festlichkeit und Spannung, daß einem der Atem geradezu benommen wird. Um 8.45 Uhr abends betreten die Minister Israels die Estradejan der Spitze der Premier Ben Gurion, die Exekutive der Jewish Agency, unter Führung von Berl Locker und Nah um Goldmainin, sowie 3 ehemalige Teilnehmer des ersten Zioinistenkongresses in Basel u. zw. Dr. Schallt, Prof. Josef Klausner und Dr. Major Ebner, die vom Auditorium mit Ovationen empfangen werden. Mit patriarchalischer Würde tritt Dr. Schalit an den Präsidententisch, ergreift den zum Symbol gewordenen Hammer und läßt drei Schläge ertönen : der 23. Zionistenkongreß nimmt seinen Anfang. Es ist interessant hervorzuheben, daß Dr. Schalit vor 54 Jahren an der Seite Theodor Herzl’s den 1. Zionistenkongreß in Basel durch 3 Hammerschläge eröffnen durfte. Den Vorsitz in der Eröffnungssitzung des Kongresses übernimmt nun Berl Locker und erteilt einem Sprecher das Wort zur Verlesung des Begrüßungsschreibens des Präsidenten Prof. Weizmann. Dieses Schreiben gipfelt in folgenden bemerkenswerten Worten : „Ich bedaure, daß es mir nicht vergönnt ist, in Eurer Mitte dem 23. Zionistenkongreß, der das erste Mal in der Avie der erstandenen Medinath Israel tagt, beizuwohinen. Vor allem begrüße ich herzlichsf im Namen der Medinath Israel die Kongreßdelegierten. Es liegt eine vielsagende Symbolik darin, daß der Kongreß nicht in unserer alten Heimat stattfand, bevor wir das Land in Besitz nahmen. Erst heute, da Avir des Glükkes teilhaftig sind, die Souveränität in unserem Lande zu besitzen, versammelt sich der Kongreß in seiner Heimat. So vermögen Avir die logische Schlußfolgerung daraus zu ziehen, welch’ große Wichtigkeit den Zionistenkongressen zukommt und die Erkenntnis zu eumfangen darüber, aveiche Bedeutung ^dem Entwicklungsprozeß unserer Bewegung beizumessen sei. Den 1 an gAv ähren den Weg zur Freiheit unseres Volkes symbolisieren hochaufgetürmte Meilensteine und das Volk kann sich die lange und scliAvere Wanderung vergegenAvärtigen und kann crAAägen, welche Mittel noch anzuaaenden seien, um Schwierigkeiten und sozialen Unebenheiten, die noch' bestehen, wirksam zu begegnen. Der zweiundzwanzig vorhergegangenen Zioniistenkongresse, seit dem fahre 1897 bis zum Tahre 1948, die ihren Anfang in Basel g enommen und in dieser Stadt zu ende geführt Avurden, muß besonders gedacht werden. In Basel ist das erste zionistische Programm beschlossen Avorden 1 Dieser Stadt zum Ruhm gedenken wir der entscheidenden Versammlungen in deren Gemarkung sie stattfand und avo Entscheidungen fielen, die unsere Geschichte, seit der Zerstörung der zAA eiten jüdischen Gemeinschaft, nicht gekannt hat. Da ich auf diese denk- Avürdigen Versammlungen hinweise, an denen ich mich seit meiner frühesten Jugend beteiligt habe, beuge ich mich in Ehrfurcht vor dem Andenken Theodor Herzls und dem seines kleinen Häufleins Anhänger, welches ihm bei Beginn der Bewegung zur Seite stand. Ich ehre die hochgestellten Persönlichkeiten aus allen Ländern der Welt, die in Abständten von 2 Jahren zusammenströmten und mit heiligem Ernst Probleme behandelten, die geeignet waren, das Volk zu erlösen. Retrospektiv betrachte ich die verflossenen 50 Jahre und stelle fest, daß gigantische Leistungen vollbracht wurden : ein verstreutes Volk neu zu sammeln, in ihm das Gefühl der Selbstachtung und des Lebenswillens zu wecken, ihm das Recht zu erkämpfen In sein Heimatland zurückzukehren, dort die Macht zu erlangen und das freie Volksleben zu entfalten. Wir wollen zu einer fortschrittlichen, schöpferischen Gemeinschaft gedeihen und der zionistischen Bewegung die große Rolle zuAveisen, der sie in der Vergangenheit würdig Avar und in der Zukunft sich würdig zeigen Avird. Dem 23. Zionistenkongreß möge es beschieden sein, ein neues wichtiges Kapitel in der Geschichte des Zionismus zu schreiben.“ Hierauf ergreift der Vorsitzende der Exekutive Berl Locker das Wort zur Eröffnungsrede, die Avir Im folgenden exzerpieren : „Gerührt, ob der Erhabenheit, eingeschüchtert von der Pracht, die sich über uns Avölbt und horchend auf den Widerhall des Ringens unseres Volkes für sein Land, gehe ich daran, die hohe Sendung zu erfüllen, die darin besteht, den ersten Zionistenkongreß auf dem befreiten Boden Israels in Jerusalem zu eröffnen. Jerusalem Avar das Zentrum des jüdischen Volkes, seit Beginn seiner Geschichte als Staatsvolk. Erheben Avir uns von den Sitzen und gedenken Avir des großen Propheten Benjamin Zcw Herzl. Sein Geist scliAvebe über diesem Kongreß und \Aeise uns den Weg bei unseren Beratungen. Vereinigen Avir uns einen Augenblick seelisch mit allen Generationen, die seit dem Verlust unserer Unabhängigkeit dahin gegangen sind, deren Spuren des unbändigen Glaubens an die Wiederersfehung der Medinath Israel wir in dieser Stadt und in allen Teilen des Landes begegnen. Ehren und heiligen Avir das Andenken unserer Millionen Brüder und Schwestern, die gefallen sind als kollektive Opfer der unaussprechlichen Verbrechen. Heilige Ehrfurcht erfaßt uns, wenn wir der Kämpfer in den Ghefti mit Ehre und Stolz gedenken; sie haben den Namen Israels geheiligt und des Volkes Ehre rehabilitiert. Trauernd senken Avir unser Haupt vor dein Heldentum des jüdischen Soldaten, der sich für das Land und unser Volk geopfert hat. Die Befreiung Zions und die Errichtung der Medinath sind nicht Früchte unserer Generation allein; ihr Avar cs nur beschieden, ein Avesentlichec Glied in der langen Kette zu sein, seit der Zeit, in der Avir unsere Unabhängigkeit eingebüßt hatten. Der Weg zur Errichtung unserer Medinath weicht von dem anderer Völker wesentlich ab. So unterscheidet sich Israel in seinem Grundcharakter von allen anderen Ländern der Welt. Dieses Land ist wohl gegründet worden, um den 650.000 Juden, die bei Ausrufung der Medinath schon hier seßhaft Avaren, die Freiheit zu geben, aber nicht nur desAAegen. Hunderttausenden und Millionen Tu den av ollen wir Chancen geben, in die Reihen des JisehuAv Israels zu treten, in den Kibbuz ' Galujoth 1 Den Gedanken Herzls : „Wir sind ein Volk, ein Volk 1“ müssen Avir in die Seelen der Juden versenken und ihnen zum BeAvußfsein bringen, daß sie die Verpflichtung haben und die solidarische VerantAA ortung für die eroßc historische Aufgabe von Kibbuz Galujoth und für die Stärkung der jüdischen Heimat 1 Wir müssen daher eine Brücke zaaaschen Israel und den Galuthländern schlagen! Zeigen aaTi* uns dieser Stunde geAA'achsen, auf daß wir Raum in der Geschichte des jüdischen Volkes und der der Völkergemeinschaft finden.“ Damit erklärt Berl Locker den Kongreß für eröffnet. (AfoS&C'C' £&&€£> / Unsere Rosch-ha-schana - Festnummer erscheint In vergrößertem Umfang und großer Auflage am 28. September 1951. — NeujahrAvünsche durch unsere Zeitschrift sind Avirkungsvoll u. erreichen Ihre Freunde in aller Welt! — Auf telefonisch es Verlangen besucht Sie unser Inseratenreferent — Telefon A 26 4 73 ZAvischen 9—12 und 15—18 Uhr. Weitere Kongreßberichte Reden, Resolutionen und Eindrücke unserer Delegierten In der nächsten Nummer (28. September 1951) ■ -mir*v4»**