Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1951
- Issue
- Heft 45 (22.1.1951)
- Date
- 1951-01-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE STIMME Nr. 45 Israel-Besuche in London Von Robert Weltsch London, im Dezember Premierminister David Ben Gu rion ist nach dreiwöchigen Ferien in Griechenland, England und Süd Frankreich nach Israel zurückgekehrt. Ben-Gurion lehnte alle Fragen nach seiner angeblichen Konferenz mit britischen und anderen Diplomaten ab und erklärte, er habe seine l'erien im Auslande verbringen müssen, weil man ihn in Israel „nicht in Ruhe gelassen“ hätte. Obgleich die offizielle Israeli Lega tion ebenso wie Ben Gurions Fntourage nachdrücklich den gänzlich privaten Charakter dieser Reise betonte, gab es genug Leute, die lieber den umlaufenden Gerüchten Glauben schenkten, daß Ben Gurion in irgendeiner geheimnisvollen Mission nach England gekommen sei, und die Vermutungen der Rätselrater reichten von einer geplanten Zusammenkunft mit dem hier weilenden ägyptischen Außenminister bis zu Vermittlungsversuchen im internationalen Weltkonflikt. Wie gesagt, die große Mehrzahl der Menschen interessierte sich nicht für Ben Gurion, aber denjenigen, die sich dafür interessierten, schien es äußerst unglaubhaft, daß Israels Ministerpräsident in der Begleitung eines der gewandtesten israelischen Diplomaten nach England kommt, nur um eine Woche lang in Oxford Buchhandlungen zu besuchen. Es wird wohl erst eine gewisse Zeit vergehen müssen, bevor man überzeugt ist, daß wirklich kein Geheimnis dahinter steckt. Im übrigen scheint man auch in Israel selbst über diese plötzliche, vorher nicht angekündigte Reise des Ministerpräsidenten überrascht zu sein. Auch die Juden in den Ländern, die Ben Gurion besucht hat. waren verstimmt darüber, daß er nicht mit ihnen zusammentraf. So sehr diese Juden immer ihre politische Distanz zum Staat Israel betonen, so überwiegt doch im entscheidenden Moment das sentimentale Interesse, von prominenten Politikern Israels als zugehörig betrachtet zu werden. Unseres Erachtens scheinen sowohl die Kommentare als auch die Verstimmung unberechtigt. Erstens sollte man auch einem Politiker die Freiheit eines privaten Aufenthaltes und Beschäftigung mit geistigen Dingen gestatten. Zweitens aber, falls die Reise Ben Gurions wirklich geheime politische Ziele gehabt haben sollte, welches Interesse kann daran bestehen, di eses Geheimnis zu lüften? Es ist in dieser Zeit mit der sogenannten offenen Diplomatie schon genug Unglück angerichtet worden. * Während Ben Gurion in der Zurückgezogenheit von Oxford und Cambridge verblieb, kamen nach London offizielle Abgesandte von Israel, die auch von der englischen Oeffentlichkeit empfangen wurden. Zwei wichtige Delegationen sind gleichzeitig hier, die eine zu einem Freundschaftsbesuch, der die gegenseitigen Bande zwischen den beiden Ländern festigen soll, die andere zur Abwicklung harter Geschäfte, die in diesem Augenblick vor allem für Israels Wirtschaft bedeutungsvoll sind. Als Gegenbesuch für die Delegation der englischen Arbeiterpartei und Gewerkschaften, die im vergangenen Sommer in Israel war, ist jetzt eine repräsentative Mission der Histadruth in England eingetroffen. Schon nach einigen 'Lagen des Aufenthaltes hier haben die Mitglieder dieser Abordnung sich in bewegten Worten über das überwältigende Maß von Freundlichkeit und Sympathie geäußert, mit dem sie von der Fabour Party die ja die englische Regierungspartei ist empfangen worden sind. Jeden'Lag gab es spezielle Veranstaltungen, meist verbunden mit Besichtigung von Institutionen, mit Darbietung von lehrreichem Material, Inspektion von Fabriken, gemeinsames bissen mit vielen Reden, in denen die Superlative dev Wertschätzung und Bewunderung für die israelische Arbeiterschaft gar kein Ende nehmen. Fine Sturmflut von Freundschaftsbeweisen hat sich über die Histadruht-Delegafion ergossen, und manche ihrer Mitglieder waren überrascht von dieser Haltung, denn im Bewußtsein vieler Israelis sind die Reste der antibritischen Propaganda, die in den letzten Jahren des Mandates besonders in den Kreisen der Arbeiterschaft so um sich gegriffen hatte, noch vorhanden. Die englische Arbeiterpartei und die Gewerkschaften sehen in Israelis Flistadruth eine ihnen verwandte Institution, vielleicht die einzige aktionsfähige Arbeiterorganisation sozialdemokratischen Ursprungs im Vorderen Orient. Viele wünschen, daß die Gegnerschaft der Jahre 1945 1948 vergessen werde, und die Engländer sind Meister in der Kunst des Vergessens früherer Feindschaften. Die andere israelische Delegation, die in London weilt, ist eine Gruppe von Beamten des israelischen Finanz- Ministeriums, die gekommen ist, um mit dem britischen Schatzamt über die Freigabe eingefrorener Sterlimg- Guthaben für Israel zu verhandeln. Am 17. Dezember 1950 veranstaltete die Wiener Kultusgemeinde über Anregung eines ihrer Vorstandsmitglieder eine Feier im Stadt-Tempel, die dem Andenken des im Jahre 1890 verstorbenen Synagogensängers und Komponisten. Prof. Salomo S u 1 z e r galt, der vom Jahre 1826 bis 1881 — also 55 Jahre hindurch — als Kantor an der ältesten Synagoge Wiens wirkte. Die Gedenkrede für Sulzer hielt Herr Regierungsrat Oehler. Auf Grund zahlreicher Reminiszenzen entwarf der Redner ein anschauliches Bild von dem Leben und Wirken des Altmeisters, den er noch persönlich kannte, ln seiner auch historisch bedeutungsvollen Ansprache hob Herr Reg. Rat Oehler u. a. hervor : Schubert und Liszt zählten zu Sulzers begeisterten Verehrern. Am kaiserlichen Hof ward seine Sangeskunst viel bewundert. Kaiser Ferdinand, der einem Gottesdienst im Stadt-Tempel beiwohnte, war vom Gesang Sulzers und seiner ergreifenden Vortragsweise so begeistert, daß er ihm einen Bri.llantring verehrte. In zahlreichen Gemeinden galt als Voraussetzung für die Bestellung eines Kantors, bei Sulzer gelernt zu haben. Dieser Umstand veranlaßte auch Sulzer, seine Kompositionen zu veröffentlichen. Im Jahre 1838 erschien sein Werk unter dem Namen „S c h i r - Z i o n (Zionslied) u. gilt seither als Grundlage für den Gottesdienst zahlreicher jüdischer Ge- Fs ist das drifte Mal, daß solche Verhandlungen geführt werden, und an der Spitze der Delegation steht wieder der Direktor der israelischen Treasury, David Horowitz, dessen Ge Schicklichkeit in der Führung solcher Verhandlungen sich schon mehrmals bewährt hat. Die eingefrorenen Sterling-Guthaben aus der Kriegszeit sind freilich ein besonderes Problem für England; viele Engländer stehen auf dem Standpunkt, daß die Länder, die diese Guthaben angesammelt haben, eigentlich mehr zu den Kosten der gemeinsamen Verteidigung hätten beitragen sollen. Dies bezieht sich besonders auf Indien und Aegypten, die größten Gläubiger, während Israels Fall etwas anders gelagert ist. In jedem Fall sind die israelischen Sterling-Guthaben nicht mehr sehr erheblich, und das Interesse der israelischen Wirtschaft muß sich jetzt mehr der Frage zuwenden, für die Zukunft größere langfristige Kredite von England zu erhalten, um die Geschäftsverbindung zwischen den beiden Ländern, an der beide Seiten interessiert sind, aufrecht erhalten zu können. In diesem Zusammenhang hofft man, die Erleichterung von Investitionen englisch jüdischen Kapitals in Israel, die durch die englischen Währungsgesetze erschwert sind, erreichen zu können. „Schir-Zioit“ meinden, dies- und jenseits des Ozeans. Sulzer, der die uralten hebräischen Melodien den künstlerischen Anforderungen entsprechend rythmisierfe und harmonisierte, wurde hiedurch zum Schöpfer des zeitgenössischen S y n a g ogen ge s a n g e s. Als 22-Jähriger war Sulzer aus Hohenems in Vorarlberg im Jahre 1926 nach Wien zur Ein w eihungsfeier des Stadt-Tempels berufen worden und erregte bei dieser durch sein hohes Können die Bewunderung der Anwesenden, zu denen die höchsten Würdenträger des Staates, die prominentesten Persönlichkeiten des damaligen jüdischen Wien und darunter zahlreiche Künstler gehörten. Unermüdlich in seiner Fortbildung, gelangte er zu solcher Meisterschaft, daß ihn die Gesellschaft der Musikfreunde zum Professor für Gesang am Wiener Konservatorium ernannte. Zu dem großen musikalischen Können und lithurgischen Wissen Sulzers kam eine Stimme hinzu, von der Dr. Jellinek, der berühmte Wiener Rhetoriker, in seinem Nachruf sagt, es sei eine Stimme, die man in ihrer Höhe und Liefe, in ihrer Stärke und Zartheit kaum schildern könne, eine Stimme, die in das Innere des Herzens dringt, in den Augen Tränen der Trauer und der Freude hervorruft. Doch, so setzte Reg. Rat Oehler fort, als unvergängliches Verdienst Sulzers, muß die Tatsache verzeichnet werden, daß er ÖSTERREICHISCHE SAMENZUCHT ’JJ&to&CfoS&h' & C&0 WIEN I, GETREIDEMARKT 12 TELEFON A 33-0-91, B 22-0-65 Samanzucht-, Vermehrungs- und Vertriebsfirma, Samen-Großhandel Alle Arten Feld-, Gemüse- und Biumensämereien, Blumenzwiebel und Blumenknollen Eigene Samenzuchtbetriebe in: Gut Brunn, Post Bad Fischau, N.-ö., Gut Lindegg, Post Straß, Stmk., Eferding - Oberschaden, O.-ö. Gedenkfeier für Prof. Salomo Sulzer Verfasser des durch sein musikalisches Können die von den Reformfreunden gewünschte Einführung deutscher Gebete und Gesänge, weil als überflüssig empfunden, zunichte machte. Fr ermöglichte Manheimer die Beibehaltung der hebräischen Lithurgic und half diesem nach der Feststellung Ohajes im Stadt Fernpel eine Atmosphäre zu schaffen, in der die drei Jahrtausende jüdischer Geschichte fühlbar sind. Die Eliminierung des Hebräischen heim Gottesdienste, wie sie um jene Zeit nach deutschem Vorbilde vielfach auch in Wien gewünscht wurde, hätte beispielgebend gewirkt und zu einer kulturellen, sowie religiösen Katastrophe geführt. An der Begegnung dieser Gefahr, hat Sulzer redlich Anteil genommen, indem er durch seinen Schir-Zion gewissermaßen einen musikalischen „More-Newiichim“ einen Führer der irrenden Reformer uird irrender Imitatoren fremder Melodien für den Gottesdienst schuf. Die uralten, im jüdischen Volk und in der .Synagoge lebenden, im Laufe der Jahrhunderte vielfach verstaubten Perlen jüdischer Gesänge umgab Sulzer mit wundervollen Fassungen, deren Glanz das Herz erfreut bis auf den heutigen Tag. „Doch mehr als alle Worte vermögen“, so schloß Reg. Rat Oehler seine Gedenkrede, „besagen die Werke Sulzers; die Wiedergabe einiger seiner gesanglichen Schöpfungen mögen seinen Ruhm künden“. Find nun gelangten reiche Proben aus dem Schir-Zion zum Vortrage, die dem jugendlichen, ersten Kantor der Kultusgemeinde, Herrn Silber, Gelegenheit boten, seinen herrlieben Tenor zur Geltung zu bringen und sein kantorales Können unter Beweis zu stellen. Begleitet von dem wohlgeschulten Chor des Stadt-Tempels unter Leitung reinei Dirigenten, Herrn Lanzoni, wurden Sulzersche Ges,äuge aus der Sabbath- und Feiertagslithurgie in so exakter Weise zum Vortrag gebracht, daß die zahlreich erschienenen Festgäsfe einen erlesenen Genuß mit der Gewißheit verbinden konnten, 60 Jahre nach dem Tode Sulzers leben seine Werke und künden seinen Ruhm. Es ist eine ehrwürdige Tradition, die von der Wiener Kultusgemeinde im alten Glanz erhalten wird. WIZ O-Wien Internationale Zionistische Frauenorganisation veranstaltet am 24. Jänner 1951, um 20 Uhr, gelegentlich des Festes der Bäume, (Chanviseha-Assnr-B'schwat) unter dem Ehrenprotektorate der Frau Konsul Ada Fshel eine Feier im Kursalon, F, Stadtpark, zu welcher alle Freunde und Gesinnungsgenossen herzliehst eingeladen werden. Namhafte Kunstkräfte bestreiten das gewählte Programm der Akademie mit a lisch 1 ie ße n de m Tan z. Die WIZO-Wien widmet alle aus ihrer Tätigkeit aufgebrachten Erträgnisse der Aufbauarbeit der Wiy.o-Israel und der jetzt so dringlichen Fürsorge und dem Hilfswerk für die nach Israel einwandernden Frauen und Kinder. Tragen Sie durch Ihren Besuch und den Ihrer Freunde zu dem Gelingen dieses jüdischen Festes und dessen Ergebnis bei! Eintrittskarten bei den Wizo Mitgliedern, im Wizo-Bureau I. Seitenstettengasse 4 und an der , Abendkassa. Wizo-Wien, Internationale zionistische F r a ue n organ is a t i on Wien 1, Seitenstettengasse 4.