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Die Stimme · 1951-03-21 · Heft 47 (21.3.1951) · page 2

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Journal
Die Stimme
Volume
1951
Issue
Heft 47 (21.3.1951)
Date
1951-03-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 DIE STIMME Nr. 47 *> ,4 M i t i flimme zitiert zwei Stimmen „Wiener Zeitung“ vom 14. März 1951: Vor AACmgen Tagen wurde in der Michaelerkirche von Erzbischof- Koadjutor Dr. Franz Jachym i'n Gegenwart des Bundeskanzlers, mebrerer Bundesminister und zahlreicher hoher Beamter das Dachauer Kreuz der österreichische n K on z en tr a t iems läge rh ä f 11 in - ge noch einem feierlichen Requiem für die in Dachau Verstorbenen eingeweiht. In einer Ansprache deutete Dr. Jachym den Sinn dieses neuen Mahnmals in dem Sinne, daß die Männer, die in den Konzentrationslagern Schweres erlitten haben, damit ein Gelöbnis setzen wollen, alles zu tun, daß nie wieder solche Zeiten kommen. Dieses Kreuz von Dachau sei ein Bekenntnis der Männer, die dort waren, daß vom Kreuz der Mut zum Durchhalten komme, anstatt der Verzweiflung nachzugeben. In einer Variation des Seneca-Wortes : „Wenn wir nicht über den Menschen hinaus trachten, werden wir nie zum Menschen gelangen“, erklärte Dr. Jachym, daß man letzten Endes ohne den Gottmenschen am Kreuz den Menschen nicht verstehe und daß man wenn man sich auf den Standpunkt der Rasse begebe, den Staat zum Moloch mache, der seine eigenen Kinder frißt. Hat die amtliche „Wiener Zeitung“ bei den Ausführungen des Erzbischof-Koadjutors an den Märtyrertod von Millionen Juden und an das Unrecht, das ihnen zugefügt wurde vergessen? Die Redaktion „Erklärung der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands“ (Auszug): Wir glauben, daß Gottes Verheißung über dem von ihm erwählten Volk Israel auch nach der Kreuzigung Jesu Christi in Kraft geblieben ist. Wir sprechen es aus, daß wir durch Unterlassung und Schweigen vor dem Gott der Barmherzigkeit mitschuldig geworden sind an dem Frevel, der durch Menschen unseres Volkes an den Juden begangen worden ist. Wir warnen alle Christen, das, was über uns Deutsche als Gericht Gottes gekommen ist, aufrechnen zu wollen gegen das, was wir an den Juden getan haben; denn im Gericht sucht Gottes Gnade den Bußfertigen. Wir bitten alle Christen, sich von jedem Antisemitismus loszusagen und ihm, wo er sich neu regt, mit Ernst zu widerstehen, und HÜBNER’S TAVERNE in Meierei Stadtparh Gute Küche * Billige Preise Veit Harlanfilm abgesetzt Ein großer moralischer Erfolg der Israelitischen Kultusgemeinde Wien In unserer letzten Ausgabe haben wir das erste Protest-Telegramm der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, welches an führende Persönlichkeiten in Staat und Gemeinde gerichtet war, abgedruckt. Als sich die Nachricht verdichtete, daß die Verleiherfirma am 16. März den Film in 16 Kinos auf einmal anlaufen zu lassen beabsichtigte, richtete die Israelitische Kultusgemeinde Wien ein zweites, in sehr bestimmten Worten gehaltenes Telegramm an die zuständigen Stellen Hier der Wortlaut des Telegrammes: „Trotz Protest der Kultusgemeinde soll Veit Harlan Film „Unsterbliche Geliebte“ in mehreren Wiener Kinos nächste Woche gezeigt werden stop wir lenken Aufmerksamkeit auf diesen Umstand wiederholen unseren schärfsten Protest stop durch berechtigte Empörung unserer Gemeindemitgliedcr sehen Unruhen voraus stop so gefährdet Aufführung Veit Harlan Film Ansehen Oesterreichs in der Welt“ Die Protestaktion der Israelitischen Kultusgemeinde Wien hat in hohem Maße die öffentliche Meinung gegen den Film mobilisiert. Eine ganze Reihe von Organisationen schloß sich dem Protest der Kultusgemeinde an. Am 14. März sprach der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgcmelnde Wien, Dr. Emil Maurer, mit dem Amtsdirektor Wilhelm Krell bei Polizeipräsident Holaubek, und einen Tag darauf beim Bundesminister für Inneres, Hellmer, vor. In eindringlichen Worten wurden der Polizeipräsident und der Innenminister über die außerordentlich erregte Stimmung unter der Judenschaft gegen den Versuch, den Regisseur des Film „Jud Süß“, Veit Harlan, in Wien und in Oesterreich „einzuführen“, in Kenntnis gesetzt. Es unterläge keinem Zweifel, daß dies ein Versuchsballon nazistischer und faschistischer Kräfte sei, zu erproben, Avieweit der Abwehrwille der demokratischen und antifaschistischen Kräfte in Oesterreich in den sechs Jahren nach der Befreiung erlahmt ist. HtacUüs SUctHficeis Das schwedische Judentum betrau-l ert den Tod seines Oberrabbiners Dr.| Markus Ehrenpreis, welcher am| 28. Februar d. J. in Stockholm im Alj ter von 81 Jahren starb. Der königliche 3 Hof, hohe Regierungsbeamte, die leitenden Kirchenfunktionäre, der israelische Gesandte, die führenden jüdischen Organisationen, Avle der Jüdische Weltkongreß und die Zionistische Weltorganisation, haben ihr Beileid ausgedrückt. Erst vor einem Jahr hat sich Dr. Ehrenpreis von seinem hohen Posten zurückgezogen, A\elchen er durch 34 Jahre innc gehabt hat. Dr. Markus (Mordechai Seew) Ehrenpreis wurde am 27. Juni 1869 in Lemberg geboren. Er studierte in Berlin und in Erlangen, wo er im Jahre 1895 zum Doktor der Philosophie promovierte. Im Jahre 1896 begann er seine Tätigkeit als Rabbiner, um im Jahre 1900 zum Oberrabbiner von Bulgarien nominiert zu werden, 1914 wurde er dann Oberrabbiner von vSch weden. Dr. Ehrenpreis war einer der Organisatoren des ersten Zionistenkongresses in Basel. Er war der hebräische Sekretär dieses Kongresses. Auf dem ersten Kongreß sowie auf weiteren sieben Kongressen referierte Dr. Ehrenpreis über kulturelle Probleme des Judentums. Er war einer der Mitden Juden und Judenchristen in brüderlichem Geist zu begegnen. Wir bitten die christlichen Gemeinden, jüdische Friedhöfe innerhalb ihres Bereichs, sofern sie unbetreut sind, in ihren Schutz zu nehmen. Wir bitten den Gott der Barmherzigkeit, daß er den Tag der Vollendung heraufführe, an dem wir mit dem geretteten Israel den Sieg Jesu Christi rühmen werden. ■arbeitcr Herzls und einer der tätigsten ■zionistischen Führer. 8 Gleichzeitig Avar Dr. Ehrenpreis auf adern Gebiete der Verteidigung der jii- “ diseben Rechte in einet* Reihe von t Ländern erfolgreich tätig. J Er war berühmt wegen seiner philantropischcn Tätigkeit für die jüdischen Opfer des ersten Weltkrieges und bekannt Avegen seines Kampfes gegen den Antisemitismus. Dr. Markus Ehrenpreis nahm am ersten Jüdischen Weltkongreß im Jahre 1936 teil und war einer der Hauptzeugen in dem berühmten Berner Prozeß über die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zion“. Im zweiten Weltkrieg bemühte er sich um die Rettung des bulgarischen Judentums und war in engster Verbindung mit der humanitären und politischen Tätigkeit der scliAAedischen Regierung zum ZAvecke der Hilfeleistung für die Juden im okkupierten Europa. Dr. Markus Ehrenpreis Avar immer ein glänzender Meister der jüdischen Sprache. Im Jahre 1925 hielt er seine berühmte Rede bei der Eröffnung der hebräischen Universität in Jerusalem und von dieser Zeit an nahm er auch aktiven Anteil an der Arbeit der Universität. Seine Eindrücke von Erez Israel veröffentlichte er in einem Buch, in Avelchem er die geistige Renaissance des jüdischen Volkes in seinem altneuen Land analysiert. „Die Erbauer Israelis“, so heißt sein zweites Buch, welches er im Jahre 1931 veröffentlichte. In diesem Buch beschrieb er das Leben einer Reihe jüdischer Persönlichkeiten. Außerdem übersetzte Dr. Markus Ehrenpreis eine Reihe klassischer hebräischer Werke ins Schwedische. Im Jahre 1930 Avurde Dr. Ehrenpreis vom schwedischen König Gustav V. mit einem der höchsten schwedischen Orden dekoriert und im Jahre 1935 erhielt er den Titel „Professor“. „ELSE” PARFÜMERIE WIEN I, STEINDELGASSß 1 (beim Tudilauben-Kino) TELEFON U 21 3 64 DIE JÜDISCHE PARFÜMERIE SÄMTLICHE SPEZIALITÄTEN AUS ü. S. A. FRANKREICH, SCHWEIZ, DEUTSCHLAND Wir idiicken offiziell Pakete mit Parfümerien und Seifen auch Israeli Von Funktionären der Israelitischen Kultusgcmeinde Wien erfahren Avir, daß die Erklärungen, die der Polizeipräsident und der Innenminister ahgaben, in jeder Beziehung zufriedenstellend Avaren. Wie Avir knapp vor Redaktionsschluß erfahren, Avurde der Veit Harlan-Eilm „Unsterbliche Geliebte" zumindest in Wien „bis auf weiteres“ abgesetzt. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien hat durch ihr initiatives und energisches Auftreten ohne Zweifel einen großen und moralischen Erfolg errungen, umsomehr, als nach den bestehenden Gesetzen normaler- Aveisc keine Möglichkeit besteht, einen Film zu verbieten. Die jüdische Bevölkerung soll aus diesem erfolgreichen Kampf die Lehre zieh cm, hei etAvaiigen neuen Versuchen auf dem Gebiete der Kultur, nazistisches oder faschistisches Gedankengut in die Massen zu tragen, geschlossen hinter der Kultusgemeinde und den maßgeblichen jüdischen Organisationen zu stehen. Das 2. Rüclcsfellungsanspruchsgesefz angenommen § 2, Absatz 4, der ersten drei Rückstcllungsgesetze enthält die Bestimmung, daß durch ein besonderes Bundesgesetz geregelt werden wird, wer zur Erhebung von Rücksteilungsanspnicben in den Fällen berechtigt ist, in denen der Eigentümer eine juristische Person war, die ihre Rechtspersönlichkeit durch eine Verfügung na- {ionaLozialistischer Stellen verloren und nicht Avieder erlangt hat. Das zAveite Rückstellungsanspruchsgesetz, Avelches vom Nationalrat in seiner Sitzung vom 14. März 1951 beschlossen wurde, stellt für 4 Gruppen von Anspruchsberechtigtein, darunter die Religionsgesellschaften, die Erfüllung der in den erwähnten 3 Rückst eil ungsgesefzen enthaltenen Verheißung dar. Nach Inkrafttreten dieses Gesetzes AAerden die Israelitischen Kultusgemeinden, soweit sie bereits Avieder errichtet sind, berechtigt sein, die RticksfcLungsansprüche hinsichtlich jenes Vermögens zu erheben, das aufgelösten Israelitischen Kultusgemeinden, jüdischen Stiftungen und jüdischen Vereinen entzogen wurde. Die Israelitische Kultusgemeinde Wien Avird nach Inkrafttreten des 2. R ück s te 11 ungsan Spruch sgesef zes i m Rahmen dieses Gesetzes in den Besitz jener Liegenschaften gelangen, die bisher mangels Erlassung dieses Gesetzes von den Ariseuren im Riickstellungswege nicht zurückgefordert werden konnten. STOFFE KLEIDER FÜR DAMEN HERREN UND KINDER (föt uttd fieeUweet uoh* MoüQUcum Beüdet Ha&CC> Wi«n VII, MarlahllfaratraBa 90 Talephon: B 36 963, B 362 97

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