Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1951
- Issue
- Heft 50 (1.6.1951)
- Date
- 1951-06-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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_ _ __ Nr. 30 jUapai' ü&edeyi... »Seite 4 DIE STIMME Die Zionistische Organisation und ihre Zukunft Dü' R. o c^isafk'M tlr.r Bewegung. Die v : ircre Entwicklung clft* Zio-;P,!:h!’ui \\ .Itbew egung hängt in erster l.r!:‘v von ihrer Reorganisation uh. Pie in früheren Artikeln erw iihn-;;■!! Innen, w‘e die i;cstsetznng d s ProgrimMiis. d>n Status der /nonistischcn C'rguids: Gen bettelten und das Svii’eksal der Agency sieh eiest alten sei!, sind unzweifelhaft sclnver- \.iryrnd und bilden ernste Probleme für die neue Periode der zionisfisehen ,\t!*.fU. Aber die w Aktivste Frage Pie:i t die der organisatorischen Form der Beu. egung. Man spreht sehr viel über die „Krise“ der zionistischen Bewegung. Diese ..Krise“ ist aber in erster Pinie eine organisatorische. S<d on fast 5-1 Jahre arbeitet die ZV dstisehe Organisation m‘t derselben Routine, mit denselben M:tteln der zionisf Achen Propaym'd i, mit demselben Schekel und mit dcnscl- 1 ■ e:i \\’al'i 11nefhoden. Die jüdischen Gemeinschaften, die über die ranze Welt verstreut sind fühlen sich nur wenig mit der zentralen Leitung verbunden. In weiten Kreisen besteht der Rindruck, von den verantwortlichen zionistischen Führern verlassen worden zu sein. Sic erhalten nur eine minimale Hilfe, ja oft werden sie in ihrer Arbeit durch das Entsenden von parteiischen Schllchim (Abgeordneten), die die noch vorhandene Einigkeit zerstören, mehr gehindert als gefördert. Von allen Seiten kommen nun Fragen über die künftige Form der zentralen Geldsammlungen und über das Schicksal der zionistischen Fonds; dem eine wirkliche zionistische Aufklärung Ist von Jerusalem aus fast überhaupt nicht mehr vorhanden. Viele Freunde des Zionismus fragen : „Was tut die Organisationsabfei'ung eigentlich 7 Worin drückt sich ihre Verbindung mit der Zionistischen Organisation aus 7 Was leistet sie auf dem Gebiete der zionistischen Propaganda und Aufklärung 7“ Mitglieder des zionistischen Organisationskomitees beklagen sich häufig, über das ihnen gegenüber geringschätzende Verhalten der zionistischen Instanzen. Oft werden nicht einmal die an die Spitzen der Bewegung gerichteten Schreiben einer Antwort gewürdigt. Wenn man sich das vor Augen führt, kann man sich lebhaft vorstellen, was dann der einfache Zionist zu erwarten hat. Dem organisatorischen Puls einer Bewegung kann man oft an solchen Kleinigkeiten erkennen, obwohl es auch an großen Fehlern nicht inangelt. Dies alles wird nun nicht um der bloßen Kritik willen gesagt, sondern nur um zu versuchen, das zu bessern, was gebessert werden kann. Die zionistische Bewegung erwartet von ihren Führern keine administrativen Leiter und Direktoren (sie wären oftmals nur sehr schlechte), sondern sie will in ihnen die Wortführer und Wegweiser der nationalen Renaissance-Bewegung des Zionismus sehen. Wir w erden nun versuchen, die organisatorischen Fragen zu analysieren, die der Kongreß zu lösen haben wird. Fs ist klar, daß man nicht einmal in einer ganzen Reihe von Artikeln die organisatorischen Probleme erschöpfend behandeln kann. Wir werden aber trotzdem versuchen, wenigstens die wichtigsten Fragen klarzustellen. SAM SEGAL Diese Fragen sind : 1. Der Schekel und die Mitgliedern! - gchörigkeit. 2. Die Struktur der I.andesorganisatienen. A Die Frage der zionistischen Ponds. F Die Koordination der zionistischen Propaganda und Aufklärung. 5. Die Reorganisation der zionistischen Schl ich ut. (). Struktur der zionistischen Instanzen, sowohl gesetzgebende sowie ausführende. 7. Kontinentale zionistische Feitungen 8. Reform der Statuten. Ä) Der Schekel und die Mifgliedsangehörigkeit. In den zionistischen Reihen wird schon seit einiger Zeit die Frage besprochen, ob der Schekel weiter das Zugehörigkeitszeichen zur Zionistischen Organisation bleiben soll. Noch lange vor der Entstehung des jüdischen Staates forderten die Revisionisten auf verschiedenen zionistischen Kongressen die Abschaffung des Schekels und die Verleihung des Wahlrechtes an jeden Juden in der Welt. Der Kongreß sollte sich ihrer Meinung nach in einen Kongreß aller Juden der Welt verwandeln. Außer den Revisionisten unterstützte jedoch zu jener Zeit niemand den Gedanken der Abschaffung des Schekels. Kürzlich aber mehrten sich die Stimmen derjenigen, die die Abschaffung des Schekels fordern, obgleich niemand noch ein anderes Zeichen der Zugehörigkeit zum Zionismus und sei es nur symbolischer Natur gefunden hat. Um der Wahrheit die Ehre zu gehen, ist die Kritik des Schekelsystemu nicht völlig unbegründet. Oftmals gab cs berechtigte Klagen. Die bevorstehenden Wahlen in Israel beweisen, daß bestimmte Parteien im Schekel nicht den Ausdruck wirklicher zionistischer Mitgliedschaft sehen, sondern nur ein Mittel, um sich größere Vertretungen beim Zionistenkongreß zu sichern. Die Zionistische Exekutive hat viel gesündigt, da sie den Wert des Schekels nicht schätzte. Wenn es auch nicht leicht ist, Fälschungen zu vermeiden, aber die leitenden Instanzen dürfen in keiner Weise dabei beteiligt sein. Wenn schon ein Zionistenkongreß einmal in 56 Monaten stattfindet (vorausgesetzt, daß er im August dieses Jahres abgehalten wird), dann ist wohl Zeit genug, Wahllisten aufzustellen, wie es in allen demokratischen Wahlsystemen gebräuchlich ist. Der Mangel an Wahllisten ist nicht deshalb so entscheidend, weil er der oder jener Partei eine größere oder kleinere Anzahl von Delegierten ermöglicht, sondern weil auf diese Art die verfassungsmäßigen Grundlagen der Zionistischen Organisation untergraben werden und der Schekel seines effektiven Wahlrechtes beraubt wird. Fs ist schwer sich vorzustellen, wie das demokratische „Lehen“ der Zionistischen Organisation missehen wird, wenn man den Schekel ahschalff. Die t rage ist jedoch vielmehr : wie stärkt man den „Ahn t“ des Sehekels, nicht im materiellen Sinn, sondern als lestes Dokument von echtem zionistischem Recht und zionistischer Pflicht. Fs erhebt s'ch min eine andere {■'rage : kann jeder Jude den Sehekel und mit dem Kautakt seihst alle zionistischen Rechte erwerben, ohne weitere Pflichten auf sich zu nehmen 7 ln dieser t rage müßte eine radikale Ae: dvrung der bisherigen Gepfogcnlu’it vorgenomnien werden. Bei dieser Gelegenheit soll man sich einer kleinen jüdischen Gemeinschaft erinnern, welche seit Jahren ein eigene* System des Schekelerwerbs praktiziert. Diese Gemeinschaft ist das holländische Judentum, wo der Schekel nur an Mitglieder der zentralen holländischen zionistischen Organisationen abgegeben wird. Das ist nicht im Geist der bisherigen Regulafivbestimmungen der Zionistischen Organisation. Lind die zentralen zionistischen Instanzen haben über diese Frage seit Jahren einen erfolglosen Kampf gegen die Zionisten in Holland geführt. Man konnte einst das alte Schekelsystem rechtfertigen, da damals eine große Zahl von Schekelkäufen gleichzeitig eine Manifestation zionistischer Kraft darstellten. Das war für uns und unseren schweren politischen Kampf um den Staat Israel außerordentlich wichtig. Wir haben damals die imposanten Ziffern von Millionen Schekelzahlern benötigt, in deren Namen die zionistischen Führer vor der ganzen Welt sprachen. Heute brauchen war keine „statistischen Ziffern“ für die außenstehende Welt. Das System der holländischen Zionisten gibt ein ernstzunehmendes Beispiel für die Reorganisation des Schekelsystems. Wir benötigen jetzt eine starke zionistische Organisation, die aus „effektiven“ Mitgliedern besteht. Fs wird wahrscheinlich richtig sein, das holländische Schekelsystem zu verbreitern. Dieses System besagt, daß nur der Jude den Schekel erwerben kann, der sich dem zentralen zionistischen Fandesverbund anschließt und der seine Pflicht den zionistischen Fonds gegenüber erfüllt. Die Erwerbung des »Schekels kann kein einseitiger Akt sein, mit dem man sieh nur Rechte in der Zionistischen Organisation erwirbt, ohne irgend welche Pflichten auf sich zu nehmen. Genau so wie es in einem jeden Staat die elementare Pflicht eines jeden Bürgers ist Steuern zu zahlen, so muß es die elementare Pflicht eines jeden Zionisten sein, die freiwillige Steuet; dem zionistischen Fonds zu entrichten. Alle früheren Rechte der Schekel- Die intcrparfeiliche Diskussion in den Reihen der Mapuiführung, die schon seit einiger Zeit über die „Status“-Frage der Zionistischen Weltorganisation geführt wird, hat nun wieder eine, neue Wendung, genommen. Wie Erkannt herrschen in den Reihen d: r Mapai absolut eine Konfusion über die zukünftige Form der Zionistischen Weltorganisation. Fine Reihe führender Persönlichkeiten mit Frau Golda Mcyrson an der »Spitze, waren der Meinung, daß die zionistische Bewegung ihre Aufgabe mit der Entstehung des jüdischen Staates schon erfüllt habe, und daß zum Beispiel eine Figa der „Freunde Israels“ genüge, um mite diejenigen zu crfass'Ui, die den Staat Israel besonders mit Geldspenden helfen wollen. Diese Einstellung traf in den Beziehungen der Mapniminisfer zur Zionistischen Organisation klar zu Tage. »So hat die Rede von Golda Mcyrson und die sichenworfige Begrüßung von Herrn Ben Gurion auf der letzten »Sitzung des Aktionskomitees einen niederschmetternden Eindruck auf die zionistischen Führer der ganzen Welt gemacht. Vor einiger Zeit hat sieh eine neue Wendung in den Mapaircihen bemerkbar gemacht. Seit dem Beginn der Vorbereitungen zu den Kongreßwahlen in Israel hat die Mapai begonnen, die unpopuläre Meinung der Golda Mcyrson - Gruppe zu .vertuschen“ und angefangen, Erklärungen zugunsten der zionistischen Bewegung herauszugehen. So hat Ben Gurion auf der letzten Sitzung des Manairatcs sehr positiv zur ,,»Sfafus“-Frage »Stellung genommen. Auch in verschiedenen Gesprächen hat Ben Gurion erklärt, die jetzige Knesseth solle sich noch vor ihrer Auflösung mit dem „Status"" Gesetz (rechtliches Verhältnis des Staates Israel zur Zionistischen Organisation) befassen. Dies erweckte natürlich den Eindruck, als ob alles in Ordnung wäre. Alte Parteien waren für das „»Status“- Gcsefz und da nun auch die MapaFdamit einverstanden war, schien es klar, daß die Knesseth endlich die Beziehungen zwischen dem »Staat Israel und der zionistischen Weltbewegung regulieren werde können. Aber wie es sich nun herausstellt, hat die Mapai es sich anscheinend wieder überlegt, denn, wie wir aus einer gut informierten Ouelle erfahren haben, hat sich in den Reihen der Mapai die „vorsichtige“ Meinung durchgesetzt, daß erst die neu gewählte Knesseth sich mit der „Status“-Frage der Zionistischen Organisation beschäftigen soll. Damit erweist es sich,, daß für die Mapai die Frage des „Status“ keine objektive Frage der Zusammenarbeit des jüdischen Volkes mit dem Staat Israel durch die Kanäle der zionistischen Weltorganisation ist, da die Mapaiführer zuerst die Resultate der Wahl zum Zionisfen-Kongreß und zur Knesseth sehen, um erst dann endgültig zu beschließen, ob es sich lohnen wird, der Zionistischen Organisation einen „»Status“ zu geben oder nicht. zahler, sowie alle anderen Rechte, die der Kongreß beschließen wird, sollen sich nur auf diese »Schekelzahler beziehen, die die zwei Kardiinalforderungen beim Kauf des Schekels erfüllen. Fortsetzung folgt. Die Jüdische Spar- und Kreditgenossenschaft reg. Genossenschaft mit beschränkter Haftung, Wien I, Franz Josef-Kai 7 9, Tel. R 27 5 55 Klappe 261 uVid 262 erteilt an jüdische selbständige Kaufleute, Gewerbetreibende oder freie Berufe, bei entsprechender Sicherstellung, zu günstigen Bedingungen KREDITE Der Magbith Meuchedeth (Vereinigte Aktion für Israel) steht im Jahre 1951 vor gewaltigen Aufgaben. 300.000 Juden aus Irak und Rumänien werden im Verlaufe des Jahres nach Israel einwandern. Die Finanzierung dieser Aktion obliegt dem Magbith Meuchedeth. Nur mit Hilfe der größten Anstrengungen der Weltjudenheit kann diese Aufgabe gelöst werden. Es ergeht an alle Juden Wiens der dringende Appell, den größtmöglichsten Beitrag zu dieser Aktion zu leisten. Das Komitee des Magbith Meuchedeth (Vereinigte Aktion für Israel) Wien I, Schottenring 25, Tel. A 16 4 88, Postscheck-Klo. Nr. 17.267