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Die Stimme · 1951-08-08 · Heft 52 (8.8.1951) · page 5

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Journal
Die Stimme
Volume
1951
Issue
Heft 52 (8.8.1951)
Date
1951-08-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Sdiändlicfaes Treiben KÖNIG ABDULAH Gewisse alliiert** Zentren der Gegenspionage verfügen über Dokumente, die beweisen, daß die internationale antisemitische Bewegung aus sehr starken Fonds gespeist wird; man hält es indessen zur Zeit, aus tagespolitiscb-fakfisdicn Gründen für nicht opportun, das Thema iin der breiten Oeffentlichke.it zu behandeln. Profiteure dieser Haltung sind allein die Neo-Nazis und die faschistischen C ondottieri in aller Weit, die jedes Interesse daran haben, im Dunkeln zu bleiben und in einer risikolosen Anonymität ihre perfide Aktivität zu betreiben. „Rivarol“, „Aspects de la France“, „C ontre-Pevolution“ und die Torchons vom gleichen Miß-Kaliber, die zurZeit in Paris erscheinen und eine intensive Pogrom-Propaganda betreiben, haben, das steht authentisch fest, mit der geradezu lächerlichen finanziellen Basis von 10.000 Francs ihr trauriges Werk begonnen; sie produzieren heute eine Auflage von zehn tausenden von Exemplaren. Ein großer Teil der Exemplare wird gratis durch Kolporteure in die Briefkästen geliefert. Da diese Blätter keinerlei nennenswerten Abonnentersafz haben, ist es selbst dem Naivsten klar, daß die Hctzpapiere über massive Subsidien aus dunkelster Quelle verfügen müssen. Ein Co mite „für die Entjudung Europas“ hat vor vier Monaten einen Scheck aus Süd-Amerika empfangen, der sich auf mehr als vier 'Millionen Francs bezifferte. Dieses Comite, das illegal arbeitet und keinerlei offizielle Lizenz hat, verteilt die Korruptionsfonds für die Drahtzieher der antisemitischen Presse; es Ist natürlich unmöglich festzustellen, welche Blätter von diesen Geldern profitieren, die aus trübsten Quellen fließen. Das Comife organisiert auch die Schmierpropagandn an den Häuserwänden, in den Metro-Stationen und in den Urinoiirs, eine „Arbeit“, die von bezahlten Mitläufern des „Milieus“ durchgeführt wird. Flugblätter en masse kommen zur Verteilung; der Inhalt dieser Pamphlete ist reinster „Völkis ch e r B eo hach ter“ - S t i 1. Noch gefährlicher, weil un durch sich _ tiger sind die Versuche des Comites, scheinbar objektive Artikel zu lancieren, die antisemitisches Gift in homöopathischen Dosen in einwandfreie Blätter einführen. Es gibt eine Spezialabteilung, deren Aufgabe es ist, tendenziöse Informationen über „jüdische Verbrecher“ in die Presse sikkern zu lassen. Die Unterabteilung „Die Juden und der Kommunismus“ hat bereits 6 Hetzflugblätter herausgebracht, die die absurdesten Mären über die „Collusion zwischen Judentum und Kominform“ von Neuem auf wärmen. Zehntausende von antisemitischen Flugblättern, die zur Zeit in Westdeutschland verbreitet werden, sind aus Argentinien gekommen; sie waren als „kommerzielle Objekte“ deklariert. Starke neonazistische Gruppen In Argentinien, ansässige Faschisten und eingewanderte nazistische Kriegsverbrecher, die sich 1945 der Justiz entziehen konnten und heute unter falschem Namen leben, versenden ihre Artikel in 5 Sprachen und ver'fügen über enorme Geldmittel. 75 Prozent des Inhalts der Parteikasse konnten im Jahre '1945 dem Zugriff der Sieger entzogen werden; diese Millionen, zum Teil Geld, das man den vergasten Juden abgenommen hat .dienen heute dazu, die Welt mit neuem Streicher-Unrat zu verpesten. In der Schweiz, in Schweden, in Dänemark sitzen die Emissäre der antisemitischen Weltbewegung und verteilen die Summen für ihre Agenten im den diversem Ländern. Es mag stimmen, daß Paris als Zentrum dieser antisemitischen Propaganda ausersehen worden ist, aber die Sabotageaklk>n der neuen „Tausendjährigen“ vollzieht sich überall mit einer beunruhigenden Intensivität. An der Ruhr hat eine „Hilfsorganisation für die Verfolgten von 1945“ Hundert tausende von Mark bei den Ruhrindustaellcn gesammelt; diese »Summen sind nachgewiesenermaßen zur Belebung der antisemitischen Propaganda in Deutschland, aber auch iun Ausland verwendet worden. In Spanien ist einer der Hauptherde dieses politischen Bandit Ismus; ehemalige Nazi-Journalisten und konspirierende SS-Eührer unterhalten hier drei Büros und stehen in ständiger Verbindung mit Dutzenden von Geheimgruppen. Skorzeny, Hitlers Parade-Killer, der in Spanien residiert und mit falschen Pässen illlegal durch Europa reist, ist einer der Initiatoren dieser Propaganda; ihm ist es gelungen, mehr als zwei Millionen Mark aus Deutschland herauszuschmuggeln. Allein in den letzten 12 Monaten sind in Europa 18 neue antisemitische Blätter gegründet worden. Sie haben fast keine zahlenden Leser, machen aber eine Propaganda, die Millionen verschlingt. Wer zahlt das? Die Antwort : Der Neo-Nazismus, der seine Revanche vorzubereiten sucht. Die Demokratien sollten auf der Hut sein. Allzuviel Generosität kann eine besondere Art des Selbstmordes darstellen. (Jüd. Rundschau, Basel) Jle&ölCUitot beschlossen auf der Konferenz des Europäischen Rates der Allgemeinen Zionisten im Paris. Das Ziel der Zionistischen Organisation ist die Festigung der Existenz des jüdischen Volkes auf der Scholle Israels. Bis zur vollen Realisierung dieses Zieles, muß die zionistische Weltorganisation auch an der Verteidigung der Rechte des Judentums in der ganzen Welt teilnlehmen. Zu diesem Zwekke muß die zionistische Weltorganisation folgendes Ärbeitsprogramm festlegen : Mit allen Mitteln zur Entwicklung der Medinath Israel beitragen. Die Mittel bestehen in finanzieller Hilfe durch die nationalen Fonds, in der Aufrichtung einer starken zionistischen Weltorganisation, in der Stärkung des zionistischen Einflusses auf alle jüdischen Siedlungen der Welt, in der Intensivierung der zionistischen Aktivität, in der Rekrutierung sämtlicher Juden für die Mitgliedschaft der zionistischein Organisation, in der Erwerbung des Schekels und in anderen Mitteln, die vom kommenden Kongreß zu präzisieren sein werden. Weiters muß eine Kontinuität der Al iah aus allen Ländern und die konsequente Förderung der chaluzischen Bewegung In die Wege geleitet werden. Der zionistischen Organisation wird die maximale Förderung der Nationalen Fonds obliegen, weiters die Intensivierung der jüdischen Erziehung und Propagierung der hebräischen Sprache. In der Resolution wird die besondere historische Position unterstrichen,, die der 23. Zlonistenkongreß, gegenüber der Medinath Israel zu erfüllen haben wird. Herbert SCHELZER Einu. Ausfuhr v. Textil-Erzeugnissen Wien IX, GrQne Torgasse 10, R 53413 Warenempfang u. Kundenabfertigung Wien IX, Servitengaase 8, Tel. A15504 Nach dem Mord an König Abdullah von Jordanien hat sich der gesamten arabischen Welt eine merkliche Unruhe bemächtigt. Die unter dem Kommando des englischen Generals Glubb Pascha .stehende Arabische Legion durchkämmte im Anschluß an die Ermordung des Monarchen die Städte und Dörfer des Landes nach „Extremisten“. Es wurden die Einheiten der jordanischen Armee an der israelisichen Grenze verstärkt und weitere arabische Truppenvcrbäinde in die Jerusalemer Altstadt entsandt. Die jordanischen Behörden teilten den UNO- Vermittlern der israelisch-jordanischen Waffenstillstandkommission in diesem Zusammenhang mit, daß diese Truppen Verschiebungen keinerlei Einfluß auf die israelisch-jordanischen Beziehungen hätten. Das Waffcnstillstandsabkommen berechtigt die Jordanier nur, in der Jerusalemer Altstadt Truppen in Bataillonsstärke zu stationieren. Mit Maschinenpistolen bewaffnete Angehörige der Arabischen Legion setzton im arabischen Sektor Jerusalems ihre Razzia fort. Sie versuchten, der Mitglieder einer Terror-Orgainisation habhaft zu werden, der die Ermordung König Abdullahs zugeschrieben wird. Es kam zwischen jordanischen Truppen und Bewohnern der Jerusalemer Altstadt zu blutigen Zusammenstößen, in deren Verlauf 15 Personen den Tod gefunden haben sollen, nachdem Soldaten der Arabischen Legion auf palästinensische Demonstranten das Feuer eröffnet hätten. Das Mand elb aum-Tor, der einzige Ucbergaing vom israelischen in den arabischen Sektor der Heiligen »Stadt, wurde geschlossen. .In den Städten Hebron und Bethlehem, wo die arabischen Arbeiter aus Protest gegen die anhaltenden Verhaftungen in den Generalstreik getreten sind, patrouillieren Panzerspähwagen der Legion. Die örtliche Polizei soll durch arabische Legionäre entwaffnet worden sein, Aveil sic „nicht energisch genug vorgehe“. Von israelischer Seite wurde Anfang dieser Woche das Ergebnis einer Untersuchung über die „Zerstörungsgruppen des Heiligen Krieges“ veröffentlicht. Diese Gruppen, die für den Mord ain Abdullah verantwortlich gemacht werden, sollen auch die Bombenattentate gegen das schwedische und das polnische Konsulat in Jerusalem im Jahre 1947 Inszeniert haben. Diese Terroristen hätten im Jahre 1947 allen Staaten „dein Krieg erklärt“, die in den Vereinten Nationen die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina befürwortet haben. In israelischen Kreisen 'befürchtet man eine Zuspitzung der israelisichjordanischein Reibungen. Die israelische „Jerusalem-Post“ sagt eine Spaltung der bisher königstreuen Arabischen Legion zwischen den beiden Thronfolgern Talal und Naif voraus. WIEN VI, MARIAHILFERSTR. 51 TELEPHON B 24 204 TEXTILIEN UND HERRENKONFEKTION A. G. Vereinigter Wiener Tischlermeister Mobelverkau! und Zentrale Wien VI, Mariahilfer Sfraße 31 / Tel. ß 22-401, ß 20-1304, 20-2-113 A Holz- und Fumlerverkauf & Wien XV, Goldschlagstraßa 73 / Tel A 39 4 öl, A 39-2-20 agspfeSG]» j Wien XV, Gol» »chlagilraßa 65 2 Tel. B 31-701) Die idealsten Schulterauflagen aus Watte, beste Paßform, für Damen-, Herren- und Kinder- Bekieidung „HAPO” Achselpolster-Erze u gütig RU DICH & Co. Wien II, Aspernbrückeng. 4 Telephon R 45 5 63 CH. N. BIALIK ZUM GEDENKEN (21. THAMUS) Ich will weinen, Weinen aus vollem Herzen Leicht und frei soll es werden. Glücklich und gesegnet soll jener [werden, Der verewigen wird Eure Tränen, Hei 1 ige, zvveitausendjährige Tränen. Bialik, der Dichter und die prophetische Erscheinung sucht schon in seiner Jugend träumerisch den Weg in den nationalen Frühling, das Tor zum Land unserer Väter, In seinen uns bezaubernden literarischen Gesängen vergießt er Tränen, die er nie versiegen lassen kann. Dem traurigen jüdischen Schicksal entströmen Bäche von Tränen, die nicht trocknen, ja sich schlängeln und geradezu Felsen durchlöchern, bis sie Zauberzähren werden, die uns Befreiung schaffen, auf daß Avir kraftvoll, erhobenen Hauptes ans Werk gehen, uns die alt-neue Heimat zu erobern, in die Völkerfamilie als gesunder Körper einzutreten und ihr ideale und reale Opfer darzubr folgen für die ewige Wahrheit, die Bialik mit allen Fasern seines Lebens herbeisehnt, Blalik drückt in seinen Tränen den Schmerz der in der Galuth genein igfen Tu den a us, hört darin das Echo aus Himmel und Abgrund, das uns Befreiung verheißt. Als im Tahre 1903 der KischineAver Pogrom über uns bereimbricht, holt Bialik zu einem kräftigen, moralischen Schlag gegen sein eigenes Volk aus. Er geißelt die Feigheit und stellt den Verlust des e igenein Ehrgefühls an den Pranger. Aus dem Ton, in dem Bialik die jüdische Ohnmacht offenbart, ist die dämmernde Hoffnung zu hören. Das ist eines der Motive, durch das der Einfluß des Dichters auf das jüdische Volk unendlich stark wurde. Er bewerte die Kischinewer Juden, sich zur Wehr zu setzen und zur Waffe zu greifen und dadurch wurde die Pogromstimmung im damaligen Rußland gedämmt. Bialik dringt in das jüdische Gesamtlehen ein, verfolgt jede Lebensphase unseres Daseins und gedeiht zum sublimen Gewissen seines Volkes. Bialik stand einer Anzahl von Kritikern gegenüber, die seine überragende Bedeutung zu bestreiten versuchten, weil er sich nicht in ihr Schlepptau nehmen ließ. Doch begriff der Dichter die wahre geschichtliche Entwicklung des jüdischen Volkes, Avar ihr anerkannter Lehrer und verkörpert noch heute das reine hebräische Gewissen. Bialik bleibt der bedeutendste hebräische Dichter unserer Epoche. B. Braver Wellpappe-, Kartonagen-, Büroartlkel-Fabrlken und Druckereien A. GLÜCKSMANN & SÖHNE Wien XVII., Beheimgasse 77 A 29227 A 28029 «/«•ftMUEi'v tf.v'Aff -fiiÜIhT.an ■■ mir nr»-h •» *■- «■ |j-|rM—lil illBHiliiU r,

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