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Die Stimme · 1951-04-19 · Heft 48 (19.4.1951) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1951
Issue
Heft 48 (19.4.1951)
Date
1951-04-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 48 Festsplelstailt Salzburg einmal anders! Bdcfe aus JULmc, und tycau Pie Tageszeitung „Salzburger Nachrichten“ vom 5. April d. J. berichtet über den in Salzburg zur Aufführung gelangten Harlan-h'ilm und die damit zu.-nmmenhängendi n Vorgänge. Per oben erwähnte Bericht trägt die Schlagzeile „Eine Stadt hält den Atem an“, womit sie auf den laufenden Korda-Film hinweist, jedoch es nicht unterläßt, den Titel des Korda-Films als nicht beziehungslos zu den Salzburger Vorgängen anzuprangern. Pie Herren von dem Salzburger Nachrichten ho’cn sidi den Kinobesitzer Morawetz, den die Nazi rassisch verfolgt hatten, und weisen ihm eine Rolle auf der Bühne der nationalsozialistischen Tollheiten zu. Aus der von Herrn Morawetz gutgcspielten Rolle ziehen die im Geiste der Gleichschaltung wirkenden „Salzburger Nachrichten“ die Schlußfolgerung, daß „der Stand der Dinge jetzt ein Resultat des Drucks der Straße sei“, und weiter heißt cs unverschämt : „Die von nur zu gut bekannter Seite aufgehetzten Elemente scheuten weder vor rüdester Belästigung des einheimischen (lies : bodenständigen) Kinopublikums, noch vor Sachbeschädigungen zurück.“ Charakteristisch für den fraglichen Artikelschreiber, der bis 1945 gewiß den Juden besudelt hat, ist das Geweine darüber, daß der rassisch verfolgte Kinobesitzer in einem anonymen Schreiben mit der Ermordung bedroht wurde. Daß Morawetz nicht ermordet wurde, verdankt er anscheinend dem Umstand, daß die Absetzung des Films in Salzburg rechtzeitig bekannt w'urde. Es ist auch kein Wunder, daß die VdU-Nazi die beispiellose Besonnenheit der Salzburger Polizei, die mit Knüppeln dre Inge droschen hatte und Blut fließen ließ, rühmt. Den Gipfel der Gemeinheit und Heuchelei erklimmen die „Salzburger Nachrichten“, indem sie „der bodenständigen Judenschaft“ die Erklärung in den Mund legen, sie distanziere sich von dem Vorgehen unbesonnener Ausländer und lobe die beispielhaft ruhige und überlegte Handlungsweise des Polizeibüttels. Interessant ist auch, daß die Nazi die Affäre verdunkeln w7ollen und sie so darstellen, als ob Veit Harlan kein Kriegsverbrecher wäre, sondern ein Künstler, der seinen Beruf redlich ausübt und lediglich von Kommunisten und Juden daran gehindert wird. Eigentümlich ist es auch, daß die österreichischen Politiker über all diese Begebenheiten ruhig hinweg gehen und daß sich kein Staatsanwalt findet, der sich in die Lektüre der Salzburger VdU-Zeitungen vertieft. In diesem Lande scheint die Auffassung über HUBNER’S Expresso Pavillon AM COBENZL NEU ERÖFFNET! Demokratie eigentümliche Blüfen zu treiben, da es sonst nicht möglich wäre, daß der Innenminister die offizielle Erklärung abgibt, daß er keine gesetzliche Handhabe finde, um gegen die Salzburger Nazi einzu sch reifen. Die internationale Festspielstadt Salzburg, die ihren Weltruhm vornehmlich der großen Kunst des Juden Reinhardt verdankt, kann für sich in Anspruch nehmen, daß in den ersten Aprilwochen sich Ereignisse abspiclten, die in der ganzen zivilisierten Welt Entrüstung hervorriefen und die bestimmt nicht geeignet sind, den Ruf dieser Stadt und im weiteren Sinne den Ruf Oesterreichs günstig zu beeinflussen. Lieber den Regisseur des „Jud Süß", Veit Harlan, hat die Oeffentlichkeit bereits ihr Urteil gefällt. Sowohl in Deutschland als auch in Wien selbst, hat die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, den Veit Harlan, somit sein neues Produkt, den Film „Die unsterbliche Geliebte“ abgelehnt. Diese Ablehnung unterstützt von der Wiener Presse und den demokratischen Organen führte zum Verbot des Films. Die Festspielstadt Salzburg kann den traurigen Ruhm für sich buchen, daß die Aufführung dieses Films den nazisfischen Geist wachrief und die antisemitischen Exzesse des Jahres 1958 neu in Szene setzte. Dies im Jahre 1951, kaum 6 Jahre nach dem Zusammenbruch des Nazireiches, das die furchtbarste Blutschuld auf sich lud. Sechs Millionen Juden waren die Opfer nationalsozialistischer Ausrottungspolitik. An diesem verbrecherischen System hat der Regisseur des „Jud Süß“, der im Warschauer Ghetto weilte, um für diesen Film .Studien zu betreiben, ein gerüttelt Maß an Schuld und Mitverantwortung auf sich geladen. Die aus den Nazi-Ghetti geretteten Juden finden nunmehr moralische Stütze bei allen aufrechten Demokraten, die aus den Ereignissen der letzten Jahre gelernt haben. Die Wunden, die uns die Nazi-Barbarei geschlagen hat, bluten noch und wir sind nicht gewillt, Brutalität und Mordlust wieder aufkommen zu lassen. Es zeigt sich, daß der Zusammenschluß aller Juden eine Lebensnotwendigkeit ist, da wir, nicht geeint, weder psychisch, kulturell noch national bestehen können. Fritz Müller Pie Kulfusgemeinde in Linz besitzt den großen schönen Tempel nicht mehr, weil ihn die Nazi am 10. November 1938 niedergebrannt haben. Hingegen besteht in ihrem Hause Betlehemstraße 26, ie in ca. 50 Personen fassender Betsaal, in welchem regelmäßig jeden Sabbath abends und vormittags Gottesdienst abgehalten wird. Pie Gemeinde, die seit zwei Jahren offiziell wieder besteht, (vorher 1946 bis 1948 bestand nur ein Komitee von den Amerikanern eingesetzt) umfaßt momentan 186 Mitglieder in Linz und Oberösterreich. Der gewählte Vorsitzende ist der Dipl. Kaufmann Herr Wilhelm S c h w a g e r, Geschäftsmann in Linz, dessen verdienstvoller Vater bereits durch viele Jahre vor 1938 Präsident der Linzer Gemeinde war. Im Vorstand sitzen die Herren Ernst Hartmann, Karl Bruder, Hugo Fuchs und Moses Ellowifz. Die Gemeinde Ist, so wie die meisten Gemeinden in Oesterreich und Deutschland, wahrscheinlich zum Aussterben verurteilt. Durch die geringe Anzahl der Juden in Linz-Stadt (142), ist fast kein spezifisches jüdisches Leben festzustellen, wiewohl sich verschiedene befreundete Familien oft treffen. Wirtschaftlich gut gestellt sind nur einige wenige Familien; zwölf alte Personen w erden von der KG. unterstützt. Zirka Dreiviertel des jüd. Vermögens dürfte rückgestellt sein, aber viele Geschäfte und Häuser wurden bereits wieder verkauft oder im Rückstellungsprozeß mit einem Ausgleich beider Parteien beendet. Einige Geschäfte werden auch im Namen der jüdischen Besitzer von Geschäftsführern betrieben, da es die Besitzer vorziehen im Ausland zu bleiben. Ein sehr großer Stock von Häusern in Linz und besonders im Salzkammergut gehört zum Begriff „Erbloses jüd. Vermögen“ und wird von der Kultusgemeinde erfaßt. Eine große Sorge bereifet der Linzer Jüd. Kulfusgemeinde der Friedhof, der im Kriege ebenso wie die Leichenhalle von Bomben zerstört wurde. Die Gemeinde bemüht sich nun nach Maßgabe ihrer geringen Mittel, den Friedhof wieder in Stand zu setzen, die umgefallenen und leichter beschädigten Grabsteine wieder aufzustellen und auch die Leichenhalle wieder aufzubauen. Viele tausende Schillinge wurden bereits dafür auf gewendet, wodurch der größte Teil der Grabsteine und Gräber wieder in Ordnung ist. Etwa 100 Gräber befinden sich in regelmäßiger gärtnerischer Pflege. Auf dem Friedhof wurden seif 1945 300 in Oberösferreich verstorbene D. P. bestattet. In ganz Oberösterreich leben noch ca. 1500 jüd. D. P. u. zw. in den Lagern Wels, Asten und Steyr. Sie werden aber in den nächsten Wochen im Lager Asten bei St. Florian zusammengezogen. Per American Joint Pisfrib. Comm j wird in der nächsten Woche in Linzj Stadt vollkommen liquidiert; der ) größte Teil der Beamtenschaft geht nach Salzburg und n'ur 4 Beamte wer- ‘ den im Lager Asten amtieren. Der Direkfoi des Linzer Joint, Herr Moritz Friedler hat vor drei Wochen hier in Linz eine Wiener Jüdin geheiratet und in Salzburg Wohnung bezogen. Bekannterweise stehen die jüdischen Lager in teilweiser Bcfiirsorgung der Landesregierung von Oberösferreich und spielt sich die Zusammenarbeit in bester Harmonie ab. Durchschnittlich wandern im Monat ca. 100 jüdische D. P. aus, man nimmt an, daß Ende : dieses Jahres ca. 600 bis 700 jüdische! P.P., alte und kranke Leute, zurück- 1 bleiben werden. Karl Ungar In Graz hat der Nazigcisf in der Presse wiederum völlig überhand genommen. Es ist einfach unfaßbar, wie innere Unanständigkeit die öffentliche Meinung beeinflußt und gestaltet, und wie völlige Entstellung von Ursache und Wirkung in demagogischer Formalistik in der Presse zur Schau gestellt wird. Im Namen von Recht und Kultur, von Menschlichkeit und Gesittung und hinter dein Schutzschild der antikommunistischen Gesinnung r e habil ifierren diese Kreise ihre Untaten und wollen einer Bevölkerung, die zum Teil die Zusammenhänge schon vergessen hat, sie zum Teil gar nicht kannten, weil schon der zweiten Generation angehörend, weißmachen, daß z. B. das Rückstellungsgesetz ein höchst moralisches Unrecht darstellt, oder daß die Nazis ungerecht behandelt würden. Soweit es unsere streng abgegrenzte Angelegenheit an geht, w;ird hier der Versuch unternommen, die Greuel, die an den Juden verübt wurden, entweder völlig unter den Tisch fallen zu lassen, oder was noch schlimmer ist, diese „moralisch“ zu rechtfertigen. Es ist ganz klar, daß dies eine Folge der abwegigen politischen Entwicklung ist. Aber die daran interessierten Kreise in der westlichen Welt sind nicht genügend informiert über die differenzierten Formen, ja sogar die jüdischen Kreise Wiens wissen nicht was in der Provinz vorgeht. In bedrohlicher Weise hat dieser Presse-Nazismus in der letzten Zeit Formen angenommen, die die Sicherheit der kleinen jüdischen Gemeinde in Graz gefährden. An Hand verschiedener Einzel fälle läßt sich die symptomatische Natur derselben eindeutig feststellen. Seit einem halben Jahr berichten verschiedene Mitglieder der Kultusgemeinde über Personal in juden, Insulten und unfreundliches Benehmen der Behörden, Widerwillen der amtlichen Stellen, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen. Offenkundig ist diese Stimmung auf die entsprechende Beeinflussung der Grazer Tagespresse zurückzuführen A. B. STOFFE KLEIDER FÜR DAMEN HERREN UND KINDER Qui und ftccUwcct vom liaüfluuts Bdidec Ua6ee Wlan VII, MarlahllfarstraB« 90 Talaphon: B 36093, B 36237 Stärkt unsere Reihen, tretet dem Zionistischen Landesverband bei! Sekreterlai: Wien IX., Universitätsstraße 4 Telefon A 26 4 73 „ELSE” PARFÜMERIE WIEN I, STEINDELGASSE 1 (beim Tuchlaubea-Kino) TELEFON U 21 3 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS U. S. A. FRANKREICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir schicken offiziell Pakete mit Parfümerien und Seifen nach Israeli

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