Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1951
- Issue
- Heft 52 (8.8.1951)
- Date
- 1951-08-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 52 Die hygienischen Urschriften in der Bibel llfiiv. Prof* Dr. Heinrich Schur In den alten Schriften aller Völker des nahen Ostens finden sieh zahlreiche Vorschriften, die mehr oder weniger deutlich hygienische Zwecke verfolgen. Man verlieh ihnen, wie es damals ganz allgemein üblich war, a1s Geboten Gottes größeres Ansehen. Dies war in Aegypten der Fall, in Indien, in Babyonien, wahrscheinlich auch in Alt-Persien und ebenso auch bei den Kindern Israels und in Syrien. Fs ist aber nicht ganz sicher, daß ihnen von vornherein hygienische Absichten zugrunde lagen. Es handelt sich um ura’te Bräuche, die in heiligen Büchern kodifiziert wurden. Nach dem Charakter der Vorschriften möchte ich jedoch — zumindest bei den Juden — nicht daran zweifeln, daß die altgeübten Bräuche Zwecken der Volksgesundheit dienten und gerade aus diesem Grunde so genau präzisiert wurden. Die Vorschriften betrafen bei vielen der genannten Völker bloß einen Teil des Volkes, gerade diejenigen, die a’s Priester den Nimbus besonderer Heiligkeit brauchten. Es dürfte in der Darstellung der Bibel nur eine Reminiszenz an die alten Traditionen bedeuten, wenn sie dem ganzen Volke mit der Begründung aufgetragen wurden, daß das ganze Volk ein „heiliges Volk1' sei. Dies hatte zur Folge, daß der hygienische Zweck bei den Vorschriften der Bibel leichter zu erkennen ist. Sie wurden im Talmud durch Angaben aus der mündlichen Tradition und durch eingehende Diskussion erweitert. Sie bekräftigen unsere Darstellung. Schon diese Tendenz der Gebote mr _nte es unmöglich, daß sie bloß für eine besondere Kaste gegolten hätten, noch mehr aber die demokratische Tendenz der Bibel, die doch zweifellos dem Volksempfinden entsprang, das Ungleichheit der Bewohner des Landes in Rechten und Pflichten nicht geduldet hätte. Das ganze Volk war aus erwählt, die Gebote Gottes zu erfüllen, um dadurch geheiligt zu werden. Als Zeichen dieser Gottverbundenheit wird die Beschneidung bezeichnet. Sie sollte am 8. Tage nach der Geburt vollzogen werden. In der Darstellung der Bibel ist das Gebot der Beschneidung der Vorhaut das älteste. Es wurde schon Abraham aufgetragen. Das ist von größtem Interesse, denn Abraham war nach dieser Darstellung, also nach jüdischer Tradition auch der Ahnherr der Araber, die ja auch durchwegs die Beschneidung durchführen, freilich in einem späteren Alter von 13 bis 20 Jahren, was in der Bibel motiviert Generalrepräsentanz der Atlantic Lloyd Tel Aviv- Haifa Israel Reisebüro bei der Firma Capri Wien I., Graben 10 Offizielle Ausgabestelle für alle Flug-, Schiffs¬ und Bahnkarten Paß- und Visabesorgung wird. Von den übrigen Nachbarn haben die Syrier, die fturäer und später die Edomiter, die Beschneidung der Kinder geübt. Ebenso auch einzelne Neger- und Malayensfämme. Vielfach wurden sogar auch die Mädchen durch Entfernung der Clitoris und der kleinen Schamlippe einer Beschneidung zugeführt. Der günstige hygienische Erfolg dieser kleinen Operation kann nicht bezweifelt werden. Sie verhütet chronisch-entzündliche Erkrankungen, die zur Verengung der Harnröhre und der Scheide führen können und in den subtropischen Ländern besonders gefährlich wären. Sie verhütet aber, wie neue Statistiken zeigen, auch das Auftreten von Vorhautkrebs, wobei sogar die Altersdifferenz der Operation "(8 Tage gegen 13—20 Jahre) sich deutlich zu Gunsten des jüdischen Brauches ausspricht, da Vorhaufcarcinome bei Araberrn wohl viel seltener sind als bei Unbeschnittenen, bei Juden derselben Gegend aber überhaupt nicht Vorkommen. Von ganz besonderer hygienischer Bedeutung sind die vielen Reinigungsvorschriften, die Vollbäder überhaupt und namentlich nach der Menstruation, das Händewaschen vor jeder Nahrungsaufnahme und nach jeder Entleerung von Harn und Stuhl., die rigorosen Vorschriften über den Geschlechtsverkehr, sein Verbot während und 3 Tage nach den menstruellen Blutungen und überhaupt das Gebot von Mäßigkeit in allen Dingen und vor allem im Geschlechtsverkehr, das Verkehrsverbot bei gelbem Ausfluß und der Zwangsaufenthalt außerhalb des Lagers bei infektiösen Erkrankungen wie Krätze etc. Die frühzeitigen Ehen wirken sich sicher auch bei Verhütung der Geschlechtskrankheiten günstig aus. Ganz besondere hygienische Aufgaben scheinen die Vorschriften über erlaubte und verbotene Nahrungsmittel zu haben; bei den Säugetieren ist bloß der Genuß von Wiederkäuern mit gespaltenen Klauen gestattet, von Vögeln nur die typischen Hühnervögel wie auch das Rebhuhn und die Wachtel, weiters Tauben, Fasanen, Gänse und Enten (nicht erlaubt ist das Perlhuhn, der Pfau, der Schwan, die Singvögel, der Spatz, das Geschlecht der Raben, deren Schädlichkeit wir freilich nicht erkennen können). Sie sind größtenteils auch bei anderen Völkern als Nahrungsmittel nicht üblich. Beide Arten von Warmblütern müssen nach besonderer (schonender) Art geschlachtet werden und ebenso auch die frei lebenden Vögel, so weit sie erlaubt sind. Zerrissenes auf dem Feld — also Aas — ist grundsätzlich verboten. Das Hygienische der meisten von diesen Vorschriften springt in die Augen; bei einzelnen Tieren wie beim Schwein, Pferd und Esel, allen Arten von Hasen und bei den übrigen Nagetieren, bei den Raubtieren, auch den gezähmten und Raubvögeln, ist das Verbot aus hygienischen Gründen nicht zu verstehen. Beim Schwein war vielleicht die leichte Verderblichkeit in der subtropischen Gegend die Ursache des Verbotes. Es mag sein, daß die Verbote alten Tabu-Vorstellungen entstammen, die die lieben Hausgenossen schonen wollten. Ihr Genuß schien ihnen als eine Art Kanibalismus zum Teil als Folgen von. Totem-Ideen, wie sie auch bei anderen Völkern, Aegyptern, Germanen, Indiern, üblich waren. Bei den Nachbarvölkern war der Genuß von Tieren, die a1s heilig galten, vielfach verboten. Verboten sind fast alle Kriechtiere, die Reptilien und ganz allgemein der Genuß von Blut, was das Aussalzen von Fleisch zur Entblutung nötig macht und hei Säugetieren die hinteren Abschnitte, die sonst als die zartesten und bekömmlichsten gelten. Ihr Verbot hat keine kenntlichen hygienischen Ursachen. (Es wird auch in eigenartiger Weise mit dem Kampf Jakobs mit Gott motiviert und ist auch als Tabu aufzufassen.) Mäßigkeit wird in jeder Hinsicht empfohlen. Sie war auch im Mittelalter eine grundsätzliche Forderung jüdischer Aerzte. Die Lehre Moses' verbietet auch Orgien jeder Art, Bacchanalien, Gemeinschaftsbäder, Uebermaß im Geschlechtsverkehr, alle Arten geschlechtlicher Unzucht, auch die Onanie. Auch die geistigen Gifte : Zeichen-Deutung, Zauberei und andere Formen von Aberglauben, wie Hexenglauben, waren verpönt. Die Bibel ist kein Forschungsbuch für Aerzte, aber es ist ein Buch vieler weiser Vorschriften, die Gesundheit und Leben erhalten uind sie sorgt sich um das geistige und körperliche Wohlergehen der ganzen Welt. So erhielt sic die gläubigen Juden geistig und körperlich gesund. Ihre Krönung erfuhr sie durch das Gebot der allgemeinen Nächstenliebe, in dem Schutze der Armen und Schwachen, wie es sich sonst in keinem der alten Religionsbücher findet. Als besonders hygienisch wirksames Mittel ist die strenge Vorschrift des allwöchentlichen Ruhetages, die Sabbathruhe, anzusehen. Sie soll dem doppelten Zweck der Erbauung und der Erholung dienen. Sie ist jetzt über die ganze Welt verbreitet und gilt als sozial besonders wichtige Forderung. Sie hat schon im Altertum, vor Beginn unserer Zeitrechnung, dem Judentum viele Anhänger geworben. Die Sabbathianer waren über den ganzen Orient und wurden später vielfach zum Judentum bekehrt. Aus ihnen wurden - noch später vielfach die Anhänger der jüdischen Sekte des Christentums, das durch den Wegfall der Be sehn ei düng und der vielen strengen Gebote der jüdischen Bekehrung den Rang ablief. Die Bekehrung der Chazaren zum jüdischen Glauben bedeutet die größte Ausbreitung des jüdischen Glaubens unter Nicht Juden. Sie erfolgte nicht unter Gewaltanwendung, nur durch ihre Ethik. Sie wurde von den Juden Palästinas zunächst gefördert, brachte auch eine weitgehende Annäherung an die hochkultivierten Griechen zustande. Die Juden beschäftigten sich mit griechischer Philosophie und schufen ein neues Zentrum für sie in Aegypten (Philo) und das führte, als das Christentum erstarkte, vielfach zum Abfall vom Judentum, so daß die rechtgläubigen Juden die allgemeine Proselyten Werbung als um jüdisch an sahen uind beinahe verboten. Die Ausartung des Christentums, die Bilderverehrung und diie anderen Abweichungen vom strengen Gesetz, die den Völkern als Attraktionsmitfcel geboten wurden, haben später den Ansichten der Pharisäer, die strengen gesellschaftlichen Abschluß von den übrigen Völkern (den messeg) verlangten, vom Standpunkte der Erhaltung der reinen Religion recht gegeben. Die blutigen Religionskämpfe des früheren und späteren Christentums und seiner Sekten, waren nicht im Geiste des Judentums. Die durch die Gründung des neuen Judcnsfaates stark veränderte Situation, wird viele bloß im Sinne des Zaunes in aller Strenge erlassenen Gebote und Verbote als überflüssig abschaffen, die ethisch und hygienisch wertvollen besseren Erkenntnissen der Naturwissenschaft entsprechend an passen und so den Geist des Judentums, den die Welt braucht, für alle Zukunft erhalten. Der starke religiöse Zaun w ird durch die Freiheit zu kulturellen Bestrebungen im eigenen Staate vielfach ersetzt werden können und uns zu der Ethik der freien Menschen im freien Staate führen, uns den wahren religiösen Inhalt unserer Religion und unsere eigenartigen Begabung und Ethik zur höchsten Blüte bringen. Die Sorge um unsere Gesundheit wird die neuen Wege der Wissenschaft gehen im Geiste der Thora unseres Gottes-Geschenkes. Nie wollen wir wieder zu der Furcht zurückzukehren, daß fremde Kulturen uns unserer eigenen Kultur entfremden können. In geändertem Sinne wird Ehrfurcht vor der Natur zum Anfang der Erkenntnis werden. 1 Leid und Aufschwung Von Otto Klepetar Edition Olympia Martin Feuchfvvanger — Tel Aviv Lieder, Melodien, Nach klänge einer grausigen, mörderischen Zeit, Ouvertüre für kommende, bessere Tage. In die Reihen der Sänger aus Israel fügt sich Otto Klepetar ein, ein Dichter aus der Prager Schule, der in Prosa und Versen sich mitteilte, jedoch es vorzog, seine literarischen Schöpfungen der Oeffenflichkeit größtenteils vorzuenthalten. Die Erde Israels, die neuen Menschen, der Umbruch im Gesellschaftsleben, das Ringen um die Auferstehung, haben auf den Dichter ihre Wirkung nicht verfehlt. Er tritt mit seinen Liedern aus Israel vor das Rampenlicht der Oeffenflichkeit. Max Brod schrieb das Vorwort. Ein schöner Rahmen für ein wertvolles Gemälde. Prag, die Stadt an (der Moldau, das geistige Zentrum der Nachkommen des Hus, Prag, die Stadt der Mystik, des hohen Rabbi Lövv und des Golem, erlebt in den Versen Kliepetars iene romantische Größe, die vom Hradschin ausstrahlt und sich in der Dichtkunst und der Musik des tschechischen Volkes kundgibt. Dann der weite Sprung über Länder und Meere. Safcd, die Stadt der Mysfik, der lurianischen Kabbalah, der Gottessucher - eine Welt für sieh. Sie offenbart sich: uns in einem wundervollen Sonett. Tel Aviv, das brausende Lehen in dieser neuen Stadt, ihr Wachstum auf den wSanddünen, die Auferstehung der hebräischen Sprache, die sich so lebendig in Kunst und Literatur kundgibf, sie, die Stadt des pulsierendem Lebens, fand in Klepetar ihren Dichter. Der Weg, den er mutig schreitet, führt durch verschiedene Variationen seiner Dichtkunst, Sonette, Distichen, Stanzen, Terz inen. Jede Form nach strengen Gesetzen gehandhabf, fein modelliert, alle in jene rhythmische Musikalität getaucht, die Herz und Gemüt erheben, die den Aufstieg der menschlichen Seele zu einem höheren, inneren Leben ermöglichen. Manfred Reifer ^Rudolf^Böhmer JTHarke BRubo Schuhe und Gummiwaren en gros XIII, Hietzinger Hauptstraße 120a Telephon A 50 206 INTERNATIONALE MUSTERMESSE DA Dl DER LEVANTE IN Ot\l\ I vom 8. bis 25. 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