Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1951
- Issue
- Heft 46 (25.2.1951)
- Date
- 1951-02-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 6 DIE STIMME Nr. 46 Im Zeichen des MetallapbeMeihs und der Erziehungshrise BRIEF AUS ISRAEL Schon fast zwei W ochen dauert der Streik in der Metallindustrie. 300 Betriebe und 8000 Arbeiter arbeiten nicht mehr und der Schaden für den .Staat geht schon in die Hunderttausende von Pfunden. Unkalkulierbar ist der .Schaden finden Aufbau und vielleicht auch für die Sicherheit des Staates, besonders wenn man die Wichtigkeit der Metallindustrie in Betracht zieht. Der Streik brach aus, als Resultat der Forderungen der Arbeiter, die Löhne zu erhöhen. Die Industriellen erklärten, sie seien nicht gegen eine Lohnerhöhung, aber naturgemäß müßte eine solche gleichzeitig die Erhöhung der Preise ihrer Artikel mit sich bringen. Die Industriellen schlugen vor, die Frage einer Regierungs- Arbitrage zu übergeben, aber die Arbeiter sind damit nicht einverstanden und bestehen auf bedingungsloser Erfüllung ihrer Forderung. Als Antwort auf den Streik von 300 Arbeitern legten die Industriellen die Betriebe lahm, wodurch 7500 Beschäftigte ihre Arbeit verloren. Die Regierung schweigt und mischt sich in den Konflikt nicht ein, der sich von Tag zu Tag verschärft. Parallel zum Metallarbeiterstreik brach ein schwerer Konflikt in der Regierung aus und zwar betrifft dieser Wieder hört man in deutschen Landen die alte preußische Hymne „Deutschland, Deutschland über alles ..Es ist kaum zu glauben, aber die Sieger beginnen wie Besiegte auszusehen und die Besiegten scheinen als die wirklichen Sieger aus der von ihnen verschuldeten Weltkatastrophe hervorzugehen. Die Millionen Menschen, die fast 10 Jahre lang .Sol datenuni form trugen, um die Intierische Bestie zu zerschmettern, werden morgen die „Waffenbrüder“ dieser Mörder von Dutzenden von Millionen sein. Und ein trauriges Wetteifern zwischen „Osten" und „Westen“ beginnt : für den Osten wird auf einmal das Mördervolk Ostdeutschlands über jeden Tadel erhaben und für den Westen die deutschen Banditen Westdeutschlands. Und der kluge Adenauer scheint Mac Cloy und den anderen alliierten Hochkokommissaren einen Gefallen zu erweisen, wenn er sich herbeiläßt, mit ihnen zu verhandeln... . Die letzte Statistik beweist, daß sich die deutsche Industrie schnell entwikkelt und schon heute eine wichtige Position in Europa einnimmt. Der Zufluß von Kapital und Rohmaterialien, besonders aus den Vereinigten Staaten von Amerika, wird von Tag zu Tag größer. Der letzte Wiederstand der französischen Regierung gegen die Wiederbewaffnung von Westdeutschland wurde durch das Staatsdepartement gebrochen. In einigen Tagen werden deutsche Generale und Diplomaten der ehemaligen hitlerischen Wehrmacht in Paris als offizielle Gäste der französischen Regierung eintreffen. Zu dieser großen politischen Niederlage der Welt in dem „kalt-warmen Krieg“ zwischen Ost und West, kommt noch die größte moralische Niederlage, die die Welt je sah. Ein Volk von Mördern wird in die Völkerfamilie wieder aufgenommen, ohne irgendein Zeichen von Reue für ihre Greueltaten gegeben zu haben. Deutsche Hitlersoldafen werden die Verteidiger der bedrohten Zivilisation sein ... Erziehungsfragen und cs ist nicht ausgeschlossen, daß dieser neue Konflikt eine Regierungskrise hervorrufen wird. Die Erklärung des Unferrichtsministers Remez wegen der Form der Schulen in den llebergangslagern, rief die scharfe Gegnerschaft der Religiösen hervor. David Ben Gurion erklärte daraufhin öffentlich, daß ein Ablehnen des Regierungsvorschlages durch die Religiösen den Zerfall der Koalition mit sich bringen müßte. lind dies alles geschieht, -während die Wunden noch frisch sind, die Gräber kaum zugedeckt und Millionen Menschen noch die Zeichen der Verfolgung und Peinigung auf ihren Körpern tragen. Was müssen demgegenüber die Zehntausende Partisanen aller Völker und Rassen denken, die in ihrem gemeinsamen Kampf sich schworen, niemals mehr ein neues offenes oder auch geheimes Aufkommen der Nazibestie zu dulden 7 Was müssen sich dabei die Millionen Mütter denken, deren Tränen noch nicht getrocknet sind nach dem an ihren Kindern verübten Massenmord In Konzentrationslagern, auf den Schlachtfeldern und in Gaskammern 7 Für uns sind sie gleich — die Deutschen von Piek und Grote\vohl - und die Deutschen von Adenauer und .Schumacher. Wir kennen keine ideologischen Unterschiede in Beziehungen zu Mördern. Wir schauen mit Zittern auf die Welt von Moskau bis Washington, wenn wir sehen, wie Mörder in ihre alten Rechte wieder eingesetzt werden und wie die tiefsten Gefühle von Millionen mit den Füßen getreten werden, die noch glaubten, daß ihr Kampf auf den Schlachtfeldern, in den Wäldern und Bunkern nicht vergebens war. Die Stimme Israels. Wie einsam klingt die Stimme Israels, welches keine Gelegenheit versäumt, die Völker zu warnen, sie mögen nicht das Verbrechen begehen, das mörderische Deutschland wieder au f zu richten. Mosche Sharett, der Außenminister Israels hat in der Völkerversammlung in Lake Success die Gef ühle nicht nur Israels, sondern der gesamten Judenheit der Welt klar zum Ausdruck gebracht. Wir wissen, daß unsere Stimme nicht gewichtig genug ist, um in dem Rüst ungsw etfrennen zum neuen Weltsch lach,fen einen Einfluß zu haben. Kleine Staaten spielen überhaupt kei¬ Tn verschiedenen Kreisen unterstreicht man, daß der Mctallarheifersfreik mit der Erziehungskrise eng zusammen hängt. Es ist klar, daß im Falle einer neuen Regierungskrise, die folgerichtig zu neuen Wahlen führen muß, die MAPAI als Verteidiger der streikenden Arbeiter erscheinen will, während ein Einmischen der Regierung zu einer friedlichen Kompromißlösung führen würde. Auf einer Exekutivberatung der Histadruth (Allgemeine Arbeitergewerkne Rolle in dieser, zwischen den Großmächten auf geteilten Welt. Trotzdem wird die Stimme Israels nie verstummen und wir werden nie aufhören, zu verkünden, daß in der Völkerfamilie kein Platz für Mörder ist. Wir sind überzeugt, daß jede Etappe in Deutschlands Wiederaufrüstung eine Etappe zur Vernichtung des Friedens darstellt. Es erscheint vielleicht paradox, aber es ist eine bittere Wahrheit. daß der Schlüssel zum Frieden nicht im Weißen Haus oder im Kreml liegt, sondern vielleicht gerade in Berlin. Solang Deutschland zerschmettert daliegt und seine Industrie vernichtet ist, wird es noch möglich sein, eine gemeinsame Sprache zwischen Ost und West zu finden. Aber die Wiederherstellung Deutschlands als militärischen, politischen und wirtschaftlichen Faktor, bedeutet das Verschwinden der letzten Möglichkeit, den Frieden zu retten. Eines ist klar : Wenn man wirklich Krieg und Völkermord will, dann ist es richtig und sogar notwendig, dem Mördervolk seinen Ehrenplatz wiederzugeben. In diesem Deutschland, sowohl im Osten wie im Westen, wird man dann die raffiniertesten und geübtesten Mordspezialisten finden. Israel wird nicht aufhören das Gewissen der Welt zu wecken, sie möge die Wiederaufrüstung Deutschlands zunichte machen, um so den Frieden der Welt zu retten. Keine Verhandlungen mit den Mördern. Wieder erhob sich eine Polemik zur Frage der „Entschädigung“ von Deutschland. Natürlich gibt es wieder Menschen verschiedener Kreise, die mit „eiserner Logik“ behaupten : 1. Nicht alle Deutschen sind Mörder 2. Man muß von Mördern nehmen, was man kann. Es zahlt sich nicht aus, über diesen oder jenen Deutschen zu diskutieren, wir wissen genau, daß viele Deutsche ihrer liberalen oder sozialistischen Gesinnung wegen, von den hiflerischen Henkern umgebracht wurden. Das ändert jedoch nicht die Tatsache, daß das ganze deutsche Volk an der Vernichtung von Millionen Kinschaft) hat der Delegierte der Allgcmeinzionisfiischen Gewerkschaft „Haow ed Hazioni“, Herr Schaari, die ablehnende Haltung der Histadruth bezüglich der Uehergabe der .Schlichtung des Konfliktes an eine Regierungs- Arbitrage scharf kritisiert. Herr Jehuda Schaari hat seiner Verwunderung Ausdruck gegeben, daß die Mapai, die die Mehrheit in der Histadruth hat, kein Vertrauen zu den eigenen C hawerim iin der Regierung hat. Herr .Schaari unterstrich, daß mit dieser Einstellung der Histadruth das Prestige der Regierung, die eine Arheitermehrheit hat, untergräbt. Er betonte den schweren Schaden des Streiks für den Staat, besonders bei der jetzigen internationalen Lage. Der Redner forderte, daß sich beide Teile der Regierungs-Arbitrage unterwerfen und bis zum Bekanntwerden des Entschlusses die Arbeit wieder aufzunehmen sei. Der Leader des „Haowed Hazioni“ setzt seine Bemühungen fort, den Streik sobald als möglich zu beenden und seine Ausweitung auf andere Industrien zu vermeiden. ¥**Dieser Brief wurde vor Ausbruch der Regierungskrise geschrieben. dern, Frauen und Männern mitschuldig ist. Wir Juden müssen die Letzten sein, die Untersuchungen anstellen, um die guten Deutschen von den schlechten herauszufinden. Deutschland und die Deutschen müßten für Generationen friedlich arbeiten, um sich zu rehabilitieren. Statt dessen weisen alle Anzeichen darauf s hin. daß Deutschland wieder seinen alten preußischen soldatischen Weg i geht von „Deutschland, Deutschland j über alles“ .... j Der Fall Deutschland und die jüdi-! sehe Zerstörung hat nicht ihresgleichen in der Geschichte. Es gibt iin diesem Fall keinen Preis für Entschädi- ■ gütigen.!j Die Regierung von Israel und das I: jüdische Volk dürfen nicht den ge- |i ringsfen Kontakt mit Deutschland ha- I hen, unabhängig wer an der Spitze!i in Bonn oder Berlin steht. j. Die Argumente der „Fachleute“ wir \ könnten gute Devisen gewinnen, die Israel so sehr benötigt, dürfen nicht die Regierung und die jüdischen Fiih• \ rer verblenden. Es ist kein Geheimnis, wie schwel j die Lage in Israel ist, besonders im j Hinblick auf die internationale Lage.! Aber, was immer geschehen mag, von - Anialek wollen und werden wir nicht \ aulgebaut werden. Sollen individuelle Menschen tun, was Herz und Gewissen ihnen dik-; tiert, aber der jüdische Staat und die fj zionistische Bewegung darf nicht von zeitweiligen Schwierigkeiten oder sogenannnten „logischen Argumenten“ 1 mitgerissen werden. j Die Regierung von Israel und die I organisierte zionistische Weltbewe- I gung muß das Gewissen des gesainj ten jüdischen Volkes bleiben und vielj leicht auch de rWclt, die den Frieden j will. | Und wenn wir hören, wie die Töne j des mörderischen „Deutschland, I Deutschland über alles ...“ sich wie-; dererhehen, dann müssen wir Heberlebenden der großen Zerstörung ein i stilles Gebet flüstern und eingesehlosf sen In unseren Schmerz für immer geloben : Sechor ascher assa lecha ainalek — Gedenke was Amalck dir getan. ZENTRAL - PALÄSTINA - AMT FÜR ÖSTERREICH IN WIEN WIEN IX, FRANKGASSE 2 VERLAUTBARUNG Das Zentral-Palästinaamt in Oesterreich bringt hiermit allen Kandidaten für die AHjah zur Kenntnis, daß die Gebühren für das Umzugsgut in Oesterreich zu bezahlen sind und daß wir unter keinen Umständen Nachnahmezahlungen genehmigen können. Ergänzend zu unserer Veröffentlichung betreffend die Einfuhr ausländischer Valuten nach Israel, wonach das Familienoberhaupt jeder Familie bei der Auswechslung von 200 Dollar eine Prämie von 50"o bekommt, teilen wir mit, daß diese Prämie dahin erweitert wurde, daß jeder Oleh über 18 Jahre unter diesen Bedingungen 200 Dollar einführen kann. Zentral-Palästinaamt für Oesterreich „Deutfcldand, Deutscldcutd übet altee.. Von Sam Segal, Jerusalem