Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1951
- Issue
- Heft 50 (1.6.1951)
- Date
- 1951-06-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE STIMME Nr. 50 WicUckaftUUet TwUcUeitt l&caeU Von David Schmarfz In den letzten zwei Jahren ist der Tau des Ueberflusses nicht allzu reichlich über Israel gefallen. Es herrscht vielmehr eine finanzielle Mangellage. Es wurden alle Teile zur Sparsamkeit aufgerufen. Pas gesamte wirtschaftliche Bild der letzten zwei Jahre jedoch weist gemäß dem Berichte von Bernard Nortman, dem Beirat des Wirtschaftsdepartements der amerikanischen .Sektion der Jewish Agency für Palästina, eine gesunde Entwicklung auf. Die Landwirtschaft und Industrie haben bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Die Räder des Fortschrittes sind ständig in Bewegung, obwohl der Wirtschaftsberater der Jewish Agency keinen Zweifel hegt, daß die Bewegung dieser Räder in den nächsten zwei fahren b edeutend beschleunigt w erden kann. Die Geschichte der Wirtschaft Israels, hebt Mr. Nortman in einem in Kürze zu veröffentlichenden Artikel im ,,Technion Yearbook“ hervor, weist in vielen Belangen manche Aehnlichkeit mit der frühen Geschichte Amerikas auf. Erst im letzten Teil des vergangenen Jahrhunderts ist der Export der Vereinigten Staaten dem Import gleichgekommen. Die Vereinigung fremden Kapitals mit der amerikanischen Industrie vollbrachte die Schaffung des großen amerikanischen Industricreicbes. In ständiger Bewegung und Veränderung. Jeder Besucher, der nach Israel kommt, kann die Zeichen dieses Fortschrittes durch einfaches Umsichschauen bemerken. Wo noch gestern ein leerer Bauplatz war, steht ein neues Gebäude, ein unbenannter, häßlicher Landstrich hat sich seit einem Monat in den Anfang eines Dorfes mit einem Namen und einem Platz auf der Landkarte verwandelt. Lieberall sieht man neue Fabriken, neue Häuser, neue Schulen erstehen. Die Atmosphäre ist in ständiger Bewegung und .Veränderung. Der Wirtschaftsfachmann entnimmt das gleiche Bild aus den Statistiken, jenen kleinen Ziffern, die, wie das Sprichwort sagt, nicht lügen oder zumindestens sich für Verfälschungen weniger eignen. Angesichts dieses Fortschrittes jedoch : Warum fehlt es an Wohlstand für den einzelnen Bewohner Israels V Die Antwort ist für den Wirtschaftsführer der Agency ganz einfach. Die Bevölkerung von Israel hat sich seit der Gründung des jüdischen .Staates fast verdoppelt und insolange die Erfordernisse, das Kapital, die Maschinen und die Ausrüstungen nicht verfügbar sind, um die Neuankömmlinge produktiver Arbeit zuzuführen, ist Mangel unvermeidlich. F>as Volk Israels jedoch ist unerschrocken. Es sieht weiterem Zuwachs in der Bevölkerung entgegen. Bis zum Jahre 1953 erwartet die Bevölkerung die 2,000.000 Grenze und eine Verdop¬ BARENKELLER SEHESWÜRDIGKEIT WIENS IM KÄRNTNER STRASSE 61 Restaurant in der BösendorferstraBe Kaffeehaus mit eigener Konditorei FrelxQg. Selbsfbedlenungshalle WIENER RATHAUSKELLER Treffpunkt der guten Gesellschaft OTTO KASERER pelung des nationalen Einkommens zu erreichen. Und dann wird der Wohlstand auch nicht ausblciben. Ziffern über das Wachstum, Hier folgen statistische Ziffern des industriellen und landwirtschaftlichen Wachstums, das vom Wirtschaftsführer der Agency verzeichnet wird. In den Jahren 1949 bis 1950 ist das Nationaleinkommen in Israel von 700,000.000 auf schätzungsweise 850,000.000 oder um ungefähr 21 "o gestiegen. Dies ist ein größerer Zuwachs als der in der gleichen Periode in den Vereinigten Staaten erzielte Zuwachs, doch hat sich dieser Zuwachs in Israel weniger als Segen ausgewirkt, weil er mit den neuen Emigranten geteilt werden muß. Seit dem Jahre 1947 ist die Industrieproduktion in Israel um 40" o und die landwirtschaftliche Produktion um 75" o gestiegen. rr ,, Der Verbrauch an elektrischer Kraft in den Jahren 1949 bis 1950 ist ungefähr um 35" ii gestiegen. Die Zementproduktion ist um 55" o gestiegen (dies sind also bemerkenswerte Indizien für den grundlegenden wirtschaftlichen Fortschritt). Das in Bebauung stehende Land hat sich in der gegebenen Periode von 1,600.000 Dunam auf 3,000.000 Durain in der Periode 1950 bis 1951 erhöht. Die Weizen- und Roggenprcduktion ist von 26.0001 t auf 44.000 t gestiegen; das Erträgnis an Fischen von 3200 t auf 6100 t; der Milchertrag weist eine Steigerung von 98,000.000 1 auf 117,000.000 1 auf; in Kleinbetrieben hervorgebrachtes Getreide stieg von 10.000 t auf 47.000 t. Während des vergangenen Jahres wurden 115 neue Ansledlungen zur Unterbringung von 34.000 Einwanderern geschaffen. Im ganzen bat d-c Landwirtschaft 95.000 Menschen aufgenommen. 20" ii der neuen Einwanderer arbeiten auf dem Lande. Handelsbilanz. Nun kommen wir zur dunkleren Seite dieses Bildes. Der Wirtschaftsberater der Jewish Agency erachtet es als nicht heilsam, die dunklere Seite zu übersehen oder zu verkleinern. So wollen wir uns zunächst mit der allerdunkelsten Seite befassen : Israel führt ungefähr 8mal soviel Waren ein, als das Land exportiert. Eine so ungünstige Handelsbilanz ist nicht gut. doch hebt der Wirtschaftsberater der jewish Agency hervor, daß „die Bilanz des Zahlungsdefizites“ nicht notwendigerweise einen ungünstigen Schluß auf die „Solvenz" des Staates Israel zuläßt. Ein jährliches Handelsdefizit hat, wie er sich erinnert, Amerika seit seiner Gründung bis in das letzte Jahrhundert gekennzeichnet. Fremde Investieren waren gewillt, ihre Kapitalien weiterhin *n Amerika zu belassen, weil sie einsahen, daß dort die Samenkörner einer großen industriellen und landwirtschaftlichen Entwicklung lagen. Mr. Nortman ist der Ansicht, daß Israel heute das gle:- che Versprechen biete. So darf also „die Handelsbilanz" nicht für sich selbst, sondern nur im Zusammenhang mit anderen wirtschaftlichen Faktoren betrachtet werden. Im Jahre 1950 (11 Monate) war Israel in der Lage, sein internationales finanzielles Defizit von 232,000.000 mit folgenden Hilfeleistungen aufzuholen : 1. 61,000.000 Dollar von Importen ohne. Währung in der Form von Einwanderungstransfers, Spenden und anderen Transfers von Kapitalien.. 2. 41,000.000 Dollar Anleihen fremder Regierungen einschließlich von der US-Export-Import-Bank. 3. 39,000.000 Dollar wurden als Resultat der Freimachung der Sterling-Bilanz Israels erzielt, welche im Schatzamt des Vereinigtem Königreiches zurückgehalten wurden. 4. 50,000.000 Dollar kamen aus Duellen, wie z. B. dem United Jewish Appeal. 5. 42,000.000 Dollar wurden gegen ander" Obligationen einschließlich Anleihen und kommerziellen, in europäischen Ländern erzielten Kredite aufgebracht. Das Budget Israels. Fin neues Land muß in seinem Beginn notwendigerweise Ausgaben leisten und Anstrengungen machen, die heip.cn unmittelbaren Lohn in der Richtung von billigeren Waren erzielen lassen. Schließlich bedeuten sie jedoch größeren Wohlstand, doch in der unmittelbaren Gegenwart erfordern sie Finschränkung. Da ist zunächst einmal die Angelegenheit des Aushaues der grundlegenden Einrichtungen, der Wasseranlagen für die Irrigation und der elektrischen Kraftanlagen, die Errichtung von Straßen, Eisenbahnen, Häfen, Kanalisationen und sanitären sowie Wohnanlagen. Das .Aufbaubudget für 1950 51 w'eist Auslagen im Betrage von 182,000.000 auf, also einen Zuwachs von 58",o gegenüber den vergangenen Jahren. Die Auslagen für das normale.Budget der Regierungserfordernisse in diesem Jahre belaufen sich auf 168,000.000, weisen also eine 140"oige Steigerung auf. Im vorigen Jahre hat Israel ungefähr 56,000.000 Dollar für Verteidigungszw ecke ausgegeben. Das Einschränkungsprogramm hat die Lebenshaltungskosten von der Rekordhöhe 371 Mill. im März 1949 auf den gegenwärtigen Stand von 324 Mill. heruntergebracht. Es gibt viele Dinge, welche die Spiralbewegung der Pr eise im einer Inflation fördern, doch ist die grundlegende Lösung für dieses und andere wirtschaftliche Probleme, wie Mr. Nortman bemerkt, die Steigerung der Güterproduktion sowohl für den Inlandsals auch den Exporthedarf. Zu diesem Zwecke ist die Investition von Kapital erforderlich, um die notwendige Ausrüstung und Maschinen anzuschaffen. Die Tatsache, daß Israel in seinen Ressourcen begrenzt ist, braucht die industrielle Entwicklung nicht mehr zu behindern, als ähnliche Beschränkungen in Belgien, Holland, England und sogar Deutschland, die gleichfalls mit solchen physischen Ressourcen nicht allzusehr gesegnet waren. Der Wirtschaftsberater der Jewish Agency sieht eine ganze Pyramide von Industrien rund um die besonderen Ressourcen, welche Israel besitzt, und um die dein Volke innewohnenden Fähigkeiten erstehen, Schon haben sich die Möglichkeiten iin den größeren Industrien gezeigt, die im Zusammenhang mit Chemikalien, besonders Pottasche, mit optischen und Präzisionsinstrumenten, mit Anlagen für die Zusammensetzung von Maschinenteilen, mit iin hohen Grade befähigten Metall- und elektrischen Industrien, mit 'Textilien und jenen Betrieben stehen, welche der Fremdenverkehr, das Bankwesen für internationale Zwecke und dergleichen erfordern. Das Klima und der Boden von Israel ähneln denjenigen des südlichen Kaliforniens und unter der Voraussetzung des Vorhandenseins richtiger Bewässerung kann die Gartenkultur ::i Israel ebenso bedeutend werden wie in dem amerikanischen Staate. Der Schlüssel zu dem großen Problem liegt in der Möglichkeit der Aufbringung des Anfangskapitals, um alles in Bewegung zu setzen. Kann ausländisches Kapital angezogen werden? Mr. Nortman ist der Ansicht, daß die Antwort sehr ermutigend ist. Die Ziffern für die Investitionen des ganzen Jahres 1950 stehen nRchi nicht zur Verfügung, aber die schätzungsweisen Rohziffern zeigen, daß sie sich für dieses Jahr auf ca. '280,000.000 Dollar belaufen werden. Ungefähr 135,000.000 Dollar sind öffentliche Fonds, während 145,000.000 Dollar auf private Invest innen zurückgehen. Ungefähr 45,000.000 Dollar verkörpern ausländisches Kapital und von diesem Betrag kamen 15,000.000 Dollar aus den Vereinigten Staaten. Die Bedeutung dieses Umstandes kann richtig eilige- Erste Flachs-Ernte in Israel Der erste Teil in Israel gepflanzte Flachs wurde am Montag im Kibbuz C’hazor, unweit Beer Tuvia, geerntet. Vertreter der Regierung und der Wiirtschaftskreise waren anwesend. Diesem ersten Versuch wird besondere Bedeutung für die Entwicklung der Industrie und Landwirtschaft beigemessen, da Flachs als Rohstoff für die Textil-, Oel-, Farben- und Papierindustrie dient. Der erste Versuch der Flachs-Pflanzung wurde auf 1000 Dunam vorgenommen, die erste Ernte hat einen Wert von 100.000 Dollar. Obwohl die Pflanzung einen Monat zu spät erfolgte und der Boden nicht bewässert wurde, gedieh der Flachs gut und erreichte ciine Höhe von 90 Zentimeter. Pro Dunam beläuft sich der Ertrag auf 50 kg Fasern für die Textilindustrie, 30 kg Körner (für die Oelindustriie) und 30 kg Stroh, das Cellulose enthält und nach Bearbeitung für die Papierfabrikation verwendet werden kann. Die Fachleute sind überzeugt, daß nunmehr der Weg zur Anpflanzung weiterer Industriepflanzen geebnet ist, die Rohstoffe darstellen und dem Staat Devisen ersparen. Das mit Flachs bepflanzte Gelände soll im Herbst auf 10.000 Dunam, im Laufe der nächsten Jahre auf 100.000 Dunam erweitert werden, — sämtlich an den nördlichen Zufahrfsvvegen zum Negev. Durch Investition von 500.000 Dollar kann eine jährliche Flachsernte im Werte von 10 Millionen Dollar erzielt werden, wie einer der Initiatoren des Projektes, der Textilindustriel le Salman Jeruschalmi., erklärte. An der Gesellschaft, die den Flachs- Anbau betreibt, sind die Industrie des Kollektiv-Sektors, die Kibbuzbewegung, „Hamaschbir Hamerkasi“, die Oelfabrik Stiemen und der Ortsrat Beer Tuvia beteiligt. Als Konzernbetrieb der Wiener Städtischen Versicherungsanstalt, des größten Versicherungsbetriebes Oesterr e i ch s, bieten wir durch unsere verschiedenen Krankenversicherungstarife, die den Zeitverhältnissen angepaßt sind, jedermann die Möglichkeit, sich gegen das wirtschaftliche Risiko schwerer Erkfankungc n e n t w eder d u r ch eine Vollve;Sicherung oder durch eine jede P f 1 ch f v ersiehe r u ng e rgä nzen de Zusatz Versicherung zu schützen. WIENER WECHSELSEITIGE KRANKENVERSICHERUNG W ii'n, 1., Canovagass c 5 U 47 5 74 sch ätzt werden durch den Vergleich mit der gesamten direkten Privatinvestition in den Marshal-Plan-Ländern im Jahre 1950, deren Höhe 34,000.000 Dollar nicht überschritten hat. Berichte von vielen US-Kapitalisten zeigen die Befriedigung mit diesen Ergebnissen. ln einer Anzahl von Fällen haben die Profite die Erwartungen übertroffen. Die Regierung plant die Durchführung des „Vier-Jahres-Planes" von A. L. Greenbaum, der mit einer Bevölkerung von 1,800.000 Menschen im Jahre 1953 und mit einem gesamten National ein kommen von 1 Billion 370 Millionen Dollars gegenüber den gegenwärtigen Nationaleinkommen von 850 Millionen rechne,t. Die Summe von eineinhalb Billionen Dollars ist erforderlich;, um diesen Plan ins Werk zu setzen. Was'den Beitrag der Vereinigten »Staaten betrifft, wird die Steigerung der Fonds durch die Sclvatzscheinbewegumg, ferner durch die Anleihen des United Jewish Appeal, durch die Aushilfen der Regierung der Vereinigten »Staaten und durch Privatinvestition erwartet.