Die Stimme
- Journal
- Die Stimme
- Volume
- 1950
- Issue
- Heft 43 (12.11.1950)
- Date
- 1950-11-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- •; ■ w**- f't’i. '. •■ w*. ■ ■ *i?r/*w< > *n. W*«SSS*. ■>.■**?iisjjpwuvs-Bsis*w;v*.* Nr. 43 DIE STIMME Seite 3 Interview mit dem Konsul Herrn ilrieh Eshel. Empfänseffir Konsul Arieh Eshel.!j ■1 Der neucrnannte israelische Konsul in Wien, Herr Arieh Eshel, hatte die Freundlichkeit, zwei Mitglieder unseres Redaktionskollegiums, die Herren Fritz Müller und Wolf Tischenkel zu empfangen und bereitwilligst beantwortete der Konsul die an ihn gestellten Fragen. Würden Sie» Herr Konsul, die Freundlichkeit haben, uns etwas über die zionistische Tätigkeit vor Ihrer Berufung nach Wien sagen? „Ich gehörte der Jugendbewegung „Kadimah“ in Berlin an, später den „Habonim“, das war im Jahre 1927. In den Jahren bis 1934 war ich Mitarbeitter des Hechaluz in Deutschland und Frankreich, von wo ich meine Alijah antrat. Ich wurde Mitglied des Kibuzz Giwath Brenner und anschließend betätigte ich mich bei der Haganah, mein Truppenkörper lag zu der Zeit im Süden des Landes. Nach den Unruhen in Bagdad wurde ich in die arabischen Länder gesandt, um in den Hauptstädten eine Haganah zu organisieren, bei dieser Tätigkeit wurde ich verhaftet und ausgewiesen. Bis Mitte des Jahres 1947 war ich ich Privat-Sekretär beim nachmaligen Außenminister Scharett.“ Was waren Ihre Funktionen in Buenos Aires? „Zuerst war ich Leiter der Sochnut und meine Aufgabe bestand darin, die Beziehungen des südamerikanischen Zionismus mit Jerusalem enger zu gestalten. Gleich nach der Entstehung der MedLnath Israel wandte ich mich der Jugend-Alijah zu und es gelang mir, 500 Jugendliche nach dem neuen Staat zu bringen, die sich, den israelischen Steeitkräften zur Verfügung gestellt haben. 1949 wurde ich Konsul in Buenos Aires und gleichzeitig erster Sekretär der Gesandtschaft.“ Glauben Sie nicht, daß es notwendig wäre, dem Privatkapital und der Privatinitiative mehr Anreiz zu geben und dadurch die Wirtschaft in Israel zu beleben? „Ich bin überzeugt, daß das Privatkapital in Israel berufen ist, eine große Rolle zu spielen, aber das ist nicht nur meine persönliche Ansicht, es ist auch die der Regierung. Das wird durch die Milliardenkonferenz in den Vereinigten Staaten deutlich zum Ausdruck kommen. Israel kann nicht allein durch pbilantropische, Kapital aufgebaut werden. Es ist eine Arbeitsteilung zwischen Privat- und Natioinalkapital notwendig. Die momentanen Schwierigkeiten in Israel werden nach und nach überwunden werden und dann wird das jüdische Privatkapital der ganzen Welt ein ideales Feld für Investitionen gefunden haben.“ Welche Möglichkeiten gibt es für österreichische Juden, die ihre Alijah an treten wollen, ihr Vermögen zu transferieren? „Wie Ihnen bekannt sein dürfte, haben Israel und Oesterreich ein Zah¬ Neueröffnet TAVERNE in Meierei Stüdtparh Meyerhofer am Klavier Gute Küche * Billige Preise lungsabkommen geschlossen, das, wie man mir berichtet, noch nicht ausgeniitzt wird. Im Rahmen dieses Zahlungsabkommens können Juden, die an Kapifalstiberführung interessiert sind, hier Sperr-Schillingc einzahlen, und sie erhalten dafür Israel-Pfunde zu ihrer Verfügung. Ich gedenke .mich in der nächsten Zeit mit der Frage intensiv zu befassen und sie zu studieren, wie es im Rahmen dieses Zahlungsabkommens möglich wäre, Kapitalsübertragungen und Warenaustausch zu intensivieren.“ Jene österreichischen Kapitalbesitzer, die bereit sind nach Israel zu gehen und die Absicht haben, ihr Kapital dort zu investieren, erleiden durch dem jetzigen Pfundkurs hohe Einbußen. Wie ist das zu vermeiden? „Es ist anzunchmen, daß mit der Erneuerung des sogenannten „Import ohne Zahlung“, besonders für Olim, die Möglichkeit besteht, ihr Kapital in vorteilhafterer Weise zu überführen.“ Welches sind Ihrer Meinung nach die Industrien, die in Oesterreich beheimatet sind, in Israel erwünsteht und Aussicht auf Erfolg haben? „Für die Maschinen-Industrie ist in Israel ein großes Zukunftsfeld, dann gibt es eine österreichische feinmechanische Industrie, die im Aufbau des Landes eine große Rolle spielen könnte.“ Der Zionismus in Oesterreich braucht neue Impulse. Was würden Sie empfehlen zu tun, um weite Kreise der österreichischen Judenheit dem zionistischen Gedanken näher zu bringen? „Zionismus bedeutet für mich positiv national-jüdische Gestaltung des Lehens und Strebens nach Israel. Wenn die zionistische Bewegung hier diete beiden Momente genügend in den Mittelpunkt stellt und es ihr da mit ernst ist, so glaube ich, daß dies eine hervorragende zionistische Propaganda wäre. Zionismus in Mitteleuropa ist ohne Alijah-Bereitschaft nicht vorstellbar. Es ist meine Meinung, daß die jüdische Bevölkerung Oesterreichs sich organisieren muß und es auch tun wird, wenn der Zionismus es versteht, konkrete Verbindungen mit Israel zu schaffen und kein müßiger Salon-Zionismus bleibt.“ Haben Sic» sehr geehrter Herr Konsul, die Absicht, sich in Oesterreich, aktiv zionistisch zu betätigen? „Der Staat Israel ist ein zionistischer Staat. Ich w'erde mich nicht In die internen Fragen einmischen, aber jede zionistische Partei oder Gruppierung kann der Hilfe des Konsulates sicher sein.“ Außenminister Sharett: In der jüngsten Generaldebatte der Vollversammlung der United Nations in Flushing hat auch Israels Außenminister Moshe Sharett 'das Wort zu einer großen Rede genommen, in der er Israels Politik gegenüber i den United Nations klar umriß und insbesondere auch die Frage der Aufnahme neuer Mitgliedsstaaten in die UN eingehend berührte : „Es gibt nur eine einzige Ausnahme, die meine Delegation hinsichtlich des Prinzips der universellen Teilnahme an der organisierten internationalen. Gesellschaft geltend machen muß. Diese Ausnahme betrifft Deutschland, West und Ost, wie auch andere Länder, in denen noch Regime am Ruder sind, ciie einst mit dem Nazismus verbündet waren. Israels Volk und die Juden in der Welt sehen mit Bestürzung. und Schmerz die schrittweise Wiederzulassung Deutschlands zur Familie der Nationen. Denn Deutschlands verabscheuungswürdige Taten bleiben bestehen, seine Schuld ist ungesühnt und sein Herz unverändert. Nach allen Berichten zu urteilen, ist der böse Geist des Nazismus noch immer vorhanden. Die Presse der Welt hallt wider von eisenstirnigen Erklärungen unverbesserlicher und reueloser Niedertracht auf Seifen neuer Apostel der wieder au flehenden Nazi-Doktrin. Das beunruhigende Wiedererschemen von Massenorganisationen von nazistischen Geistesgepräge kennzeichnet die Lage. Unter der dünnen Kruste scheinbarer Friedfertigkeit brennen vielfach noch die wilden Flammen des alten Hasses ... Das ,appeasememtt‘, das heute in beiden Teilen Deutschlands im Schwünge ist, ist ein Verrat an den Opfern, die für den Sturz des Nazismus gebracht wurden, und streut die Saatkörner neuer Angriffe und neuen Grauens aus. Die Gefahr ist jetzt handgreiflich, daß der einzige wirkliche Nutznießer der gegenwärtigen Weltkrise gerade dasjenige Land sein wird, das mit brutaler Gewalt den letzten Weltkrieg entfesselte, die friedliebenden Völker der Welt zwang, zur Verteidigung des Friedens und der Demokratie die Waffen zu ergreifen, und das direkt die Ursache dafür war, daß die United Nations eingesetzt wurden, um , in Zukunft solche Katastrophen zu verhüten. Die von Deutschland veranstaltete Menschenschlächterei mag sehr w ohl als ein Randkommentar für die Diskussion des ernsten Problems der Atomenergie dienen. Die Atombombe ist eine fürchterliche Waffe, und doch bedurfte es dieser Totalwaffe der Lebensvernichtung nicht, um mit kaltem Blute sechs Millionen Juden — Männer, Frauen und Kinder — und fast ebensoviel Angehörige anderer versklavter Völker hinzumorden. Krematorien, Gaskammern und einfache Füsilierungskommandos haben sich als ebenso wirksame Instrumente der Massenausrottung erwiesen wie die Atombombe.“ Aehnliche Töne wie von Israels Außenminister angeschlagen, wurden auch in einer großen, vom World Jewish Congress einberufenen Massenversammlung laut, in der Dr. Nahum Goldmann, Dr. Israel Goldstein, Dr. Leon Kubowitzki und Alex Easterrnan aus London sprachen. Kubowitzki. Vorsitzender des Generalrates des Das achte Rückstellungsgesetz. Ein Entwurf zum 8. Rückstellungsgesetz, welches die Miet- und Pachtrechte bezüglich der arisierten Wohnungen und Geschäftslokale betrifft, wurde im österreichischen Nationalrat ein gereicht. Weit entfernt, den berechtigten Wünschen der geschädigten Judenheit im Oesterreich zu entsprechen, sieht dieser Gesetzentwurf vor, daß eine Rückstellung nur dann zu erfolgen hat, wenn der ÄriEeur in eigener Person die Wohnung, bezvv. das Geschäftslokal im seinem Besitz hat und dieser Gesetzentwurf gibt dem Ariseur die größten Möglichkeiten, nachzuw7 eisen, daß er im den Besitz der Wohnung oder des Geschäftslokales ohne den Tatbestand einer Arisierung im Sinne dieses Entwurfes zum 8. Rückstellungsgesetz gekommen ist. Wir wollen hoffen, daß dieser Entwurf in dieser unzulänglichen Fassung nicht zum Gesetz erhoben wird, sondern, daß das große Unrecht, welches den österreichischen Juden durch die Enteignung ihres Privatbesitzes zugefügt wurde, eine gerechte Wiedergutmachung findet. Auf diesen Gesetzentwurf werden wir in einer unseren nächsten Nummern ausführlich zurückkommen. Aus Anlaß der Abreise des Konsul Dr. Lewin und der Ankunft des neu ernannten Konsuls Arieh Eshel, fanden mehrere Empfänge statt, darunter der des Magbith Mcuchedeth, der Poale Zion und die Begrüßungsfeier der zionistischen Mandatare der Israelitischen Kultusgemeinde. Dem scheidenden Konsul wurde der Dank für seine ersprießliche, oft schwere Arbeit in Oesterreich ausgesprochen. Dem neuen Konsul die besten Wünsche für seine kommende Tätigkeit. Herr Konsul Eshel ergriff das Wort und erklärte, daß er nicht nur als diplomatischer Vertreter nach Wien gekommen sei, sondern als Scheliach des Volkes Israel. Seit 40 Jahren wirken wSchelichim in der jüdischen Welt und diese Schelichim sind auch in der Zukunft nicht gewillt, auf das Ringen um die jüdische Seele zu verzichten. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß seine Hauptarbeit in der Erteilung von Einreisevisen bestehen wird. Gleich nach den ersten Worten war es fühlbar, daß zwischen der Wiener Judenheit und dem neuen Konsul ein gutes Einvernehmen bestehen wird. Wir wünschen Herrn Konsul Eshel viel Erfolg in seinem neuen Wirkungskreis zum Wohle Israels und unserer jüdischen Mitbürger 1 World Jewish Congress, der eigens aus Israel zur Versammlung herüberkam, führte aus : „Solange die Deutschen nicht aufrichtig ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit bereut haben und nicht großzügige Anstrengungen machen, d/ie Opfer des Nazismus zu entschädigen, so lange sollte Deutschland von der Judenheit als Paria angesehen werden.“ Kubowitzki forderte alle Juden auf, Deutschland zu verlassen und brandmarkte jene Juden, die wieder ihren permanenten Wohnsitz in Deutschland aufgeschlagen haben, in jenem Lande, „das gestern noch das Schlachthaus für 6 Millionen Juden gewesen ist“. Weiter verlangte er von allen jüdischen Organisationen in der Welt, daß sie jede Beziehung zu den ständigen jüdischen Gemeinden in Deutschland abbrechen sollten.“ Das „Härteausgleichsgesetz“ gefal en. Wir erfahren, daß der Entwurf des „Härteausgleichsgesetzes“ zurückgezogen wurde. Wie erinnerlich, fand am 30. /August eine große Protestversammlung der Israelitischen Kultusgemeinde statt, in welcher die Zurückziehung des Entwurfes für dieses Gesetz gefordert wurde. Nunmehr ist es der energischen Intervention des früheren amerikanischen Hochkommissarrs für Oesterreich, Generalleutnant Keyes zu danken, daß d/eser berechtigten Forderung der österreichischen Judenheit statfgegeben wurde. Gleichzeitig wurde von einer Novellierung des 3. Rückstellungsgesetzes Abstand genommen. Der gufe formschöne SWOBODA- Allesbrenner Trotz Lohn- und Materialpreiserhöhung werden unsere Preise nicht erhöht Wien XVIII.j Jörgerstraße 10