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Die Stimme · 1951-04-19 · Heft 48 (19.4.1951) · page 6

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Journal
Die Stimme
Volume
1951
Issue
Heft 48 (19.4.1951)
Date
1951-04-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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vSei te 6 DIE STIMME Nr. 48 Kulturkampf in Israel Jakob Tatinen bäum. USA UUQt Iscad Die Regierungskrise in Israel, welche seit der Entstehung des Staates im Jahre 1948 schon zum zweiten Male ausbrach, ist der Ausdruck der schweren Gegensätze, die zwischen den beiden in der Regierung vertretenen Parteien, der Mapai und dem Religiösen Block, herrrschen. Es sind dies Gegensätze ideologischer Natur, die sich auf allen Gebieten des menschlichen Lebens erstrecken, sowohl in bezug auf weltanschauliche als auch sozialpolitische Fragen. Sie kommen bei jeder Gelegenheit zum Ausbruch und nehmen den Charakter eines permanenten Kulturkampfes an. Er wird bald mit schwerem Geschütz, bald mit Waffen leichteren Kalibers geführt. Nur aus außenpolitischen Gründen kommen die Waffen ab und zu zum Schweigen und die Gegner sind scheinbar versöhnt, bis ein neuer Anlaß kommt und der Kampf bricht wieder los. So ist es eben mit der Koalitionsregierung in Israel, welche nur eine Notgeburt war und als solche lebensunfähig ist. Die letzte Kabinettskrise weist darauf hin, daß der Kulturkampf in Israel in eine neue Phase ein ge treten ist. In der ersten Phase war der Gegenstand des Kampfes die Verfassungsfrage. Die Linken wollen einen weltlichen, modernen Staat, während der Religiöse Block dem Staate einen religiösen Stempel aufdrücken möchte. Als Minorität konnte dieser seinen Wunsch nicht durchsetzen. Da aber die Mapai aut die Religiösen als Regierungspartner angewiesen war, erreichten letztere wenigstens, daß die Verfassungsfrage vertagt wurde, und so wurde damals die Regierungskrise vermieden. In der Jetzigen zweiten Phase des Kulturkampfes aber trat die Erziehungsfrage in den Mittelpunkt des Kampfes und sie führte zur Regierungskrise. Die unmittelbare Veranlassung dazu gab die Einwanderung, besonders die der sephardischen Juden aus dem Orient und Nordafrika. Beide Parteien sind bemüht, die Neue in ge wTan derten in ihre Einflußsphäre zu bringen und sie in ihrem Sinne zu erziehen. Der Religiöse Block will es nicht zulassen, daß die Kinder dieser Frommen von der marxistischen Mapai erzogen werden, umsomehr als er in der Einwanderung der streng religiösen Sephardim eine Verschiebung der Kräfte zu seinen Gunsten erblickt. Wie man also ersehen kann, geht der Kampf, jetzt wie früher, hauptsächlich um die Religion und ihre Geltung im Staate. Zwar tritt auch die Mapai für den Religionsunterricht in den Schulen ein, wenn auch aus realpolitischen Motiven und besonders unter dem Einfluß der ihr angeschlossenen Gruppe Hitachdut-Hapoel-Hazair. Aber gerade jene Religionsform, welche in den Mapai-Schulen gelehrt wird, ist der Ausgangspunkt des Kampfes, da sie der Religiöse Block als nicht jüdisch, sondern als freie Naturreligion betrachtet. Diesen Kulturkampf könnte man als Fortsetzung des Kampfes zwischen den Sadduzäern und Pharisäern zur Zeit „des zweiten Tempels“ bezeichnen. Die Mlsrachi und die mit ihr verbündete Aguda, die als die ideologischen Nachfolger der Pharisäer zu betrachten sind, stehen auf dem Standpunkt, daß die ganze Tradition, angefangen von der Bibel, bis zum Talmud und Schulchan Aruch, ihre Gültigkeit auch im neuen Staate beibehält. Alle Sitten und Gebräuche, die sich im Verlaufe der vieltausendjährigen Existenz des Volkes eingebürgert hatten, sind auch heute noch verpflichtend, da der Sinn und der Zweck derselben, heute ebenso noch zureichend sind, wie zur Zeit ihrer Entstehung. Sie sollen nämlich die Juden als Priestervolk von den anderen Völkern auszeichnen und auch als Erziehungsmittel dienen zur Gewöhnung des Volkes an Enthaltsamkeit, Leidenschaftslosigkeit und Selbstbeherrschung, zu Einfachheit und Genügsamkeit,'Reinheit und Heiligkeit. Während die Mapai, als Nachfolger der Sadduzäer, die Ansicht vertritt, daß nur die Moral ewigen Wert und Geltung habe, die andern Gesetze und Vorschriften aber nur eine historische Erscheinung und zeitgebunden sind. Sie haben nur nationale Bedeutung, sind auch nur zu dem Zwecke entstanden, das Volk vor Assimilation zu schützen, es in der Galuth zu einen und zu erhalten. Mit der Wiederherstellung des Staates aber haben sie ihren Sinn und Zweck verloren. Nur der Sabbath und die Feiertage, die einen nationalhistorischen Sinn haben, sind auch heute im neuen Staate bcizubehaltcn. Priestervolk, Auscrwählthcit sind für die Mapai Ideen, die in der Gegenwart ihren Wert und ihre Zweckmäßigkeit verloren haben. Sie seien auch nicht im Sinne einer Askese zu verstehen, sondern als Vorbildlichkeit und Beispielgebung auf moralischem Gebiete. Moral sei auch ohne Sejag-Gesetze möglich. Umgekehrt habe die Erfahrung gezeigt, daß die letzten nicht zu oft mit Moral Hand in Hand gingen, von Reinheit und Heiligkeit ganz zu schweigen. Diese sind und bleiben nur ein Ideal. Es wäre auch eine Utopie, ein ganzes Volk zu Heiligkeit und Askese erziehen zu wollen. Nur Einzelne könnten es eventuell erreichen und soll auch niemand daran gehindert werden. Die Frommen sollten und dürften aber auch in einem demokratischen Staate nicht ihre Meinung und ihren Willen den Andersdenkenden aufzwingen. Die Mapai ist auch der Meinung, daß ein moderner Staat solche, das Leben beschwerende und hemmende Gesetze gar nicht einführen können. Ein Teil der Misrachi anerkennt auch, daß ein gewisser Teil der Sejag-Gesetze gemildert oder ganz abgeschafft werden müsse, stehe aber auf dem Standpunkte, daß das Recht dazu nur einem Synhedrion zustehe. Solange sie aber nicht von einer solchen obersten religiösen Körperschaft aufgehoben sind, behalten sie ihre kontinuierliche Rechtskraft und Gültigkeit. Der Flügel, welcher dem Religionsminister Maimon nahesteht, fordert auch die Errichtung eines solchen Synhedrions für die nächste Zukunft. Dagegen ist die dem Oberrabbiner Herzog anhängliche Gruppe der Meinung, daß die Schaffung eines Synhedrions mit der Befugnis, tief einschneidende Reformen durchzuführen, zu einer Spaltung im Judentum führen könnte, weshalb man vorläufig darauf verzichten müsse. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Lagern auf dogmatischem Gebiete sind noch größer. Während die Konservativen an einer geoffenbarten Religion festhalten, an einen persönlichen, außerweltlichen Gott, der allmächtig und allgütig ist aller Geschöpfe liegt, glauben, neigt und in dessen Hand das Schicksal die Mapai zu einem Pantheismus im Sinne Spinozas. Sie anerkennt auch nicht die Bibel als geoffenbartes, heiliegs Buch, sondern betrachtet sie als eine menschliche, wenn auch geniale Schöpfung des jüdischen Geistes, und wendet auch auf sie das Entwicklungsprinzip an. Es ist im Rahmen eines Zeitungsartikels nicht möglich, auf alle Einzelheiten der Gegensätze einzugehen. Nur in kurzen Strichen sind die Meinungsverschiedenheiten der beiden entgegengesetzten Richtungen auf kulturellem Gebiete skizziert worden, die, wie vorauszusehen war, zu einem Kulturkämpfe führen mußten. or«ffe Caf6 — Bar — Tanx Wien IX., Porzellangasse 39 Tel. R 52 405 Landwirtschaftsminister Pinchas Lawon w ies bei seiner kiirzlichen Pressekonferenz auf das große Ausmaß der Hilfe hin, die Israel von den Vereinigten Staaten erhält und bedauerte, daß unsere Oeffentlichkeif diese Tatsache nicht in genügendem Maße würdigt. In dieser Bemerkung des Ministers liegt zweifellos etwas Richtiges. Wir nehmen die Anleihen, die Spenden der amerikanischen Juden und Lebcnsmittellieferungen hin und denken nicht darüber nach, in welchem Maße wir alle diese dem Entgegenkommen der Regierung der USA zu verdanken haben. Bei den Anleihen ist die Hilfe der Regierung der Vereinigten Staaten am klarsten. Wir erhielten durch die Im- und Exportbank einmal 100 Millionen Dollar und vor kurzem nochmals 35 Millionen Dollar. Jetzt gehen Gerüchte um, daß evtl, weitere 65 Millionen Dollar gewährt werden sollen, um die Summe von 200 Millionen Dollars auf zu füllen. Die Spenden, die die Juden der USA für den United Jewish Appeal geben, sind zwar keine Zahlungen der Regierung der Vereinigten Staaten. Aber sie werden indirekt mit ihrer Hilfe geleistet, weil die Zahlungen für den UJA als Wohlfahrtsleistungen anerkannt werden und von der Einkommensteuer in Abzug gebracht werden können. Würde einmal die Regierung der USA ihre Praxis in dieser Frage ändern, dann würden wahrscheinlich die Einnahmen der Vereinigten Sammlungsaktion sehr zurückgehen. Schließlich unterstützte die Regierung der USA Israel noch in einer dritten Form. Sie ließ uns durch die Credit Commercial Corporation große Mengen von Lebensmitteln fast ohne Bezahlung oder zu erheblich ermäßigten Preisen zukommen. Die Kartoffeln, die wir im Frühjahr 1950 bezogen, stammten aus solchen Lieferungen, und wir zahlten einen Cent für einen Sack. Die Butter, die jetzt allmonatlich zugefeilt wird, wie auch der Käse, der in verhältnismäßig großen Mengen ausgegeben wird, Milchpulver und Eipulver — alle diese Waren TeineMüie in allbewältvlev Qualität Hneclec bei RICHARD SCHWARZ DER HUT DES HERRN WIEN I, ADLERGASSE 4 TELEPHON R 20271 ‘Wiener CDampfmühle SB rach & Jdessing 1, Jtelferstorferstraße 15 stammen aus den amerikanischen Ueberschußbcständen, die durch die Credit Commercial Corporation vertrieben wurden. Hinzu kommt jetzt noch die Hilfe auf Grund des Punktes vier des Programmes des Präsidenten Truman, die zwar finanziell keine große Bedeutung hat, die uns aber hinsichtlich des Einsatzes von Sachverständigen sehr zunutze kommen kann. Bekanntlich ist um die Frage der amerikanischen Hilfe bei uns eine scharfe Polemik im Gange, und es gibt Gruppen, die uns vor zu starker Bindung an die USA warnen. Es wäre sinnlos zu bestreifen, daß es in den USA Kreise gibt, die die Unterstützung anderer Völker von politischen Acquivalenten abhängig machen wollen. Andererseits muß aber darauf hingewiesen werden, daß diese Einstellung nicht die herrschende in den USA ist. Die Regierung Indiens hatte sich an die Vereinigten Staaten gewandt und sie angesichts der Dürre und der Hungersnot-Gefahr um Lieferung von Getreide gebeten. Indiens Politik hat in den USA in der letzten Zeit lebhaftes Mißfallen erregt, und es erhoben sich Stimmen, die sich wegen der Haltung Indiens in der Korea-Frage gegen eine Unterstützung dieses Landes aussprachen. Die Regierung der USA zögerte zuerst etwas, sie folgte aber dann nicht der „Rache“- Politik sondern schlug dem amerikanischen Parlament vor, dennoch den Indern die erbetene Hilfe zu gewähren und das Land vor der Hungersnot zu bewahren. Dieses Beispiel zeigt uns, daß die Lehre von der Verbindung von Hilfe und Politik nicht ohne weiteres zutreffend ist, und daß die USA Völkern, für die sie Sympathien haben, auch dann Unterstützung geben, wenn diese in politischer Beziehung nicht nach ihrer Pfeife tanzen. ' Nicht viel anders ist es bei uns, auch wenn wir ein kleiner Staat sind, und amerikanische Hilfe muß nicht „automatische Versklavung“ bedeuten. IMPORT / EXPORT / GROSSHANDEL TELEGRAMM-ADR.: ALTMATEX, WIEN fl TIltmann & COMP. GEGRÜNDET 1909 WIEN I., SALZGRIES 16 TELEPHON U 26 2 8 7, U 28026 | DAS FÜHRENDE WIENER GROSSHANDELSHAUS IN TEXTIL-, STRICK-, WEB- UND KURZWAREN, GALANTERIE- UND SPIELWAREN ,A(jRUM? INH. HUGO H1BGBLHAIIPT LEBENSMITTEL-ÜRÜSS - HANDEL IMPORT WIKN II, aOLLANDHlltAGNB H TBL. A 4» 0 Bl Buchdruckerei A, Glücksmann & Söhne Willi XVII, Bihalmiam 77, TU. A 29227, A 28029 Alle Arten von Drucksorten Holen Sic bei uns Offerte ein

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