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Die Stimme · 1951-03-21 · Heft 47 (21.3.1951) · page 4

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Journal
Die Stimme
Volume
1951
Issue
Heft 47 (21.3.1951)
Date
1951-03-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 47 _DIE STIMME____ Istael tacUt. Fortsetzung von Seite 3 Das heißt, eine tüchtig Portion Maulschellen! Verdient hat es mein Prüder. Er wird solche Megilles nicht mehr schreiben, glaube ich. Mit dieser Lektüre fertig, muß man, denk ich mir, einen Blick tun in die Antwort, die s i e geschrieben hat, ich meine die Tochter des Reben; ich öffne ihr Briefchen, und da fallen mir die zwei Papierrubel heraus. Vas ist da wieder los 7 Die ganze Antwort enthält zw ei Zeilen : „Motel! Ich danke Dir für die zwei Rubel. Kannst sie zurücknehmen. Hin solches SchTach Mones hab ich von Dir nicht erwartet. Geschenke verlange ich von Dir nicht und Almosen erst recht nicht Ha, ha 1 Vas sagt Ihr dazu? Sie verlangt kein Almosen! Eine schöne Geschichte, so wahr ich ein jüdisches Kind bin! Kurz, was weiter tun 7 Ein anderer an meiner Stelle w ürde wahrscheinlich beide Briefe zerreißen und sich das Geld in die Tasche stecken. Zwei „Goldene „Nichtschen“ würde er nach Hause bringen, nicht zwei Rubel. Aber ich bin nicht so einer. Ich hab es besser gemacht. Ihr werdet es hören. Ich habe mir die Sache so überlegt : Für meine Mühe habe ich ja den Lohn von meinem Bruder schon bekommen, — wozu brauche ich denn den Bruder noch mehr? Ich geh’ also und übergebe beide Briefe dem Vater. Ich werde hören, was der Vater sagen wird. Er wird die „Megille“ besser verstehen, als der Rebe obwohl der Vater ein Vater, und der Rebe ein Rebe ist. V Vas geschah, als der Vater beide Briefchen mit der Megille durchgelesen hatte und sich meinen Bruder vornahm, um zu erfahren, was hier vorgehe 7 .. . . fragt gar nicht. Sollte ich es meinem Bruder Motel nachmachen, so müßte ich mit der Sprache und der Melodie der wirklichen Megille sagen: „Wehoir Schuchan no-woj-choh.“ Aber nicht das ist die Hauptsache. Ihr wollt doch wahrscheinlich wissen, was das Ende mit der Tochter des Rebe und mit meinem Bruder Motel gewesen ist. Vas soll sein? Nichts. Esther hat geheiratet. Einen Witwer hat sie geheiratet. Ach, die hat geweint 1 Ich bin auf ihrer Hochzeit gewesen. Warum hat sie eigentlich geweint? Das weiß Ich nicht. Sie scheint geahnt zu haben, daß sie mit ihrem Ehemann nicht alt werden wird. So geschah es auch. Sie lebt mit ihm im ganzen ein halbes Jahr und starb. Voran, kann ich Euch nicht sagen. Ich weiß es selber nicht. Man sagte, sie habe sich vergiftet. Einfach hingegangen und vergiftet. Es ist aber eine Lüge. Feinde haben das ausgedacht. Die Rebezin selbst hat es mir gesagt. Und mein Bruder Motel 7 Oho 1 Er hat sich noch früher verheiratet, bevor sich noch Esther verlobt hatte. Er reiste zu seinem Schwiegervater, kam aber schnell wieder zurück und ganz allein . . . Was ist passiert 7 Er w ill sich scheiden lassen. Sagt ihm der Vater : „Bist ein wilder Kerl I“ Das mag die Mutter nicht. Man zankt sich Es wird lustig! Es hat aber nicht geholfen, er ließ sich scheiden und heiratete zum zweiten Mal. Er hat sogar schon zwei Kinder : einen Jungen und ein Mädchen. Der Junge heißt Herzl nach dem Dr. Herzl benannt, und das Mädchen nennt man Estherl. Der Vater hat sogar verlangt, sie soll heißen Gütel nach seiner Mutter und die Mutter bestand darauf, sie soll heißen Lejtsche, nach ihrer Mutter. Die ersten großen Defensivmanöver Israels, die den gesamten Staat betrafen, waren für eine ganze Reihe amüsanter Vorfälle verantwortlich. Venn ein Milchmann eines Tages versuchte eine Brücke zu überqueren, wurde ihm von einem dort herumlungernden Offizier mitgeteilt, daß die Brücke „durch Feindesaktion gesprengt wurde." „Ich möchte dir zwar gerne helfen," führte der Offizier weiter aus, „aber ich selber wurde während des Angriffes getötet.“ P. S. Die Stadt bekam saure Milch. * * * Während eines fingierten Luftangriffes auf Tel-Aviv wartete eines der „Opfer" vergeblich darauf, von den Ambulanzen abgeholt zu werden. Als die Mediziner endlich ankamen, war das „Opfer“ verschwunden, aber ein Zettel lag da : „Bin verblutet, ging nach Hause, tut mir leid!“ * * * Vor genau hundert Jahren ist die iiberrragende geistige Persönlichkeit, der mächtige Pionier der jüdischen Literatur, Jizchak Leib Perez, in Zamosc geboren worden. Die moderne jüdische Literatur und ihre Bedeutung hängt eng zusammen mit dem literarischen Schaffen Perez’. Ein Jahrhundert schließt iim allgemeinen eine Epoche ab, jedenfalls vertiefen sich Historiker bei einer solchen Gelegenheit in Probleme, die für die Gesellschaft von Bedeutung sind, wekken das öffentliche Interesse und stellen markante Erscheinungen ins Blickfeld. Das Stillschweigen, worin jüdische Kulturkreise anläßlich des geschichtlichen Datums verharren, erfüllt denkende Menschen mit Staunen und läßt einen aufkommenden Schmerz nicht unterdrücken. Dies umsomehr, Ein großer Streit ist entstanden, eine ganze Nacht und einen ganzen Tag dauerte der Zank. Es blieb dabei, das Kind soll heißen La je Gütel nach beiden Müttern. Erledigt 7 Da überlegte sieh der Vater : Nein, er will nicht, Laje Gütel. Warum nicht 7 Ganz einfach, warum soll denn der Name ihrer Mutter vorangehen 7 Da kommt mein Bruder Motel von der Schul und sagt, er hätte schon dem Kind einen Namen gegeben : Esther. Sagt ihm der Vater : „Wilder Kerl, wo hast Du den Namen Esther her 7“ Sagt er, ich meine Motel : „Hast Du vergessen, daß wir bald Purim haben 7" .... Na, was werdet Ihr ihm jetzt sagen 7 Man hört nicht mehr „wilder Kerl". Erledigt. Vater und Mutter schauen einander ganz sonderbar an und schweigen — — — — Was dieses Schweigen bedeutet, weiß ich nicht, vielleicht wißt Ihr es 7 Ende Nach der ersten Aufführung Jaschn Haifez's mit dem israelischen philharmonischen Orchester, bemerkte der Chauffeur, der ihn nach Rechovod zuriickbrachte, daß er die Kadenz im Brahms-Violinkonzert niemals vorher so gehört hafte. „Ich schrieb sie selber", gab Haifez zu und fuhr mit einem Lächeln fort, „und ist es nicht zu schade, daß ich jetzt mein Stück noch achtmal werde spielen müssen." „Das ist gar nicht das Aergste", antwortete der Chauffeur. „Vergessen Sie nicht, ich muß es noch achtmal hören!" * * * Seitdem Dr. Josef ins Verkehrsminisferium übersiedelte, hat die Zahl der Witze über ihn merklich nachgelassen. Hier ist ein Dof Josef Witz, der vielleicht alle anderen Dof Josel Witze beenden wird. Tn einem Tel Aviver Kaffeehaus bemerkte ein älterer Herr zu seinen erstaunten Freunden, daß er Dr. Dof als Perez der unbestrittene Lehrer des modernen Judentums ist und zu den großen Denkern gehört, die uns das Tor zu neuen Erkenntnissen, folgerichtigem Handeln und Verstehen zusammenhängender sozialer Erscheinungen geöffnet haben. In seinen Schriften offenbart uns Perez seine Gedankenwelt, die Wunder hervorzaubert und das Denken fa szi n ieren d b ee In f 1 ußt. Seine Erkenntnisse gedeihen zu Tonstücken, die solenne Wellen schlagen. In diesem Jahre mußte das selbstbewußte Wiener Judentum, ebenso wie das der ganzen Welt das Andenken Perez feiern, seine Schriften wenigstens teilweise publizieren, seine Betrachtungen auf breiter Basis diskutieren und die jüdische Oeffentlichkeit mit seinem erhabenen Gedankengut vertraut machen. Perez’ Schriften sind heute ebenso aktuell w;ie sie vor Jahrzehnten waren, seine Lehren und deren Folgerungen haben an sozialem Wert und praktischer Bedeutung bis auf den heutigen 'Lag keine Einbuße erlitten. Kulturmenschen dürfen über Jizchak Leib Perez nicht hinweggehen, seine Gestalt, sein Werk rütteln das geistige Cäewissen wach und ermahnt zur Erfüllung der Pflicht, die uns der Denker aulerlegt. Das Jahr 1951 soll gewidmet sein der großen Gestalt unseres Lehrers Perez; wir wollen aus der Quelle seines Schaffens neuen Lebensmut schöpfen, Erkenntnisse empfangen und uns am großen Geist Jizchak Leib Perez erbauen. ln der nächstfolgenden Nummer bringen wir aus der Feder des Dichters : „Die Ordnung der Welt“. Josef als den derzeit religiösesten Mann in Israel betrachte. Als man ihn um eine Erklärung hat, erklärte er : „Fis ist ganz einfach, das rituelle jüdische Gesetz verlangt zwischen dem Essen von FT eiseh und dem von Milchprodukten eine Wartezeit von sechs Stunden. Dow Josef jedoch eine solche von 6 Tagen.“ * * * Witze über die hohen Preise sind zahlreich, hier ist einer : Als man von einem Herrn, der ein Paar Hosenträger in einem Haifaer Geschäft kaufen wollte, ein Pfund verlangte, explodierte er : „Was, ein Pfund für ein paar Hosenträger, was soll das heißen, ich kann jederzeit zwei Taugenichtse für 50 Prutot bekommen, die mir meine Hosen halfen." * * * Ein sechs Jahre altes Mädchen, in Israel geboren, fuhr kürzlich mit seinen Eltern nach Holland. Die Kleine war an allem sehr interessiert, besonders beeindruckt war sie jedoch von den gewaltigen Nahrungsmiffelmengen in Restaurants und Geschäften. Sie zog ihre Stirne zusammen, wandte sich zu ihrem Vater und fragte : „Sag, Papa, haben sie denn keime Regierung in Holland 7“ * * * Ein Farmer von Texas, der In Israel in beratender Mission weilte, erzählte einem Zabreh (gebürtiger Israeli) alles über seinen Staat. „Bei uns“, erklärte er, „kannst Du tagelang in einem Zug fahren und noch immer in Texas sein.'1 ‘ ünb eeimdruckt antwortete der Zabreh : „Ja, ich weiß, wir haben hier in Israel auch solche Züge“. Blau-Weiß-Ball Am Samstag, den 3. März 1951 fand in den Sälen des Messepalastes der gemeinsam vom Zionistischen Landesverband und dem Sportklub Hakoah veranstaltete Blau-Weiß-Ball statt. Viele prominente Persönlichkeiten. des jüdischen Lebens waren erschienen. Die Eröffnungsansprache hielt der Vizepräsident des Zionistischen Landesverbandes und Direktor d. World Jevvish Congress for Austria, hrnest Stiassny. Das Hauptarrangement, das in den Händen des Präsidenten der Hakoah, Herrn Robert Glücksmann lag, war unzweifelhaft vorbildlich. Das zahlreich erschienene Publikum unterhielt sich von der ersten bis zur letzten Minute. Es spielte das Rundfunkorchester der Ravag Charly Gaudriof. Um Mitternacht fand ein großes Kabarett, unter der Mitwirkung prominenter Wiener Bühnenkünstler, wie Cissy Craner, Hugo Wiener, Enzo Canio, Karl Farkas, Fritz Muliar und anderen statt. Zu erwähnen wäre noch das Preistanzen und die große Tombola mit wirklich wertvollen 'Treffern. Die Veranstalter sind zu dem gelungenen Ball zu beglückwünschen, denn er war unzweifelhaft eiin wichtiger Beitrag zur Förderung des Zusammengehörigkeitsgefühls der österreichischen Juden heit. Es wäre nur zu hoffen, daß alle weiteren Veranstaltungen des Zionistischen Landesverbandes und des Sportklubs Hakoah denselben A n klang und Erfolg wie dieser Blau-Weiß-Ball finden werden. Jizchak Leib Perez i»ernhard Braver Der MAGBITH MEUCHEDETH (VEREINIGTE AKTION FÜR ISRAEL) Wien I, Schottenring 25 finanziert die Masseneinwanderung und ihre Absorption Keiner versäume seinen Beitrag zu leisten!!!

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