Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1951
- Issue
- Heft 50 (1.6.1951)
- Date
- 1951-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 50 DIE STIMME Brief aus Israel Dr. Chaim H. Kuhn Seite 5 DER HULE-KONFUKT Wir sind Schlisse von den arabischen Grenzen her schon gewohnt. Aber die Schüsse im Hulcgebiet und von Al Hamina haben diesmal die Welt aus ihrer Ruhe aufgestört. Das israelisehe Vergel f u ngsbombardeme nt hat nicht überall Billigung gefunden. Wir, die wir sonst in scharfer Opposition zur Fnnonpolitik der Regierung stehen, sind mit dieser energischen und schnellen Reaktion 7.ufrieden, wie wir jeder Regierung zustimmen werden, wenn sie zum Schutze von Leben, Sicherheit und Souveränität unseres Volkes wirksame Mittel ergreift. Die seitdem ungestörte Fortführung der Hulearbeiten beweist die Zweckmäßigkeit der Maßnahme. Aber noch schwebt der Konflikt und erfordert daher ruhige Betrachtung. Vorgeschichte. Das Hule gebiet, ein schmaler Streifen des Jordan-Ostufers, das Südosit- Ufer am Kinercth-See und ein östlicher Zipfel am Ja.rmuk bis nach Äl Hamma gehörten zum Mandatsgebiet. Laut UNÖ-Beschluß vom 29. XI. 1947 sollte dieses Gebiet unabhängiges arabisches Palästina bilden. Wir hatten — obwohl nicht UNO-Mitglicder dieser Teilung zugestimmt trotz unserer Siedlungen in diesem Gebiet. Die arabischen Staaten, alle UNO-Mitgl.ieder, hatten sich mit lang vorbereiteter bewaffneter Hand dem Beschluß ihrer eigenen UNO-Organisation widersetzt, dabei unser Teilungsgebiet angegriffen und gelten daher vor der Geschichte als Aggressoren. Anfangs hatten die Araber in den erwähnten Gebieten gegen unsere wenigen und schlecht ausgerüsteten Vcr“ leidiger einige Erfolge, waren aber bei Beginn der zweiten Hafugah in Stellungen, die mit der alten Mandatsgrenze ziemlich identisch waren. Dieser schmale Streifen am Jordan und Südost-Ufer des Kinereth wurde i!m Waffenstillstand als „entmilitarisierte Zone“ bestimmt, welcher Begriff nur beinhaltet, daß keinerlei bewaffnete Kräfte in diesem Gebiet sein dürfen. Das Gebiet stand einwandfrei unter israelischer Oberhoheit, denn sonst hätte es unter die der UNO gestellt werden müssen. Ein Regierungs- und Verwaltungsvakuum gibt es nicht. Wäre es nicht israelisches Gebiet, so hätte die UNO für die Verwaltung und deren Kosten sorgen müssen. Sie tat es nicht, sondern der Staat Israel sorgte für sein Gebiet selbst. Wenn also der Waffenstillstand diese Oberhoheit nicht klar aussprach oder so dunkel, daß man sie später würde anders deuten können, so hat die bisher geübte und unwidersprochene Praxis volle Klarheit geschaffen : Israel übernahm die Pflichten für dieses Gebiet, das ihm von Recht uind Erfolg seiner Verteidigung zustand, sorgte für Verwaltung, Sanierung, Hygiene, Ernährung u. s. vv. Und da überall in der Welt den Pflichten auch Rechte In der PARFÜMERIE FRUCHTER Neubaug. 71, Tel. B 35 5 34 Mariahitferstraße 88 a Zitahof, Telefon B 30 0 47 werden Sie fachmännisch beraten und billigst bedient. Wasch- und Reinigungsmittel werden bei telefonischer Bestellung ins Haus geliefert. gegenüberstehen, so waren diese eben die Hoheitsrechte. Der Konflikt. Ungefähr im März begann der KKL mit der Trockenlegung der Hule- Siimpfe, ein Projekt, das schon weit vor unserer Staatsgründung geplant war. Zur Durchführung muß auch das Jordanufer und das Flußgefälle reguliert werden. Entsprechend der Waffenstillstands-Bestimmungen wurden die UNO-Beobachfer von dem Beginn der Arbeiten verständigt. Da fielen plötzlich am 15. März 1951 von der syrischen Grenze her die ersten Schüsse und forderten ihre Opfer. Der Zweck dieser Attacke war klar : dieselben arabischen Staaten, die stets deklarieren, daß unsere Einwanderung zur gewaltsamen Expansion führen muß, wollten gerade die Entwicklung in unserem Lande stören, die die Landbedürfnisse der Einwanderung befriedigen kann, sodaß jede Expansionsnotwendigkeit ausgeschaltet wird. Dann aber verlieren die Araber jeden Grund für ihr Propagandageschrei daß wir ihre Grenzen bedrohen. Das Gerede, daß durch Sumpfaustrocknung neues Gelände gangbar uind das Jordanbett breiter wird und dadurch strategische Vorteile entstehen, ist absolut hinfällig. Derartige Vorteile kommen im Kriege stets beiden Teilen zu, wenn sie sie taktjsch auszunützen verstehen. Noch hätten diese Differenzen beigelegt werden können. Noch hätte der französische Vorsitzende der Waffenstillstands-Kommission den Syrern klar machen können, daß und warum selbst in der französischen Besatzungszone den Deutschen Drainage- und Flußregulierungsarbeiten nicht verwehrt worden sind. Und die Deutschen waren Besiegte, wir aber die Sieger in unserem Lande 1 Die Folge dieser Unterlassung war, daß die Syrer Mut faßten zu der feigen Mordtat von Al Hamma, an einem Orte, der ca. 40 km vom Hulegebiet entfernt ist und gar nichts mit der Trockenlegung zu tun hat. Kein Staat kann sich dauernde Mordanschläge aus Hinterhalten von jenseits der Grenzen gefallen lassen. So griff Israel zur Vergeltung. Als Anhänger der UNO-Doktrin weiß Israel, daß Bomben ein wirksames, wenn auch letztes Belehrungsmittel gegen Aggressoren sind. Als Staat weiß Israel, daß die sechs Millionen Juden Europas die letzten Opfer fremder Mordinstinkte waren, die ungesühnt blieben — —und jetzt weiß es auch die ganze Welt. Und als treuer Vertragspartner, der die Treue selbst dem untreuen Vertragspartner wahrt, vollzog Israel nur eine Strafaktion und ging nicht auf Eroberungen aus; denn erobert wird mit Landheeren und nicht mit Luftgeschwadern. Folgen und Aussichten, Und nun setzte der Sturm ein. Zuerst die Araber. Wir hatten aus der durch Schüsse gefährdeten Zone Araber weiter im Innern des Landes angesiedelt. Sie sind mit dem guten Tausch sehr zufrieden und wollen in ihre alten Orte nicht mehr zurück. Andere Araber — z. B. die aus As Samara — flüchteten aus Angst vor Vergeltung wegen der Teilnahme einiger von ihnen an den feigen Ueberfüllen auf syrisches Gebiet. Die Syrer fordern, daß wir sie wieder aufnehmen und entschädigen. Wir sollen ihre fünfte Kolonne entlohnen. Man wirft uns vor, daß wir die Angreifer sind, wir, die Angehörigen der Ermordeten 1 Man bezweifelt unser Souveränitätsrecht im Gebiete des Konflikts. Faris el Choudi betreibt diese Propaganda sogar auf amerikanischen Radio-Sendern. Der zweite Akt war eine Demarche der Westmächte. Mac Ghee erklärte, daß Frieden im Nahen Osten jetzt wichtiger sei als die Frage der Verantwortung für die Ermordung der Polizisten — und er vergaß, daß diese Ermordung den Frieden störte. Und als dritte kamen die UNOßcotachter und definierten und analysierten, daß „entmilitarisierte Zone“ nur „Aufsicht“ (d. h. Leistung, Lasten und Pflichten) nicht aber Souveränität fd. h. Rechte) bedeute. Es gibt Mächte, die diese Definition nützlich finden. Beim Schreiben dieser Zeilen, liegt der Beschluß des UNO-Sicherheitsrates noch nicht vor. Jedoch ein Resultalt liegt vor: Aggressoren finden gelegentlich Sympathien und das könnte dazu führen, daß es nun von jenseits der Grenzen in vermehrtem Maße knallt. Aber Tatsachen sind stärker als Definitionen. Kultuspräsident Dr. Wolf Herzberg In einer feierlichen Sitzung des Vorstandes des Zionistischen Landesverbandes in Oesterreich begrüßte der geschäftsführende Vize-Präsident Dir. Ernest Stiassny den neugewählten Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Dr. Wolf Herzberg. In seiner Ansprache würdigte der Redner die Verdienste Dr. Herzberg’s auf allen Gebieten des zionistischen und jüdischen Lebens. Er wies auf die großen Schwierigkeiten hin, die sich dem neuen Kultuspräsidenten cntgegenstellen und darauf, wieviel Arbeit und Mühe es kosten wird, in der achtmonatlichen Arbeitsperiode das Programm des neuen Präsidenten zu erfüllen. Im Namen des Vorstandes gelobte der Redner die volle Mitarbeit aller Zionisten, insbesonders der Allgemeinen Zionisten, die nichts unterlassen werden, mit allen Kräften die Bestrebungen Dr. Herzbergs zu unterstützen. In bewegten Worten dankte Dr. Herzberg seinen Freunden und gab der Hoffnung Ausdruck, daß es ihm gelingen möge, die Kultusgemeinde im Sinne des nationalen-jüdischen Programmes zu führen. Dieser Sitzung wohnte nach einer langen Pause, herbeigeführt durch eine schwere Krankheit, unser Verbandspräsident Dr. Wilhelm Popper bei und wurde von allen Mitgliedern des Vorstandes herzlichst begrüßt. Prof. Dr. Heinrich Schur — 80 Jahre In der vergangenen Woche feierte der bekannte Internist Universitätsprofessor Dr. Heinrich Schur seinen 80. Geburtstag. Der Zionistische Landesverband und die Redaktion der „Stimme“ entbieten dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche. Wir werden in unserer nächsten Nummer die Tätigkeit des großen Gelehrten, des hervorragenden Arztes und Menschen würdigen. * * * Leider außerstande, die vielen Wünsche meiner alten und neuen Freunde einzeln zu beantworten, bin ich genötigt, Ihnen allen auf dem Wege der Zeitung herzlichst zu danken. Ich will auch ihre Wünsche bezüglich der Erhaltung meiner Arbeitsfähigkeit gerne erfüllen, da ich ganz allgemein der Ansicht bin, daß nur so das Leben lebenswert gestaltet werden kann und wünsche allen meinen Freunden die gleiche Einstellung. Prof. Dr. Heinrich Schur CAFE RESTAURANT „Gartenbau” WIEN I, PARKRING 10 TELEPHON R 20 0 95 R 25 3 95 Schönste JUngsicosse Sctticlossige ICücUe JS REINWOLLENE DAMEN- UND HERRENSTOFFE, FRANZ. UND SCHWEIZER SE1DEN-NOUVEAUTES SINGER-STOFFE WIEN I, ROTENTURMSTRASSE 17 Shantung Imprime Wollgeorgette Hutstumpen DULDNER & DEUTSCH Wien VII, Neubaugasse 10 ■Mb utUiUU li