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Die Stimme · 1951-01-22 · Heft 45 (22.1.1951) · page 3

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Journal
Die Stimme
Volume
1951
Issue
Heft 45 (22.1.1951)
Date
1951-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 45 DIE STIMME Seite 3 Zum Joveljahr«... Keren Kajemeth Njrael Von Dr. Mayer Ebner I Der Keren Kajemeth 1‘Israel — in meiner mehr als halbhundertjährigen zionistischen Erinnerung lebt er mit seinem ursprünglichen Namen als „Jüdischer Nationalfonds“ —- hat seine 49 Dienstjahre hinter sich, und er tritt in das biblische Jubeljahr, welches auch den Sklaven befreite und den Boden dem ursprünglichen Besitzer zurückgab. Aber unser KKLvvill und wird seinem Herrn, dem jüdischen Volke, weiterhin in bewährter Treue dienen, und wir beglückwünschen ihn in tiefer Dankbarkeit zu seinem Werk - der längst geplanten Urbarmachung des wasserreichen Gebietes um den Hule-Sec herum. Ich stand sozusagen an der Wiege dieses so segensreichen nationalen Fonds, und in unauslöschlicher Erinnerung sind mir sowohl die Personen als auch die Vorgänge, an die sich ehe Idee der Errichtung unseres KKL knüpft. In der Jugend Erlebtes prägt sich tief in unser Gedächtnis ein — schon gar wenn es einer Sache gilt, die bestimmend wurde für unser ganzes [.eben. Mich hat 1897 nicht der Zufall einer Ferienreise nach Basel geführt der bekannte jüdisch-britische zum Zionisten gereifte Joseph Cowen hat so etwas freimütig gestanden — ich war als Delegierter des Zionvereines meiner Heimat nach Basel gekommen, und mit dieser Mission betraut, wurde ich als aktiver Chowewe Zionist. Wie armselig der damalige Zionismus war, mag daraus hervorgehen, daß im Paragraph 2 der Vereinsstatuten als „Zweck dei* Gründung“ angegeben war : ... „die landwirtschaftliche Besiedelung Palästinas durch arme, beschäftigungslose Juden“. Herzls „Judenstaat“ halte unsere morgendämmernde, hoffende Liebe entflammt, und mit schier messianiseben Vorstellungen folgten wir seinem Rufe nach Basel. II Neben Herzl und Nordau war die interessanteste Figur auf dem Kongress Hermann (Zwi) Schapira, außerordentlicher Professor — ausgerechnet an der Universität von Heidelberg, was allein uns jungen Akademikern in der Zeit Stöckers und Schönerem seltsam genug erschien. Ihn begleitete der Ruf, daß er ein russischer Jeschiwah-Bachur war, und daß ersieh mit dem Gedanken trug, dem Kongress die Gründung eines „territorialen Fonds“ vorzuschlagen. Dem Aeußeren nach war er ein hochbetagter Greis mit schneeweißem Haupthaar und ebensolchem Patriarchenbart. Ihn heg,leitete seine offenkundig viel jüngere stattliche Gattin, neben der er sich klein genug fühlen mußte. Er war in Wahrheit kaum ein Fünfziger, als er ein Jahr später zu unser aller Schmerz und, ohne daß er den Erfolg seiner Arbeit erlebt hatte, das Zeitliche gesegnet hat. In den Culoirs des Konrgesses sprach es sich schon am ersten Kongreßtag herum, daß Prof. Schapras Gedanken von Folgendem ausgeht : „Stellen wir uns vor, unsere Ahnen hätten bei ihrer Auswanderung ins Exii eine w enn auch noch so kleine Summe für künftige Zeiten gesichert, so würden wir heute damit größere Territorien erwerben können. Was unsere Vorfahren teils nicht gekonnt, teils versäumt haben, das sind wir zu tun verpflichtet, für uns und unsere Nachkommen.“ Damals hatten wir Jüngeren — wir waren Ln der Mehrheit -- noch die Logarithmen im Kopf, und wir rechneten aus, wie groß die Summe mit Zinsen und Zinseszinsen geworden wäre, wenn unsere Ahnen nach der Zerstörung des zweiten Tempels, eine kleine Geld¬ oder Geldeinheit in einer Bank notabene : in welcher 7 angelegt hätten. Die 12 Punkte des Schapira-Vorschlages sind in der oberwähnten Einleitung im Protokoll des ersten Kongresses enthalten. In diesem Vorschlag sind die Grundgedanken des KKL vorweggenommen. Gegen das von Schapiira in seiner Naivität eines Gelehrten vorgeschlagene Plebiszit, in Fragen der Abänderung der Statuten wurde in der Debatte abgelehnt. Schapira hat an eine Befragung des jüdischen Volkes gedacht. Das Piebiscit sollte nach dreimaliger Bekanntmachung mit Zwischenpausen von jeweils zehn Jahren (!) vorgenommen wurden. Aber geschadet hat dieses Kuriosum weder dem Gedanken noch dem Ansehen des gutherzigen Gelehrten ... Nordau sagte von Schapira, er habe in dem Programm-Ausschuß „seinen mathematisch geschulten klaren Kopf und sein von echt jüdischem Idealismus erfülltes Herz mitgebracht.“ Justizrat Bode n h e i m e r war der beredte Fürsprecher des Schapiraschen Vorschlages. Wir spitzten die Ohren, als er im Zusammenhänge mit diesem der „sogenannten Freilandkolonien“ Erwähnung tat. Daß der Träger dieser Ideen ausgerechnet Theodor Hertzka hieß, hat uns eigenartig berührt. Zu jener Zeit hat man über diese Parallel-Erscheinung viel gesprochen. Die Freilandbewegung hat Anhänger gefunden, es kam — soweit ich mich erinnere — zur Gründung von Kolonien irgendwo in Afrika, aber dann sind sie gewissermaßen in nichts zerronnen. Gläubige Juden sehen hierin einen Fingerzeig Gottes, — schon gar als unsere Kolonien in Erez Israel sich erfreulich entwickelten. III In der Nachmittagssitzung des dritten und letzten Kongreßtages kam auch unser Schapira zu Wort. Er sprach, kurz — nur wenige Minuten mit einer beispielgebenden Zurückhaltung. Die Augen von 200 Zuhörern waren mit Achtung und Liebe auf ihn gerichtet. Er beharrte keineswegs auf den Details seines Vorschlages, opferte leichten Herzens das von ihm für die Genehmigung von Abänderungen verlangte Plebiszit und bestand auf die Anerkennung seines „territorialen Fonds“, der niemals zu anderen Zwecken soll verbraucht werden dürfen. Er verlangte für ihn den Charakter eines „eisernen“ Fonds. Dr. Hermann Zwi Schapira der Gründer des Jüdischen Nationalfonds , fj ErstU assige Stolle und Zugehör, sowie , * beste Verarbeitung bilden die Grundlage der bewährten TELLERKLEIDUNG tu UaaplshäZi 98- 90 un 2 86 Wiener Tischlermeister Wi*n VI, Mariahilfer Straß« 31 Wien XV, Goldschlagitraße 73 Wien XV, Goldschlagstraße 65 / Höher schlug unser Herz, als Prof. Schapira in der Kulturdebatte der Gründung einer hebräischen Hochschule, die unser Kulturzentrum werden soll, das Wort redete. Schon vor 20 Jahren, als noch keine Spur von Kolonien in Erez Israel vorhanden war, hatte er diese Anregung gemacht, was man ihm als Schwärmer für eine Utopie angereebnet hat. Seine Rede wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. 21 Jahre später, gewissermaßen noch unter dem Donner der Kanonen, hat unser Weizmann den Grundstein zur hebräischen Universität gelegt. Ach! Wenn Schapira dies erlebt hätte! Seither sind viele Jahre verflossen, und uns einst Jungen ist es beschiieden worden, die Erfüllung unserer Träume und Hoffnungen zu erleben. Die Feier eines Jubeljahres stimmt besinnlich. Wie vite1 es haben wir in den 49 Jahren des Bestehens unseres territorialen Fonds (KKL) erlebt! Am Ende des Jahres 1919 betrug der Bodenbesitz des KKL, in Dunam gerechnet. 22,363. Heute ist er auf 2,160.000 gewachsen! Dieser Besitz ist eben der eiserne Fonds, von dem Prof. Schapira s. Z. geträumt hat, und wie viel Segen hat er unserem Lande gebracht! Mit Rührung denke ich an die kleinen Anfänge des KKL. Jahrzehnte mußten vergehen, bis er sich eine Art von Besteueruingsrecht, gleich dem des Keren Hayessod, anmaßen durfte. Bis dahin war er nur auf gelegentliche Spenden, bei Hochzeiten und sonstigen fröhlichen Anlässen, auf Baumspenden, auf Jiskor-Gelöbnisse und sonstige euphoristische „Nedorim" oder dgl. genannte Sammlungen angewiesen. Mit welcher Freude begrüßten wir die weißblauen KKL-Büchsen. Sic waren etwas ganz anderes als die noch in unserer brühen Jugend populär gewesenen „Chalukah-Puschkes“ (Büchsen). Nicht dem hoffnungslosen Alter galten sie, sondern einer in Erez Israel heranwachsenden, tapferen Jugend, die den Boden auch mit ihrem edlen Blute erlöste. Wenn wir auf unseren zahlreichen Wanderungen in Städten und Dörfern in jüdische Häuser kamen, suchte unser Blick die blauweißc KKL-Büchse, und wir freuten uns, daß sie so populär gewesen ist, wie in unserer frühen Jugend die Bilder von Moses Monfefiore, die in keinem Hause fehlen durften. Manche glauben, der KKL habe bereits seine Lebensaufgabe erfüllt und es sei für ihn die Stunde gekommen, wie sie jedem Sterblichen schlägt. Ich und viele sind der Meinung, daß unser Fonds noch in der Blüte seiner Jahre steht. Es harren neben der bereits erwähnten Urbarmachung des Hule-Bodcn noch ähnliche Aufgaben, und erst wenn die verkarsteten, kahlen Höhen und Berge von Israel sich mit immer grünenden Bäumen bedeckt haben werden, erst dann werden wir vom Geliebten tränenreichen Abschied nehmen. Erleben werden dies unsere Kindeskinder! Hotel Stefanie WIEN II, TABORSTRASSE 12 TELEFON R 48246 R 49 5 43 MODERNSTER KOMFORT TELEFON IN ALLEN ZIMMERN RESTAURANT GARAGE

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